Make Hummus Not Walls

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Freitag, 27. September 2013

Ein Freibad in der Wüste oder: Die Ruhe neben dem Sturm

Shalom, chaverim!

An unserem dritten Abend wurden wir von einer der Guides auf eine Geburtstagsparty mitgenommen. Die Feier fand auf einem Hausdach im Norden Ra’ananas statt und kam genau zur richtigen Zeit: wir lernten nicht nur viele nette Israelis, sondern auch Ra’anana besser kennen.

Das eigentliche Highlight dieser Woche – und vielleicht sogar eines der Highlights des ganzen Jahres -war aber definitiv der Urlaub mit den Friends: für drei Tage ging es in den wunderschönen Kibbuz Shaar Hagolan am See Genezareth, der immer noch als Kibbuz, aber auch als Gästehaus genutzt wird.

Jetzt aber der Reihe nach: mit einem gut klimatisierten Reisebus ging es für uns fünf Freiwillige (vier Deutsch, eine Israelin), 17 (!) Guides und 17 Friends erst einmal in ein Freibad mitten in der Wüste. Die große Anzahl an Betreuern heißt übrigens nicht, dass die Friends permanenter Einzelbetreuung bedürften, sondern vielmehr, dass sich keiner der Guides so eine tolle Reise entgehen lassen wollte.
Dieses Freibad – vom ökologischem Wahnsinn mal abgesehen – war eine willkommene Erfrischung und nebenbei auch die erste richtige Gelegenheit für uns, die Friends richtig kennenzulernen. Das erwies sich allerdings als ziemlich schwierig – hauptsächlich wegen nichtvorhandenen Hebräisch-Kenntnissen unsererseits, aber auch, weil wir so gut wie gar nichts über die Autisten, ihr Krankheitsbild und ihre Vorlieben wussten und häufig nicht einmal ihren Namen kannten.

Blick auf Jordanien
Im Kibbuz selber bezogen wir vier deutschen Volontäre zusammen ein luxuriöses Zimmer. Vorher ging es aber selbstverständlich in den riesigen Pool – mit Blick auf die Berge Jordaniens, das nur wenige 100 Meter von uns entfernt lag. Diese idyllische Stille war im wahrsten Sinne des Wortes die Ruhe neben dem Sturm, denn auch die syrische Grenze war nicht weit entfernt und der Syrien-Konflikt hatte in ebenjener Woche dramatische Ausmaße angenommen: in jenen Tagen sah die Lage nämlich noch nach einem amerikanischen Militärschlag gegen Syrien aus – auf den Syriens Verbündeter Iran wohlmöglich mit einem Vergeltungsschlag gegen Israel reagiert hätte. Also eigentlich alles andere als rosige Aussichten, immer wieder wurde auch über Gasmasken geredet. (Judith und ich fragten also nach. „Klar gibt es Gasmasken,“ wurde uns versichert. Wir atmeten erleichtert auf. „Allerdings nur für die Friends.“)

Am nächsten Morgen ging es weiter mit einer Kanufahrt im Jordan – der sich allerdings als dreckiger und auch ziemlich popeliger Fluss erwies. Trotzdem war das Wasser angenehm kühlend und auch der ein oder andere Friend ließ sich zu einem Bad überreden. Auf dem Weg zurück zum Kibbuz fuhren wir ziemlich lange am See Genezareth vorbei – an den wir sicherlich noch einmal gesondert reisen werden.
Am Abend fuhren wir in einen anderen Kibbuz, wo wir Tieren anschauten, trommelten und ich feststellte, dass zwei der Friends Englisch verstehen! Nachdem einer von ihnen mich wirklich stundenlang auf Hebräisch zugetextet hatte und von mir immer nur „Ani lo metaberet ivrit“ (ich spreche kein Hebräisch) als Antwort erhalten hatte, fing er plötzlich an, die Tiernamen auf Englisch zu sagen. Da ich mich freute, freute sich der Friend noch mehr. So endete der Abend damit, dass ich mir an die hundert Male „Cow in the English, nachhon? Sheep in the English, nachhon? Dog in the English, nachhon?“ anhören durfte – was ich immer mit „Nachhon, nachhon!“ (richtig) beantwortete – denn so viel Hebräisch beherrschte sogar ich schon.

Um jetzt langsam mal weiter zu kommen nur noch schnell die restlichen Stationen des Urlaubs: Kaffee und Kuchen im Kibbuz, Schokoladenfabrik inklusive Film und Probieren, Eisessen bei McDonalds – denn klar: andere Länder, andere Sitten, aber Schokolade und Mcces geht wohl immer. 

Ankunft oder: Erste israelische Besonderheiten

Shalom, chaverim!

Judith und ich sind am 28. August zusammen mit den anderen sechs anderen Freiwilligen unserer Organisation (die in anderen Projekten arbeiten werden) am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv gelandet. Der Flug lief soweit gut, doch schon im Flugzeug bzw. sogar noch früher machten sich israelisch Eigenheiten bemerkbar: So gab es natürlich für uns am Düsseldorfer Flughafen eine extra Kontrolle, aber was uns wirklich verblüffte, war die Durchsage im Flugzeug, man dürfe laut einer israelischen Sicherheitsbestimmung eine halbe Stunde vor Landung nicht mehr seinen Sitzplatz verlassen. Ob sie tatsächlich damit rechneten, einer von den unschuldig aussehenden Passagieren würde noch schnell auf dem Flugzeug-Klo eine Bombe zünden – ich weiß es nicht.

Die Kontrollen am Flughafen in Israel dauerten selbstverständlich eine kleine Ewigkeit, aber wir besaßen glücklicher Weise alle Dokumente. (Die ellenlange Story der Dokumentenbeschaffung erspare ich Euch, soviel sei nur gesagt: Führungszeugnis mit beim Bundesamt für Justiz beantragten Apostille - von einem amtlich bestallten Übersetzer übersetzt und notariell beglaubigt, dazu natürlich Arbeitsvertrag, Versicherungsbestätigung, Einladung durch das israelische Ministry of Social Affairs und ein Gesundheitsattest). Dementsprechend mussten wir nicht lange auf die Koffer warten und dann ging alles ganz schnell: Ila, eine der Guides (Betreuer) unseres Projekts nahm uns in Empfang und mit den beiden Volontärinnen, die in einem Projekt bei uns in der Nähe arbeiten, wurden wir in einem Kleinbus nach Ra’anana gebracht.
Die Hitze sowie die Tatsache, dass Judith und ich uns ein Zimmer teilen würden, machte uns zu schaffen und obwohl es helllichter Tag war, waren wir plötzlich ziemlich fertig. Zu allem Überfluss war jenes besagte Zimmer auch noch ziemlich dreckig. Wenn man mich fragt, wie die ersten drei Tage in Israel waren, würde ich rückblickend sagen: „nicht schön!“ Heimweh, Kulturschock, Einsamkeit – das Übliche.

Umso schöner war dafür der darauf folgende Monat…

Shalom, chaverim!

Shalom, chaverim!

So viel Hebräisch können wohl die meisten von Euch noch selber. Das Lied kennen Kirchengänger aus Gesangsbüchern, aber nicht nur hier trifft man auf Israel. Es gibt viele Berührungspunkte mit dem Land: ob in den Nachrichten, beim Essen oder natürlich in Geschichtsbüchern; man stößt ständig auf Israel.

Nach vielem hin und her habe ich mich dazu entschlossen, ein ganzes Jahr im Gelobten Land zu verbringen und einen Freiwilligen Friedensdienst, entsendet durch die Evangelische Kirche im Rheinland, zu leisten. Meine Mitfreiwillige Judith und ich arbeiten und wohnen für ein Jahr in dem Projekt Beit Perry, einem Wohnheit für Autisten in Ra’anana, einer äußerste religiösen Stadt im Norden Tel Avivs. Dass die Autisten hier nicht etwa als Patienten, sondern vielmehr als Friends (Chaverim) bezeichnet werden, sagt schon einmal viel über die familiäre und freundliche Atmosphäre der Einrichtung aus.

Es gibt insgesamt 17 Friends (drei weiblich, 14 männlich – Autismus tritt deutlich häufiger bei Männern auf). Die Friends verteilen sich auf drei Häuser: Red (High-Functioning), Blue (Middle-Functioning) und Green (Low-Functioning). Die Häuser bestehen jeweils aus einem großen Wohnzimmer, einer Küche, einem Bastel- und einem Waschraum; im oberen Stockwerk hat jeder der Friends sein eigenes Zimmer mit Bad. Die Volontäre (momentan vier deutsche und eine israelische) arbeiten im Blue und im Green House, einer der Volontäre allerdings in Hadassim, der Tagesstätte, wo die Friends töpfern, basteln etc. Sie fahren dort täglich von Sonntag bis Donnerstag von circa 8:00-16:00 hin.
Unsere Schicht beginnt dementsprechend sobald die Friends zurückkommen und endet damit, dass wir sie gegen 21:00 ins Bett bringt. Am Wochenende (also Freitag und Samstag) kann es allerdings auch sein, dass wir die Frühschicht (8:00-15:00) bekommen. Zusäzlich fällt für jeden Volontär auch zweimal die Woche die Wake-up-Shift an (6:00-8:00). Hier helfen wir dabei, die Friends zu wecken, zu duschen und ihnen Kaffee und Sandwiches zu machen.

Für den Nachmittag ist immer Programm vorgesehen: Schwimmbad, Fahrradfahren, Basteln, Sport in der Gym, Yoga, Trommeln, Besuch von einer Frau mit zwei Hunden. Wenn es mal kein Programm gibt, können wir mit den Friends eigenständig basteln, puzzeln etc.
Worüber wir uns sehr gefreut haben, ist, dass es in Beit Perry drei Klaviere gibt, die wir jederzeit benutzen können. Auch die Gym, die mit einigen Laufbändern ausgestattet ist, benutzen wir oft für uns selbst.

Ein Nachteil an Ra’anana ist, dass am Shabbat keine Shiruts (Sammeltaxis) fahren. An sich kann man Tel Aviv aber gut innerhalb einer Stunde mit dem Bus erreichen. Zum Strand dauert es circa 40 Minuten – deutlich schneller geht’s mit dem Fahrrad. In Ra’anana gibt es eine große Mall in der man alles bekommen kann, sowie viele Parks. Die Stadt ist sehr wohlhabend und dadurch sauber und gepflegt. Auch Beit Perry ist gut ausgestattet und bietet den Friends viele Möglichkeiten. Die Guides (Betreuer) sind überwiegend sehr jung und offen. Dadurch, dass man in den Schichten immer mitessen und sich auch ansonsten stets an dem großen Kühlschrank bedienen kann, müssen wir uns keine Sorgen um Lebensmittel machen – die in Israel ziemlich teuer sind.