Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 13. Oktober 2013

Der Morgen wird zum Abend oder: Nature Parties in Israel

Eigentlich hatte ich als nächstes nochmal von meiner Arbeit im Projekt, über die Strände der Umgebung oder Tel Aviv berichten wollen, aber gestern waren wir – ziemlich spontan – auf einer der in Israel legendären Nature Parties, die jetzt wohl eindeutig Vorrang hat.

Das Konzept von Nature Parties wurde mir schon mehrfach erklärt, doch habe ich immer noch nicht das Gefühl, es wirklich verstanden zu haben. Der Name lässt die Location unschwer erkennen: die Natur – und das kann von Strand über Wald bis hin zu Wüste auch wirklich alles sein. Der Ort der Veranstaltung wird allerdings meist erst am selben Tag bekannt gegeben. Hierzu ruft man eine Nummer, die vorher an alle Interessierte versendet wurde, und erfährt auf der Mailbox die Directions. Das kann dann so lauten: „Auf der Autobahn von Herzliya nach Tel Aviv vor Petah Tiqwa rechts aufs Feld abbiegen. Geradeaus unter der Brücke durch fahren. An dem großen Stein rechts abbiegen und dem Feldweg solange folgen, bis es nicht mehr geht. Dann nach links und bis zum Wald. Dort findet die Party statt.“


 
Durchaus keine Seltenheit:
Nature Parties in der Wüste

Nature Parties sind meistens privat veranstaltet und  deshalb wird die Location nicht etwa im Internet veröffentlicht, sondern nur an ausgewählte Nummern gesendet, meistens sind es so um die 50 Leute. Dass es immer einen konkreten Anlass für die Party geben  muss, bezweifle ich. Gestern war es angeblich die Geburtstagsfeier von zwei der Anwesenden, aber das  niemand so richtig wusste, wer denn jetzt Geburtstag hat, spricht irgendwie für sich. Es gibt auch Nature Parties von professionellen Veranstaltern, zu denen dann entsprechend mehr Menschen kommen (bis zu  mehreren hundert) und die teilweise mehrere Tage dauern – vergleichbar mit dem Festival in Deutschland. In diesem Fall wird die Location auch schon vorher bekannt gegeben. Privat organisierte Nature Parties sind in der Regel illegal – nicht wegen der Party an sich, sondern wegen Ruhestörung, Umweltverschmutzung etc. Meistens läuft es wohl so ab, dass die Polizei kommt, sich über zu laute Musik beschwert, die Autos durchsucht, sich dann aber wieder zurückzieht. Ist allerdings ein Wohngebiet in der Nähe, das gestört wird, muss die Party beendet werden.
Unabdingbar für den Besuch einer Nature Party ist ganz klar das Auto. Die Location ist bewusst abseits gewählt – wo man ungestört Musik aufdrehen kann. Judith und ich waren allerdings überrascht zu sehen, dass sich die nächste Schnellstraße in Blickweite befand. (Israel ist halt nicht groß genug, um jemals völlig aus der Zivilisation herauszukommen.)

Soviel zur Einführung, jetzt möchte ich von gestern erzählen. Der Freund einer Freundin holte Judith und ich mich nach unserer Evening-Shift um 12 Uhr ab. Wir waren schon etwas verwundert, dass er so früh los wollte, schließlich wussten wir, dass die Parties in der Regel erst am frühen Morgen beginnen – wir hatten allerdings keine Vorstellung davon, wie spät sie erst beginnen würde.

Als wir abgeholt wurden, sagte er uns: „You know it’s gonna be until noon, right?“. Judith und ich schauten uns an und dachten zuerst, das sei ein Witz. War es allerdings nicht und deshalb umso blöder, dass Judith am nächsten Tag um acht arbeiten musste, die Uhrzeit, zu der die Party angeblich erst so richtig beginnt. Uns wurde allerdings gesagt, dass sei kein Problem und wir würden schon wieder hier sein um acht.

Zuerst ging es in einen Pub in Kfar Saba, wo wir noch andere trafen und ein anderes Mädchen einsammelten, das mit uns kam. Wir waren schon so früh unterwegs, weil der Veranstalter ein Freund vom Fahrer war und er ihm beim aufbauen helfen wollte. Denn irgendwoher muss die riesige Musikanlage und die improvisiert Bar schließlich kommen. Um ein Uhr ging es dann also in einer kleinen Autoschlange (viele mit Anhänger) los. Trotz eigentlich nur 15 Minuten Fahrt, erreichten wir unser Ziel erst lange nach drei – aus dem Grund, dass auf dem Platz, an dem alles errichtet werden sollte, schon eine andere Party stattfand. Definitiv ein Nachteil daran, dass die Location erst so kurzfristig bekannt gegeben wird… Die ziemlich beschwerliche Suche nach einem neuen Ort (denn mit Anhänger kann ein Auto auf dem Feldweg eher schlecht werden) erspare ich euch. Wir fanden eine und während einige anfingen, alles aufzubauen, schliefen Judith und ich eine Runde. Das ist bei Nature Parties, vor allem solchen, die mehrere Tage dauern, durchaus üblich. Einige hatten Zelte mitgebracht, andere schliefen aus Teppichen oder einfach im Auto – denn für israelische Verhältnisse war es ziemlich kalt.

Um fünf Uhr wurden wir dann von ziemlich lauter Dubstep-Musik geweckt und waren wirklich überrascht, wie praktisch aus dem Nichts ein mittelgroßes Getränke-Zelt und vor allem ein riesiges Pult und Scheinwerfer aufgebaut worden waren. Auch wenn wir, wie schon gesagt, nicht völlig ab vom Schuss waren, befanden wir uns auf einer Lichtung in einem Wald, die sich innerhalb von wenigen Stunden völlig verändert hatte. Auf der `Tanzfläche´ (also dem Bereich vor dem Pult) tanzten auch schon einige, andere schliefen noch oder saßen auf Decken und unterhielten sich. Die Leute sahen überwiegend aus wie Hippies: weite Klamotten, Typen mit Zopf und generell allerlei Zeugs in den Haaren. Es war schon ein komisches Gefühl, als gegen halb sechs langsam die Sonne aufging. In Israel wird nicht die Nacht zum Tag gemacht, sondern der Morgen zum Abend. Denn erst nachdem die Sonne aufgegangen war, ging die Feier erst richtig los. Während wir geschlafen hatten, waren noch viele Autos gekommen und wir waren mittlerweile eine recht große Gruppe. Das Tanzen machte echt Spaß und ich wünschte, ich hätte ein paar Fotos machen können (hatte allerdings mein Handy zu Hause gelassen).

Dass es wirklich erst um 8 Uhr richtig losging, kann ich definitiv nicht glaube, es war trotzdem schade, schon so früh gehen zu müssen. Die arme Judith musste allerdings – als wir um 7:59 wieder in Beit Perry ankamen – los zur 7-stündigen Morning-Shift….

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