| Auf der Jerusalemer Stadtmauer: Weihnachtsbaum und Palmen |
Shalom chaverim,
Am Montag Abend (ich rede vom Montag in der Woche vor
Weihnachten) kam noch Clara dazu, sodass Kathi und ich ab dann Verstärkung für
unsere Ausflüge hatten. Da der ursprüngliche Plan, schon am Wochenende zuvor
nach Jerusalem zu fahren, im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen war,
beschlossen wir, doch zumindest für zwei Tage noch dorthin zu fahren.
Da es für Kathi das erste Mal in Jerusalem war, schauten wir
uns viele Dinge an, die ich (und auch Clara) schon kannten, es kam allerdings
noch einiges Neues für mich dazu. Zuallererst war da natürlich der Schnee.
Jerusalem hatte ich bisher nur im Sommer erlebt (wobei ich die gesamte Zeit von
März bis Oktober in Israel zum Sommer zähle). Mit dem Bus fährt man durch
hügelige Landschaft, wenn man sich Jerusalem nähert. Alles war weiß und auch
die Israelis zückten begeistert ihre Kameras, um Bilder zu machen.
An der CBS herrschte wegen des Schnees noch ziemlicher
Balagan und die Straßenbahnen, die einen Richtung Altstadt bringen, fielen alle
nacheinander aus. Wir beschlossen zuerst, den Weg bis zur Stadtmauer zu Fuß
zurückzulegen, ließen es aufgrund nasser Füße aber lieber sein, warteten eine
halbe Ewigkeit und ließen uns dann in der überfüllten Straßenbahn zerdrücken.
In der Altstadt waren immer noch tausende Haushalte ohne
Strom, wir waren daher gewarnt worden und hatten sichergestellt, dass es in
unserem Hostel auch warmes Wasser gab und die Heizung funktionierte. Ich
erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich das erste Mal in Jerusalem war
und mich der Blick vom Dach des Hostels (damals haben wir dort sogar
geschlafen!) überwältigt hat. Jerusalem war so vertraut und sah doch ganz
anders aus: die Dächer waren von einer weißen Schicht überzogen und Kinder
warfen mit Schneebällen.
| Vorweihnachtliches Jerusalem |
| Weihnachtsladen im christlichen Viertel |
Die Sonne schien, aber die Stadt war (für Jerusalemer
Verhältnisse) wie ausgestorben: auf den Märkten war fast niemand, und
Schlangen, in denen man sonst locker drei Stunden ansteht, hatten wir in
wenigen Minuten geschafft. Zuerst machten wir einen Spaziergang auf der
südlichen Stadtmauer, bei dem man sowohl einiges von der Altstadt als auch von
der Neustadt sieht. Ein Teil der südlichen Stadtmauer und die gesamte nördliche
waren allerdings gesperrt – es lag immer noch zu viel Schnee. Danach liefen wir
etwas durch die mir schon sehr vertraute Altstadt; schauten uns die Via Dolorosa
und die Grabeskirche an und kauften Kuchen am Damaskus Gate, dem meiner Meinung
nach schönsten Tor. Da auch die Grabeskirche extrem leer war, konnten wir
diesmal sogar in die Grabesrotunde gehen, ohne vorher stundenlang gewartet zu
haben.
Vom Stephanstor aus liefen wir auf den Ölberg und schauten
uns unterwegs jede noch geöffnete Kirche an – das gehört irgendwie dazu. Neu
war hierbei für mich die Kirche der Nationen, die mit Spenden vieler Nationen
erbaut wurde und wunderschöne Deckenmosaike hat. Sie liegt im Garten
Gethsemane, dem Garten, in dem sich Jesus mit seinen Jüngern regelmäßig
getroffen hat. Kathi fand den im Neuen Testament so oft erwähnten Garten
ziemlich popelig; er besteht letztlich auch nur aus ein paar Olivenbäumen. Vom
Ölberg aus genossen wir den Blick auf die Altstadt.
Auf dem Rückweg legten wir wieder einen Zwischenstop am
Damaskustor ein, um – na was wohl – Falafel zu essen. Kathi zuliebe gingen wir
noch an die Klagemauer, aber auch hier waren wir fast die einzigen.
| Damaskustor |
Die Tatsache, dass Jerusalem so ausgestorben war, nutzten
wir auch am nächsten Morgen und besichtigten den Tempelberg, für den man
normalerweise auch mehrere Stunden Schlange stehen muss. Leider darf man sich
als Nicht-Muslim weder die Al-Aqsa-Moschee noch den Felsendom von innen
anschauen, aber es lohnt sich trotzdem: gerade der Felsendom ist von auch außen
wunderschön und es ist interessant, die Muslime zu beobachten, die auf dem
großen Areal zusammen sitzen und kritisch die Touristen beäugen.
| Der Felsendom |
| Motive auf der Separation Wall |
Mit dem Bus fuhren wir nach Bethlehem, wo wir ziemlich genau
die Tour machten, die ich wenige Wochen zuvor schon einmal gemacht hatte:
Geburtskirche, Milchgrotte und natürlich die Separation Wall, die man meiner
Meinung nach auch unbedingt gesehen haben muss. Bethlehem war definitiv
weihnachtlicher geschmückt als Jerusalem, aber es wollte partout immer noch
keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Der Vorteil daran, so kurz vor Weihnachten
in Bethlehem zu sein, war, dass man hier wunderbar Weihnachtsgeschenke (zu
übrigens deutlich besseren Preisen als in Israel) kaufen kann. Kathi, Clara und
ich kauften Schals und anderes Gedöns, mussten allerdings feststellen, dass wir
noch keine Verhandlungs-Profis waren.
Zurück in Jeruslaem liefen wir noch durch das Muslimische
Viertel. Anscheinend haben wir uns auch noch eine Kirche angeschaut, denn auf
meinem Laptop entdecke ich gerade ein Bild. Aufgrund all der Kirchen, die ich
hier in letzter Zeit gesehen habe, kann ich sie allerdings beim besten Willen
nicht mehr einordnen. J
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