Shalom chaverim,
Bevor ich mich für die nächsten zwei Wochen verabschiede, wollte ich mich kurz nochmal melden und von den beiden letzten Wochen berichten. Ab morgen bekomme ich nämlich den ersten Besuch von einer Freundin, die 10 Tage bleibt. Eine andere Freundin kommt ab nächstem Montag dazu und bleibt bis zum 23. Dezember – ab dem 24. haben Judith und ich dann wieder frei; mit Arbeiten wird also nicht so viel in den nächsten Wochen.
Bevor ich mich für die nächsten zwei Wochen verabschiede, wollte ich mich kurz nochmal melden und von den beiden letzten Wochen berichten. Ab morgen bekomme ich nämlich den ersten Besuch von einer Freundin, die 10 Tage bleibt. Eine andere Freundin kommt ab nächstem Montag dazu und bleibt bis zum 23. Dezember – ab dem 24. haben Judith und ich dann wieder frei; mit Arbeiten wird also nicht so viel in den nächsten Wochen.
Umso arbeitsreicher waren dafür die letzten beiden Wochen,
sodass es auch gar nicht viel aus meiner Freizeit zu berichten gibt. Da letztes
Wochenende das erste des Monats war, gab es besonderes Programm für die
Friends. An diesen Wochenenden bleiben alle Friends (zumindest ein Großteil) in
Beit Perry. Am Freitag hatten wir Kabalat Shabat, was so viel wie ‚den
Shabbat einleiten‘ bedeutet. Hierzu kommen drei Mitglieder aus der Reformierten
Synagoge von nebenan und singen mit den Friends. Das Singen ist allerdings
ziemlich anstrengend; einer der Friends aus dem Red House ist ständig gestresst
und sobald das eine Lied zu Ende ist, stimmt er direkt das nächste an, sodass
kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis einer
der Friends anfängt zu tanzen (bzw. sich um die eigene Achse zu drehen) oder
einer vor Freude ausrastet. Aber natürlich gibt es auch Friends, die völlig
ungerührt bleiben und sich kaum dazu motivieren lassen, doch zumindest mit zu klatschen.
Am Samstag Morgen dann kam der von den Friends lang ersehnte
Kino-Besuch. Hierzu fuhren wir mit dem Bus in das Kino in der Mall in Ra’anana
und haben uns dort den Film „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen II“
angeschaut. ‚Angeschaut‘ ist allerdings der falsche Ausdruck: im Prinzip ist
nur einer der 18 Friends in der Lage, den Film vollständig zu verstehen. Für
die anderen ist es trotzdem ein Erlebnis: die 3D-Brilllen waren für sie sehr
faszinierend, aber die Tatsache, dass manche sie zwischendurch abgenommen
haben, zeigt wohl sehr deutlich ihr Interesse an dem Film. Umso spannender war
allerdings das Popcorn und die Cola, die sie am Anfang bekommen haben. Von den
beiden Friends, auf die ich ein besonders Auge werfen sollte, ist einer
zwischendurch immer wieder eingeschlafen. Der andere musste schon ziemlich bald
aufs Klo, was etwas nervig war, schließlich saßen wir am falschen Ende der Reihe.
Nach und nach mussten alle Friends aufs Klo und ich frage mich, ob es wirklich
eine gute Idee war, allen vor Beginn einen halben Liter Cola zu geben, den sie –
Cola gibt es schließlich nie in Beit Perry – in einem Zug leer getrunken haben.
Ebenso bezweifle ich, ob es für das restliche Publikum wirklich zumutbar ist,
in eine öffentliche Vorstellung zu gehen – schon ziemlich bald hat einer der Friends
wieder angefangen zu tanzen und herum zu quieken…
Am Donnerstag – diese
Woche unser freier Tag – haben Judith und ich es endlich geschafft, ins
Herzliya Museum of Contemporary Art zu gehen. Dank unseres Orientierungstalents
sind wir ziemlich lange durchs verregnete Herzliya gelaufen – nur um dann
festzustellen, dass es sich direkt gegenüber des Dolly-Parton, einer Bar, in
der wir schon mehrfach waren, befindet. Der Besuch hat sich allerdings gelohnt:
in der Ausstellung „Other People’s Problems: Conflicts and Paradoxes“ ging es –
wie sich durchaus auch aus dem Titel erschließen lässt – um Probleme anderen
Leute, die uns nicht direkt tangieren. Unsere Gleichgültigkeit gegenüber diesen
Problemen – so die Message der Ausstellung – ist allerdings die falschen
Einstellung; eines Tages könnten wir selber betroffen sein. Neben ein paar
Kunstwerken gab es vor allem Videos (zum Beispiel über die mit dem Boot illegal
nach Europa einwandernden Afrikaner). Da die Filme sehr lang und wir im Museum
nahezu alleine waren, konnten wir uns auf die Bänke legen und ein bisschen
berieseln lassen.
| Eines der Exponate: auf den ersten Blick sieht man bunte Luftballons; bei genauerem Hinsehen erkennt man Folterszenen |
Am Sonntag hatten wir EKIR-Freiwilligen bei Denise und Laura
in Ramat HaSharon einen Adventskaffee und tauschten Wichtelgeschenke aus. Es
war sehr gemütlich, Weihnachtsstimmung ist bei mir allerdings ganz und gar
nicht aufgekommen. Judith und ich haben auch angefangen, Weihnachtskugeln und
anderen Schmuck in unseren Zimmern aufzuhängen, finden allerdings, dass sie einfach
fehl am Platz aussehen. Weihnachtsstimmung und Israel (immerhin der
Ursprungsort des Christentums) passen für uns bis jetzt noch nicht zusammen. Vielleicht
liegt es an den warmen Temperaturen, noch wahrscheinlicher aber an der
Tatsache, dass es (von den anderen deutschen Volontären abgesehen) in unserem
Umfeld schlichtweg niemand feiert. Gut, dass heute zumindest ein Paket mit Aachener
Printen von meinen Großeltern gekommen ist…
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