Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 29. Dezember 2013

Israels Jahrhundert-Winter oder: Schon wieder Bethlehem

Auf der Jerusalemer Stadtmauer: Weihnachtsbaum und Palmen

Shalom chaverim,

Am Montag Abend (ich rede vom Montag in der Woche vor Weihnachten) kam noch Clara dazu, sodass Kathi und ich ab dann Verstärkung für unsere Ausflüge hatten. Da der ursprüngliche Plan, schon am Wochenende zuvor nach Jerusalem zu fahren, im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen war, beschlossen wir, doch zumindest für zwei Tage noch dorthin zu fahren.

Da es für Kathi das erste Mal in Jerusalem war, schauten wir uns viele Dinge an, die ich (und auch Clara) schon kannten, es kam allerdings noch einiges Neues für mich dazu. Zuallererst war da natürlich der Schnee. Jerusalem hatte ich bisher nur im Sommer erlebt (wobei ich die gesamte Zeit von März bis Oktober in Israel zum Sommer zähle). Mit dem Bus fährt man durch hügelige Landschaft, wenn man sich Jerusalem nähert. Alles war weiß und auch die Israelis zückten begeistert ihre Kameras, um Bilder zu machen.

An der CBS herrschte wegen des Schnees noch ziemlicher Balagan und die Straßenbahnen, die einen Richtung Altstadt bringen, fielen alle nacheinander aus. Wir beschlossen zuerst, den Weg bis zur Stadtmauer zu Fuß zurückzulegen, ließen es aufgrund nasser Füße aber lieber sein, warteten eine halbe Ewigkeit und ließen uns dann in der überfüllten Straßenbahn zerdrücken.

In der Altstadt waren immer noch tausende Haushalte ohne Strom, wir waren daher gewarnt worden und hatten sichergestellt, dass es in unserem Hostel auch warmes Wasser gab und die Heizung funktionierte. Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich das erste Mal in Jerusalem war und mich der Blick vom Dach des Hostels (damals haben wir dort sogar geschlafen!) überwältigt hat. Jerusalem war so vertraut und sah doch ganz anders aus: die Dächer waren von einer weißen Schicht überzogen und Kinder warfen mit Schneebällen.



Vorweihnachtliches Jerusalem

Weihnachtsladen im christlichen Viertel
Die Sonne schien, aber die Stadt war (für Jerusalemer Verhältnisse) wie ausgestorben: auf den Märkten war fast niemand, und Schlangen, in denen man sonst locker drei Stunden ansteht, hatten wir in wenigen Minuten geschafft. Zuerst machten wir einen Spaziergang auf der südlichen Stadtmauer, bei dem man sowohl einiges von der Altstadt als auch von der Neustadt sieht. Ein Teil der südlichen Stadtmauer und die gesamte nördliche waren allerdings gesperrt – es lag immer noch zu viel Schnee. Danach liefen wir etwas durch die mir schon sehr vertraute Altstadt; schauten uns die Via Dolorosa und die Grabeskirche an und kauften Kuchen am Damaskus Gate, dem meiner Meinung nach schönsten Tor. Da auch die Grabeskirche extrem leer war, konnten wir diesmal sogar in die Grabesrotunde gehen, ohne vorher stundenlang gewartet zu haben.

Vom Stephanstor aus liefen wir auf den Ölberg und schauten uns unterwegs jede noch geöffnete Kirche an – das gehört irgendwie dazu. Neu war hierbei für mich die Kirche der Nationen, die mit Spenden vieler Nationen erbaut wurde und wunderschöne Deckenmosaike hat. Sie liegt im Garten Gethsemane, dem Garten, in dem sich Jesus mit seinen Jüngern regelmäßig getroffen hat. Kathi fand den im Neuen Testament so oft erwähnten Garten ziemlich popelig; er besteht letztlich auch nur aus ein paar Olivenbäumen. Vom Ölberg aus genossen wir den Blick auf die Altstadt.

Auf dem Rückweg legten wir wieder einen Zwischenstop am Damaskustor ein, um – na was wohl – Falafel zu essen. Kathi zuliebe gingen wir noch an die Klagemauer, aber auch hier waren wir fast die einzigen.


Damaskustor

Die Tatsache, dass Jerusalem so ausgestorben war, nutzten wir auch am nächsten Morgen und besichtigten den Tempelberg, für den man normalerweise auch mehrere Stunden Schlange stehen muss. Leider darf man sich als Nicht-Muslim weder die Al-Aqsa-Moschee noch den Felsendom von innen anschauen, aber es lohnt sich trotzdem: gerade der Felsendom ist von auch außen wunderschön und es ist interessant, die Muslime zu beobachten, die auf dem großen Areal zusammen sitzen und kritisch die Touristen beäugen.




Der Felsendom 


Motive auf der Separation Wall
Mit dem Bus fuhren wir nach Bethlehem, wo wir ziemlich genau die Tour machten, die ich wenige Wochen zuvor schon einmal gemacht hatte: Geburtskirche, Milchgrotte und natürlich die Separation Wall, die man meiner Meinung nach auch unbedingt gesehen haben muss. Bethlehem war definitiv weihnachtlicher geschmückt als Jerusalem, aber es wollte partout immer noch keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Der Vorteil daran, so kurz vor Weihnachten in Bethlehem zu sein, war, dass man hier wunderbar Weihnachtsgeschenke (zu übrigens deutlich besseren Preisen als in Israel) kaufen kann. Kathi, Clara und ich kauften Schals und anderes Gedöns, mussten allerdings feststellen, dass wir noch keine Verhandlungs-Profis waren.




Zurück in Jeruslaem liefen wir noch durch das Muslimische Viertel. Anscheinend haben wir uns auch noch eine Kirche angeschaut, denn auf meinem Laptop entdecke ich gerade ein Bild. Aufgrund all der Kirchen, die ich hier in letzter Zeit gesehen habe, kann ich sie allerdings beim besten Willen nicht mehr einordnen. J




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