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Montag, 23. Dezember 2013

Leben auf heißem Pflaster oder: Tel Aviv von oben

Tel Aviv von oben



Shalom chaverim,

in den deutschen Nachrichten über Israel wurden die Bilder vom verschneiten Felsendom und Schneeballschlachten zwischen orthodoxen Juden leider von einem Tel Aviver Bus abgelöst, in dessen Innerem am Sonntag eine Bombe explodiert ist. Glücklicherweise wurde keiner verletzt, denn ein aufmerksamer Passagier hat den Busfahrer rechtzeitig auf die Tasche mit der Bombe aufmerksam gemacht und alle Fahrgäste konnten den Bus vor der Explosion verlassen.

Auch Judith, Clara (eine meiner deutschen Freundinnen, die zu Besuch war) und ich waren am Sonntag in Tel Aviv und sind dort mit dem Bus umhergefahren. Mir hat es noch einmal bewusst gemacht, dass die Gefahr überall lauert und man sehr sehr aufmerksam sein muss. Eine solche Explosion in einem Bus gab es zuletzt im November 2012, also vor über einem Jahr.

Es fühlt sich komisch an, über dieses Attentat zu schreiben, während ich bei strahlendem Sonnenschein in Beit Perry sitze und Weihnachtsplätzchen esse, denn es kommt mir so weit weg vor. Ich verstehe immer mehr, warum viele Menschen sagen, einige Israelis, insbesondere jene aus Tel Aviv, würden in einer Blase leben.

Jetzt aber zu erfreulicheren Dingen: die letzten Tage haben wir sehr viel unternommen und ich würden am liebsten direkt von all den Dingen berichten. Gleich allerdings arbeite ich zum ersten Mal seit recht langer Zeit wieder und morgen früh geht es (wie auch schon letzte Woche), nach Jerusalem.
Das Wetter ist endlich wieder so wie man es kennt: wir laufen im T-Shirt herum und Weihnachten scheint ganz weit weg.

Zurück zum Protokoll: Da Kathi und ich das vorletzte Wochenende ungewollte in Ra’anana verbracht haben, mussten wir uns spontan etwas einfallen lassen. Am Samstag Abend (tagsüber konnte man nicht viel machen, es war schließlich Shabbat und es fuhren keine Busse) sind wir ins Kino in Herzliya gegangen, dass sich in einem Hotel direkt am Strand befindet. Da  zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich viel Balagan in Israel herrschte, viel prompt die Heizung aus – immerhin bekamen alle heißen Tee. Da Hebräisch keine weit verbreitete Sprache ist (genau genommen nur innerhalb Israels gesprochen wird), lief der Film auf Französisch mit englischen und hebräischen Untertiteln.

Als am Sonntag Morgen endlich wieder Busse normal fuhren, machten wir uns direkt auf den Weg nach Tel Aviv. Zuerst ging es ins Azrieli Center – dieses Mal allerdings nicht zum Shoppen, sondern um die großartige Aussicht zu genießen, die man vom Observatory im obersten Stockwerk hat. Für Orientierungstalente wie mich sind solche Aussichtspunkte immer hilfreich; auf den Bus nach Yafo haben wir trotzdem noch ziemlich lange an der falschen Bushaltestelle gewartet… J


Vom westlichen Teil des Turms aus sieht man Berge...
...vom östlichen Teil aus das Meer


In Yafo angekommen gingen wir in die weihnachtlich geschmückte Klosterkirche von St. Peter. Weihnachtlich geschmückt bedeutet konkret: Plastik-Tannen, Plastik-Adventskränze und ganz viel Glitzer. Auf dem Markt von Yafo kauften wir noch so einige Weihnachtsgeschenke und liefen am Meer entlang nach Neve Tzedek. Neve Tzedek ist die erste jüdische Siedlung außerhalb von Yafo – Tel Aviv selber wurde wenig später gegründet. Das Viertel liegt genau zwischen Tel Aviv und Yafo und zählt definitiv zu den schönsten. (Übrigens wollte ich noch anmerken, dass ich 
In Yafo: am Hafen und das Kloster St. Peter
aufgehört habe, die Top Ten Liste für Tel Aviv fortzuführen – ich hätte sie längst auf Top 25 ausweiten müssen.) Neve Tzedek ist heute das Künstlerviertel von Tel Aviv, sodass es hier sehr viele Galerien und kleine Shops, aber auch Cafés und Restaurant gibt. Tel Aviv wirkt momentan ein bisschen ausgestorben, was wahrscheinlich an den (für israelische Maßstäbe) kalten Temperaturen liegt. Die Israelis müssen sich zudem auch keine Gedanken um Weihnachtsgeschenke machen….



Kathi in Yafo

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