| Schafsherde in Jericho |
Shalom chaverim,
die Blog-Pause der letzten zwei Woche ist auf einen ganz
einfachen Grund zurückzuführen. Für alle, die es noch nicht wissen: ich hatte
Besuch von meiner Familie! Bedeutet konkret: gutes Essen, nicht mehr abhängig
von unregelmäßig fahrenden Bussen zu sein –und natürlich die Menschen
wiederzusehen, die man am meisten vermisst hat.
In den beiden Wochen haben wir nicht einen Tag pausiert und
trotzdem ist auf der Liste der Orte, die man besuchen könnte, noch längst nicht
alles abgehakt.
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| In den Bahai-Gärten in Haifa |
Für den ersten Tag hatten wir uns Haifa vorgenommen,
allerdings mit einem kurzen Abstecher in das Drusendorf Daliyat el Karmel. Die
Drusen, eine vom Islam abgespaltene Religion, bilden in Israel eine Minderheit.
Sie sprechen arabisch und missionieren nicht. Als Druse wird man geboren und es
besteht keine Möglichketi, zu konvertieren oder den Glauben zu verlassen.
Das Dorf sah letztlich aus wie ein gewöhnliches arabisches
Dorf: es Roch nach Kaffee, auf der Straße herrschte Chaos und in Läden wurden
Schals und allerlei Krimskrams angeboten.
Ab und an sah man allerdings Drusen, erkennbar an ihrem
weißen Kopftuch und den Schnurrbärten. Besonders schön war die Landschaft, in
der das Dorf eingebettet lag: das komplexe Gebirge des Mount Carmel, eine grüne
und hügelige Landschaft.
In Haifa schauten wir uns die üblichen Sehenswürdigkeiten
wie die deutsche Kolonie und die Bahai-Gärten an und besuchten das
Mané-Katz-Museum, in dem es eine Ausstellung über den Einfluss des Pariser
Impressionismus und Post-Impressionismus auf jüdische Künstler gab.
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| Blick auf die Stadt; Familienfoto und Häuserfassade in Haifa |
Am Tag vor Pessachbeginn hatten wir am Rande einer Straße
eine Gruppe orthodoxer Juden gesehen, die um ein Feuer herumstanden – ein für mich
bis dahin unbekannter Anblick. Im Nachhinein wurde uns klar: sie hatten
unkoscheres Essen verbrannt. Während Pessach darf Gesäuertes weder gegessen
werden, noch im Haus verwahrt werden. Auch Lebensmittel, die mit etwas
Gesäuerten in Berührung gekommen sind, müssen rechtzeitig verbannt werden.
Besonders erstaunlich – um nicht zu sagen verrückt – fand
ich allerdings, dass im Supermarkt auch Tierfutter abgesperrt war: sie waren
wohl nicht koscher für Pessach! Gerade wenn man bedenkt, dass ein Viertel der
Israelis nicht jüdisch ist und unter den Juden wiederum ein großes Teil
säkular, ist Pessach wirklich eine erhebliche Einschränkung…
Wir versuchten also den Hürden des Feiertags so weit wie
möglich zu entkommen und machten am zweiten Tag einen Ausflug ins
Westjordanland, Pessach ist schließlich ein ausschließlich jüdischer Feiertag.
Zuerst hielten wir kurz (eindeutiger Vorteil eines Mietwagens!) an der Stelle,
an der sich die neutestamentliche Geschichte des barmherzigen Samariters
abgespielt hat. (Der Samariter hatte sich als barmherzig erwiesen, indem er
sich um einen verprügelten und ausgeraubten Mann kümmerte, der zuvor von einem
Priester und einem Leviten missachtet worden war.) Hier befindet sich heute
eine Kirche im Freien und ein Museum, in dem Mosaike aus der Umgebung
ausgestellt sind.
Der Ort war allerdings auch nicht mehr wert als den kleinen
Stop, den wir einlegten. Da jeglicher gegenständlicher Bezug zum Geschehen
fehlt, berührt der Ort einen nicht wirklich und macht es schwer, sich die
Situation vorzustellen. Die Schnellstraße, die wenige Meter entfernt verläuft tut
wohl ein Übriges.
| Blick auf Jericho und das Tote Meer |
| Brunnen in Jericho |
Das Stadtzentrum ist dafür sehr belegt und erinnert an
Ramallah. Eine japanische Stadt – anscheinend die Schwesterstadt Jerichos – hat
im Zentrum einen schönen Platz und allerlei Straßen und öffentliche Gebäude
gesponsert, immer wieder weisen einen Schilder darauf hin.
| Stadtzentrum von Jericho; Mosaik im Hishampalast |
| Der 10000 Jahre alte Rundturm |
Der Grabungshügel Tel el Sultan ist voll von Reisegruppen
aus aller Welt, die sich unter den wenigen Sonnensegeln tummeln und von ihrem
Reiseleiter die Ausgrabungen erklären lassen. Besonders hervorzuheben: ein
Rundturm und eine Stadtmauer – beide unvorstellbare 10000 Jahre alt. Von hier
aus hat man auch einen guten Blick auf den Berg der Versuchung – für uns blieb
es auch bei diesem Blick, den Aufstieg über unzählige Treppen hoch zum Kloster
sparten wir uns. Hier hat Jesus nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage lang
gefastet. Das Kloster gab es damals selbstverständlich noch nicht, wohl aber einen
Stein, auf dem er saß, als der Teufel versuchte, ihn in Versuchung zu führen
und der für Pilger eine wichtige Bedeutung hat.
Auf der Route 1 zwischen Jerusalem und Jericho gibt es einen
Abzweiger zum St. Georgskloster, das malerisch an Felsen im Wadi Qelt hängt. An
einem Parkplatz scheinbar mitten im Nirgendwo stehen einige israelische
Soldaten; der Bereich gehört nicht mehr zur Zone A, sondern steht unter
israelischer Verwaltung. Außer uns und den Soldaten befanden sich an diesem
Parkplatz nur eine Handvoll Beduinen, die hartnäckig versuchten, und Schmuck
und Säfte zu verkaufen. Über einen schmalen Weg läuft man wenige Minuten durch
die Steinwüste, bis man plötzlich das Kloster vor sich sieht, das im Schatten
der Berge liegt und so von Sonne und Wind geschützt ist. Seine roten Kuppeln
leuchten, aber ansonsten fügt es sich wie natürlich in die grandiose Landschaft
ein. Unterhalb des Klosters befindet sich eine kleine Oase mit Tannen und
Sträuchern, in den Höhlen im Fels leben Beduinen.
| Wadi Qelt und St. Georgskloster |
Zum Abendessen fuhren wir mit dem Auto weiter ins quirlige
Ramallah. Da der Weg schlecht ausgeschildert war, fuhren wir unfreiwillig sehr
lange an der Separation Wall entlang. Trotz der eigentlich monotonen
Betonsäulen ist sie unglaublich vielfältig: während man in Bethlehem bunte Graffitis
sieht, ist sie dort nur von einem langen Zitat in schwarzer Schrift durchzogen.
In Ramallah erledigten wir unsere Einkäufe – und kauften
nebenbei auch lauter Zeugs, das wir eigentlich gar nicht eingeplant hatten.
Kaffee, Obst, Flip-Flops, alles ist dort sehr günstig – und sogar Tierfutter
hätten wir dort bekommen!
| Bäckerei in Ramallah |




