Make Hummus Not Walls

Make Hummus Not Walls

Dienstag, 29. April 2014

Familienbesuch oder: Alt, älter, Jericho


Schafsherde in Jericho

Shalom chaverim,

die Blog-Pause der letzten zwei Woche ist auf einen ganz einfachen Grund zurückzuführen. Für alle, die es noch nicht wissen: ich hatte Besuch von meiner Familie! Bedeutet konkret: gutes Essen, nicht mehr abhängig von unregelmäßig fahrenden Bussen zu sein –und natürlich die Menschen wiederzusehen, die man am meisten vermisst hat.

In den beiden Wochen haben wir nicht einen Tag pausiert und trotzdem ist auf der Liste der Orte, die man besuchen könnte, noch längst nicht alles abgehakt.

In den Bahai-Gärten in Haifa
Für den ersten Tag hatten wir uns Haifa vorgenommen, allerdings mit einem kurzen Abstecher in das Drusendorf Daliyat el Karmel. Die Drusen, eine vom Islam abgespaltene Religion, bilden in Israel eine Minderheit. Sie sprechen arabisch und missionieren nicht. Als Druse wird man geboren und es besteht keine Möglichketi, zu konvertieren oder den Glauben zu verlassen.

Das Dorf sah letztlich aus wie ein gewöhnliches arabisches Dorf: es Roch nach Kaffee, auf der Straße herrschte Chaos und in Läden wurden Schals und allerlei Krimskrams angeboten.
Ab und an sah man allerdings Drusen, erkennbar an ihrem weißen Kopftuch und den Schnurrbärten. Besonders schön war die Landschaft, in der das Dorf eingebettet lag: das komplexe Gebirge des Mount Carmel, eine grüne und hügelige Landschaft.

In Haifa schauten wir uns die üblichen Sehenswürdigkeiten wie die deutsche Kolonie und die Bahai-Gärten an und besuchten das Mané-Katz-Museum, in dem es eine Ausstellung über den Einfluss des Pariser Impressionismus und Post-Impressionismus auf jüdische Künstler gab.



Blick auf die Stadt; Familienfoto und Häuserfassade in Haifa

 Am nächsten Tag begann – ziemlich unpraktisch - Pessach, einer der höchsten jüdischen Feiertage, bei dem – wie übrigens auch an einigen anderen Feiertagen – dem Auszug aus Ägypten und der Befreiung der Israeliten aus der Sklavenschaft gedacht wird. Pessach war in vielerlei Hinsicht ein Hindernis: eine Woche lang gab es veränderte Öffnungszeiten wie sonst nur am Shabbat und dessen Vorabend, im Restaurant bekam man nur Maze-Brot (ungesäuertes Brot, das wie Knäckebrot schmeckt) serviert und auch im Supermarkt waren einige Regale abgeklebt, darunter die für Brot und Bier.
Am Tag vor Pessachbeginn hatten wir am Rande einer Straße eine Gruppe orthodoxer Juden gesehen, die um ein Feuer herumstanden – ein für mich bis dahin unbekannter Anblick. Im Nachhinein wurde uns klar: sie hatten unkoscheres Essen verbrannt. Während Pessach darf Gesäuertes weder gegessen werden, noch im Haus verwahrt werden. Auch Lebensmittel, die mit etwas Gesäuerten in Berührung gekommen sind, müssen rechtzeitig verbannt werden.
Besonders erstaunlich – um nicht zu sagen verrückt – fand ich allerdings, dass im Supermarkt auch Tierfutter abgesperrt war: sie waren wohl nicht koscher für Pessach! Gerade wenn man bedenkt, dass ein Viertel der Israelis nicht jüdisch ist und unter den Juden wiederum ein großes Teil säkular, ist Pessach wirklich eine erhebliche Einschränkung…

Wir versuchten also den Hürden des Feiertags so weit wie möglich zu entkommen und machten am zweiten Tag einen Ausflug ins Westjordanland, Pessach ist schließlich ein ausschließlich jüdischer Feiertag. Zuerst hielten wir kurz (eindeutiger Vorteil eines Mietwagens!) an der Stelle, an der sich die neutestamentliche Geschichte des barmherzigen Samariters abgespielt hat. (Der Samariter hatte sich als barmherzig erwiesen, indem er sich um einen verprügelten und ausgeraubten Mann kümmerte, der zuvor von einem Priester und einem Leviten missachtet worden war.) Hier befindet sich heute eine Kirche im Freien und ein Museum, in dem Mosaike aus der Umgebung ausgestellt sind.
Der Ort war allerdings auch nicht mehr wert als den kleinen Stop, den wir einlegten. Da jeglicher gegenständlicher Bezug zum Geschehen fehlt, berührt der Ort einen nicht wirklich und macht es schwer, sich die Situation vorzustellen. Die Schnellstraße, die wenige Meter entfernt verläuft tut wohl ein Übriges.

Blick auf Jericho und das Tote Meer

Brunnen in Jericho
Weiter ging es nach Jericho, die älteste und tiefst gelegene Stadt der Welt – auf einer Höhe von -395 m. Je tiefer man sich befindet, desto heißer wird es – und desto anstrengender das Laufen. Die Außenbezirke wirken heruntergekommen und menschenleer. Vor der Einfahrt in die Stadt wird man noch einmal kontrolliert: Jericho liegt in Zone A der West-Bank und genießt daher palästinensische Autonomie. Israelis dürfen hier gar nicht erst rein.

Das Stadtzentrum ist dafür sehr belegt und erinnert an Ramallah. Eine japanische Stadt – anscheinend die Schwesterstadt Jerichos – hat im Zentrum einen schönen Platz und allerlei Straßen und öffentliche Gebäude gesponsert, immer wieder weisen einen Schilder darauf hin.



Stadtzentrum von Jericho; Mosaik im Hishampalast

Der 10000 Jahre alte Rundturm
Der Grabungshügel Tel el Sultan ist voll von Reisegruppen aus aller Welt, die sich unter den wenigen Sonnensegeln tummeln und von ihrem Reiseleiter die Ausgrabungen erklären lassen. Besonders hervorzuheben: ein Rundturm und eine Stadtmauer – beide unvorstellbare 10000 Jahre alt. Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf den Berg der Versuchung – für uns blieb es auch bei diesem Blick, den Aufstieg über unzählige Treppen hoch zum Kloster sparten wir uns. Hier hat Jesus nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage lang gefastet. Das Kloster gab es damals selbstverständlich noch nicht, wohl aber einen Stein, auf dem er saß, als der Teufel versuchte, ihn in Versuchung zu führen und der für Pilger eine wichtige Bedeutung hat.

Auf der Route 1 zwischen Jerusalem und Jericho gibt es einen Abzweiger zum St. Georgskloster, das malerisch an Felsen im Wadi Qelt hängt. An einem Parkplatz scheinbar mitten im Nirgendwo stehen einige israelische Soldaten; der Bereich gehört nicht mehr zur Zone A, sondern steht unter israelischer Verwaltung. Außer uns und den Soldaten befanden sich an diesem Parkplatz nur eine Handvoll Beduinen, die hartnäckig versuchten, und Schmuck und Säfte zu verkaufen. Über einen schmalen Weg läuft man wenige Minuten durch die Steinwüste, bis man plötzlich das Kloster vor sich sieht, das im Schatten der Berge liegt und so von Sonne und Wind geschützt ist. Seine roten Kuppeln leuchten, aber ansonsten fügt es sich wie natürlich in die grandiose Landschaft ein. Unterhalb des Klosters befindet sich eine kleine Oase mit Tannen und Sträuchern, in den Höhlen im Fels leben Beduinen.


Wadi Qelt und St. Georgskloster

Zum Abendessen fuhren wir mit dem Auto weiter ins quirlige Ramallah. Da der Weg schlecht ausgeschildert war, fuhren wir unfreiwillig sehr lange an der Separation Wall entlang. Trotz der eigentlich monotonen Betonsäulen ist sie unglaublich vielfältig: während man in Bethlehem bunte Graffitis sieht, ist sie dort nur von einem langen Zitat in schwarzer Schrift durchzogen.

In Ramallah erledigten wir unsere Einkäufe – und kauften nebenbei auch lauter Zeugs, das wir eigentlich gar nicht eingeplant hatten. Kaffee, Obst, Flip-Flops, alles ist dort sehr günstig – und sogar Tierfutter hätten wir dort bekommen! 

Bäckerei in Ramallah

Samstag, 12. April 2014

Eine Art Hunde-Therapie (?) oder: Ein typischer Mittwoch

Toffi und Lia, die beiden Hunde,
die die Friends Mittwochs bespaßen

Shalom chaverim,

um nicht den Eindruck zu erwecken, wir würden gar nicht mehr arbeiten, erzähle ich heute nochmal ein bisschen von der Arbeit und schildere Euch einen typischen Mittwoch.
Mittwochs haben wir gleich zwei Aktivitäten: Chug Kalbanut, die Hunde-AG, und die Sport-Stunde.
Nach dem 5-Uhr-Snack kommt eine Frau mit zwei Hunden vorbei und geht mit ihnen nacheinander in die Häuser. Die beiden Hunde, Toffi, ein Pudel und Lia, deren Rasse ich nicht kenne, sind aus irgendeinem Grund in letzter Zeit immer mit Glitzersteinchen um die Augen und an den Ohren geschmückt. Mal davon abgesehen, dass ich sowas als Tierquälerei bezeichne, verfehlt es auch den gewünschten Effekt: die Friends begeistern sich nämlich gar nicht für diesen Schnick-Schnack. Toffi und Lia sind speziell dressierte Hunde, die ständig angelaufen kommen und sich ganz lieb streicheln lassen. Toffi springt auch gerne an einem hoch und schleckt einem durchs Gesicht, sodass ich sie lieber auf Abstand halten.

Die Friends bekommen Bürsten, mit denen sie die Hunde striegeln sollen. Dafür müssten sie sich allerdings auf den Boden setzen und hier beginnt der Kampf: während einige der Friends sich begeistert auf die Hunde stürzen, bleibt einer lieber faul auf dem Sofa sitzen und beobachtet das Geschehen aus der Ferne. Die Hunde scheinen wirklich gut dressiert zu sein, denn was die Friends teilweise veranstalten, würde ich nicht als angenehm für die Hunde bezeichnen: sie bürsten sie gegen den Widerrist, packen sie an den Ohren (einer der Friends hat ein besonderes Faible für Hunde-Ohren), schütteln ihren Kopf und ziehen ihnen am Schwanz.

Die Hunde können anscheinend nicht wirklich unterscheiden, wer denn nun Autist und wer Betreuer ist, denn sie kommen bevorzugt zu uns Guides – wir sind schließlich auch die einzigen, die sie ordentlich streicheln…
Nach dem Bürsten spielen wir entweder ein Spiel mit den Hunden oder gehen mit ihnen auf dem Beit Perry-Gelände spazieren. Hierzu bekommt einer der Friends Toffi oder Lia an die Leine und soll mit ihnen bis zur Palme und wieder zurück laufen. Manchmal gestaltet sich das Ganze in Form eines Wettrennens und zwei Friends werden mit jeweils einem Hund bis zur Palme geschickt. Die wenigsten verstehen allerdings das Konzept eines Wettkampfs, sondern laufen auf Umwegen und mit aller Ruhe durch den Innenhof…

Nach der Hunde-AG geht es zum Sport, über den ich schon einmal ausführlich berichtet habe. Der restliche Tage verläuft wie die meisten anderen auch: Duschen, Abendessen, Entspannung, Tabletten und Schlafengehen. Im Moment arbeiten wir an einem neuen Konzept für einen der Friends, da seine Klamotten-Obsession immer extremer wird: ständig läuft er zu seinem Kleiderschrank, räumt diesen um (bzw. veranstaltet ein Chaos) und kommt meistens gegen zwei Uhr nachts runter und wirft einen Blick in die Waschmaschine. In letzter Zeit hat er es sich allerdings zur Aufgabe gemacht, auch die Kleiderschränke der anderen Friends nachts durcheinanderzubringen und sie dadurch aufzuwecken. Eine Zeitlang haben wir ein Deo-Flasche auf seine Türklinge gestellt, sodass die Nacht-Schicht mitbekam, sobald er aus dem Zimmer ging. Das klappt bei einem der anderen Friends, der nachts gerne seinen Zimmernachbar besucht, sehr gut. Bei dem Friend mit der Kleiderschrank-Obsession lief es allerdings nicht so erfolgreich: da wir seine Tür schließen mussten, um die Deo-Flasche auf die Klinke zu stellen, war es nachts bei ihm im Zimmer sehr dunkel. Er traute sich daher nicht mehr, auf die Toilette zu gehen – und hat jede Nacht ins Bett gepinkelt.

Mittlerweile lassen wir seine Tür also wieder geöffnet – und haben ein Schloss an seinem Kleiderschrank befestigt. Mit den Friends wird es wirklich nie langweilig!

Donnerstag, 10. April 2014

Von Besuchern und Museen oder: Warum Israel beinahe Kanaan geheißen hätte

Blick auf den HaYarkon und die Skyline von Tel Aviv
Shalom chaverim,

an sich wäre es mal wieder an der Zeit, etwas über Tel Aviv zu bloggen, die Stadt, die im Frühling so richtig aufblüht und alle Menschen auf die Straße lockt.
Momentan steht wieder Besuch an, dieses Mal von vier EKIR-Freiwilligen aus Russland, die ihre freien Tage nicht dazu nutzen, vor Ort zu reisen, sondern um uns besuchen zu kommen. Als Judith, Denise und ich die vier durch Yafo geführt haben, habe ich zufällig ein Mädchen aus meinem Jahrgang getroffen. Die Welt ist klein!
Erzählen möchte ich kurz auch von drei Museen in der Stadt, die ich letzten besucht habe und die – jedes auf seine Art – interessant waren.


Einmal war da das Museum über die Geschichte der Israeli Defence Forces, die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Die Geschichte des IDF, von der Staatsgründung über die großen Kriege bis zur Gegenwart, wurde hier beleuchtet. Nach Flughafen-ähnlichen Kontrollen konnte man sich die ausgestellten Uniformen und Dokumente anschauen. Das Museum, eine Art Freilichtmuseum mit mehreren Containern, wurde aber vor allem durch eines dominiert: Unmengen an Waffen, Panzern und Gewähren, die zu den Hochhäusern Tel Avivs, die dahinter sichtbar wurden, einen komischen Kontrast bildeten…

Exponate im Museum of IDF history


Das Yitzhak Rabin Center und Museum
Das Yitzhak Rabin Center und Museum ist – ziemlich offensichtlich – dem 1995 ermordeten Premierminister
Rabin gewidmet. Der Ort, an dem das Attentat begannen wurde, ist übrigens einer der Hauptplätze in Tel Aviv. Ursprünglich hieß er Platz der Könige – heute Rabin Platz.
Zu dem Komplex, der nördlich des HaYarkon Parks, also eigentlich schon in Ramat Aviv liegt, gehören Konferenzräume mit tollem Blick auf den Park und die dahinterliegende Skyline und ein Museum. In dem Museum geht es um die komplizierte Geschichte Israels mit Schwerpunkt auf dem Leben Rabins. Dieser war zweimal Ministerpräsident und hatte die Friedensgespräche mit den Palästinensern und den anderen arabischen Nachbarn entscheidend vorangebracht. (Sehr bekannt ist ein Bild, auf dem man ihn Hände schüttelnd mit Jassir Arafat sieht, Clinton im Hintergrund.)
In dem letzten Raum des Museums geht es um das auf ihn verübte Attentat, auf Bildschirmen werden trauernde Menschen gezeigt und es stehen Kerzen herum. Mit mir im Museum war eine Gruppe von Soldaten und andere Israelis, die dort anhielten, sich hinsetzten und einen Moment schwiegen…

Die Unabhängigkeitshalle
Das dritte Museum, die Unabhängigkeitshalle auf der wohl schönsten Straße Tel Avivs, dem Rothschild Boulevard, hatte ich mir schon länger vorgenommen. Das von außen ziemlich unscheinbare Gebäude war ursprünglich das Haus des ersten Bürgermeisters von Tel Aviv, Meir Dizengoff.
1948 wurde hier der Staat Israel durch David Ben-Gurion ausgerufen – die Einladungen zu dem Ereignis wurde aus Vorsicht erst wenige Stunden vorher verschickt. Während einer kurzen Führung wurde uns auch erklärt, dass über den Namen, den der Staat bekommen sollte, erst ziemlich kurzfristig entschieden wurde – bei den Vereinten Nationen war immer nur die Rede von einem jüdischen Staat. Israel hätte also um ein Haar Kanaan oder Judäa geheißen!



Mit Besuch in Tel Aviv: vor der Skyline
und im Stadtteil Florentin

Montag, 7. April 2014

Salatköpfe und Clownfische oder: Tauchen in Aqaba am Toten Meer

Einheimische am Strand von Aqaba, im Hintergrund die Berge Israels (rechts) und Ägyptens (links)
Shalom chaverim,

die ganze Jordanien-Reise war in vielerlei Hinsicht anders als gedacht, meistens wurden wir zum Positiven hin überrascht. Auch Aqaba war ganz anders als erwartet, zuerst waren wir ziemlich enttäuscht, aber vom Tauchen durchs Korallenriff dafür umso mehr begeistert.
Folgendes war passiert: als wir in Aqaba ankamen, bezogen wir unser Zimmer, das sich zwar Hotel-Zimmer nannte, aber schäbiger als alle bisherigen Unterkünfte war. Der Rezeptionist machte uns Kaffee, da wir sehr früh dran waren und unser Zimmer noch nicht fertig war. An sich konnte er aber überhaupt kein Englisch und auf die Frage, wo denn die Touristen-Info sei, zuckte er nur ratlos mit den Schultern.

Diese Moschee ist nach dem Ur-Ur-Großvater des
jetzigen jordanischen Königs benannt, der auf
den kurzen Namen Sharif Hussein Bin Ali Bin
Mohammed Bin Abd Al Mouin Al Aoun hörte 
In unserem – wie gesagten alten und undetaillierten Reiseführer – war kein Plan der Stadt eingezeichnet und so liefen wir auf eigene Faust Richtung Meer. Schon nach ein paar Metern viel uns auf, dass wir wirklich die einzigen Touristen weit und breit waren – zumindest die einzigen nicht arabischen. Wir wurden angegafft wie Tiere, ein paar Mal liefen uns Jugendliche hinterher und selbst an der Promenade, an der wir Touristen zu Hauf erwartet hatten, fühlten wir uns trotz langer Kleidung unwohl und liefen schnell weiter. Die Frauen in der Stadt waren allesamt verschleiert und unser Verdacht, absolute Exoten zu sein, bestätigte sich, je länger wir unterwegs waren. An Aqaba waren wir ziemlich unvorbereitet herangegangen, nur mit dem Plan, tauchen zu gehen. Aber auch eine Tauchschule zu finden, war alles andere als einfach…

Aqaba ist eine Stadt ohne irgendwelche Sehenswürdigkeiten, dafür mit einer spannenden Lage: es liegt zwischen der zu Ägypten gehörenden Sinai-Halbinsel und der Arabischen Halbinsel, gegenüber liegt Eilat, das schon wieder zu Israel gehört. Zwischen den beiden Städten befindet sich das Rote Meer, in dem Jetskies und Glasbodenboote ihre Runden ziehen. Die Küstenzone befindet sich an einem wichtigen Punkt zwischen drei Kontinenten (Afrika, Asien und Europa) und verbindet vier Länder (Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Israel) miteinander.

Eine Künstlergruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht,
Aqaba bunter zu machen

Da es extrem warm war und wir keine Lust mehr hatten, uns anstarren zu lassen, setzten wir uns in eine Café, tranken den süßen Salbeitee und schauten selber Leute an. Die einzigen Touristen, die wir den Tag über sahen, waren deutsche Rentner, deren riesiges Kreuzfahrtschiff hier Halt machte. Von dem Schiff ging Musik aus, die den ganzen Strand erfüllte und zu dieser etwas komischen Atmosphäre beitrug. Kinder spielten am Strand und im Wasser – nur ihre Mütter und große Schwestern saßen stumm und verhüllt unter einem Sonnenschirm und schauten zu.

Am Strand im Stadtzentrum von Aqaba
Aqaba an sich ist eine ruhige Stadt mit vielen Marktstraßen, auf denen Obst, Gemüse und allerlei Krimskrams verkauft wird. Mittendrin im Gassengewirr gibt es einige Parks, in denen Familien ihren freien Tag, den Freitag, verbrachten.

Am Abend trafen wir noch auf Malin, eine andere EKIR-Volontärin, und Max, ihren Freund, die sich uns spontan zum Tauchen am nächsten Morgen anschlossen.

Das Tauchen durchs Korallenriff hat die anfängliche Enttäuschung über Aqaba direkt wieder wett gemacht: zwei Südafrikaner, die den Introductory Dive anboten, holten uns am Morgen im Hotel ab und fuhren mit uns zum South Beach, wo wir Malin und Max trafen. Der South Beach ist 12 km vom Stadtzentrum entfernt – also deutlich näher am nur 3 km entfernten Grenzübergang nach Saudi-Arabien. Hier übernachten die meisten Touristen, es gibt einen Seepark und ein paar Cafés.

Unsere Sauerstoff-Flaschen
Zuerst erhielten wir eine Einführung über das Atmen mit der Sauerstoffflasche und das Hoch- und Runterkommen im Wasser mit der Weste. Alles gar nicht so einfach, schließlich war es für Judith, Max und mich eine ganz neue Erfahrungen. Zusätzlich zu der eh schon schweren Sauerstoffflasche, die auf unseren Rücken geschnallt wurde, bekamen wir um die Hüfte ein Band mit Gewichten, um schneller untergehen zu können. Die Flasche und die Gewichte waren dermaßen schwer, dass wir wie Krüppel über den Strand liefen und froh waren, endlich im Wasser zu sein. Das Atmen durch den Schlauch war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der ein Tauchlehrer empfahl uns, uns auf einen Fisch zu konzentrieren, falls wir Panik bekämen. Das Wichtigste: immer weiter atmen!

Das Korallenriff war sehr vielseitig und vor allem vielfarbig: manche Korallen sahen aus wie riesige grüne Salatköpfe, andere wie Gehirne oder stachelige Pflanzen. Es war unwirklich schön und ein tolles Gefühl, durch das Riff zu schwimmen und sogar alles anfassen zu können. Objekte, die man für Pflanzen gehalten hatte, entpuppten sich als Fische, die umher schwammen. Clownfische und allerlei andere Lebewesen (deren Namen ich nicht kenne) schwammen an uns vorbei, Malin entdeckte sogar einen Oktopus, der aus einer Höhle hervorkam. Sie hatte eine Unterwasserkamera dabei und sobald ich von ihr die Fotos bekomme, werde ich sie veröffentlichen!

Nach dem Tauchgang lagen wir den gesamten Tag faul am Strand. Auch wenn der außerhalb der Stadt gelegene South Beach der Teil der Stadt ist, in dem die meisten Touristen übernachten und an den Strand gehen, haben wir uns auch hier nicht getraut, schwimmen zu gehen, geschweige denn, uns in Badesachen in die Sonne zu legen.

Am South Beach von Aqaba

Am Nachmittag fuhren wir mit einem Taxi zum Checkpoint, hinter dem es mit einem anderen Taxi nach Eilat ging. Auch wenn Eilat und Aqaba letztlich nur zwei am Badeorte am Roten Meer sind, die nicht einmal weit voneinander entfernt liegen, ist es ein Unterschied zwischen Tag und Nacht: Eilat ist aufgestylt, modern, eine Las-Vegas-Miniatur, an deren Promenade die Leute rumlaufen wie auf Mallorca oder Miami Beach. Während man sich in Aqaba verschleiert, versucht man in Eilat, so viel Haut wie möglich zu zeigen. Überall glitzert es, aus den Pubs entlang der Promenade dröhnt Charts-Musik und von überall her hört man russische, englische und französische Touristen.
Auch wenn Eilat schon alleine für das Korallenriff einen Besuch wert ist, fanden wir die Stadt eher unattraktiv: zu viel Bling-Bling und alles auf Kommerz aufgerichtet. Sowohl Aqaba als Amman eignen sich also wohl kaum für einen mehrwöchigen Strandurlaub, aber einen kurzen Aufenthalt sind beide – am besten direkt hintereinander im vollen Kontrast – durchaus wert.

Unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von Aqaba: Eilat

In Eilat waren wir bis ein Uhr morgens – und fuhren dann mit dem letzten Nachtbus zurück über Tel Aviv nach Ra’anana. Als wir um acht Uhr morgens ankamen, legten wir uns für ein paar Stunden schlafen, arbeiteten aber schon wieder am Nachmittag. Denn ja, ab und zu arbeiten wir auch noch! 

Sonntag, 6. April 2014

Auf Sand fährt es sich anders als auf Schnee oder: Mit dem Jeep durchs Wadi Rum

Auf einem Kamel ging es durchs Wadi Rum

Shalom chaverim,

Um die größte und schönste Wüste Jordaniens zu erkunden, gibt es viele Möglichkeiten: man kann sie mit dem Jeep durchfahren, auf einem Kamel durchreiten oder zu Fuß durchwandern – oder alles auf einmal. Vor unvorstellbaren 30 Millionen Jahren entstand die Landschaft, als geologische Hebungen die Gesteinsmasse aufbrachen und Erdbeben, Regenwasser und Sandstürme Erosionsprozesse in Gang setzten.

Für mich und Judith ging es von Petra in einem überfüllten Kleinbus für Touristen ins Wadi Rum. In dem Dorf Rum leben fast nur Beduinen in einfachen Hütten, die von dort aus Touren durchs Wadi anbieten. Vor der Tour wurden wir – wir waren schließlich unter Beduinen – mit reichlich süßen Tee versorgt und besprachen den Tag.

Blick auf die Wüste von der Laurence Quelle aus
Die erste Etappe der fast 9-stündigen Route legten wir auf Kamelen zurück, ab dann waren wir allerdings mit einem Jeep unterwegs. Theoretisch hatten Judith und ich einen Tourguide für den Tag, der Guide erwieß sich allerdings als Driver, da er kaum Englisch beherrschte und uns eigentlich nichts erklären konnte. Der Beduine war dafür sehr nett und hatte anscheinend auch Vertrauen in uns, da er uns vorschlug, doch selber einmal mit dem Jeep zu fahren. Zuerst dachten wir, er mache Witze, aber es war sein voller Ernst: Nach 7-monatiger Fahrpause plötzlich wieder zu fahren, ist das eine. Mit diesem Jeep, der ziemlich zusammen gebastelt wirkte und sicherlich nicht TÜV-geprüft war (falls es überhaupt sowas wie TÜV in Jordanien gibt), ist das andere. Und dann durch den Wüstensand zu fahren ist nochmal etwas ganz anderes….
Aber wir hatten Spaß! Der Beduine versicherte uns, durch den Sand zu fahren sei eigentlich genauso, wie im Schnee zu fahren. (Ich erinnere daran, dass er Beduine ist, in seinem Leben also sicherlich noch nie Schnee gesehen hat.) Es war auch - wie zu erwarten – ganz anders als im Schnee zu fahren: es ist extrem wichtig, den Spuren der anderen Jeeps im Sand zu folgen, weil es sonst sehr hubbelig wird und man – bzw. ich – den Wagen sonst schnell gegen einen Sandhügel setzt.
Judith und ich fuhren an sich eher langsam, was nach einer so langen Fahrpause und bei einem solchen Untergrund wohl auch vernünftig ist. Der nette Beduine hatte allerdings Vertrauen in uns und forderte uns häufig auf, doch hochzuschalten: „Number 3, number 3,“ rief er zum Beispiel, wenn er wollte, dass wir in den dritten Gang gingen. Wenn ich in Deutschland wieder Auto fahre, werde ich daran sicherlich denken müssen….



Hinter diesen Felsen liegt Saudi-Arabien; die Pflanze
haben wir spontan Spaghetti-Pflanze genannt;
unser Mittagessen


Im Khazali Canyon
Während der Tour hielten wir an vielen verschiedenen Orten an, kletterten zur Laurence Quelle hoch, liefen durch den Khazali Canyon, bestaunten nabatäische Inschriften, kochten Gemüse auf einer Feuerstelle, hüpften eine Sanddüne hinunter, machten Unmengen an Fotos und warfen sogar einen Blick auf Saudi-Arabien, wo die Beduinen gerne zum Tanken hinfahren.

Es gibt neben den oben genannten noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, aber das eigentlich Sehenswerte ist die Landschaft um einen herum: die Steinwüste, deren orange-rote Klippen vor allem beim Sonnenuntergang wunderschön leuchten. Ab und zu sieht man Schafsherden, die das wenige Gras abfressen und den Schatten der Klippen suchen. An sich ist es sehr still, nur manchmal hört man das Geräusch von anderen Jeeps, die eine ähnliche Tour machen – oder eben das Blöken der Schafe.

In dem Beduinencamp, in dem wir übernachtet haben, waren wir zufälliger Weise die einzigen Touristen, da es an diesem Tag nur eine Tour gegeben hatte. Aber auch so hatte man schon das Gefühl, mitten im Nirgendwo zu sein: um uns herum nichts als die Weiße Wüste, wie dieser Teil des Wadis genannt wurde. 




Der sogenannte Mushroom-Rock; ich im Jeep;
nabatäische Inschriften

Das Camp bestand aus einem großen Zelt, in dem gegessen wurde und mehreren kleinen, spärlich beleuchteten, in denen man übernachtete. In den Duschen gab es nur eiskaltes Wasser, dafür aber gab es Western-Style-Toilets, auf die der Betreiber sehr stolz war: nicht nur in der Wüste, sondern sowieso in ganz Jordanien gibt es nämlich ansonsten fast nur Hock-Klos.

Eine von vielen Sanddünen

Die Beduinen in dem Camp waren sehr gesprächig und erzählten uns, wie schön es sei, unter freiem Sternenhimmel zu schlafen. Wir waren natürlich begeistert von der Idee und wurden mit einem Jeep vom Camp weggefahren, um an einem durch Felsen windgeschützten Ort zu schlafen. In dem Jeep hatten wir einen Teppich mitgenommen, auf den wir viel zu kurze Matratzen und Unmengen an Decken legten. Glücklicherweise hatten wir eine Taschenlampe mitgenommen, denn ansonsten wäre es sehr dunkel geworden. Woher sollte auch Licht kommen, das nächste Dorf war kilometerweit entfernt, die anderen Beduinencamps waren nicht gerade in der Nähe und selber unser Camp war ein ganzes Stück entfernt.
Der Sternenhimmel war – wie schon in Petra – wunderschön: es gab keinen Mond, sodass die Sterne viel heller leuchteten und man Sternschnuppen und Satelliten sah.


Der Beduine hatte uns erklärt, den Jeep-Spuren im Sand zu folgen, um zurück zum Camp zu finden. Meiner Meinung nach klang das sehr abenteuerlich, es klappte allerdings gut. Nach einem leckeren Frühstück in Camp und einer spektakulären Fahrt mit dem Jeep zurück zum Dorf Rum fuhren wir mit dem Taxi weiter zur letzten Station unserer Reise: Aqaba.

Muss man einmal gesehen haben: Sonnenuntergang im Wadi Rum

Samstag, 5. April 2014

Beeindruckendes Petra oder: Was man in Jordanien unter einem Ferrari versteht...

Das Al-Deir Kloster in Petra

Shalom chaverim,

am nächsten Morgen ging es für uns von Amman weiter nach Petra Richtung Süden. Wir hatten gehofft, im Bus etwas schlafen zu können, was allerdings nicht so ganz geklappt hat: außer uns waren im Bus mal wieder nur Araber, es lief lautes Radio und unsere Mitreisenden sangen ausgelassen mit. Aber zu schlafen wäre auch schade gewesen, schließlich fährt man lange Zeit durch die Wüste, vorbei an Wüstenschlössern, Kamelherden und einsamen Beduinendörfern.

Judith und ich vor dem Palastgrab
Als wir in dem zu Petra gehörenden Dorf, eigentlich ein reines Hoteldorf, ankamen, machten wir uns direkt auf den Weg zum Nationalpark. Im Eingangsbereich wurden uns gefühlt 200 Mal Tourguides, Taxis und Ferraris angeboten. Für alle, die sich jetzt wundern: nein, durch Petra fahren keine Taxis, geschweige denn Ferraris. Die Beduinen, ausgestattet mit einem guten Schuss Selbstironie, bezeichnen allerdings ihre Kamele als Taxis und die Esel als Ferraris.
Das Angebot nehmen viele war, reiten auf Eseln den Berg zum Kloster hoch, fahren mit der Kutsche durch den Siq oder reiten auf einem Kamel vorbei an der Fassadenstraße. Petra ist nicht nur optisch überwältigend, sondern auch anstrengend: den ganzen Tag wandert und klettert man – und das in der jordanischen Wüstenhitze.

In Petra leben noch sehr viele Beduinen, die vom jordanischen König mit Privilegien ausgestattet sind und deshalb dort bleiben dürfen. Für sie wurde auch ein sehr einfaches Beduinendorf errichtet, die meisten ziehen es allerdings vor, in ihren Höhlen oder Zelten zu wohnen.
Sie haben erkannt, wie viel Geld man mit Tourismus machen kann und arbeiten nun häufig als Tourguides oder haben in Petra verteilt kleine Stände, an denen sie Schals, Schmuck und Tee verkaufen. Apropos Tee: während unsere zwei Tage in Petra wurden wir ständig zum Teetrinken eingeladen, was immer eine ganz angenehme Pause war. Die Beduinen trinken schwarzen Tee mit Salbeiblättern – und jeder Menge Zucker. Judith und ich haben die Tage über also sehr flexibel gefastet.
Was die Verkaufsstrategien der Beduinen betrifft, fühlte ich mich wieder stark an Tunesien erinnert, weil die Sprüche hier ähnlich kreativ waren: zum Beispiel wurde einem versprochen „no taxes“ zahlen zu müssen und bei Armreifen für umgerechnet ein paar Cent „real silver“ zu bekommen. Beliebt war auch der Spruch „Come look, it’s happy hour!“

Petra selber wurde im 4. Jhd. v. Chr. von den Nabatäern, einem durch den Handel mit Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen reich gewordenen Volk, gegründet. Als die Römer Petra 63 v. Chr. eroberten, konnte sich die Stadt durch Tributzahlungen freikaufen. Während ihrer Blütezeit wurden die monumentalen Bauwerke geschaffen, manche freistehend, manche als Fassaden im Fels.
Anstatt viel zu erzählen, möchte ich einfach Bilder zeigen. Petra muss man allerdings selber einmal erlebt haben, Bilder können die Schönheit eigentlich nicht ausdrücken: um einen herum eine großartige felsige Landschaft und dann die kunstvollen Fassaden, Gräber und Gebetsnischen, die sich wie selbstverständlich in die Landschaft fügen. 




Das Obeliskengrab; ein Beduine aus Petra; das vielfarbige Gestein und
eine breite Stelle des Siqs


Am Ausgang des Siqs befindet sich
das Schatzhaus

Betritt man Petra, läuft man lange durch den Siq, eine enge Schlucht mit 70 m hohen Felswänden. Die Felsen alleine sind schon eine Attraktion: sie sind rot oder bräunlich und von gelben, grünen oder blauen Adern durchzogen, die aussehen, als hätte sie jemand angemalt. Hinter dem Siq öffnet sich die Schlucht plötzlich und vor einem liegt das großartige Schatzhaus, ursprünglich als Grabmal errichtet, später wohl als Tempel verwendet und die bekannteste Sehenswürdigkeit Petras.

An unserem ersten Abend hatten wir einen tollen Sonnenuntergang vom hohen Opferplatz aus; die Pfade sind allerdings schlecht bis gar nicht ausgeschildert, oft sind Treppen in den Stein gehauen, aber oft muss man abseits der Pfade klettern. Einerseits ist Petra zwar extrem touristisch, aber irgendwie auch sehr ursprünglich: die Beduinen leben mittendrinnen, geht man in eine Grabeskammer, stößt man nicht selten auf eine Ziegenherde, die diese als Schlafplatz – und als Toilette - verwendet.

Nach einem ziemlich anstrengenden Aufstieg (den wir klugerweise in die Mittagshitze gelegt hatten), erreichtet wir am nächsten Tag das Al-Deir Kloster mit einer ebenfalls wunderschönen Fassade. Der Aufstieg war allerdings nicht nur anstrengend, sondern auch nicht ungefährlich, weil einem häufig Esel entgegenkommen, die die Stufen hinunter gescheucht werden, um unten neue Touristen auf ihren Rücke zu laden und hochzutragen.




Ein Obelisk; nabatäische Gräber und ein typisches Zelt,
 in dem die Beduinen tagsüber Sachen verkaufen
und nachts übernachten

Hat man nach dem Kloster noch Energie, klettert man weiter auf einen der drei Aussichtspunkte, von denen aus man einen tollen Blick in die dahinterliegende Schlucht hat. Oben wurden wir von Beduinen, die dort leben, zum Essen eingeladen. Es gab eine Pampe aus Mehl, Öl und dem uns schon bekannten gekochten Ziegenjoghurt – sehr primitiv, aber eigentlich ganz lecker.

Auf die hinter diesem Berg liegende Schlucht hat man vom höchsten Aussichtspuntk in Petra aus einen guten Blick

Die Beduinen boten uns an, mit ihnen ins Beduinendorf zu kommen, das sicherlich nicht Teil eines typischen Petra-Besuchs ist, aber ziemlich interessant war: Das Dorf wurde den Beduinen von der Regierung geschenkt, nicht um sie zwanghaft sesshaft zu machen, sondern um ihnen ein komfortableres Leben zu ermöglichen. Die Häuser in dem Dorf sind simpel gehalten: eingeschossig, mit wenig Licht und einem großen Flur, in dem Matratzen ausliegen und die Familien den ganzen Tag zu sitzen und Tee zu trinken scheinen.
In dem Dorf gibt es auch eine Schule, was eine wirkliche Besonderheit und Neuheit ist: alle Beduinen, mit denen wir gesprochen haben, haben nämlich nie eine Schule besucht und das Englisch, das sie beherrschen, haben sie im Umgang mit den Touristen, die jeden Tag nach Petra kommen, gelernt. Allgemein kann man sagen, dass die Beduinen – obwohl sie nie in der Schule waren – ziemlich intelligent sind, sich für andere Kulturen interessieren und gerne von ihrer eigenen erzählen. Sie sind sehr offen, angeblich würden sie sogar Israelis ohne mit der Wimper zu zucken zum Teetrinken einladen.


Am Abend sind wir mit ihnen und einem französischem Ehepaar nach Little Petra gefahren, wo wir im Zelt der Familie des einen Beduinen gegrillt haben. Spätestens da haben wir alle Essenswarnungen (nur gekochtes oder geschältes Obst und Gemüse essen…) über Bord geworfen. Es gab Tomaten und Auberginen, die die Beduinen selber anbauen, sowie Hähnchen, das wir über dem Feuer gegrillt haben. Das Feuer war allerdings nicht nur zum Kochen gut; in der Wüste wird es abends auch schnell kalt. Der Sternenhimmel war traumhaft und voller Sternschnuppen – nur fotografieren kann man ihn leider schlecht…


Typisch Petra: das Grab eines römischen Soldaten, davor ein Beduinenzelt