Make Hummus Not Walls

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Montag, 7. Oktober 2013

Kunst an ungewöhnlicher Stelle oder: Warum Bethlehem mehr ist als Kindlein in der Krippe

Shalom, chaverim!

An unserem dritten Tag in Jerusalem fuhren Judith und ich mit Maren und Max, zwei deutschen Medizin-Studenten, die sich uns spontan angeschlossen hatten, nach Bethlehem. Nur 8 Kilometer liegt es von Jerusalem entfernt, doch so viele Dinge trennen die beiden Städte voneinander – allem voran die Separation Wall. Gerne wird hier der Vergleich zur Berliner Mauer gezogen, die, anders als die 8 Meter hohe Separation Wall ‚nur‘ 4 Meter hoch war.


Die Geburstkirche


Viel Lärm um - einen Stern

Beginnen möchte ich allerdings nicht mit der Mauer, sondern mit dem Zentrum Bethlehems: der Geburtskirche. Hier tummeln sich die Touristen, die sich zuerst durch die Kirche führen und dann ihren Falafel servieren lassen (der hier übrigens nur umgerechnet einen Euro kostet, statt drei Euro in Tel Aviv). Die Kirche besteht aus zwei Kirchen sowie einer Grotte, in der sich ein Silberstern befindet, der die Stelle markiert, an der Jesus der Überlieferung nach im Futtertrog lag. Touristen und Pilger nehmen stundenlanges Schlangestehen in Kauf, um hier die Markierung für den Futtertrog zu berühren. Selbstverständlich kann man auch in der Geburtskirche sein Grab und in der Himmelfahrskapelle seinen Fußabdruck anfassen und küssen – was auch zur Genüge getan wird. Um also jenen besagten Stern zu berühren gibt es zwei Möglichkeiten: man reiht sich entweder in die unendliche Schlange ein – oder stellt sich etwas doof und nähert sich der Grotte vom Ausgang her. Wenn man Glück hat und der Wächter gut drauf ist, lässt er einen passieren – und man hat sich zwei Stunden in der Schlange gespart.


Aber klar doch!

Direkt gegenüber der Kirche befindet sich eine Mosche, die wir auch von innen anschauen durften – natürlich ohne Schuhe und gut verhüllt. Ziemlich anstrengend war, dass dauernd Palästinenser kamen, die uns etwas zeigen, uns mit dem Taxi fahren oder auf einen Tee einladen wollten (Letzteres natürlich VÖLLIG ohne finanzielle Interessen). Aber kann man es den Palästinensern übel nehmen? Der Zaun, den sie als ‚Apartheitsmauer‘ bezeichnen, trennt palästinensische Dörfer von ihren Feldern und Wasserquellen. Straßensperren und Checkpoints tun ein Übriges für die Wirtschaft, die sich im Niedergang befindet. Ich will mir zu diesem Thema überhaupt keine Meinung bilden, da das Thema viel zu komplex ist, um es zu durchschauen und bewerten zu können. Fakt ist allerdings, dass 85% der Trennmauer auf palästinensischem Gebiet verlaufen.


Kein seltener Anblick in Bethlehem:
Souvenirläden mit Devotionalien
Nachdem wir auch noch die Milchgrotte besichtigt hatten, in der angeblich Maria Jesus gestillt hat, sind wir aus der Stadt herausgelaufen Richtung Trennmauer. Die graue Mauer wird von Palästinensern und Nicht-Palästinensern als Plattform genutzt, ihre Hoffnung, Ängste und Wut auszudrücken. Auf Postern, die im Abstand von wenigen Zentimetern an der Wand hängen, findet man Geschichten, die palästinensische Frauen über ihre Erfahrungen mit der Mauer geschrieben haben. Da liest man Schockierendes: beispielsweise von hochschwangere Frauen, die solange am Checkpoint kontrolliert wurden, bis sie ihr Kind dort gebaren – als Todgeburt.


Andere drücken ihre Kritik an der Mauer nicht durch Geschichten aus – sondern durch Kunst. Besonders hervorzuheben ist hierbei der unter dem Pseudonym Banksy arbeitende britische Künstler. Dass seine Werke nicht in erster Linie politisch sind, erkennt man daran, dass er die Mauer als „the ultimate activity holiday destination for graffiti writers" bezeichnet. Dennoch erkennt man eine eindeutige Kritik an dem israelischen Umgang mit Palästinensern. Hier sind einige seiner bekanntesten Grafittis:







Wer also nach Bethlehem kommt, sollte unbedingt die zwei verschiedenen Seiten der Stadt sehen; also den für Touristen herausgeputzten Manger Square verlassen und sich mit dem Leben der Stadtbewohner vertraut machen: erkennbar an heruntergekommenen Vierteln – und ihren Geschichten von der Mauer. 

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