Make Hummus Not Walls

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Montag, 21. Oktober 2013

„Oh Gott“ ist Kuchen und „Scheiße“ heißt 19 oder: Die hebräische Sprache

Nur um erst einmal ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen: vor meiner Ausreise wurde ich von einer Mitschülerin (und ihren Namen möchte ich aus gutem Grund nicht nennen) gefragt, ob ich denn schon Israelisch sprechen würde. Nein, und das werde ich wohl auch niemals, denn die in Israel gesprochenen Sprache heißt Hebräisch – nur um das ein für alle Mal zu klären J

Als ich hier ankam beschränkte sich mein Vokabular allerdings tatsächlich aus Shalom, Lehitraot, Ken (Ja) und Lo (Nein). Nach gut einem Monat in Israel bin ich allerdings überrascht, wie viel ich schon verstehe. Denn das mit dem Hebräischen ist alles andere als einfach…













Das Hebräische Alphabeth besteht aus 22 Konsonanten, die zwar völlig anders aussehen als die lateinischen Buchstaben – allerdings deutlich simpler sind als beispielsweise japanische oder chinesische Schriftzeichen. (Bei Youtube findet man übrigens den wunderbaren Aleph-Beth-Song, eigentlich für Kinder gedacht, aber auch für uns sehr hilfreich – nerviger Ohrwurm garantiert!) Diese 22 Konsonanten muss man schlicht weg lernen – das geht mit ein bisschen Übung auch recht schnell. Wer allerdings denkt, er könne dann drauf los lesen, hat sich getäuscht: denn zusätzlich zu den Konsonanten gibt es einige Vokale, die das Wort erst komplett machen. Aber auch die sind lernbar und alles wäre so schön einfach – würden die Israelis die Vokale denn mitschreiben. Tun sie aber nicht und deshalb ist es unglaublich schwer für Laien, die Schrift zu lesen. Aus den vorhandenen Konsonanten können sich Israelis leicht zusammenreimen, was denn nun das jeweilige Wort heißt, für jemanden mit noch quasi nicht existierendem Wortschatz ist es nahezu unmöglich. Um die Sache noch etwas schwieriger zu machen, gibt es zusätzlich zur Druckschrift noch eine Schreibschrift – und die fällt sehr individuell (sprich unleserlich) aus.

In einer meiner ersten Shifts gingen wir mit den Friends in die Gym. Plötzlich sagte einer der Guides „Scheiße“ zu einem der Friends. Ich war etwas verwundert, dachte allerdings, er wolle mir beweisen, dass auch er ein paar Wörter auf Deutsch kann wie die meisten Guides hier. Ich fragte ihn also, welche Wörter er denn noch auf Deutsch könne, was ihn völlig verwirrte. Aus gutem Grund: ein Friend hatte ihn gefragt, wie lange er denn schon auf dem Laufband sei und der Guide antwortete: „Tschaesre“, also 19, was – schnell gesprochen – klingt wie „Scheiße.“ Erste Eselsbrücke…

Mit den Friends ist die Kommunikation immer noch, nun ja, beschwerlich. Langsam hat man die Standardsätze wie „Setz dich ordentlich hin,“ „Gut gemacht“ und natürlich Dinge wie „Wie geht es dir“ gut drauf. Jeder der Friends hat seine präferierten Themen (in 90% der Fälle Essen), über die er sich gerne unterhält oder auch Monologe führt. Einer der Friends aus dem Blue House grüßt sich beispielsweise mehrfach täglich und fragt zuerst mich und dann sich nach dem jeweiligen Wohlbefinden. Ein anderer erkundigt sich gerne über das Vorhandensein von Süßwaren. „Pfannkuchen?“, „Schokolade?“, „Chips?“, „Kakao?“ worauf ich immer mit „En“ (gibt’s nicht) antworte – also noch keine tiefsinnigen Konversationen. Auch nach Kuchen, „Oogot“ (was klingt wie Oh Gott) fragt er gerne.

Fast immer reicht es aus, bei Fragen einfach Ja oder Nein zu sagen (die Wahrscheinlichkeit, die richtige Antwort zu geben, beträgt immerhin 50%). Kompliziert wird es, wenn sie anfangen, Fragen zu stellen, auf die sie sich auch Antworten erhoffen, also wenn sie zum Beispiel fragen, was denn heute ansteht, wer mit mir in der Schicht ist etc. Erhält man einen verwirrten Gesichtsausdruck, kann man sich sicher sein, dass es eine offene Frage war. Aber auch das wird sich mit der Zeit wohl erledigen: Diesen Donnerstag nämlich hatten wir unsere erste Hebräisch-Stunde, die bis Ende Januar gehen werden.

Drei der Friends aus dem Red House können etwas bis einigermaßen Englisch. Mit einem unterhalte ich mich eigentlich ausschließlich über die Wochentage. Frage ich ihn danach, nennt er mir den richtigen Tag – auf Deutsch, Englisch und Hebräisch. Learning by doing!


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