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| Pilger aus der ganzen Welt fiebern der Ankunft des Papstes entgegen |
Shalom chaverim,
Es gibt viel zu berichten! Aber ich fange am besten
bei dem Aktuellsten an, über das auch in den deutschen Medien viel berichtet
wird: dem Papstbesuch im Heiligen Land.
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Das Lateinische Patriarchat ist für den Papstbesuch entsprechend geschmückt |
Insgesamt hielt sich der Papst hier drei Tage auf, was
von vielen als viel zu kurz empfunden wird. Trotzdem handelt es sich um einen
besonderen Papstbesuch: Franziskus wird von einem Rabbiner und einem Iman aus
seiner Heimat Argentinien begleitet, erklärt aber dennoch das Treffen mit dem
Patriarchen Bartholomäus zum Mittelpunkt seiner Reise. Los ging es am Samstag in Jordanien: dort besuchte
er die Taufstelle Jesu am Jordan, feierte in Amman eine Messe, flog nach
Bethlehem und feierte dort ebenfalls eine Messe vor der Geburtskirche. Uns war
gesagt worden, der Papst wolle ausschließlich die Christens aus den jeweiligen
Ländern treffen, durch etwas Glück erhielten wir aber dennoch die begehrten
Tickets für die Messe auf dem Manger Square in Bethlehem, auch Krippenplatz
genannt.
Milena und ich hatten uns schon am Freitag auf den Weg
nach Bethlehem gemacht, da wir für den Samstag einen Besuch in Hebron
eingeplant hatten und beide Nächte bei befreundeten Volontären in deren
Bethlehemer WG hatten verbringen wollen. Theoretisch zumindest: zwei der vier
Volontärinnen arbeiten nämlich in einem Bethlehemer Kindergarten, in dem eine
Krankheit ausgebrochen war, mit der ich zuletzt als Kind konfrontiert worden
war: Läuse!
So kam es, dass Milena und ich für die erste Nacht
spontan eine andere Unterkunft finden mussten und so im Gästehaus des Dheische
Flüchtlingscamp übernachteten, in dem einen Tag später – das wussten wir damals
allerdings noch nicht – Franziskus mit Familien aus dem Flüchtlingscamp aß.
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| Riesige Plakate heißen den Papst willkommen |
Von unserem Ausflug nach Hebron werde ich ein andermal
berichten, jetzt soll es erst mal um Bethlehem gehen: Die gesamte Stadt war bei
meinem fünften Besuch völlig verändert: überall hingen von Häusern, Schulen und
Klöstern (und davon gibt in Bethlehem sehr viele) gigantische Postern, die den
Papst auf Englisch, Arabisch, Französisch oder Italienisch willkommen hießen.
Die gelb-weiße Fahne des Vatikans flatterte fast so oft wie die palästinensische
und auf den großen Straßen befanden sich palästinensische Soldaten, in Bethlehem ein seltener Anblick.
Unsere zweite Nacht in Bethlehem verbrachten wir in
der bis dahin wieder lausfreien WG und grillten auf der Dachterrasse. Die ganze
Stadt – Christen wie Muslime – fiebert dem Ereignis entgegen und die Tatsache,
dass Franziskus nur verhältnismäßig wenig Sicherheitspersonal bestellt hatte,
sorgte dafür, dass sich die Stadt zwar in einem Ausnahmezustand befand, aber in
keinem ungemütlichen.
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| Wartende Katholiken auf dem Manger Square |
Am Morgen liefen wir Volontärinnen also los Richtung
Manger Square. Franziskus machte sich wohl ungefähr zeitgleich auf den Weg von
Amman nach Bethlehem. Ganze drei Stunden vor Beginn der Messe waren wir
losgelaufen und fanden uns entsprechend früh am Ort des Geschehens ein. Dort
allerdings waren wir keineswegs die ersten: der Manger Square war nicht
wiederzuerkennen, es waren zwei Tribünen aufgebaut, eine für die Messe, eine
für Vorführungen und Chöre. Auf den Häuserdächern (in Palästina gibt es fast
ausschließlich Flachdächer) hatten sich Journalisten platziert, die sich
zwischendurch immer wieder unter die Gläubigen mischten, um sie zu interviewen.
Man sah Unmengen an Flaggen: Palästinensische, argentinische, philippinische –
von wegen, der Papst war gekommen, um mit den einheimischen Christen zu feiern.
Einige hielten Plakate hoch, nicht selten mit einer politischen Message.
Ordnungshüter liefen umher, verteilten Wasser an diejenigen, die fast zusammen
brachen in der Hitze und weiße Käppis, die den schlimmsten Sonnenbrand
verhindern sollten. Vor allem aber sah man eins: Menschen, Menschen, Menschen.
Aus Südamerika, Europa, den USA, dem Westjordanland, von den Philippinen, dem
Gaza-Streifen, dem Libanon, Indien und und und – insgesamt waren es über 10000.
Am besten vertreten schien aber eine bestimmt Spezie Katholik: die kleine
dickliche Südamerikanerin, die aufgrund ihrer Größe kaum etwas sah, aber nicht
davor zurückschrak, den anderen Schaulustigen in gebrochenem Englisch zu
erklären: „I’m from Argentina. I want to make picture. Can I go, please?“
In den beiden Stunden bis zum Beginn der Messe wurde
die meiste Zeit gesungen, meistens auf Arabisch, aber man erkannte die Lieder
vom Rhythmus her und konnte zumindest mitsummen. Die Leute schienen auch nach stundenlangem
Warten noch begeistert: enthusiastisch schwangen sie ihre Fahnen und immer
wieder fing einer an „Viva el papa!“ zu rufen und die anderen stimmten
begeistern mit ein.
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| Ankunft des Papstes im Papamobil |
Als der Papst dann in seinem Papamobil angefahren kam,
rasteten einige völlig aus, drängten sich mit Gewalt nach vorne, fingen an, vor
Freude zu weinen und schrien immer wieder den einen Satz, den man in diesen
Tagen so oft hörte: „Viva el papa!“ (Einige Palästinenser und Aktivisten
beließen es allerdings nicht dabei und hingen an das „Viva el papa!“ noch ein
„Viva Abbas!“, „Viva Palestina!“ dran.)
Der Papst in seinem Mobil drehte eine Runde über den
Platz, bejubelt wie ein Popstar auf Welttournee. Die Messe selbst wurde
überwiegend auf Italienisch gefeiert und es wurde meistens auf Arabisch
gesungen. Die Menge jubelte permanent, sodass man oft gar nicht mitbekam, in
welchem Teil der Messe wir uns gerade befanden und mir auch entgang, dass der
Papst Schimon Peres und den anwesenden Mahmud Abbas völlig überraschend – und
für eine Überraschung ist Franziskus immer gut – zu sich zum Gebet in den
Vatikan einlud.
Zur Gabenbereitung liefen einige Geistliche, die
vorher beim Papst auf der Bühne gesessen hatten, durch die Gänge und verteilten
Hostien. Aber auch hier verhielten sich einige Gläubige extrem unchristlich: um
einen Platz in der ersten Reihe wurden Ellbogen ausgefahren und man beschimpfte
sich in schlechtem Englisch – sicherlich nicht im Interesse von Franziskus. Der
allerdings ließ auf sich warten: anstatt entlang der Schneise, um die sich die
Menschen scharrten, Richtung Geburtskirche zu fahren, verkroch er sich für eine
halbe Stunde in dem hinter der Tribüne gelegenen Gebäude. Trotzdem ließ die
gute Stimmung der Gläubigen nicht nach: es wurde weiter gesungen, Fahnen wurden
geschwenkt und „Viva el papa!“ ausgerufen. Kurze Irritierung herrschte
allerdings als plötzlich mitten in diese Feierstimmung hinein der Muezzin der
am anderen Ende des Manger Squares gelegenen Moschee anfing, laut zu rufen.
Durch die akustische Verstärkung seines Rufs ist es schwer, ihn zu übertönen.
Die Besucher der Papstmesse fingen aber an, extrem laut Halleluja zu singen und
– na was wohl – „Viva el papa!“ zu schreien. Der hatte das Gebäude mittlerweile
wieder verlassen und fuhr jetzt im Papamobil entlang der Schneise an den
Gläubigen vorbei Richtung Geburtskirche. Der alte Mann, den man auf den
Bildschirmen hatte predigen und in sich versunken auf der Tribüne hatte sitzen
sehen, war nicht wiederzuerkennen: begeistert winkte er den Gläubigen zu,
winkte in alle Richtungen, um auch ja niemanden auszulassen und versuchte, die
ihm entgegen gehaltenen Hände und Kinder zu berühren – das Papamobil war
allerdings etwas zu schnell.
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| Ein tibetischer Mönch verteilt Hostien |
Wie man meinem Bericht entnehmen kann, war die Messe
also wenig berührend, was sicherlich auch an der Sprachbarriere lag, die Art
aber, in der der Papst die Menschen begeistert und mitgerissen hat, war
durchaus sehr beeindruckend.
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| Bethlehem im Ausnahmezustand |
Mit den anderen Volontärinnen kämpften Milena und ich
uns durch die Gassen der Altstadt, in denen Touristen die Andenkenläden
plünderten und so mancher Verkäufer wahrscheinlich in dem Moment das Geschäft
seines Lebens machte. In der Volontärs-WG wieder angekommen – es war
mittlerweile fünf Uhr – saßen wir alle etwas erschöpft (und von der Sonne durch
einen üblen Sonnenbrand gezeichnet) auf dem Balkon der WG. Plötzlich sah eine
von uns einen Hubschrauber, dessen Propeller langsam anfingen zu kreisen. Und
tatsächlich: es konnte nur der Hubschrauber des Papstes sein, den wir vom
Balkon aus sahen, schließlich sollte der um fünf Richtung Israel aufbrechen und
es gab in Bethlehem nur einen Hubschrauber-Landeplatz. Unter uns sahen wir
einige Schaulustige, die auch den Papst ausfindig gemacht hatten, und noch
schnell ein paar Fotos schießen wollten. Um Punkt fünf Uhr flogen dann aber
drei Hubschrauber in die Luft – wahrscheinlich ein Ablenkungsmanöver.
Den letzten Tag seiner Reise, also gestern, verbrachte
der Papst in Jerusalem, wo er unter anderem die Klagemauer, den Tempelberg und
die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchte. Abschließend traf er auf Peres
und Netanyahu und feiert eine Abschlussmesse auf dem Zions-Berg.
Jerusalem liegt nur 8 km von Bethlehem entfernt,
trotzdem flog der Papst von Bethlehem aus erst einmal ins 45 km entfernte Tel
Aviv, wo ihn ein offizieller israelischer Empfang erwartete – schließlich ist
Tel Aviv die international anerkannte Hauptstadt Israels und nicht Jerusalem.
Auch ich machte mich von Bethlehem auf in Richtung Tel Aviv - der Papst hätte mich also ruhig mitnehmen können!
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| Der Papst aus nächste Nähe |