| Blick auf den See Genezareth von den Golan-Höhen aus |
Shalom
chaverim,
so
schnell kann ein Jahr vergehen! Unfassbar, dass ich plötzlich wieder in
Deutschland bin und die Bilder an meinem Schreibtisch mit Blick ins Grüne
bearbeite – die heiße Tasse Tee steht neben mir, denn an die Kälte habe ich
mich immer noch nicht gewöhnt! In den letzten zwei Wochen in Israel ist
allerdings noch so allerhand passiert, das ich Euch nicht vorenthalten möchte
und somit beginne ich das Nachtragen mit einem Eintrag, der sich auf das zweite
Augustwochenende bezieht und den ich damals schon geschrieben habe und hier
unbearbeitet veröffentlichen möchte:
Das
Aufatmen, von dem ich in meinem vorletzten Eintrag geschrieben hatte, war
leider nur von kurzer Dauer: der dreitägige Waffenstillstand wurde nicht
verlängert und der gegenseitige Beschuss geht weiter, eine Lösung hingegen
rückt in immer weitere Ferne.
| Mit Aviva und Judith in Yafo |
Trotzdem
konnten wir das Wochenende (oder besser gesagt das verlängerte Wochenende, ich
arbeite ja kaum noch) unbeschwert genießen. Nach einem wunderbaren Tag am
Strand traf ich mich am Donnerstagabend mit Malin, einer Volontärin aus dem
Norden, sowie Laura, Aviva und Judith in einem Restaurant in Yafo. Es war
allerdings nicht irgendein Restaurant, sondern ein Blindenrestaurant, das zu
dem Kulturzentrum „Nalaga’at“ gehört. Nalaga’at bedeutet so viel wie „Bitte
berühren,“ die Leute, die dort arbeiten, sind alle blind, taub oder stumm. Vor
wenigen Wochen war ich mit Judith in dem zu dem Zentrum gehörenden Theater
(auch darüber habe ich berichtet!), dieses Mal haben wir das Blindenrestaurant
getestet. Die in dem Restaurant beschäftigten Kellner sind alle blind und auch
man selber bekommt sein Essen gar nicht zu sehen: aus einer Speisekarte wählt
man eines der – übrigens koscheren – Gerichte aus und wird dann in einen
dunklen Raum geführt. Und ab dann sieht man gar nichts mehr!
In
der Beschreibung wird ein besonderes Sinneserlebnis versprochen und man wird
tatsächlich nicht enttäuscht: man isst das Essen automatisch langsamer,
schmeckt viel intensiver und versucht herauszuschmecken, welche Zutaten wohl verwendet
wurden und versucht sich vorzustellen, welche Farbe zum Beispiel die Nudeln wohl
haben. Die Kellner führen einen bis zu seinem Stuhl und erklären einem dort, wo
sich was auf dem Tisch befindet. Zu Beginn wurde erst einmal ein Wasserglas
umgeworfen, aber letztendlich fand man sich doch erstaunlich gut zurecht und
gewöhnte sich an die Dunkelheit.
Den
Abend ließen wir in einer Bar beim Flohmarkt in Yafo ausklingen – sehend!
Am
nächsten Morgen trafen Malin, Judith und ich uns zum Picknick im HaYarkon Park.
Bei unserem letzten Besuch dort vor ein paar Wochen war prompt zu dem
Zeitpunkt, als wir dort entspannt auf einer Wiese lagen, der Waffenstillstand
gebrochen worden und wir hatten in eines der nächsten Häuser flüchten müssen.
Da es Freitagmorgen und der Waffenstillstand nicht verlängert worden war,
hielten wir unsere Sachen auch stets griffbereit – wir wurden allerdings den
ganzen Tag verschont…
Später
trafen wir Laura zum Sushi-Essen und fuhren zusammen nach Tel Kabir, einen
Stadtteil südlich von Tel Aviv. Dort hat ein Verwandter von einem Volontär aus
Malins Projekt eine Wohnung, die er uns für das Wochenende zur Verfügung
gestellt hatte. Dort trafen wir noch auf Roman, Mattis, Miriam und Adi.
Zusammen zogen wir los nach Tel Aviv und es wurde entsprechend spät – die
anderen konnten am nächsten Morgen ausschlafen, ich allerdings wurde schon um
acht Uhr von Michael abgeholt. Zusammen mit Ben, einem Freund von ihm, fuhren
wir in die Golanhöhen.
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| In den Golan-Höhen |
Mit
dem See Genezareth auf der linken und der jordanischen Grenze auf der rechten
Seite fuhren wir eine extrem kurvige und steile Straße entlang, die mich an
Anfahrten zu Skidörfern erinnerte – Schnee exklusive.
Scheinbar
mitten im Nirgendwo stellten wir unser Auto ab und machten uns auf den Weg zu
einer kleinen Wanderung – praktisch, dass ich nur Ballerinas dabei hatte….
Bergab
liefen wir circa 20 Minuten bis wir zu einem natürlichen Wasserbecken kam, das
sein Wasser aus einer nahen Quelle bekam. Dort trafen wir noch drei andere
Freunde von Michael und Ben und genossen den privaten Natur-Pool mitten im
Golan und mit Blick auf den See Genezareth – völlig einsam und mit einem
wunderbaren Blick!
Zurück
zum Auto ging es allerdings bergauf und mittlerweile war es schon 12 Uhr und
entsprechend heiß. Meine Ballerinas waren mittlerweile ruiniert und auf unseren
Schultern und Nasen zeichneten sich erste leichte Verbrennungen ab – den Blick
war es allerdings wert!
| Nicht gerade der eindrucksvollste Fluss: der Jordan an einer besonders schmalen Stelle |
Weiter
ging es mit dem Auto durch die hügelige Landschaft. Unseren nächsten Halt
legten wir an einer abgelegenen Stelle des Jordans ein. Unterwegs hatten wir
uns Litschis, Kirschen und anderes frisches Obst gekauft. Das Wasser war an
dieser Stelle weniger als einen halben Meter tief und so liefen wir etwas durch
den Fluss und setzten uns an einer schattigen Stelle auf Steine, die aus dem
Wasser ragten und wuschen das Obst im Fluss. Litschis essen im Jordan – warum
auch nicht?
Anstatt
viel zu erzählen möchte ich aber eigentlich lieber Bilder zeigen:
| Kopfstand vor dem See Genezareth; einer der Wasserfälle am Strand bei Kapernaum; Michael und ich; Wasserbecken, die an den See angrenzen |
Vom
Jordan aus fuhren wir zurück an den See Genezareth in einen Nationalpark nicht
weit von Kapernaum, wo das Haus des Petrus steht. Der Nationalpark (und in
Israel kann ein Nationalpark von einem gigantischen Naturreservat bis hin zu
einer popligen Ausgrabungsstelle so ziemlich alles sein) bestand aus einem Steinstrand,
war aber – im Gegensatz zu den vorigen Stationen – kein Geheimtipp: viele Familien - jüdische wie arabische - verbrachten hier ihren Samstag, picknickten und die Kinder spielten im Wasser. Es gab
verschiedene kleine Becken, in denen Wasserfälle fielen. Hinter einen der
Wasserfälle konnte man krabbeln und landete in einer kleinen Höhle, deren
Gestein sich durch die im Wasser enthaltenen Mineralien türkis verfärbt hatte –
wunderschön! Der See war voll von großen dunklen Fischen, die ständig aus dem
Wasser hüpften und wohl wenige Kilometer weiter in Tiberias frisch auf den
Teller kamen.
Wir
allerdings fragten in dem kleinen arabischen Dorf, in dem wir zum Tanken
anhielten, nach dem besten Hummus-Restaurant in der Gegend und wurden von der
Empfehlung nicht enttäuscht: mitten im Golan befindet sich ein kleines
Drusendorf, das zwar über keinerlei Infrastruktur, aber dafür über den wohl
besten Hummus verfügt, den ich je gegessen habe.
Der
Abschied von Israel – 1,5 Wochen hatte ich da noch – wird mir wirklich nicht
leicht gemacht….







