Israel ist – und das ist kein Geheimnis – ein Land, in dem
Menschen aus aller Welt leben. In Israels Kultur, Küche und Architektur
spiegeln sich verschiedenste Einflüsse wider. Hebräisch ist ganz klar die am
häufigsten gesprochene Sprachen, gefolgt vom Arabischen, aber auch viele
europäische Sprachen, insbesondere Russisch und Französisch, werden noch –
meist neben dem Hebräischen – in den Familien gesprochen. Immerhin 1 Million
(von insgesamt 7,8 Million) der Israelis haben Russische Vorfahren. Es ist
schon mehrfach vorgekommen, dass Fremde, zu denen ich gesagt habe, dass ich
kein Hebräisch kann, einfach auf Russisch weitergesprochen haben.
Anders ist es in Ra’anana: es erhielt zur Zeit seiner
Gründung nicht ohne Grund den Spitznamen Americaya; Einwanderer aus den
USA machten und machen einen Großteil der Bevölkerung aus. Ebenfalls sehr präsent ist das Französische,
erkennbar beispielsweise an Wahlplakaten auf Französisch.
Vor ein paar Woche sollte ich mit einer anderen Guide mit
dem Taxi nach Hadassim fahren, um dort die Friends in den Bus zu setzten und
mit ihnen zusammen zurück nach Beit Perry zu fahren. Die Guide, eine
Äthiopierin, kann nur ziemlich schlecht Englisch. Der Taxifahrer – interessiert
daran, was ich denn hier als Deutsche in Israel mache - wollte sich unbedingt
mit mir unterhalten. Es war anstrengend bis nervig, weil er selber nur
Hebräisch sprach und auch die Guide mit ihrem schlechten Englisch nur schwer
übersetzten konnte. Nach einiger Zeit unterhielten sich die beiden auf
Hebräisch und ich meinte herauszuhören, dass er von seinem Sohn erzählte, der
in Italien und Frankreich studiert. In einem wirklich sehr (!) schlechten
Hebräisch („Du Sohn sprechen Frankreich?“) fragte ich ihn, ob denn sein Sohn
Französisch spricht. „Na klar,“ sagt der Taxifahrer, „in meiner Familie
sprechen alle Französisch.“ Große Erleichterung, denn endlich konnten wir so
etwas wie ein richtiges Gespräch führen – auf Französisch. Die Frau des
Taxifahrers kam aus Marokko, durch sie hatten er und auch die gemeinsamen
Kinder Französisch gelernt. Der ältere Sohn hatte in Paris und Rom studiert,
der jüngere in Berlin, war allerdings mit einer Schweizerin verheiratet. Damit nicht
genug: der Taxifahrer selber kam aus Spanien, dementsprechend wurde in der
Familie Hebräisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch gesprochen.
Bemerkenswert vor allem, wenn man bedenkt, dass der Fahrer an sich ein
einfacher Mann ist. Wirklich spannend, in einem Land (vorrübergehend) zu leben,
in dem die Menschen stolz auf ihre gemeinsame Kultur und Sprache, das
Hebräisch, sind, aber gleichzeitig an ihren Wurzeln hängen und Kontakte in die
gesamte Welt pflegen!




















