Make Hummus Not Walls

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Dienstag, 10. Dezember 2013

Der Reiz des Kinos oder: Warum im Heiligen Land keine Weihnachtsstimmung herrscht



Shalom chaverim,

Bevor ich mich für die nächsten zwei Wochen verabschiede, wollte ich mich kurz nochmal melden und von den beiden letzten Wochen berichten. Ab morgen bekomme ich nämlich den ersten Besuch von einer Freundin, die 10 Tage bleibt. Eine andere Freundin kommt ab nächstem Montag dazu und bleibt bis zum 23. Dezember – ab dem 24. haben Judith und ich dann wieder frei; mit Arbeiten wird also nicht so viel in den nächsten Wochen.

Umso arbeitsreicher waren dafür die letzten beiden Wochen, sodass es auch gar nicht viel aus meiner Freizeit zu berichten gibt. Da letztes Wochenende das erste des Monats war, gab es besonderes Programm für die Friends. An diesen Wochenenden bleiben alle Friends (zumindest ein Großteil) in Beit Perry. Am Freitag hatten wir Kabalat Shabat, was so viel wie ‚den Shabbat einleiten‘ bedeutet. Hierzu kommen drei Mitglieder aus der Reformierten Synagoge von nebenan und singen mit den Friends. Das Singen ist allerdings ziemlich anstrengend; einer der Friends aus dem Red House ist ständig gestresst und sobald das eine Lied zu Ende ist, stimmt er direkt das nächste an, sodass kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis einer der Friends anfängt zu tanzen (bzw. sich um die eigene Achse zu drehen) oder einer vor Freude ausrastet. Aber natürlich gibt es auch Friends, die völlig ungerührt bleiben und sich kaum dazu motivieren lassen, doch zumindest mit zu klatschen.

Am Samstag Morgen dann kam der von den Friends lang ersehnte Kino-Besuch. Hierzu fuhren wir mit dem Bus in das Kino in der Mall in Ra’anana und haben uns dort den Film „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen II“ angeschaut. ‚Angeschaut‘ ist allerdings der falsche Ausdruck: im Prinzip ist nur einer der 18 Friends in der Lage, den Film vollständig zu verstehen. Für die anderen ist es trotzdem ein Erlebnis: die 3D-Brilllen waren für sie sehr faszinierend, aber die Tatsache, dass manche sie zwischendurch abgenommen haben, zeigt wohl sehr deutlich ihr Interesse an dem Film. Umso spannender war allerdings das Popcorn und die Cola, die sie am Anfang bekommen haben. Von den beiden Friends, auf die ich ein besonders Auge werfen sollte, ist einer zwischendurch immer wieder eingeschlafen. Der andere musste schon ziemlich bald aufs Klo, was etwas nervig war, schließlich saßen wir am falschen Ende der Reihe. Nach und nach mussten alle Friends aufs Klo und ich frage mich, ob es wirklich eine gute Idee war, allen vor Beginn einen halben Liter Cola zu geben, den sie – Cola gibt es schließlich nie in Beit Perry – in einem Zug leer getrunken haben. Ebenso bezweifle ich, ob es für das restliche Publikum wirklich zumutbar ist, in eine öffentliche Vorstellung zu gehen – schon ziemlich bald hat einer der Friends wieder angefangen zu tanzen und herum zu quieken…

 Am Donnerstag – diese Woche unser freier Tag – haben Judith und ich es endlich geschafft, ins Herzliya Museum of Contemporary Art zu gehen. Dank unseres Orientierungstalents sind wir ziemlich lange durchs verregnete Herzliya gelaufen – nur um dann festzustellen, dass es sich direkt gegenüber des Dolly-Parton, einer Bar, in der wir schon mehrfach waren, befindet. Der Besuch hat sich allerdings gelohnt: in der Ausstellung „Other People’s Problems: Conflicts and Paradoxes“ ging es – wie sich durchaus auch aus dem Titel erschließen lässt – um Probleme anderen Leute, die uns nicht direkt tangieren. Unsere Gleichgültigkeit gegenüber diesen Problemen – so die Message der Ausstellung – ist allerdings die falschen Einstellung; eines Tages könnten wir selber betroffen sein. Neben ein paar Kunstwerken gab es vor allem Videos (zum Beispiel über die mit dem Boot illegal nach Europa einwandernden Afrikaner). Da die Filme sehr lang und wir im Museum nahezu alleine waren, konnten wir uns auf die Bänke legen und ein bisschen berieseln lassen.


Eines der Exponate: auf den ersten Blick sieht man bunte Luftballons; bei
genauerem Hinsehen erkennt man Folterszenen


Am Sonntag hatten wir EKIR-Freiwilligen bei Denise und Laura in Ramat HaSharon einen Adventskaffee und tauschten Wichtelgeschenke aus. Es war sehr gemütlich, Weihnachtsstimmung ist bei mir allerdings ganz und gar nicht aufgekommen. Judith und ich haben auch angefangen, Weihnachtskugeln und anderen Schmuck in unseren Zimmern aufzuhängen, finden allerdings, dass sie einfach fehl am Platz aussehen. Weihnachtsstimmung und Israel (immerhin der Ursprungsort des Christentums) passen für uns bis jetzt noch nicht zusammen. Vielleicht liegt es an den warmen Temperaturen, noch wahrscheinlicher aber an der Tatsache, dass es (von den anderen deutschen Volontären abgesehen) in unserem Umfeld schlichtweg niemand feiert. Gut, dass heute zumindest ein Paket mit Aachener Printen von meinen Großeltern gekommen ist…

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