Make Hummus Not Walls

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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Tausend Wege, Sport zu umgehen oder: Ein typischer Sonntag

Heute waren Judith und ich nochmal am Strand von Herzliya – denn ja, es sind immer noch 28°… Sämtlichen Muskelgruppen an meinem Körper gefiel das Schwimmen allerdings gar nicht, denn mir tut noch so ziemlich jede Bewegung weh. Bei der Arbeit wurde ich von einer der Guides schon als „Old Polish woman – always complaining“ bezeichnet. Zu beklagen gibt es hier alles in allem aber wirklich wenig. Sicherlich hat sowieso das Liegen in der Sonne den Muskelkater gelindert…



Der Strand von Herzliya

Wie schon lange angekündigt, berichte ich nun endlich von unserer Arbeit mit den Friends. Mittlerweile ist es entschieden, dass ich im Blue und Judith im Green House arbeite, worüber ich sehr froh bin. Mit den Friends ist jeder Tag anders, was nicht nur daran liegt, dass sie einen immer wieder aufs Neue mit irgendwelchen Talenten, Launen oder Ideen überraschen, sondern auch daran, dass ihnen hier in Beit Perry ein wirklich abwechslungsreiches Programm geboten wird. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, über jeden Wochentag im Laufe der Zeit einen eigenen kleinen Bericht zu schreiben.

Los geht die Woche mit Jom Rishon, Sonntag, dem ersten Arbeitstag für die Friends. Einer der Friends aus dem Blue House arbeitet nicht in Hadassim wie die anderen, sondern bei Nokia – er zählt somit zu den ‚fähigsten‘. Er kommt schon um 15:45 nach Beit Perry und dann koche ich mit ihm Kaffee und bereite den Aruchat Chamesh, den 5-Uhr-Snack vor, der aus Joghurt, Kaffee und Obst besteht. Mit ihm mache ich dementsprechend schon dann Seder Jom, den Plan des Tages. Jeder der Friends bespricht mit einem Guide, was an diesem Tag noch ansteht. Teilweise haben sie Karten mit Symbolen (wie z.B. einem Basketball oder einer Dusche), die sie dann an eine Wand pappen. Andere schreiben in eine Tabelle die verschiedene Aktivitäten, je nachdem, wie gut sie schreiben und reden können.
Nachdem wir Seder Jom auch mit den Friends, die erst um 16:00 kommen, beendet haben, gehen wir mit ihnen nach oben in die Zimmer, wo sie sich für den Sport umziehen. Was Waschen betrifft, ist man hier wirklich sehr penibel: für den Sport wird sich verständlicher Weise umgezogen, aber warum danach für die zwei Stunden bis zum Schlafengehen wieder neue Klamotten (die am Abend wieder gewaschen werden) genommen werden, und warum der Schlafanzug täglich in die Wäsche kommt, sehe ich nicht so ganz ein.

Sobald die Friends sich umgezogen haben, setzen wir uns zusammen in die gemütliche Sitzecke im Wohnzimmer. In der Regel sind wir drei Guides, von den sechs Friends ist öfters mal einer für einen Nachmittag bei seinen Eltern. Zuerst gibt es Sitkansut, eine Art Gesprächsrunde, bei der wir die Friends einzeln fragen, wie es ihnen geht, wo sie heute waren (überraschender Weise ist die Antwort immer die Selbe) und was es zu essen gab. Neulich hat der wohl schlauste Friend zur House Managerin gesagt, er verstehe nicht, warum sie alle nach dem Essen frage – schließlich hätten doch alle das gleiche gehabt. Die Friends werden dazu aufgefordert, miteinander zu reden. Dementsprechend fragen sie sich gegenseitig, wie ihr Tag war. Das klingt simpel, ist es allerdings nicht. Man muss einen Friend explizit ansprechen und ihm in der Regel genau sagen, welche Frage er welchem Friend stellen soll. Häufig müssen wir sie dazu auffordern, den Friend auch wirklich anzuschauen – für Autisten alles andere als selbstverständlich!

Nach dem 5-Uhr-Snack, beginnen wir mit Jetzirah, Basteln, über das ich an anderer Stelle mehr schreiben werde. Leider darf ich von den Friends keine Bilder veröffentlichen, ich werde bei Gelegenheit aber mal fotografieren, was sie Künstlerisches fabrizieren. Während des Bastelns gehen drei der Friends nacheinander zur Einzel-Therapie, die allerdings in den Räumlichkeiten von Beit Perry stattfindet.

Da mehrere der Guides nebenbei Kunst studieren, kommen beim
Basteln oftmals schöne Dinge raus, wie hier beispielsweise Mosaike

Um sechs Uhr geht es dann zum - von manchen verhassten - Sport. In der Gym gehen sie für eine Dreiviertelstunde aufs Laufband, den Crosstrainer oder aufs Fahrrad. Ein Trainer von außerhalb stellt für sie die Geräte ein. Und dann geht es für uns los: Was den Sport, betrifft, haben zwei der Friends erhebliche Motivationsprobleme. Einer von ihnen ist zwar ständig glücklich (was sich darin äußert, dass er die Arme in die Luft wirft und lustige Geräusche macht), aber trotzdem ist so Ausdauersport schon was Doofes. Da ein Laufband mit einem Klick schnell gestoppt sind, haben wir uns verschiedene Methoden überlegt, ihn vom Unterbrechen abzuhalten. Auf die Tastatur haben wir ein Stück Pappe gelegt, doch die hatte er schnell weggeworfen. Als nächstes wurde die Pappe mit Tesa-Film angeklebt, aber er hat – wenn auch mit ein bisschen mehr Aufwand – die Pappe wieder weggerissen. Also Pappe mit Tesa-Film anklebt und darauf ein schweres Brett gelegt. Das hat tatsächlich funktioniert! Doch eines schönen Tages kam der Friends – nach vielen Brett-Beseitigungsversuchen – auf die Idee, das Laufband nicht zu stoppen, sondern sich einfach auf den Rand zu stellen! Dementsprechend bleibt uns nichts anderes übrig, als uns neben den Friend zu stellen, das Brett festzuhalten und mit ihm zu schimpfen, sobald er versucht, das Laufband zu verlassen – seine gute Laune allerdings ist geblieben und er schmeißt immer noch regelmäßig die Arme in die Luft und sagt sinnlose Sätze wie „Die Mutter und der Vater“, „Pfannkuchen“, „Die reformierte Synagoge“ oder „Schokolade von der Firma Elite.“

Nach dem Sport geht’s unter die Miklachat, die Dusche. Danach gibt es Abendessen und nach der Harpaia, der allabendlichen Entspannung mit Musik bekommen sie Kadorim, die Tabletten. Als letztes bringen wir sie ins Bett und wünschen ihnen eine Lajla Tov, eine gute Nacht. 

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