Was wäre ein Blog über ein Jahr in Israel ohne einen Bericht
über den alljährlichen Feiertags-Marathon im September? Eben. Eine Freundin
stellte neulich beim Skypen die berechtigte Frage, wie sich das denn auf
Israels Wirtschaft auswirke, wenn einen ganzen Monat lang kaum jemand arbeitet.
Keine Ahnung! Da ich den Blog erst einen Monat nach meiner Ankunft begonnen
habe, berichte ich etwas verspätet über Sukkoth & Co, aber besser spät als
nie.
Los ging es schon eine Woche nach unserer Ankunft mit Rosch
Haschana, dem jüdischen Neujahr. Das feierten wir – wenn auch eher zufällig, da
es auf den gleichen Tag wie der Geburtstag eines Mitfreiwilligen fiel – am
Strand von Tel Aviv. Obwohl wir in der Partystadt schlechthin waren, gab
es gerade einmal ein popeliges Feuerwerk, also nicht zu vergleichen mit unseren
Silvesterfeierlichkeiten. Schön war allerdings, dass alle Guides in unserem
Projekt eine Box mit Wein, Schokolade (Kinderriegel!!) und einem
Einkaufsgutschien bekamen. Alle Mitarbeiter trafen sich am nächsten Tag, die
Managerin hielt eine Ansprache und wir aßen in Honig getunkte Äpfel und
Honigkuchen – Honig in der Hoffnung auf ein süßes neues Jahr.
Wenig später war schon Yom Kippur, der höchste aller
Feiertage. Viele erinnert der Name an der Yom-Kippur-Krieg von 1973: die
Offensive begannen Syrien und Ägypten nicht ohne Grund am höchsten jüdischen
Feiertag; das israelische Heer war aufgrund der Feierlichkeiten schlecht
vorbereitet und rechnete nicht mit einem Angriff. Auch 40 Jahre später verbringt
man den Tag in der Regel in der Synagoge. Sowohl am Freitag als auch am Samstag
ging ich in meiner Schicht mit den Friends in die reformierte Synagoge nebenan
– einige von ihnen singen wirklich gerne.
Wie schon einmal erwähnt, läuft am Shabbat nicht viel in
Israel, was Busse, Läden etc. betrifft. Doch Shabbat ist nichts im Vergleich zu
Yom Kippur, wo wirklich absolut tote Hose ist: nicht mal Autos dürfen an diesem
Tag fahren. Da es uns mehrfach empfohlen worden war, schwangen Judith und ich
uns nach der Nachmittagsschicht auf unsere Fahrräder und fuhren los. Ein wirklich
komisches Gefühl: überhaupt keine Autos, selbst auf der Autobahn. Ahuza Street,
die eigentlich stark befahrene Hauptstraße Ra’ananas war völlig Auto-frei.
Stattdessen liefen die Bewohner der Stadt herum, verließen oder betraten die
Synagoge, trafen sich mit Freunden oder staunten einfach über das Ausbleiben
der Autos. Bestärkt wurde die ungewöhnliche Situation durch die Tatsache, dass
alle Ampeln ganz normal weiterliefen. Ich persönlich wurde auch nie das Gefühl
los, gleich von einem Auto überholt zu werden – schwer zu beschreiben.
| Ahuza Street |
Nach weniger als einer Woche gab es – na was wohl – wieder Feiertage. Judith und ich hatten schon das Gefühl einen schlechten Deal mit der Managerin gemacht zu haben (wir haben an deutschen Feiertagen frei, arbeiten dafür aber an israelischen). An sich ist es aber ganz praktisch, öfters am Shabbat und an den israelischen Feiertagen zu arbeiten – schließlich fahren dann kaum Busse.
Als nächstes stand also Sukkoth, das Laubhüttenfest, an. Der
Tradition folgend stand auch im Innenhof von Beit Perry für eine Woche eine
solche Sukka. Diese erinnert an den Auszug aus Ägypten, bei dem das auserwählte
Volk auch in solchen Hütten schlief. Theoretisch sollen Juden die gesamte Woche
in der Hütte essen und schlafen. Da für 17 Friends definitiv kein Platz gewesen
wäre, beschränkten wir es auf das Essen – aber auch das wurde nicht besonders
eng gesehen: abends wurde es schnell dunkel und morgens war irgendwie auch nie
die nötige Zeit…
| Die Sukka bei Tag... |
| ...und bei Nacht |
Die Hütte war dennoch eine Attraktion für die Friends: einer von ihnen, der es fertig bringt, den gesamten lieben langen Tag zu reden ohne irgendetwas inhaltlich Relevantes mitzuteilen, hatte ein neues Thema für seine Monologe gefunden: die Laubhütte und ihre Deko. Die schoscheret (Girlanden) haben wir in tagelanger Arbeit angefertigt und aufgehangen. Abends habe ich mich manchmal mit einem der Friends auf die Hollywood-Schaukel gesetzt, die Lichter der Sukka angeschaltet und mich mit ihm darüber unterhalten, wie schön es doch aussieht – so gut das mit einem gefühlt 50 Wörter umfassenden Wortschatz eben geht…
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