Make Hummus Not Walls

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Montag, 31. März 2014

Nochmal Purim oder: Ein merkwürdiger jüdischer Brauch

Adlojadah in Tel Aviv
Shalom chaverim,

erst einmal ein Nachtrag zum letzten Post: wenige Stunden, nachdem ich ihn veröffentlicht und meinen Überdruss gegen Purim geäußert hatte, beschloss unser House Manager, mit den Friends doch zu der Purim-Parade in Ra’anana zu gehen. Es war allerdings erträglich, schließlich hatte anscheinend ganz Ra’anana genug von Purim und nur die wenigsten waren verkleidet.

Aviva und ich in Tel Aviv
Einer Freundin zu Liebe bin ich auch am Tag danach zu einer weiteren Purim-Veranstaltung gegangen – diesmal aber wirklich die letzte. Alle Veranstaltungen um Purim werden übrigens als Adlojadah bezeichnet. Auf Deutsch übersetzt bedeutet es Bis man nicht mehr weiß; Juden sollen an Purim nämlich trinken, bis sie nicht mehr klar denken können.
Die wegen schlechten Wetters um eine Woche verlegte Street Party in Tel Aviv war allerdings längst nicht so exzessiv, wie man jetzt vielleicht denken würde. Sie fand auf einer großen Grünfläche mitten in der City statt. Familien mit Kindern und Jugendliche unseres Alters waren gleichermaßen verkleidet, um die Wiese herum gab es Stände, an denen man Zuckerwatte und Getränke kaufen konnte. Insgesamt herrschte also eine Kirmes-ähnliche Atmosphäre. In der Mitte des Platzes gab es ein riesiges Pult, an dem Musik aufgelegt wurde, die sicherlich in ganz Tel Aviv zu hören war.
Eines der beliebtesten Kostüme war übrigens das eines Ultraorthodoxen: viele Leute trugen schwarze Mäntel und eine Kippa mit daran befestigten synthetischen Schläfenlöckchen. Die Verkleidung sah so überzeugend aus, dass ich mich am Anfang wunderte, warum dermaßen viele Ultraorthodoxe plötzlich durch Tel Aviv liefen….


Adlojadah in Tel Aviv


Teiche von Behtesda
Beim Übertragen, Löschen und Sortieren all der Fotos der letzten Wochen bin ich auf ein paar sehr schöne aus Jerusalem gestoßen, die ich Euch selbstverständlich nicht vorenthalten möchte.
In der Jerusalemer Altstadt war ich nun wirklich nicht das erste Mal, allerdings war die Besichtigung zusammen mit meiner Tante vor über drei Wochen auch für mich sehr interessant, weil sie von Geschichte, Architektur und Kunst deutlich mehr Ahnung hat als ich und meine lieben Volontärs-Freunde.
Außerdem gibt es in der Altstadt – und dass, obwohl sie nur einen Quadratkilometer groß ist – auch für mich noch so einiges zu entdecken: neu waren für mich zum Beispiel das St Anna-Kloster , an dessen Standort das Haus der Eltern Marias gestanden haben soll und die daneben liegenden Ausgrabungen an den Teichen von Bethesda. Hier hat Jesus am Shabbat wohl einen Gelähmten geheilt.




Übergang vom Muslimischen zum Jüdischen Viertel;
Souq in der Altstadt; Maria-Magdalenen-Kirche

Ein paar Meter weiter liegt ein muslimischer Friedhof, von dem aus man einen christlichen und einen jüdischen Friedhof überblickt. Typisch Jerusalem!

Oben: Muslimischer Friedhof mit Blick auf Christlichen
und Jüdischen Friedhof sowie auf Maria-
Magdalenen-Kirche undKirche der Nationen;
rechts: Palast Serai el Sitt Tunshuq
 im Muslimischen Viertel



Dienstag, 18. März 2014

Purim oder: Purim

Die Purim-Hüte der Friends

Shalom chaverim,

momentan ist die Lage in Israel leider mal wieder recht unruhig: Letzte Woche sind in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag über 60 Raketen vom Gaza-Streifen über die Grenze geworfen worden. Dementsprechend wird man im Alltag wachsamer und als vor ein paar Tagen vor unserer Tür das Geräusch von kleiner Explosionen zu hören war, bin ich doch etwas aufgeschreckt. Aber es gibt Entwarnung: Der Lärm kam von Feuerwerkskörpern, die Jugendliche anlässlich Purim anzünden.

Zirkus-Show in Beit Perry
Der eigentliche Feiertag war am Sonntag, allerdings wird auch die Tage davor und danach ordentlich gefeiert, unverkennbar sind die Parallelen zum deutschen Karneval. Heißt konkret: Kostüme und jede Menge Alkohol.
Völlig ohne Alkohol verlief natürlich die Purim-Feier in Beit Perry. Die Friends durften sich aus einem riesigen Vorrat an Accessoires Hüte und anderes Gedöns aussuchen. Die meisten Friends aus dem Blue House wurden zu Cowboys, aber auch die Nikolaus-Mütze war relativ beliebt. Den Friends, deren Eltern sehr religiös sind, haben wir sie aber schnell wieder abgenommen und ausgetauscht….
Zur Feier des Tages gab es eine kleine Zirkus-Show: die Friends sollten mitmachen, versuchten (!) den Hulla-Hoop-Reifen  zu schwingen, tanzten den Entchentanz und bestaunten Akrobatik-Nummern, teilweise sogar mit Feuer.
Die meisten Eltern waren gekommen und nach der Show gab es Sandwiches mit vegetarischen Würstchen, die genauso ekelig schmecken, wie man es sich vorstellt. Die Friends allerdings freuten sich riesig und Judith und ich wunderten uns wieder einmal, warum sie das unattraktivste Essen am leckersten finden.


Purim-Party in Ramat HaSharon

Am Abend fuhr ich nach Tel Aviv, wo ich mich mit ein paar Freunden traf, um mit ihnen zu einer Purim-Party zu gehen.  Dabei blieb es allerdings nicht, denn auch am Samstag und – natürlich – am Sonntag, gingen wir zu Purim-Partys, sodass ich langsam wirklich keine Lust mehr habe, mir das Elfen-Kostüm anzuziehen, das wir aus dem Kostüm-Vorrat der Friends ausgeliehen haben.

Als wir gestern Nachmittag in Tel Aviv waren, liefen dort auch alle verkleidet rum, Erwachsene wie Kinder. Beim Zumba war es nicht besser uns so langsam weiß ich wirklich nicht mehr, ob ich die Motivation finde, zu der vom letzten auf den kommenden Freitag wegen schlechten Wetters verlegten Purim-Parade in Tel Aviv zu gehen. Purim wird man genauso schnell überdrüssig wie Karneval! 


Selbst das Fahrrad, die Bank und der Mülleimer
bekamen ein Purim-Kostüm: Wolle

Samstag, 15. März 2014

Von geschlossenen Parkhäusern, der Festung Masada - und einem Kamel

Am Strand von Ein Gedi

Shalom chaverim,

gerade sitze ich draußen bei strahlenden Sonnenschein mit meinem Laptop auf den Beinen, allerdings nicht zu weit vom Fenster entfernt, denn sonst reicht das Kabel fürs Internet nicht. In Beit Perry gibt es zwar auch Wifi, aber es weiß wohl niemand das Passwort. Aber so geht es auch.

Nach unserer Übernachtung in der Camplodge machten Julia und ich uns schon früh auf den Weg und fuhren ins nur wenige Minuten entfernte Masada. Masada ist ein Nationalpark und wurde 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt – wie so vieles hier in Israel.
Masada liegt in der judäischen Wüste, inmitten der Sodomsberg, das Tote Meer in Sichtweite.

Die Festung Masada mit Blick auf die Sodomsberge

Als die Römer nach und nach Judäa eroberten, war Masada 73 n. Chr. die noch letzte stehende Festung. Nach mehrere Monate andauernder Belagerung beschlossen die 960 Bewohner Masadas, sich lieber umzubringen, als unter römischer Herrschaft als Sklaven gehalten zu werden. Vorher allerdings zerstörten sie die Festung und ihre Schätze, nur Lebensmittel ließ man noch, man wollte den Römern zeigen, dass sie freiwillig den Tod gewählt hatten und nicht verhungert waren.
Die Juden schauen stolz auf Masada, für sie ist es das Symbol der Freiheit schlechthin.

Die Festung liegt auf einem Plateau, das man entweder hinaufwandern kann oder alternativ mit einer Gondel erreicht, was sich vor allem bei der in der Wüste nun einmal herrschenden Hitze empfiehlt.
In der Festung findet man zwei Paläste, den Nordpalast und den Westpalast, die sich beide Herodes hat errichten lassen. In dem römischen Badehaus sieht man Kalt-, Warm- und Heißbereiche, die zeigen, was für ausgeklügelte Systeme schon damals verwendet wurden. 
Nachdem die Römer Masada verlassen hatten, diente es eine Zeit lang als byzantinisches Kloster, weshalb in der Mitte des Plateaus auch eine entsprechende Kirche steht.




Die Gondel zum Plateau, Bodenmosaike in einem Haus für
Soldaten, Blick auf Gesteinsformationen

Masada gehört zu den Zielen, die jeder Israel-Reisende besucht. Das Plateau ist voller Reisegruppen, die nach der Besichtigung gerne bei McDonalds einkehren, das es tatsächlich auch in Masada gibt. Fährt man mit der Gondel hinunter, landet man in der Restaurantzeile, passiert vorher die Läden mit Kosmetikprodukten vom Toten Meer. Bis man aus diesem Gewirr einmal den Ausgang gefunden hat, hat man im Zweifel schon Hunger bekommen und läuft damit geradewegs in die Touristenfalle.
Von Masada aus fuhren wir mit dem Auto weiter am Toten Meer entlang, hielten in manchen Kurorten und staunten immer wieder darüber, wie viele Palmen und Blumenbeete dort errichtet worden waren – in einer ansonsten extrem trockenen Landschaft. Entlang der Küste wechseln sich Spas, Salzfabriken und Hoteldörfer ab, sodass manchmal der Blick in die andere Richtung, auf die scheinbar unberührten Sodomsberge, angenehmer ist.
Am Strand von Ein Gedi – einer der wenigen Strände, für den man keinen Eintritt bezahlt – legten wir eine Pause ein. Das Bad im Toten Meer war einerseits angenehm erfrischend, aber auch unangenehm: die Steine im Wasser sind alle von Salz überzogen, was zwar toll, kristallartig aussieht, aber an den Füßen ganz schön wehtut. Auffallend war, dass einige Menschen mit Schlamm eingeschmiert herumliefen. Zuerst dachten wir, sie hätten ihn in einem der Touristenbuden gekauft, bis auch wir die Kuhle mit einer schwarzen Pfütze entdeckten, in dem er natürlich vorkam.
Julia meinte am nächsten Tag, ihre Haut fühle sich tatsächlich weicher an, ich führe das allerdings eher auf die Steinchen zurück, die sich im Schlamm befinden und einen Peelingeffekt haben.

Julia im Toten Meer

Erst ziemlich spät kamen wir am Abend – es war mittlerweile Shabbat – in Jerusalem an. Auch nach über sechs Monaten in Israel werde ich immer wieder überrascht: einerseits waren da natürlich die Ultraorthodoxen, die gerade an der Klagemauer den Shabbat eingeleitet hatten und sich nun auf den Rückweg nach Mea Shearim machten:  sie schauten ziemlich böse durch die Fensterscheiben in unser Auto – am Shabbat darf man laut Thora schließlich kein Auto fahren. Schön und gut, ziemlich schockiert war ich allerdings, als wir von Parkhaus zu Parkhaus fuhren und feststellen mussten, dass in Jerusalem am Shabbat auch die Parkhäuser nicht benutzt werden können! 

Auf unserem Weg nach Jerusalem, der einen am Toten Meer entlang übrigens auch kurz durch palästinensisches Gebiet bringt, haben wir angehalten, um Obst zu kaufen. Da wir erkennbar Touristen waren, war das Obst entsprechen teuer, wir konnten allerdings Bekanntschaft mit ihm hier machen: 


Stadt, Land, Wüste oder: Von Tel Aviv in die Berge

In Neve Tzedek, einem Stadtteil von Tel Aviv

Vor der Skyline von Tel Aviv,
man beachte Laras kurze Hose...
Shalom chaverim,

während des Seminars war so ziemlich die Hälfte der Mädchen erkältet, hatte Ohren, Mandel oder Nasennebenhöhlen entzündet und lief entsprechend warm gekleidet herum. An das Wetter hatte man sich schließlich schnell gewöhnt und mittlerweile frieren wir schon so schnell wie die empfindlichen Israelis. Als Lara dann kam, wurde uns noch einmal bewusst, wie absurd es für einen nicht in Israel Lebenden sein muss, lauter Menschen zu sehen, die auch bei 20° mit Schal rumlaufen. Lara auf jeden Fall ging da ganz ins andere Extrem: sie war begeistert von den sommerlichen Temperaturen und lief ständig mit kurzer Hose rum. Zusammen gaben wir wahrscheinlich ein komisches Bild…



Die St. Peter-Kirche in Jafo, eine Kunstgalerie auf dem Rothschild
Boulevard, Gebäudekomplex um die ehemalige Busstation von
Tel Aviv, heute ein kleines Einkaufszentrum

Laras letzten Tag in Israel verbrachten wir in Tel Aviv, wo wir zuerst über den Flohmarkt in Jafo schlenderten und später die übliche Touristen-Route in der Innenstadt abliefen. Zwei Stunden nachdem sie zum Flughafen aufgebrochen war, machte auch ich mich auf in die selbe Richtung: dort nämlich erwartete mich meine Tante Julia.
Zusammen fuhren wir mit dem Mietwagen – ehrlich gesagt auf so manchem Umweg, schließlich war ich zum ersten Mal für längere Zeit in Israel mit einem Auto unterwegs und war entsprechend schlecht im Kartenlesen – durch die Wüste bis nach Arad. Die Stadt ist sehr grün, voller Parks und Blumenbeete und sieht eigentlich aus wie die meisten israelischen Städte. Der Kontrast zur Umgebung ist ziemlich frappierend: um die Stadt herum ist schließlich trockene Wüste, durch die Beduinen mit ihren Schafsherden ziehen und nicht selten die Straßen blockieren.
Vom östlichen Stadtrand aus hat man einen tollen Blick auf die Wüste und – wäre das Wetter entsprechend gewesen – auch aufs Tote Meer.


Blick vom Plateau auf die Wüste, weiter auf dem Steg habe
ich mich allerdings nicht getraut...

Übernachtet haben wir in einer Camplodge südlich des Toten Meeres. Um ein Lagerfeuer herum befinden sich lauter kleine Holzhütten, in denen man bis zu fünft schlafen kann, aber auch große Beduinenzelte für Backpacker. In der Lodge herrscht eine tolle Stimmung: es wird gegrillt und Gitarre gespielt, um einen herum die Wüste.


Freitag, 14. März 2014

Unterwegs auf Jesu Spuren oder: Nazareths Kirchen und Kuchen

Das Salesianerkloster in Nazareth

Shalom chaverim,

schon während des Seminars war meine Freundin Lara aus Deutschland dazu gestoßen und hat sich Haifa angeschaut, während es für uns weiter im Programm ging. Mit ihr zusammen bin ich nach Ende des Seminars nach Nazareth gefahren, um – natürlich – Nazareth zu besichtigen, aber auch Rebekka zu besuchen, die dort im Fauzi Azar, einem sehr schönen Hostel in einer 200 Jahre alten arabischen Villa, gearbeitet hat.

Innenhof des Fauzi Azar
Wie der aufmerksame Blogleser weiß J, war ich vor ein paar Monaten schon einmal in Nazareth, aber bei diesem längeren Besuch habe ich noch viel mehr zu sehen bekommen: ein modernes Kulturzentrum, die weiße Moschee, die griechisch-katholische Synagogenkirche, in der Jesus als Kind schreiben und lesen gelernt hat und die Mensa-Christi-Kirche, an deren Standort Jesus nach der Auferstehung mit seinen Jüngern gespeist haben soll. Um diese Kirche besichtigen zu können, muss man bei den Nachbarn klingeln und bekommt gegen etwas Geld den Schlüssel ausgeliehen. Nazareth ist auch ansonsten weniger touristisch, als man es erwarten würde: es gibt zwar jede Menge geführte Reise-Gruppen, die von einer Kirche zur nächsten hetzen und zwischendurch auf dem Souq ein Holzkreuz kaufen, aber ansonsten gibt es wenig touristische Infrastruktur. Kein Wunder, schließlich halten Reise-Gruppen in der arabischen Stadt nur kurz an, übernachten allerdings immer deutlich weniger attraktiven – dafür aber nicht arabischen – Tiberias.

Ein Teil der oben genannten Sehenswürdigkeiten gehört zum Jesus Trail, einer circa fünftägigen Wanderroute, die einen von Nazareth über Zippori, den Berg Tabor und Tabgha nach Kapernaum führt. Man wandert so entlang der Orte, an denen auch Jesus sich aufgehalten hat. Das Motto lautet dementsprechend „Jesus ist nicht im Bus gereist, sondern zu Fuß marschiert.“
Wir sind ehrlich gesagt nur den ersten Teil der ersten Etappe gelaufen, der Trail steht aber ganz oben auf der Liste der Dinge, die ich noch machen möchte.
Ziemlich steil ging es also durch die Gassen der Altstadt vorbei an christlichen und muslimischen Häusern, das Zusammenleben scheint hier gut zu klappen. Oberhalb von Nazareth befinden sich das Salesianerkloster, an dessen Standort einst der Tempel stand, in den Jesus als Kind regelmäßig kam. Zu dem Kloster gehört heute eine große Schule, in der Waisen unterrichtet werden und deren Konzept es ist die Kinder durch Bildung aus ihrer unglücklichen Lage zu befreien.

Nazareths Kulturzentrum

Von dort oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Nazareth ist allerdings nicht nur bekannt für all die Sehenswürdigkeiten, sondern auch für seine Süßigkeitenläden. Da wir beschlossen hatten, ab dem nächsten Tag zu fasten – es war der Dienstag vor Aschermittwoch – aßen wir also Unmengen an Kuchen und hatten tatsächlich die nächsten drei Tage nicht mehr das Bedürfnis, irgendetwas Süßes anzufassen.

Anstatt noch mehr von Nazareth zu erzählen, möchte ich lieber ganz viele Bilder zeigen:


In Nazareths Altstadt
Plakat in der Klosterschule

Das Fleisch hängt so auf der Straße, die Mensa-Christi-
Kirche, Lara und ich auf dem Jesus Trail
Deckenmalerei im Fauzi Azar

Markierungen für den Jesus Trail, Blick auf Nazareths
Altstadt, Rebekka und ich vor der Verkündigungskirche

Basteln in Ein Hod oder: Purim in Beit Perry

Marionette in einer der Werkstätten von Ein Hod

Shalom chaverim,

Am vorletzten Tag unseres Seminar stand ein Ausflug in das Künstlerdorr Ein Hod an. Ein Hod wurde 1953 vom Künstler Marcel Janco gegründet, der aus der ehemaligen Sowietunion emigrierte und den Dadaismus mit nach Israel brachte.
Das Dorf war allerdings vorher schon einmal bewohnt gewesen: von Arabern, die im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 fliehen mussten. Ein großer Teil der Bewohner des Flüchtlingscamps in Jenin stammt ursprünglich aus Ein Hod. Dort wurde uns erzählt, die Araber seien vertrieben worden, in Ein Hod selber hieß es, die Araber hätten Angst gehabt und seien davon gelaufen…

An sich ist Ein Hod ein sehr hübscher Ort und toll an den Hängen des Mount HaCarmel gelegen. Im Dorf und drum herum gibt es zahlreiche Zitrusbäume, deren Duft ständig in der Luft liegt. Hier leben fast ausschließlich Künstler, die Schmuck, Keramiken, Bilder und Skulpturen herstellen und denen man bei der Arbeit zuschauen kann.
Das Janco-Dada-Museum zeigt permanente und wechselnde Ausstellungen moderner israelischer Kunst. Hier gibt es auch einen Workshop, in dem wir Volontäre zu Kindern wurden, mit Töpfen Musik machten, uns verkleideten und aus Müll Kunst herstellten.
An sich war es also ein sehr schöner Vormittag, allerdings ist das Dorf dermaßen kommerziell ausgeschlachtet und touristisch, das man das Gefühl hat, eine Attrappe präsentiert zu bekommen.

Am Nachmittag gab es eine EKIR-interne Organisations-Runde, bei der wir die Briefe bekommen haben, die wir an uns selbst auf dem Vorbereitungsseminar geschrieben haben. Danach wurde besprochen, wie wir die vier Jungs und vier Mädchen, die nächstes Jahr als EKIR-Freiwillige nach Israel kommen, am besten auf die vier verschiedenen Projekte aufteilen. Denn ja, es ist tatsächlich schon Halbzeit und die kommenden Volontäre fangen schon an, nervös zu werden…

Am Nachmittag gab es eine EKIR-interne Organisations-Runde, bei der wir die Briefe bekommen haben, die wir an uns selbst auf dem Vorbereitungsseminar geschrieben haben. Danach wurde besprochen, wie wir die vier Jungs und vier Mädchen, die nächstes Jahr als EKIR-Freiwillige nach Israel kommen, am besten auf die vier verschiedenen Projekte aufteilen. Denn ja, es ist tatsächlich schon Halbzeit und die kommenden Volontäre fangen schon an, nervös zu werden…

Gestern also habe ich nach langer Pause zum ersten Mal wieder gearbeitet. Ich habe die Friends in den beiden Wochen tatsächlich etwas vermisst und mich daher gefreut, als einer der Friends zur Begrüßung zu mir meinte, er habe mich ja schon sehr lange nicht mehr gesehen.
Der Tag gestern war prompt von so einigem Balagan geprägt, da Purim vor der Tür steht. An sich ist Purim ein religiöses Fest, das daran erinnert, wie das jüdische Volk in persischer Diaspora beinahe ermordet wurde und nur knapp durch die Königin Ester errettet wurde. Hier in Israel hat man allerdings eher das Gefühl, es handle sich um die jüdische Form des Karnevals: Die Friends kamen völlig überdreht von der Purim-Feier aus Hadassim zurück und es dauerte erstmal eine ganze Zeit, bis wir die Schminke von ihrem Gesicht entfernt hatten. Doch damit nicht genug: nach dem 5-Uhr-Snack fuhr ein Bus mit über 50 Schülern vor, die mit „Doing good“-T-Shirts durch die Gegend liefen und die Friends bespaßen sollten. Die Anzahl war völlig unverhältnismäßig (ich erinnere daran, dass in Beit Perry gerade mal 18 Friends leben, von denen einige gar nicht da waren).
An verschiedenen Stationen konnte man Ball spielen, Trommeln, Masken bemalen oder Tattoos bekommen. Das alles war gut gemeint, überforderte allerdings so manchen Friend, der sein Haus überhaupt nicht verlassen wollte. Der Friend, auf den ich aufpassen sollte, war allerdings – wie von eigentlich allem – begeistert und nahm am Trommel-Kurs teil. Das Verhältnis war hier: zwei Friends auf 15 Schüler, die sich zu Recht ein bisschen fehl am Platz fühlten.


Mittwoch, 12. März 2014

Singen, Sonnen, Synagoge oder: Unser EKIR-Seminar

Blick auf Haifa bei Nacht

Shalom chaverim,

nach Wochen aus dem Off melde ich mich zurück und weiß gar nicht, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll. Zuallererst war da natürlich das Seminar, dieses Mal nicht in dem Luxus-Kibbuz Nachsholim, sondern im Beit Rutenberg in Haifa.

Am Tag vor Seminar-Beginn kamen Thomas von der EKIR (für alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: das ist meine deutsche Entsendeorganisation) sowie Johanna und Kirsten, die beiden ehemaligen Beit Perry-Volontärinnen, zum Projektbesuch. Am Abend gab es für alle EKIR-Freiwilligen ein Abendessen in Tel Aviv. Mit Johanna und Kirsten haben wir festgestellt, dass sich in dem halben Jahr seit ihrer Abreise und unserer Ankunft in Beit Perry einiges geändert hat, gerade was das Personal betrifft. Vieles ist allerdings auch unverändert; die Friends haben überwiegend immer noch die selben Ticks und nervig-liebenswürdigen Eigenschaften.

Wir EKIR-Freiwilligen und -Ehemaligen, natürlich mit Maskottchen
Das Beit Rutenberg liegt auf dem Mount HaCarmel in Haifa und von seiner Dachterrasse aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Wann immer wir zwischen zwei Programm-Punkten frei hatten, legten wir uns oben hin und genossen die Sonne. Zu den Programmpunkten gehörte viel Reflektion mit Fragen, die wir an uns selber stellen sollten. Was stört uns? Was möchte ich verändern? Was hat uns an uns selber überrascht im vergangenen halben Jahr?

Am länderspezifischen Tag war die Aufgabe, in kleinen Gruppen Szenen nachzuspielen, die wir als für Israel typisch erachten. Die am häufigsten gespielte Szene war folgende: Während der Arbeit rastet einer der Behinderten völlig aus oder wird sehr nervös. Der Volontär bittet den Guide, der Schicht hat, um Hilfe, aber der muss noch schnell seine SMS zu Ende schreiben. Typisch israelisch ist nämlich eine extreme Handysucht. Dass fast alle eine in diese Richtung gehende Szene gespielt haben, spricht denke ich für sich.

Am zweiten Seminartag, einem Freitag, haben wir einen Shabbat-Gottesdienst besucht. Im Gegensatz zu der in Tel Aviv, war dies hier eine Gemeinde, die sich nicht nur liberal nannte, sondern auch liberal war. Man saß nicht nach Geschlechtern getrennt, fast die gesamte Zeit wurde gesungen und vor allem war es eine Rabbinerin und kein Rabbi, die den Gottesdienst feierte.
Die Synagoge gehört zu einem Schulkomplex, der direkt am Meer gelegen ist. Die meisten Gäste waren Schüler, die allerdings freiwillige hier waren, schließlich hatte die Schule schon vor Stunden geendet. Ihre Outfits waren meiner Meinung nach zwar für die Synagoge ungeeignet, aber sie sangen begeistert mit. Ansonsten wäre es auch etwas still geworden in der Synagoge: wir Deutschen waren schließlich alles andere als textsicher….

Dieser Baum in Kfar Tivka
wurde von den Behinderten mit
Keramik-Blumen verziert
 Unsere Gruppe wurde auch zum Kiddusch eingeladen. Kiddusch bedeutet übersetzt Heiligung und bezeichnet die Einleitung des Shabbats. Man stößt hierzu mit Wein an und isst Chalah, das weiße süßliche Shabbat-Brot.

Für den nächsten Tag war ein Besuch in Kfar Tikva angesetzt. Im Kfar arbeiten zwei der EKIR-Freiwilligen, aber auch Volontäre der Westphälischen Landeskirche, mit der wir das Seminar zusammen hatten. Kfar Tikva, übersetzt Dorf der Hoffnung, ist ein Behindertenheim, in dem die Behinderten leben und tagsüber in Workshops arbeiten, also z. B. filzen oder Keramiken bemalen.


Das Kfar liegt auf einem Berg und ist von anderen Bergen umgeben, sodass es sich sehr gut zum wandern eignet. Auch wir sind nach einem kurzen Aufenthalt im Kfar losgewandert, runter in ein Tal und einen Berg hinauf. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf die Umgebung inklusive Nazareth, das von hier wirklich nicht weit ist. Auf dem Berg waren wir allerdings nicht alleine, sondern trafen auf lauter Familien mit kleinen Kindern, die hierhin ihren Shabbat-Ausflug unternahmen. Denn auch das ist typisch israelisch! 


Sie trafen wir auf unserer Wanderung