Make Hummus Not Walls

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Mittwoch, 10. September 2014

Fazit, Friedensdienst und Völkerverständigung oder: Der vierte Rundbrief

Die zurückgekommenen EKiR-Freiwilligen auf unserem Seminar in Bonn


Shalom chaverim,
liebe Familie, Freunde, Unterstützer und Interessierte,

aus Bonn erreicht Euch und Sie mein vierter und letzter Rundbrief. Seit dem 20. August bin ich aus Israel zurück und gerade mittendrin in der nicht unbedingt leichten Phase des Wieder-Einlebens in Deutschland und des Eintretens in eine neue Lebensphase: Für alle Freiwilligen der EKiR geht es nämlich mit Studium oder Ausbildung weiter, meist verbunden mit dem Umzug in eine neue Stadt.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, hier in Bonn zu sitzen an meinem Schreibtisch mit Blick ins Grüne (hat man ein Jahr in Israel verbracht, kommt einem hier alles unwahrscheinlich grün vor…) und ein Fazit über dieses Jahr zu verfassen, das sich in all seinen Facetten so schwer in Worte fassen lässt.

Dieses Jahr mit allem was dazu gehört (die Arbeit mit Behinderten, das Leben in einem fremden Land, die neue Kultur, das viele Reisen und die dort geschlossenen Freundschaften, um nur mal ein paar Aspekte zu nennen) prägen einen als jungen Menschen enorm. Man gewinnt an Selbstständigkeit, lernt, mit schwierigen, herausfordernden Situationen umzugehen, sich anzupassen an eine neue Umgebung und zu improvisieren. Aber all dies sind Eigenschaften, die sicherlich bei jedem Auslandsaufenthalt erlernt und trainiert werden. Was also zeichnet unseren Freiwilligen Friedensdienst aus?

Einer der wichtigsten Aspekte ist selbstverständlich, dass dieser Dienst nicht nur uns etwas bringen soll. Dass die oben genannten Ziele erreicht werden, ist wünschenswert, aber eben nur einer unter vielen Aspekten. Wir haben im Ausland ein Soziales Jahr absolviert, im Vordergrund stand also der Andere, bzw. die Anderen. Wir haben mit Menschen gearbeitet, die Randgruppen angehören, oftmals von der Gesellschaft ignoriert werden und auf die Hilfe anderer Angewiesen sind, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge, Obdachlose etc.
Beit Perry, das Heim für Menschen mit Autismus in dem ich das Jahr über gearbeitet habe, nimmt seit Jahren Volontäre auf, die jeweils für sechs oder zwölf Monate mithelfen und dann nach Deutschland zurückkehren. Die Trägerorganisation ALUT (Society for Autistic Children) ist auf die Hilfe dieser Volontäre angewiesen, da die finanziellen Mittel fehlen, um mehr lokale Kräfte einzustellen. Trotzdem behaupte ich, dass wir mehr waren als nur der (deutlich günstigere) Ersatz einer Arbeitskraft. Wir als deutsche Volontäre kommen von außen, bringen neue Ideen mit und jede Menge Motivation. In der Regel empfinden wir die Arbeit nicht als lästige Pflicht sondern als eine bereichernde Aufgabe. Die chaverim, die Autisten, die in unserem Heim als Freunde bezeichnet werden, sind mir extrem ans Herz gewachsen, und ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen für Menschen, deren Verhalten oft schwer hervor zusehen ist.

Schon in meinem ersten Rundbrief habe ich geschrieben, wie wichtig es ist, die Autisten nicht mit Samthandschuhen anzufassen, sondern sie als normale Menschen anzusehen, die auch einfach mal Spaß haben wollen, gerne lachen, Schokolade essen und sich davor drücken, Wäsche aufzuhängen.
Gleichzeitig habe ich auch viel darüber gelernt, was es für eine Familie bedeutet, ein behindertes Kind zu haben: Die Autisten in unserem Heim sind alle 20-40 Jahre alt und haben dementsprechend alte Eltern. Deren Kinder haben biologisch gesehen schon lange das Erwachsenenalter erreicht, bereiten ihren Eltern aber nach wie vor enorme Sorgen und erwarten ungeduldig ihre Besuche und verlangen ihre Aufmerksamkeit. Für einige Eltern ist es nahezu unmöglich, ihre Kinder am Wochenende zu sich nach Hause zu nehmen, da einige der Friends Epileptiker sind und permanenter Betreuung bedürfen und wieder andere manchmal eine Aggressivität an den Tag legen, derer man alleine nicht Herr werden kann. Mir ist vor Augen geführt worden, dass oft nicht nur die Bedürftigen (in diesem Fall: die Behinderten) Unterstützung brauchen, sondern oftmals auch die Angehörigen, sei es finanziell, psychologisch oder in einer anderen Form.

Wäre unser alleiniges Ziel allerdings gewesen, ein Jahr lang soziale Arbeit zu verrichten, hätten sich sicherlich auch genügend Einsatzstellen in Deutschland finden können. Unsere Organisation schreibt allerdings in ihren Richtlinien, dass ein Beitrag zur Völkerverständigung ebenfalls eines der Haupt-Ziele ist.
Geht man als junger Mensch ins Ausland, ist man ein Stück weit immer Repräsentant des eigenen Landes. Trifft man auf Menschen, die noch nie in Deutschland waren und auch noch kaum Kontakt zu Deutschen hatten, prägt und beeinflusst man sicherlich deren Bild von Deutschland und von Deutschen allgemein, vielleicht sogar von Europa. Gerade als Deutscher in Israel sollte man daher eine große Sensibilität an den Tag legen und den Menschen stets respektvoll begegnen. Alles in allem war ich extrem positiv davon überrascht, wie unbefangen und freundlich die Israelis uns Deutschen begegnet sind. In dem ganzen Jahr habe ich nie Ablehnung erfahren oder mir gar Vorwürfe anhören müssen. Bei einem Seminar haben wir einmal einen Lehrer kennengelernt, der meinte, er habe sich geschworen, Deutschland aufgrund seiner  dunklen Vergangenheit niemals zu besuchen. Gleichzeitig ist er uns als Menschen aber respektvoll und interessiert begegnet und hat sich Mühe gegeben, uns kein Gefühl der Verantwortlichkeit oder Schuld zu vermitteln.

Manche mögen vereinzelt negative Erfahrungen gemacht haben, aber alle Volontären, mit denen ich mich darüber ausgetauscht habe, sind wie ich nie mit Vorwürfen oder gar Hass konfrontiert worden.

Im Gegenteil besteht zwischen Israel und Deutschland heute sogar eine intensive Freundschaft, in die viel investiert wurde: Schul- und Städtepartnerschaften,  zahlreiche Handelsabkommen, Jugendaustauschprogramme, Forschungskooperationen… All das hat sicherlich dazu beigetragen, dass heutzutage ein so unkomplizierter Umgang miteinander möglich ist, Tausende Israelis mittlerweile in Berlin leben und es extrem viele deutsch-israelische Freundschaften und sogar Partnerschaften gibt. Jedes Jahr kommen über 800 deutsche Volontäre nach Israel (mehr als aus allen anderen Ländern zusammen), führen diesen Austausch fort, helfen dabei, Vorurteile abzubauen und lernen das Land mit seinen Menschen und deren Sorgen, Nöten und Hoffnungen kennen, repräsentieren und vermitteln aber gleichzeitig ein Stück ihrer Kultur. Genau das macht für mich Völkerverständigung aus!
Dass die beiden Staaten und die in ihnen lebenden Menschen diese grausame Vergangenheit nicht vergessen, aber doch überwunden haben, sollte Vorbild sein für andere Länder und weckt Hoffnung.

Trotzdem habe ich das Gefühl, nicht nur Israel und das Westjordanland, das ich oft bereist habe, besser kennengelernt zu haben. Man erfährt viel über die Konflikte in der Region, und in den letzten Monaten haben wir am eigenen Leib zu spüren bekommen, was es für Menschen heißt, in einem Kriegsgebiet zu leben. Hält man sich für längere Zeit im Nahen Osten auf, kommt man – das ist zumindest meine Erfahrung – mit einer pessimistischeren Sicht auf die Dinge zurück. Der Konflikt oder eher die Konflikte werden sich nicht einfach beilegen lassen. Auf allen Seiten sieht man eine Kompromisslosigkeit und ein mangelndes Interesse, aufeinander zuzugehen um eine dauerhafte Lösung zu finden, mit der alle leben könnten. Den Kopf in den Sand stecken sollte man aber trotzdem nicht, sondern hingehen, mit den Leuten auf beiden Seiten reden, ihnen Respekt und Verständnis entgegen bringen und sich engagieren statt wegzuschauen. Denn das hoffe ich auch: dass wir vielleicht als realistischere und weniger naive Menschen zurückkehren, dafür aber als engagiertere.

Einer der drei Punkte dieses Rundbriefes sollte neben Fazit und Völkerverständigung auch der Friedensdienst sein. Haben wir einen Friedensdienst geleistet? Oder doch nur einen Freiwilligendienst?
Das Wort Frieden ist im Nahen Osten natürlich ein großes Wort und die neusten Entwicklungen gehen eher in die entgegengesetzte Richtung. Aber Frieden ist eben mehr als das Ausbleiben von kriegerischen Handlungen oder ein Vertrag, der diesen bescheinigt. Frieden schaffen muss man nicht nur zwischen Völkern und Nationen, sondern auch im Kleinen, in zwischenmenschlichen Beziehungen. Und dafür können wir uns einsetzen, wenn wir mit benachteiligten Menschen zusammen arbeiten, wenn wir es schaffen, Vorurteile abzubauen und Freundschaften schließen, wenn wir uns mit den Israelis, die monatelang unter Raketenbeschuss leben, solidarisieren, aber gleichzeitig das Leid der unschuldigen Kinder im Gaza-Streifen nicht vergessen. Und es reicht nicht, diesen Frieden nur zu schaffen, sondern man muss ihn aufrecht erhalten und sich dafür engagieren, dass auch die nächste Generation ihn weiterführt, und vor allem muss man anderen davon erzählen – zum Beispiel durch diesen Rundbrief.


Wer meinen Blog gelesen hat, weiß, wie sehr mich dieses Jahr geprägt und wie oft es mir die Augen geöffnet hat, aber auch, dass mich meine Arbeit erfüllt und dass das Land und die Menschen mich begeistert haben. Trotzdem hoffe ich, dass es nicht nur eine Bereicherung für mich war, sondern dass auch andere davon profitieren: die Autisten von dem Engagement, das ich bei der Arbeit gezeigt habe und die Menschen in Deutschland von den Erkenntnissen, die sie vielleicht selber über das Land bekommen haben. Und ich hoffe natürlich, dass wir auf den oben beschriebenen Wegen tatsächlich zur Völkerverständigung beitragen konnten – und künftige Generationen diese Arbeit fortsetzen werden!


Liebe Grüße – dieses Mal aus Bonn,

Charlotte

Von wegen das war's schon... oder: Ein Austritt am Strand von Nachsholim

Shalom chaverim,

bevor ich mich jetzt völlig aus dem Blogger-Geschäft verabschiede, hier nochmal ein paar Bilder von einem Ausritt in Nachsholim im Mai. Milena, Aviva und ich sind nach einem Seminar dort noch am Strand entlang geritten, die Bilder habe ich jetzt erst bekommen:








Donnerstag, 4. September 2014

Von schreienden Kühen und schwimmenden Autisten oder: Endgültiger Abschied!

Ein letztes Mal Jerusalem! Vor den Mauern der Altstadt mit Aviva

Graffiti in einer Unterführung bei der zentralen Bus-
Station von Jerusalem
Shalom chaverim,

es ist soweit! Der letzte Blog-Eintrag! Die letzten vier Tage in Israel waren voller Abschiede – diesmal aber endgültigen: den Autisten, Mitarbeitern, Freunden…

Am Sonntag stand aber erst einmal der Abschied von einem Ort an: Jerusalem! Mit Aviva fuhr ich mit dem Sherut ein vorerst letztes Mal in die Heilige Stadt, die in diesen Tagen ungewöhnlich leer war. Das lag zum einen an den beiden Terroranschlägen vom 4. August, die zu diesem Zeitpunkt ja erst gut zwei Wochen zurück lagen. Damals hatte ein Mann mit einem Bagger einen Fußgänger überfahren und danach einen Bus umgestoßen, wenige Stunden später wurde ein Soldat an der Jerusalemer Universität niedergeschossen. Aber auch so herrscht momentan eine angespannte Stimmung in der Stadt: immer wieder hört man von Anfeindungen auf den Straßen, Übergriffen sowohl gegen Juden als auch gegen Araber und Demonstrationen, auf denen Steine geworfen werden und die Polizei hart durchgreift.  Viele Touristen werden von den Nachrichten verschreckt und sagen ihren Urlaub ab.

Knafeh und arabischer Honigkuchen
Es war natürlich ein Vorteil, in der Altstadt zum ersten Mal nicht von Menschenmassen zerquetscht zu werden und in der Schlange für die Falafel nicht gefühlte Stunden hinter einer philippinischen Reise-Gruppe zu stehen, aber es löste auch ein ungutes Gefühl aus: irgendwas war falsch, irgendwas stimmte hier nicht.

Trotzdem genossen wir unseren letzten Besuch in der Stadt, aßen Falafel und jede Menge arabischen Kuchen, handelten auf dem Souq und schossen ein paar Touristen-Fotos.

Am Abend dann stand Judiths und meine Abschiedsfeier mit den Mitarbeitern aus Beit Perry an. Fast alle waren gekommen, auch einige Ehemalige, darunter die ehemalige israelische Freiwillige, die wir ewig nicht mehr gesehen hatten und was mich sehr freute. Wir sprachen wieder einmal in einem lustigen Mix aus Englisch und Hebräisch und ich merkte, dass ich den verrückten Haufen wohl ganz schön vermissen werde!







Auf unsere Abschiedsfeier mit den Mitarbeitern aus
Beit Perry

Der Abschiedstrott wurde durch einen Kurzurlaub, der meine letzten zwei Tage in Israel ausfüllte, unterbrochen: für zwei Tage fuhr ich mit Michael in die Golan-Höhen zu Verwandten von ihm, die in einem Kibbuz nahe der Grenze zum Libanon und Syrien wohnen. Die - für israelische Verhältnisse sehr lange – Fahrt von drei Stunden führte uns durch die grünen und hügeligen Golan-Höhen, vorbei an Plantagen mit Apfel- und Granatapfelbäumen und vorbei auch am See Genezareth, in dem gerade die Sonne verschwand, als wir vorbei fuhren. Je weiter man Richtung Norden fuhr, desto verlassener wurde die Gegend: nur ab und zu kam man an Kibbuzim vorbei und mittelgroßen Städten mit einer riesigen, immer gleich aussehenden Mall am Stadtausgang.

In den Golan-Höhen
Der Kibbuz Gonen hat kaum noch was von einem traditionellen Kibbuz: die Häuser sind groß und neu, es gibt keinen Speisesaal geschweige denn ein Kinderhaus und außer einem Pool für alle befindet sich alles in Privatbesitz. Trat man auf den Balkon des Hauses unserer Gastgeber, so sah man vor sich eine Bergkette, hinter der der Libanon beginnt. Auf den Bergspitzen befinden sich israelische Militärstationen, die den Soldaten einen weiten Blick hinein ins Land ermöglichen. Drehte man sich etwas nach rechts, dann sah man geradewegs hinein nach Syrien. Fünf Tage später kamen aus beiden Nachbarländer Raketen, die nicht weit entfernt einschlugen – ein mulmiges Gefühl erfüllt mich, wenn ich daran denke.


Blick vom Balkon aus: Hinter der Bergkette beginnt der Libanon

Auch Honig wird im Golan gewonnen
Über uns gab es einen wunderschönen Sternenhimmel, den man vom hell erleuchteten Tel Aviv und der dicht besiedelten Sharon-Ebene aus nicht so schön sehen kann. Etwas unidyllisch war nur die Geräuschkulisse: Michaels Cousin hatte uns erklärt, dass in dem Kibbuz noch Steaks produziert werden und dafür werden nun einmal Kühe gebraucht, die es hier sogar relativ gut haben, da sie frei auf den Feldern der eh kaum besiedelten Umgebung leben dürfen. Die Kälber allerdings werden von ihren Müttern nach wenigen Tagen getrennt und kommen in einen großen Käfig im Freien, da sie sich nicht selbstständig ernähren könnten, wenn ich das richtig verstanden habe. Da sie aber von ihren Müttern getrennt sind, schreien sie die ganze Nacht und wenn ich sage, die ganze Nacht, dann meine ich auch DIE GANZE NACHT! Wir saßen wirklich mehrere Stunden auf dem Balkon und das Geschrei hörte einfach nicht auf. Und immer, wenn man dachte, die Kälber würden endlich Ruhe geben, dann schrien sie nur umso lauter. Irgendwann wurde es zu einer Art Tinnitus: wenn man länger nicht drüber nachdachte, schaffte man es ganz gut, das Geräusch auszublenden, aber sobald der jeweils andere sich wieder einmal darüber ausließ, so hörte man es auch wieder.
Das Gästezimmer war praktischer Weise – wie übrigens so oft in Israel – im Bunkerraum und so war es für uns zumindest in der Nacht schön ruhig.


Am nächsten Morgen – also einen Tag vor Abflug – verbrachten wir noch etwas Zeit am Kibbuz-Pool, fuhren dann aber weiter zu einem Aussichtspunkt mit einem Turm, der noch aus der britischen Mandatszeit stammt und von dem aus man ins Hulatal schauen kann. Der Otto Normalverbraucher (und ich vor einem Jahr übrigens auch) weiß nämlich gar nicht, dass Israel ein Paradies für Vogelliebhaber ist: insgesamt gibt es hier 430 Vogelarten (beachtlich für ein so kleines Land) und jede Menge Zugvögel, die von Europa nach Afrika fliegen und hier Rast machen – bevorzugt im Hulatal. Vögel sahen wir zwar nicht (ich hätte sie auch nicht identifizieren und schätzen können), dafür hatten wir einen sehr schönen Blick in die hügelige Landschaft hinein. Für jemanden wie mich, der ein Jahr lang an der Mittelmeerküste gelebt hat, waren all das Grün und die bergige Landschaft immer wieder eine kleine Sensation.



Blick ins Hulatal

So nah aber doch so fern: ein libanesisches Dorf
unmittelbar hinter der Grenze
Wir tuckerten weiter durch den Golan, sehr lange auch auf einer Straße, die parallel zur libanesischen Grenze verläuft. Alle paar Kilometer gab es eine Abzweigung, die allerdings nicht benutzt werden sollte: „STOP here, border ahead!“. Wir fragten uns, ob man wohl eines Tages einfach so rüberfahren und in den benachbarten Dörfern Falafel essen könnte….

Als nächstes fuhren wir zum Strand von Achziv, einem der schönsten Strände Israels, für den man allerdings Eintritt bezahlen muss: der Strand liegt in der Republik Achziv, dem kleinsten Freistaat der Welt, in dem genau zwei Menschen leben. Zum Eintritt gehört auch, dass man sich das Museum anschauen darf, das im Übrigen auch das einzige Gebäude in dem Mikrostaat darstellt. Hier herrscht ein wunderbares Chaos von Vasen, Tonscherben und Säulen-Fragmenten, die alle unbeschriftet und ungeordnet in schiefen Regalen stehen oder von der Decke hängen:




Der Strand von Achziv
Der Strand von Achziv ist sehr schön, aber auch rappelvoll. Viel Zeit hatten wir eh nicht: um fünf Uhr musste ich schon wieder in Ra’anana sein, da dort die Abschiedsparty mit den Friends stattfand. Unterwegs hielten wir noch schnell in Akko, das auf dem Weg lag. Dadurch konnte ich die Stadt nochmal sehen und auch meine letzte israelische Falafel essen.

Etwas zu spät kam ich daher im Schwimmbad von Ra’anana an, wo die Friends teilweise schon eifrig im Wasser planschten. Es war die Idee unserer Managerin gewesen, die Abschiedsfeier im Schwimmbad stattfinden zu lassen, wo die sommerliche Dienstags-Aktivität stattfindet. Es war schön, alle Friends so glücklich zu sehen (die meisten rasten nämlich völlig aus vor Freude, wenn sie im Wasser sind). Einige hingegen sind ihre Wasser-Phobie noch nicht losgeworden und verbringen dann eben zwei Stunden auf der Wiese. Meistens geht es zuerst ins Freibad, danach in den Hot-Tub und - nachdem wir auch von dort alle vertrieben haben - ins Hallen-Schwimmbad (wo wir dann auch wieder alle anderen Gäste mit den aufs Wasser schlagenden und wild kreischenden Friends vertreiben).


Nach dem Schwimmen sammeln sich alle auf der Wiese und wir essen die mitgebrachten Brote als Abendessen. Diesmal allerdings gab es zusätzlich noch Kuchen, der für unsere Verabschiedung gedacht war – aber das verstanden nicht alle Friends. Einer lief umher und rief ständig „Heute ist der Geburtstag von Judith und von Lotte!“. Klassischer Weise gibt es Kuchen nämlich nur, wenn jemand aus dem Heim Geburtstag hat. Unsere Managerin hielt eine kleine Lob-Rede und erklärte den Friends, dass Judith und ich am nächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen müssten. Sie
Bei der Abschiedsfeier mit den Friends
forderte die Friends auf, doch nacheinander aufzustehen und uns Worte zum Abschied zu sagen. Der Friend, der einfach nicht einsehen wollte, dass Judith und ich nicht Geburtstag hatten, rief laut „Mazal tov!, Herzlichen Glückwunsch!“. Ein paar andere stimmten ein und fast hätten sie ein Geburtstagslied angestimmt, hätte die Managerin ihnen nicht noch einmal erklärt, dass es sich um eine Verabschiedung und keinen Geburtstag handelte und dass man sich aus diesem Anlass bedankt und alles Gute wünscht, nicht aber einen herzlichen Glückwunsch.
 
Nacheinander standen also die Friends auf. Die low-functioning Friends, die die Situation nicht verstehen konnten, blieben sitzen, aber selbst manche von ihnen schienen es doch irgendwie zu begreifen. Die andere Friends schüttelten uns die Hände, überreichten uns Geschenke, wünschten uns alles Gute oder bedankten sich. Und da kamen mir dann doch die Tränen...

Zurück in Beit Perry versuchte ich schnell, ein bisschen zu packen (dazu war ich immer noch nicht gekommen…), aber wurde dann schon abgeholt zu der dritten Abschiedsfeier, die dieses Mal im Teder, meiner Lieblings-Bar in Tel Aviv, stattfand. Es waren deutsche und israelische Freunde gekommen, aber ich war so traurig, dass ich es gar nicht richtig genießen konnte…

Michael und Judith mit unserem Gepäck (das meiste war
ehrlich gesagt von mir...)
Am Mittwochmorgen dann fuhren wir nach Beit Perry, wo wir Judith und meinen Krempel einsammelten (und zu Ende packten) und mit jeder Menge Übergewicht und reichlich Verspätung am Flughafen ankamen. Es endete also so, wie letztlich auch alles begonnen hatte und wie das ganze Jahr verlaufen war: in dem speziellen israelischen Chaos, in dem aber irgendwie trotzdem noch alles funktioniert - Balagan! Die Lufthansa-Tante war sehr nett und berechnete mir nur einen extra Koffer, obwohl sicherlich auch ein Zuschlag für drei extra Koffer gerechtfertigt gewesen wäre… Praktischer Weise wurden wir auch noch so lange ausgefragt (und es floss natürlich auch noch die ein oder andere Abschiedsträne…), dass wir fast unseren Flug verpasst hätte. (Judith und ich waren tatsächlich die letzten Passagiere, die das Flugzeug betraten).


Und plötzlich waren wir in Deutschland!

So, liebe chaverim, das war mein letzter Blog-Eintrag, von dem vierten Rundbrief abgesehen, den ich hier noch veröffentlichen werde. Von all den schönen Dingen und lieben Menschen in Israel abgesehen, werde ich auch das Bloggen sehr vermissen. Ich hoffe, ich konnte Euch immer einen guten Einblick in meinen Alltag, meine Arbeit und meine Abenteuer geben, euch das Land etwas näher und Euch an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln bringen.  Mir hat es auf jeden Fall immer Spaß gemacht!

Die fünf verbliebenen EKIR-Freiwilligen am Düsseldorfer Flughafen

Montag, 1. September 2014

Planschen im Kibbuz oder: Erste Abschiede

So grün! Im Kibbuz Capri, ganz hinten sieht man das Meer

Shalom chaverim,

es ist ein ganz komische Gefühl, in Bonn zu sitzen und über die Erlebnisse in Israel zu berichten, als seien sie gestern erst passiert. Genauso merkwürdig ist es aber auch, die Nachrichten im Internet zu verfolgen und – als die Raketen noch flogen – nachzulesen, wo gerade Alarm ist und wo die Menschen in den Bunker laufen müssen. Während unseres Rückkehrseminars vibrierten noch ständig unsere Handys, auf denen die App „Zewa Adom“ (Alarmstufe rot) den in Israel lebenden Menschen anzeigt, wo gerade die Sirenen ertönen. Bei jeder Handy-Vibration zuckten wir zusammen und waren beruhigt, wenn wir lasen, dass Tel Aviv, Ra’anana, Ramat HaSharon, Rishon LeZion und all die anderen Städte, in denen wir ein Jahr lang verbrachten haben und in denen sich unsere Freunde immer noch befinden, nicht betroffen waren.

Seit ich zurück bin, zucke ich – obwohl ich schon fast zwei Wochen wieder hier bin und in Israel Waffenstillstand herrscht  - noch regelmäßig zusammen, wenn ich mal wieder für den Bruchteil einer Sekunde denke, dass gerade ein Alarm losgeht: ein Autohupen, ein Geräusch im Radio, ein tief fliegendes Flugzeug: ziemlich vieles gleicht einer Sirene und versetzt mich für einen kurzen Moment in Schrecken. Trotzdem bin ich erstaunt, wie spurlos die Krisensituation doch an mir vorbei gegangen ist, gerade, wenn ich mich mit anderen Volontären vergleiche, die immer noch Schlafprobleme haben und sich allgemein noch unwohl fühlen. Erst in Deutschland habe ich aber auch gemerkt, wie schwierig die Situation für meine Familie und meine Freunde war,  die mich einerseits darin unterstützen wollten, mein Jahr auf geplante Weise zu beenden, sich andrerseits – und das nicht ohne Grund – auch starke Sorgen gemacht haben. Ihr Vertrauen war sehr hilfreich und hat mich in meiner – letztendlich wohl richtigen – Entscheidung zu bleiben, bestärkt.

Wenn mich hingegen Leute, mit denen ich das Jahr über keinen Kontakt hatte und die mich kaum kennen, fragen, was ich das letzte Jahr denn so gemacht habe und ich antworte, dass ich in Israel war, so geht das Gespräch mit ziemlicher Sicherheit in die eine Richtung: die Leute fragen, wie es denn war, einen Krieg mitzuerleben, wie oft ich im Bunker war, ob ich Angst hatte, was meine Prognose für den aktuellen Waffenstillstand ist… Ich mache niemandem einen Vorwurf, denn hat man keinen Bezug zu Israel und entnimmt sein Wissen über das Land den Nachrichten der letzten Wochen, so hat man eben auch das Gefühl, dass in Israel der Krieg das dominierende Element ist. Aber mein Jahr definiert sich ganz und gar nicht über den Krieg, die Sirenen und das Warten auf Waffenstillstand. Die Autisten, das Leben in Beit Perry, meine Freunde vor Ort, das viele Reisen, all die außergewöhnlichen Orte, die ich gesehen und ins Herz geschlossen habe, werden letztendlich wohl das sein, was von diesem Jahr bleibt.

So chaverim, dieser Blog-Eintrag läuft in eine ganz andere Richtung, als ich das eigentlich geplant hatte, und bevor ich mich jetzt völlig in Nostalgie verliere, komme ich zu dem, über das ich eigentlich schreiben wollte: die letzten 1,5 Wochen.

Bedürftige bei der Essens-Ausgabe;
eines der Vorrats-Regale
Die letzten 1,5 Wochen in Israel waren natürlich geprägt von Verabschiedungen: ständig sagte man Leuten tschüss, um sich zumindest schon verabschiedet zu haben, und dann sah man sie doch noch wieder.  Meine letzte Schicht hatte ich am Montag, neun Tage vor Abflug. Von den Friends musste ich mich an dieser Stelle allerdings noch nicht verabschieden, da die Abschiedsfeier mit ihnen noch ausstand und ich ja sowieso noch bis zum Ende in Beit Perry lebte.

Den darauf folgenden Tag verbrachte ich noch einmal in Netanya, wo diesmal auch Judith bei der Essensausgabe für Holocaust-Überlebende und andere Bedürftige mithalf. Es machte, wie auch schon das Mal zuvor, großen Spaß, aber es war auch deutlich anstrengender, da wir weniger Freiwillige waren. Ich hoffe sehr, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten immer genug Helfer finden werden, damit dieses tolle Projekt auch weiterhin noch reibungslos ablaufen kann.


Theoretisch hatte ich schon am Mittwoch – also genau eine Woche vor Abflug – packen wollen, da die letzten Tage dermaßen zugeplant und voll waren. Spontan ließ ich mich aber überreden, doch noch mit auf den Geburtstag einer Volontärin zu kommen. Ich traf Aviva, Nadja (das Geburtstagskind), eine Freundin von ihr aus Deutschland und Fiona im Kibbuz Shefayim, der etwas nördlich von Herzliya gelegen ist. Dort gibt es einen riesigen Wasserpark, in dem sich hauptsächlich kleine Kinder und Schüler in ihren Schulferien vergnügen, aber auch wir haben von unserem Ausländer-Vorteil profitiert (fast keiner kennt einen und eigentlich niemand versteht, was man sagt) und hatten unseren Spaß. Am Abend haben wir in Tel Aviv Sushi gegessen und Nadja noch etwas gefeiert – sie verlängert und wird noch ein paar weitere Monate in Israel bleiben.

Der Wasserpark des Kibbuz Shefayim
Und noch ein Schwimmbad: der Gordon Pool

Auch den Donnerstag und Freitag habe ich in Tel Aviv verbracht, unter anderem wieder einmal in dem schicken und direkt am Meer gelegenen Gordon Pool, der auch über einen sehr schönen Wellness-Bereich verfügt – an sich würde ich mir als sog. „Arme Volontärin“ so einen Luxus niemals gönnen, da Michael aber Mitglied in dem angeschlossenen Fitness-Club ist, kamen wir immer kostenlos rein.

Am nächsten Tag fuhren Michael und ich wieder in den Norden, genauer gesagt in den Kibbuz Capri zu einer Ausstellungseröffnung, bei der auch Michaels Eltern – beides Künstler – Werke ausstellten:






Den gesamten Nachmittag verbrachten wir an einem Strand in der Nähe von Haifa. Südlich der Stadt gibt es endlose Sandstrände, die allerdings kein Geheimtipp sind. Familien und Ausflügler wissen um die Schönheit der Strände und kommen aus der ganzen Region hierher. Je weiter südlich man sich befindet, desto leerer wird es. Es ist ein wirklich tolles Erlebnis, im Wasser zu schwimmen, zuzusehen, wie die rosane Sonne im Meer versinkt und gleichzeitig das Karmel-Gebirge hinter einem zum Leuchten bringt. Und wenn man aus dem Wasser kommt, ist es nicht einmal kalt!

Am Abend waren wir bei einem Event in Haifa, das Konzert und Ausstellung in einem war. Designer aus Israel stellten ihre Kreationen aus, die man kaufen konnte. Außerdem wurde ein Film gezeigt und man konnte sich hinsetzen und essen. Außer uns waren noch ein paar Freunde von Michael aus Tel Aviv dabei, die alle etwas überrascht waren, dass es auch in Haifa solche Veranstaltungen gibt („Haifa kann ja auch cool sein“) – Leute aus Tel Aviv behaupten nämlich immer, nur in ihrer Stadt gäbe es ein attraktives Nachtleben….

An dieser Stelle mache ich einen Schnitt, da der Eintrag sonst zu lang wird. Von den restlichen vier Tagen in Israel werde ich ein andermal berichten!

Am Strand südlich von Haifa - einige Stunden vor Sonnenuntergang

Samstag, 30. August 2014

Ein Essen lang blind oder: Litschis im Jordan und Hummus im Golan

Blick auf den See Genezareth von den Golan-Höhen aus

Shalom chaverim,

so schnell kann ein Jahr vergehen! Unfassbar, dass ich plötzlich wieder in Deutschland bin und die Bilder an meinem Schreibtisch mit Blick ins Grüne bearbeite – die heiße Tasse Tee steht neben mir, denn an die Kälte habe ich mich immer noch nicht gewöhnt! In den letzten zwei Wochen in Israel ist allerdings noch so allerhand passiert, das ich Euch nicht vorenthalten möchte und somit beginne ich das Nachtragen mit einem Eintrag, der sich auf das zweite Augustwochenende bezieht und den ich damals schon geschrieben habe und hier unbearbeitet veröffentlichen möchte:

Das Aufatmen, von dem ich in meinem vorletzten Eintrag geschrieben hatte, war leider nur von kurzer Dauer: der dreitägige Waffenstillstand wurde nicht verlängert und der gegenseitige Beschuss geht weiter, eine Lösung hingegen rückt in immer weitere Ferne.

Mit Aviva und Judith in Yafo
Trotzdem konnten wir das Wochenende (oder besser gesagt das verlängerte Wochenende, ich arbeite ja kaum noch) unbeschwert genießen. Nach einem wunderbaren Tag am Strand traf ich mich am Donnerstagabend mit Malin, einer Volontärin aus dem Norden, sowie Laura, Aviva und Judith in einem Restaurant in Yafo. Es war allerdings nicht irgendein Restaurant, sondern ein Blindenrestaurant, das zu dem Kulturzentrum „Nalaga’at“ gehört. Nalaga’at bedeutet so viel wie „Bitte berühren,“ die Leute, die dort arbeiten, sind alle blind, taub oder stumm. Vor wenigen Wochen war ich mit Judith in dem zu dem Zentrum gehörenden Theater (auch darüber habe ich berichtet!), dieses Mal haben wir das Blindenrestaurant getestet. Die in dem Restaurant beschäftigten Kellner sind alle blind und auch man selber bekommt sein Essen gar nicht zu sehen: aus einer Speisekarte wählt man eines der – übrigens koscheren – Gerichte aus und wird dann in einen dunklen Raum geführt. Und ab dann sieht man gar nichts mehr!
In der Beschreibung wird ein besonderes Sinneserlebnis versprochen und man wird tatsächlich nicht enttäuscht: man isst das Essen automatisch langsamer, schmeckt viel intensiver und versucht herauszuschmecken, welche Zutaten wohl verwendet wurden und versucht sich vorzustellen, welche Farbe zum Beispiel die Nudeln wohl haben. Die Kellner führen einen bis zu seinem Stuhl und erklären einem dort, wo sich was auf dem Tisch befindet. Zu Beginn wurde erst einmal ein Wasserglas umgeworfen, aber letztendlich fand man sich doch erstaunlich gut zurecht und gewöhnte sich an die Dunkelheit.
Den Abend ließen wir in einer Bar beim Flohmarkt in Yafo ausklingen – sehend!

Am nächsten Morgen trafen Malin, Judith und ich uns zum Picknick im HaYarkon Park. Bei unserem letzten Besuch dort vor ein paar Wochen war prompt zu dem Zeitpunkt, als wir dort entspannt auf einer Wiese lagen, der Waffenstillstand gebrochen worden und wir hatten in eines der nächsten Häuser flüchten müssen. Da es Freitagmorgen und der Waffenstillstand nicht verlängert worden war, hielten wir unsere Sachen auch stets griffbereit – wir wurden allerdings den ganzen Tag verschont…

Später trafen wir Laura zum Sushi-Essen und fuhren zusammen nach Tel Kabir, einen Stadtteil südlich von Tel Aviv. Dort hat ein Verwandter von einem Volontär aus Malins Projekt eine Wohnung, die er uns für das Wochenende zur Verfügung gestellt hatte. Dort trafen wir noch auf Roman, Mattis, Miriam und Adi. Zusammen zogen wir los nach Tel Aviv und es wurde entsprechend spät – die anderen konnten am nächsten Morgen ausschlafen, ich allerdings wurde schon um acht Uhr von Michael abgeholt. Zusammen mit Ben, einem Freund von ihm, fuhren wir in die Golanhöhen.

In den Golan-Höhen
Mit dem See Genezareth auf der linken und der jordanischen Grenze auf der rechten Seite fuhren wir eine extrem kurvige und steile Straße entlang, die mich an Anfahrten zu Skidörfern erinnerte – Schnee exklusive.

Scheinbar mitten im Nirgendwo stellten wir unser Auto ab und machten uns auf den Weg zu einer kleinen Wanderung – praktisch, dass ich nur Ballerinas dabei hatte….
Bergab liefen wir circa 20 Minuten bis wir zu einem natürlichen Wasserbecken kam, das sein Wasser aus einer nahen Quelle bekam. Dort trafen wir noch drei andere Freunde von Michael und Ben und genossen den privaten Natur-Pool mitten im Golan und mit Blick auf den See Genezareth – völlig einsam und mit einem wunderbaren Blick!



Unsere Gruppe, im Hintergrund der See Genezareth; in dem
natürlichen Pool; ein Kaktusbaum voller Kaktusfeigen -
es empfiehlt sich allerdings nicht, die Früchte zu pflücken,
da man sonst lauter Stacheln im Finger hat

Zurück zum Auto ging es allerdings bergauf und mittlerweile war es schon 12 Uhr und entsprechend heiß. Meine Ballerinas waren mittlerweile ruiniert und auf unseren Schultern und Nasen zeichneten sich erste leichte Verbrennungen ab – den Blick war es allerdings wert!

Nicht gerade der eindrucksvollste Fluss: der Jordan an einer
besonders schmalen Stelle
Weiter ging es mit dem Auto durch die hügelige Landschaft. Unseren nächsten Halt legten wir an einer abgelegenen Stelle des Jordans ein. Unterwegs hatten wir uns Litschis, Kirschen und anderes frisches Obst gekauft. Das Wasser war an dieser Stelle weniger als einen halben Meter tief und so liefen wir etwas durch den Fluss und setzten uns an einer schattigen Stelle auf Steine, die aus dem Wasser ragten und wuschen das Obst im Fluss. Litschis essen im Jordan – warum auch nicht?

Anstatt viel zu erzählen möchte ich aber eigentlich lieber Bilder zeigen: 






Kopfstand vor dem See Genezareth; einer der Wasserfälle
am Strand bei Kapernaum; Michael und ich; Wasserbecken,
die an den See angrenzen

Vom Jordan aus fuhren wir zurück an den See Genezareth in einen Nationalpark nicht weit von Kapernaum, wo das Haus des Petrus steht. Der Nationalpark (und in Israel kann ein Nationalpark von einem gigantischen Naturreservat bis hin zu einer popligen Ausgrabungsstelle so ziemlich alles sein) bestand aus einem Steinstrand, war aber – im Gegensatz zu den vorigen Stationen – kein Geheimtipp: viele Familien - jüdische wie arabische - verbrachten hier ihren Samstag, picknickten und die Kinder spielten im Wasser. Es gab verschiedene kleine Becken, in denen Wasserfälle fielen. Hinter einen der Wasserfälle konnte man krabbeln und landete in einer kleinen Höhle, deren Gestein sich durch die im Wasser enthaltenen Mineralien türkis verfärbt hatte – wunderschön! Der See war voll von großen dunklen Fischen, die ständig aus dem Wasser hüpften und wohl wenige Kilometer weiter in Tiberias frisch auf den Teller kamen.

Wir allerdings fragten in dem kleinen arabischen Dorf, in dem wir zum Tanken anhielten, nach dem besten Hummus-Restaurant in der Gegend und wurden von der Empfehlung nicht enttäuscht: mitten im Golan befindet sich ein kleines Drusendorf, das zwar über keinerlei Infrastruktur, aber dafür über den wohl besten Hummus verfügt, den ich je gegessen habe.

Der Abschied von Israel – 1,5 Wochen hatte ich da noch – wird mir wirklich nicht leicht gemacht….

Dienstag, 12. August 2014

Zurück in Jordanien (in Gedanken) oder: Bunte Fische und vier Tauch-Anfänger

Auf Tauchgang im Roten Meer


Shalom chaverim,

kaum zu glauben, der 99. Blog-Eintrag! Aber auch kaum zu glauben, dass es wohl einer der letzten sein wird, schließlich bin ich morgen in einer Woche schon wieder in Deutschland...

Bevor ich meinen Bericht vom Wochenende veröffentliche, kommt hier eine kleine Bilderflut. Endlich habe ich die Bilder bekommen, die Malin vom Tauchen in Aqaba in Jordanien mit ihrer Unterwasser-Kamera gemacht hat und teile sie nun natürlich mit Euch! (Die Kamele haben uns übrigens nicht zum Tauchen gebracht, sondern sind hier gelandet, weil dieses Foto auch von Malin stammt, als wir sie und Max zufällig im Wadi Rum getroffen hatten...)