Make Hummus Not Walls

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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Perlen und Pailletten oder: Ein typischer Montag

Am Jom Scheni, Montag, kommen die Friends wieder gegen 4 Uhr von ihrer Arbeit zurück und wir machen Seder Jom, den Plan des Tages, mit ihnen. Einer der Friends geht währenddessen jeden Tag in die Mamath, den Ruheraum. Wenn er aus Hadassim zurückkommt, ist er meistens sehr unruhig und möchte viele Fragen stellen. Einer der Guides (ich aufgrund meiner schlechten Hebräisch-Kenntnisse bisher noch nie) setzt sich mit ihm in den Ruheraum, der eigentlich der Bunkerraum des Hauses ist, allerdings als Ablage für Bastelsachen verwendet wird – oder eben als Ruheraum.



Montags schicken wir die Friends noch vor dem 5-Uhr-Snack unter die Dusche. Praktischerweise müssen die Friends des Blue House – anders als die des Green House – nicht geduscht werden, allerdings muss man dabei stehen oder zumindest ab und zu vorbeischauen. Zwei der Friends sind Epileptiker und dürfen schon aus diesem Grund nie alleine gelassen werden. Meistens reichen wir den Sechsen Shampoo und Dusch-Gel an, da sie sich bei der Menge ganz gerne mal verschätzen. Ansonsten fordert man sie recht oft zu Majm al Rosch, Wasser auf den Kopf, auf. Das vergessen sie nämlich des Öfteren und ich muss mich immer beherrschen, nicht loszulachen, wenn plötzlich ein Friend im Bademantel und mit Shampoo an Kopf und Ohren vor mir steht.

Nach Aruchat Chamesh, dem 5-Uhr-Snack, beginnen wir mit Jetzirah, Basteln. Manche Friends malen Mandalas aus, andere fädeln Perlen auf eine Schnur oder sie machen Pajettim, Pailletten. Hierbei heften sie Pailletten mit kleinen Nadeln auf Styropor-Formen, was wirklich schön aussieht. Allerdings hab ich in letzter Zeit den Eindruck, dass es mir mehr Spaß macht, als den meisten von ihnen. J




Meistens ist es relativ stressig: zwei der Friends lassen sich nur schwer motivieren und stehen ständig auf, weil sie am liebsten draußen herumlaufen bzw. den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen wollen. Ein anderer redet die ganze Zeit und sagt gefühlte tauschen Mal am Tag: „Shalom, Lotte!“ Wieder ein anderer ist paranoid und hat permanent Stimmen im Kopf, mit denen er redet. Einer der anderen Friends hört sehr gerne Musik und singt entsprechend laut mit. Dementsprechend gibt es immer eine ziemliche Geräuschkulisse: Das kann manchmal stressig sein, aber ich fühle mich total wohl im Blue House: es ist ständig etwas los, nie langweilig und echt witzig ist es, wenn die Friends die Musik voll aufdrehen und anfangen zu tanzen, bzw. sich wie bescheuert im Kreis zu drehen. Jeder der sechs Friends ist anders als die anderen, aber jeder ist auf seine Art toll und man schließt sie direkt ins Herz.




Ab 5 Uhr steht Drama an. Hierzu kommt jemand von außerhalb, der mit jeweils drei Friends für eine Stunde in den Musik-Raum im Keller geht. Leider war ich noch nie dabei, da wir Guides jeweils mit den Friends, die oben bleiben, basteln, aber soweit ich weiß, trommeln sie unten und singen auch.


Wenn auch die zweite Gruppe zu Ende getrommelt hat, steht wieder das übliche Abendprogramm an: Aruchat Boker, Abendessen, Harpaia, Entspannung zu Musik, Kadorim, Tabletten, und dann ab ins Bett. Einer von uns Guides räumt das Abendessen mit täglich einem anderen Friend weg. Der jeweilige Friend räumt Geschirr in die Spülmaschine, schmeißt Reste weg und trägt den Müll raus. Daran sind sie zeitlich gesehen zwar nicht übermäßig effizient, aber sie machen die Arbeit ordentlich und zieren sich wirklich nie. 

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