Eigentlich hatte ich als nächstes nochmal von meiner Arbeit
im Projekt, über die Strände der Umgebung oder Tel Aviv berichten wollen, aber
gestern waren wir – ziemlich spontan – auf einer der in Israel legendären
Nature Parties, die jetzt wohl eindeutig Vorrang hat.
Das Konzept von Nature Parties wurde mir schon mehrfach
erklärt, doch habe ich immer noch nicht das Gefühl, es wirklich verstanden zu
haben. Der Name lässt die Location unschwer erkennen: die Natur – und das kann
von Strand über Wald bis hin zu Wüste auch wirklich alles sein. Der Ort der
Veranstaltung wird allerdings meist erst am selben Tag bekannt gegeben. Hierzu
ruft man eine Nummer, die vorher an alle Interessierte versendet wurde, und
erfährt auf der Mailbox die Directions. Das kann dann so lauten: „Auf
der Autobahn von Herzliya nach Tel Aviv vor Petah Tiqwa rechts aufs Feld
abbiegen. Geradeaus unter der Brücke durch fahren. An dem großen Stein rechts
abbiegen und dem Feldweg solange folgen, bis es nicht mehr geht. Dann nach
links und bis zum Wald. Dort findet die Party statt.“
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| Durchaus keine Seltenheit: Nature Parties in der Wüste |
Nature Parties sind meistens privat veranstaltet und deshalb wird die Location nicht etwa im Internet veröffentlicht, sondern nur an ausgewählte Nummern gesendet, meistens sind es so um die 50 Leute. Dass es immer einen konkreten Anlass für die Party geben muss, bezweifle ich. Gestern war es angeblich die Geburtstagsfeier von zwei der Anwesenden, aber das niemand so richtig wusste, wer denn jetzt Geburtstag hat, spricht irgendwie für sich. Es gibt auch Nature Parties von professionellen Veranstaltern, zu denen dann entsprechend mehr Menschen kommen (bis zu mehreren hundert) und die teilweise mehrere Tage dauern – vergleichbar mit dem Festival in Deutschland. In diesem Fall wird die Location auch schon vorher bekannt gegeben. Privat organisierte Nature Parties sind in der Regel illegal – nicht wegen der Party an sich, sondern wegen Ruhestörung, Umweltverschmutzung etc. Meistens läuft es wohl so ab, dass die Polizei kommt, sich über zu laute Musik beschwert, die Autos durchsucht, sich dann aber wieder zurückzieht. Ist allerdings ein Wohngebiet in der Nähe, das gestört wird, muss die Party beendet werden.
Unabdingbar für den Besuch einer Nature Party ist ganz klar
das Auto. Die Location ist bewusst abseits gewählt – wo man ungestört Musik
aufdrehen kann. Judith und ich waren allerdings überrascht zu sehen, dass sich
die nächste Schnellstraße in Blickweite befand. (Israel ist halt nicht groß
genug, um jemals völlig aus der Zivilisation herauszukommen.)
Soviel zur Einführung, jetzt möchte ich von gestern
erzählen. Der Freund einer Freundin holte Judith und ich mich nach unserer
Evening-Shift um 12 Uhr ab. Wir waren schon etwas verwundert, dass er so früh
los wollte, schließlich wussten wir, dass die Parties in der Regel erst am
frühen Morgen beginnen – wir hatten allerdings keine Vorstellung davon, wie spät
sie erst beginnen würde.
Als wir abgeholt wurden, sagte er uns: „You know it’s gonna
be until noon, right?“. Judith und ich schauten uns an und dachten zuerst, das
sei ein Witz. War es allerdings nicht und deshalb umso blöder, dass Judith am
nächsten Tag um acht arbeiten musste, die Uhrzeit, zu der die Party angeblich
erst so richtig beginnt. Uns wurde allerdings gesagt, dass sei kein Problem und
wir würden schon wieder hier sein um acht.
Zuerst ging es in einen Pub in Kfar Saba, wo wir noch andere
trafen und ein anderes Mädchen einsammelten, das mit uns kam. Wir waren schon
so früh unterwegs, weil der Veranstalter ein Freund vom Fahrer war und er ihm
beim aufbauen helfen wollte. Denn irgendwoher muss die riesige Musikanlage und
die improvisiert Bar schließlich kommen. Um ein Uhr ging es dann also in einer
kleinen Autoschlange (viele mit Anhänger) los. Trotz eigentlich nur 15 Minuten
Fahrt, erreichten wir unser Ziel erst lange nach drei – aus dem Grund, dass auf
dem Platz, an dem alles errichtet werden sollte, schon eine andere Party
stattfand. Definitiv ein Nachteil daran, dass die Location erst so kurzfristig
bekannt gegeben wird… Die ziemlich beschwerliche Suche nach einem neuen Ort
(denn mit Anhänger kann ein Auto auf dem Feldweg eher schlecht werden) erspare
ich euch. Wir fanden eine und während einige anfingen, alles aufzubauen,
schliefen Judith und ich eine Runde. Das ist bei Nature Parties, vor allem
solchen, die mehrere Tage dauern, durchaus üblich. Einige hatten Zelte
mitgebracht, andere schliefen aus Teppichen oder einfach im Auto – denn für
israelische Verhältnisse war es ziemlich kalt.
Um fünf Uhr wurden wir dann von ziemlich lauter
Dubstep-Musik geweckt und waren wirklich überrascht, wie praktisch aus dem Nichts
ein mittelgroßes Getränke-Zelt und vor allem ein riesiges Pult und Scheinwerfer
aufgebaut worden waren. Auch wenn wir, wie schon gesagt, nicht völlig ab vom
Schuss waren, befanden wir uns auf einer Lichtung in einem Wald, die sich
innerhalb von wenigen Stunden völlig verändert hatte. Auf der `Tanzfläche´
(also dem Bereich vor dem Pult) tanzten auch schon einige, andere schliefen
noch oder saßen auf Decken und unterhielten sich. Die Leute sahen überwiegend
aus wie Hippies: weite Klamotten, Typen mit Zopf und generell allerlei Zeugs in
den Haaren. Es war schon ein komisches Gefühl, als gegen halb sechs langsam die
Sonne aufging. In Israel wird nicht die Nacht zum Tag gemacht, sondern der
Morgen zum Abend. Denn erst nachdem die Sonne aufgegangen war, ging die Feier
erst richtig los. Während wir geschlafen hatten, waren noch viele Autos gekommen
und wir waren mittlerweile eine recht große Gruppe. Das Tanzen machte echt Spaß
und ich wünschte, ich hätte ein paar Fotos machen können (hatte allerdings mein
Handy zu Hause gelassen).
Dass es wirklich erst um 8 Uhr richtig losging, kann ich definitiv
nicht glaube, es war trotzdem schade, schon so früh gehen zu müssen. Die arme
Judith musste allerdings – als wir um 7:59 wieder in Beit Perry ankamen – los
zur 7-stündigen Morning-Shift….

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