Make Hummus Not Walls

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Freitag, 27. Dezember 2013

Weihnachten in Jerusalem und: Weihnachten in Bethlehem

Der große Weihnachtsbaum in Bethlehem; dahinter die Geburtskirche


Shalom chaverim,

Dieses Jahr Weihnachten war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Erlebnis: einerseits war es mein erstes
Weihnachten, das ich nicht zu Hause verbracht habe und wäre ich nicht ständig von Leute umgeben und permanent auf Achse gewesen, hätte ich wahrscheinlich starkes Heimweh gehabt. Andrerseits habe ich es auch nicht irgendwo verbracht: nach der Christmette in der Erlöserkirche in Jerusalem und dreistündiger Wanderung ins Westjordanland, kamen wir um drei Uhr nachts tatsächlich genau an dem Ort an, an dem Jesus wohl vor über 2000 Jahren geboren wurde: Bethlehem.

Am Morgen des 24. gab es per Skype eine Bescherung mit meiner Familie – die Geschenke aus Israel auspackte, die ich erst wenige Tage zuvor meiner Freundin mitgegeben hatte. Übrigens hatten wir vom Projekt noch eine Plastiktanne bekommen, sodass unser Zimmer im letzten Moment doch noch etwas weihnachtlich geworden war.

Als Judith und ich in Jerusalem ankamen, bezogen wir unsere Betten in einem Hostel im Muslimischen Viertel, wo wir noch nie zuvor übernachtet hatten. Die meisten anderen Hostels waren schon belegt und Jerusalem – im Gegensatz zu der Woche davor – so, wie man es kennt: voll und laut. Das christliche Viertel war stark geschmückt und es lief laut Weihnachtsmusik. Einige Christen, die man auf den Straßen traf (vor allem aber wohl deutsche Volontäre J), trugen Nikolausmützen und so wurde uns alle paar Minuten ein freundliches „Merry Christmas“ entgegen geschleudert. (Im Hebräischen gibt es übrigens keinen Ausdruck für Weihnachten.)

Mit ein paar Freunden gingen wir in der Jerusalemer Neustadt in einem schönen Restaurant essen. Ein paar von ihnen hatten die begehrten Karten für den deutschen Weihnachts-Gottesdienst in der Erlöserkirche bekommen; wir zählten nicht zu den glücklichen. Da die Messe in der Dormitio-Abtei, die wir uns rausgesucht hatte, erst um 24:00 Uhr beginnen sollte, begleiteten wir die anderen und wurden spontan noch auf die wenigen freien Plätze in der Erlöserkirche gesetzt. 
Auf dem Weg nach Bethlehem
Nach der Messe um 24:00 begann dann das eigentliche Highlight des Tages: die Wanderung der deutschen Gemeinde Jerusalems nach Bethlehem. Hätte sie wenige Tage zuvor stattgefunden, hätte sie wahrscheinlich wegen des Wetters abgesagt werden müssen; glücklicherweise gab es aber nur noch vereinzelte Schneeberge und es war auch nicht wirklich kalt. Der Pfarrer der Erlöserkirche lief mit einem Holzstern voran und wir hielten mehrfach an, um deutsche Weihnachtslieder zu singen. Vor allem das Lied „Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg…“ zu singen, war ein besonderes Erlebnis; man kennt es schon seit der Kindheit, allerdings hat es für mich jetzt eine völlige neue Bedeutung und wann immer ich es hören werde, werde ich an die Wanderung zurückdenken. Ein Erwachsener, der zur Gruppe dazugehörte, schenkte zweimal Arak aus, einen in Israel sehr verbreiteten Anisschnaps, der schön wärmte. Der Weg (knapp 10 km lang) führte entlang der Stadtmauer über die Verbindungsstraße nach Bethlehem, die ich schon mehrfach mit dem Bus entlang gefahren war. Kurz vor Bethlehem kam der Checkpoint, den ich zum ersten Mal zu Fuß passierte. Es dauerte allerdinge nicht lange – raus aus Israel kommt man ziemlich einfach, das Zurückkommen ist eher das Problem. Um Bethlehem herum liefen wir ein Stück an der Separation Wall entlang, die zur friedliche Weihnachtsatmosphäre so gar nicht passte. In Bethlehem war ziemlich viel los, es gab auch ein paar Stände, die noch geöffnet hatten und überteuerten Glühwein anboten. In der Geburtstkirche angekommen hatten wir eine kleine Andacht, beteten und sangen noch einmal gemeinsam.



 
Kontrastreiches Bethlehem: neben den
geschmückten Straßen und Häusern sahen
 wir auch wieder die Separation Wall



Wir alle waren ziemlich müde, aber total froh, in Bethlehem zu sein und die Stimmung, die dort herrschte, mitzuerleben.


Der Weg – entlang an einer Schnellstraße, durch einen Checkpoint und vorbei an der Separation Wall - war längst nicht so idyllisch, wie sich ihn manch einer vielleicht vorgestellt hatte. Der Pfarrer in der Geburtskirche erklärte uns, dass aber vielleicht gerade das mit zu Weihnachten gehört: denn auch Joseph und Maria, die vor über 2000 Jahren nach Bethlehem gekommen waren, hatten eine strapaziöse Wanderung hinter sich und keinen Sonntag-Nachmittag-Spaziergang.

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