| Solches Wetter hätten wir auch gerne gehabt: ein Bild Sisleys im Tel Aviv Museum of Art |
Shalom chaverim,
Anders als angekündigt, sitze ich jetzt doch wieder am Laptop in Ra’anana und schreibe an meinem Blog. Theoretisch sollte ich gerade mit meiner Freundin Kathi auf dem Ölberg wandeln und Zettelchen in die Klagemauer stecken, aber eben auch nur theoretisch. In Israel gibt es das schöne Wörtchen Balagan, was ganz gut die Geschehnisse der letzten Tage zusammen fasst.
Anders als angekündigt, sitze ich jetzt doch wieder am Laptop in Ra’anana und schreibe an meinem Blog. Theoretisch sollte ich gerade mit meiner Freundin Kathi auf dem Ölberg wandeln und Zettelchen in die Klagemauer stecken, aber eben auch nur theoretisch. In Israel gibt es das schöne Wörtchen Balagan, was ganz gut die Geschehnisse der letzten Tage zusammen fasst.
Erst einmal sollte man wissen, dass in Israel eigentlich
ständig Balagan herrscht, dass im Alltag, bei der Arbeit und vor allem im
Verkehr eigentlich immer Balagan ist, aber alles dennoch erstaunlich gut
funktioniert. Zusätzlich zudem regulären Balagan kommt jetzt auch noch der
durch das Wetter verursachte Balagan, von dem sogar die deutschen Nachrichten
berichten.
Aber jetzt von Anfang an: gestern Mittag landete meine
deutsche Freundin Kathi in Tel Aviv (der Flug hatte trotz Balagan keine
Verspätung) und wurde von mir in Herzliya abgeholt. Bei wirklich beschissenem
Wetter (Kathi: „Hätte ich auch gleich in England bleiben können.“) sind wir auf
der Ahuza, der Hauptstraße Ra’ananas Kaffee trinken gegangen. Theoretisch
hatten wir in den Ra’anana West Park gehen wollen, allerdings hatte unser neues
Fahrrad ausgerechnet am Abend davor einen Platten bekommen – und der Park ist
bei Regen auch nicht wirklich einladend.
Am Abend haben wir mit Judith zusammen bei Sarah, einer
Freundin aus Herzliya übernachtet, die schon am Samstag nach Deutschland
auswandert und von der wir uns verabschieden wollten. Im Fernsehen wurde Bilder
von der Situation auf den Straßen Israels gezeigt und was man da sah, war zu
diesem Zeitpunkt wirklich noch wenig beeindruckend: verregnete Straßen und ein
umgekippter Baum – in den Medien hatte man in letzter Zeit von deutlich
schlimmeren Naturkatastrophen gehört. Sarah und ihre Roommates waren allerdings
bestürzt über das, was sie da sahen, und wir deutschen waren etwas erstaunt
über ihre Bestürzung – Israelis kriegen wohl schon bei ein bisschen Regen die
Krise, dachten wir uns da noch.
| Rothschild Boulevard |
Wir beschlossen also, uns einfach einen schönen Tag in Tel
Aviv zu machen und erst einmal einen Kaffee trinken zu gehen. Gerade im Café
angekommen hieß es dann allerdings, das Seminar fände doch statt. Wir beeilten
uns mit unserem Kaffee und wollten gerade los, als es wiederum hieß, das
Seminar würde doch nicht stattfinden. (An diesem Beispiel konnte Kathi sehr gut
sehen, was mit Balagan gemeint ist.) Dass das Seminar nicht stattfand, lag
daran, dass es den Freiwilligen aus Jerusalem nicht gelang, die Stadt zu
verlassen. Denn ja, es fiel tatsächlich Schnee in Jerusalem, was den Balagan
nur noch verstärkte….
Die wenigen Minuten, in denen schönes Wetter war, nutzten
wir, um Kathi schon einmal ein bisschen was von Tel Aviv zu zeigen und sie über
unsere Lieblingsstraße, den Rothschild Boulevard, zu führen. Aber selbst der
sah bei Regen trostlos aus und wir vermissten plötzlich die Tage, an denen es
warm war, Kindern auf dem Grünstreifen spielten und Tel Aviknis am Kiosk ihren
Kaffee tranken….
| Tel Aviv Museum of Art |
Um das schlechte Wetter zu umgehen, gingen wir also zu dritt
ins Tel Aviv Museum of Art, das schon alleine wegen seiner Architektur einen
Besuch wert ist. Man findet hier sowohl moderne Kunst (teilweise so modern,
dass einem der Sinn verschlossen bleibt), als auch wahre Klassiker: Monet,
Giacometti, Piet Mondrian, Jackson Pollock, Degas, Dalí…
| Das Kunstwerk der portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos durchzieht alle fünf Etagen des Museums |
In dem Restaurant auf dem Museums-Platz haben wir lecker
gegessen, uns dann aber wieder auf den Rückweg gemacht, schließlich sollte es
am nächsten Morgen schon ganz früh nach Jerusalem losgehen. Theoretisch zumindest…
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