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Freitag, 13. Dezember 2013

Balagan ohne Ende oder: Warum mein Besuch einen falschen Eindruck von Israel bekommt

Solches Wetter hätten wir auch gerne gehabt: ein Bild Sisleys im Tel Aviv Museum of Art

Shalom chaverim,

Anders als angekündigt, sitze ich jetzt doch wieder am Laptop in Ra’anana und schreibe an meinem Blog. Theoretisch sollte ich gerade mit meiner Freundin Kathi auf dem Ölberg wandeln und Zettelchen in die Klagemauer stecken, aber eben auch nur theoretisch. In Israel gibt es das schöne Wörtchen Balagan, was ganz gut die Geschehnisse der letzten Tage zusammen fasst.

Erst einmal sollte man wissen, dass in Israel eigentlich ständig Balagan herrscht, dass im Alltag, bei der Arbeit und vor allem im Verkehr eigentlich immer Balagan ist, aber alles dennoch erstaunlich gut funktioniert. Zusätzlich zudem regulären Balagan kommt jetzt auch noch der durch das Wetter verursachte Balagan, von dem sogar die deutschen Nachrichten berichten.

Aber jetzt von Anfang an: gestern Mittag landete meine deutsche Freundin Kathi in Tel Aviv (der Flug hatte trotz Balagan keine Verspätung) und wurde von mir in Herzliya abgeholt. Bei wirklich beschissenem Wetter (Kathi: „Hätte ich auch gleich in England bleiben können.“) sind wir auf der Ahuza, der Hauptstraße Ra’ananas Kaffee trinken gegangen. Theoretisch hatten wir in den Ra’anana West Park gehen wollen, allerdings hatte unser neues Fahrrad ausgerechnet am Abend davor einen Platten bekommen – und der Park ist bei Regen auch nicht wirklich einladend.

Am Abend haben wir mit Judith zusammen bei Sarah, einer Freundin aus Herzliya übernachtet, die schon am Samstag nach Deutschland auswandert und von der wir uns verabschieden wollten. Im Fernsehen wurde Bilder von der Situation auf den Straßen Israels gezeigt und was man da sah, war zu diesem Zeitpunkt wirklich noch wenig beeindruckend: verregnete Straßen und ein umgekippter Baum – in den Medien hatte man in letzter Zeit von deutlich schlimmeren Naturkatastrophen gehört. Sarah und ihre Roommates waren allerdings bestürzt über das, was sie da sahen, und wir deutschen waren etwas erstaunt über ihre Bestürzung – Israelis kriegen wohl schon bei ein bisschen Regen die Krise, dachten wir uns da noch.
 


Rothschild Boulevard
Am nächsten Morgen sind wir (nach gefühlt drei Stunden Schlaf) schon sehr früh aufgestanden, um uns rechtzeitig auf den Weg nach Tel Aviv zu machen. Wir planten so viel Zeit ein, da auf den Straßen – na was wohl – ordentlich Balagan war, was aber einfach an der Tatsache lag, dass wir zur Rush Hour in eine Großstadt fuhren. Judith und ich sollten um neun Uhr an einem eintägigen Seminar für ALUT-Freiwillige teilnehmen und Kathi (wegen des schlechten Wetters) so lange in ein Museum gehen. Gerade im Bus rief uns unserer Managerin an, das Seminar sei gecancelt worden wegen des Regens – ziemlich lächerlich, dachten wir uns noch – das bisschen Regen…

Wir beschlossen also, uns einfach einen schönen Tag in Tel Aviv zu machen und erst einmal einen Kaffee trinken zu gehen. Gerade im Café angekommen hieß es dann allerdings, das Seminar fände doch statt. Wir beeilten uns mit unserem Kaffee und wollten gerade los, als es wiederum hieß, das Seminar würde doch nicht stattfinden. (An diesem Beispiel konnte Kathi sehr gut sehen, was mit Balagan gemeint ist.) Dass das Seminar nicht stattfand, lag daran, dass es den Freiwilligen aus Jerusalem nicht gelang, die Stadt zu verlassen. Denn ja, es fiel tatsächlich Schnee in Jerusalem, was den Balagan nur noch verstärkte….

Die wenigen Minuten, in denen schönes Wetter war, nutzten wir, um Kathi schon einmal ein bisschen was von Tel Aviv zu zeigen und sie über unsere Lieblingsstraße, den Rothschild Boulevard, zu führen. Aber selbst der sah bei Regen trostlos aus und wir vermissten plötzlich die Tage, an denen es warm war, Kindern auf dem Grünstreifen spielten und Tel Aviknis am Kiosk ihren Kaffee tranken….



Tel Aviv Museum of Art

Um das schlechte Wetter zu umgehen, gingen wir also zu dritt ins Tel Aviv Museum of Art, das schon alleine wegen seiner Architektur einen Besuch wert ist. Man findet hier sowohl moderne Kunst (teilweise so modern, dass einem der Sinn verschlossen bleibt), als auch wahre Klassiker: Monet, Giacometti, Piet Mondrian, Jackson Pollock, Degas, Dalí…


Das Kunstwerk der portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos durchzieht alle fünf Etagen des Museums



In dem Restaurant auf dem Museums-Platz haben wir lecker gegessen, uns dann aber wieder auf den Rückweg gemacht, schließlich sollte es am nächsten Morgen schon ganz früh nach Jerusalem losgehen. Theoretisch zumindest…

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