Shalom, chaverim!
Am Mittwoch ging es nach der Wake-Up-Shift für mich und
Judith los nach Jerusalem, das wir bequem in weniger als zwei Stunden per Bus
erreichen können. Da wir beide nicht gerade Genies sind, was die Orientierung
betrifft, hatten wir erstmal keine Ahnung, wo wir denn gelandet waren. Aber
selbst nach zwei Tagen in der Altstadt hatten wir noch keine wirkliche
Orientierung – und das, obwohl die Altstadt gerade einmal einen
Quadratkilometer groß ist.
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| An der Klagemauer |
Sehr praktisch war es daher für uns, dass wir erst einmal
eine Stadtführung hatten. Der Veranstalter bietet in vielen Städten Israels
sogenannte FREE TOURS an – bei denen man allerdings mehr als einmal gebeten
wird, doch bitte zu spenden und wenn möglich doch auch bitte mehr als 50 NIS
(ca. 10€). Wie schon erwähnt ist die Altstadt an sich nicht groß, trotzdem kann
man ohne Probleme mehrere Tage in ihr verbringen, ohne alles gesehen und
verstanden zu haben. Das liegt nicht nur an der gigantischen Anzahl an Kirchen,
Moscheen, Synagogen und anderen Sehenswürdigkeiten, sondern auch daran, dass
man im Gespräch mit den Einheimischen (und die Israelis sind sehr offen) viel
über das Leben in Jerusalem und den israelisch-palästinensischen Konflikt
erfahren kann.
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| Planlos in Jerusalem |
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| Blick auf Felsendom und Klagemauer |
Nachdem wir einen Großteil der üblichen Sehenswürdigkeiten
abgehakt hatten, haben wir uns abends immer etwas planlos durch die Stadt
treiben lassen – was meistens damit endete, dass wir am Damaskus Gate landeten
und Kuchen bei den Straßenhändlern kauften. Leider kann man weder die Al-Aqsa-Moschee
noch den Felsendom besichtigen – es sei denn, man ist Muslim. Auch wenn der
Syrien-Konflikt eine voraussichtlich gute Wende genommen hat und Irans
Ministerpräsident Rohani den Juden zum Neujahrsfest gratulierte, bekommt man
einiges von den israelisch-arabischen Feindseligkeiten im Alltag mit. So wies
mich beispielsweise ein Verkäufer freundlich aber bestimmt darauf hin, ich
solle mich nicht mit „toda“, sondern mit dem arabischen „shuqran“ oder einfach
auf Englisch bedanken - alles, bloß nicht auf Hebräisch! An anderer Stelle unterhielten
wir uns mit einem Mann, der aus Haifa stammt und dort ausgewachsen ist, sich
allerdings selber als Palästinenser bezeichnet – wie wohl viele Araber hier.
Zurück zu Jerusalem: die Stadt ist – wie auch zu erwarten
war- das völlige Gegenteil von Tel Aviv: architektonisch (Kirchen statt Skyscraper),
historisch (4000 Jahre Geschichte statt schlappe 100) und vor allem von der
Mentalität: während man in Tel Aviv feiert oder in modernen Bürogebäuden arbeitet,
gibt man sich in Jerusalem politisch. Judith und mir hat insbesondere eine
Führung in den Tunneln unterhalb der Klagemauer sehr gut gefallen – und
natürlich die Sicht vom Ölberg aus: von hier aus hat man einerseits einen tollen
Blick auf Jerusalem, auf der anderen Seite sieht man Bethlehem, das Tote Meer
und die Berge Jordaniens. Hoch kommt man entweder zu Fuß, oder – für Faule wie
uns – mit dem Sherut. Es lohnt sich allerdings, eine Strecke zu Fuß
zurückzulegen, denn man passiert viele Kirchen (u.a. das Mariengrab und die
Himmelfahrtskapelle). Empfehlenswert ist ein Besuch der Pater-Noster-Kirche (alle
Kirchen zu besichtigen ist unserer Ansicht nach eh wenig nachhaltig). An dieser
Stelle hat Jesus seine Jünger das Vaterunser gelehrt. Dementsprechend steht es
auf Kacheln in über 40 Sprachen in der Kirche und dem kleinen Park drum herum.
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| Das Vaterunser in den verschiedensten Sprachen... |
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| ...auch auf Plattdeutsch! |
An dieser Stelle möchte ich unbedingt noch von unserer
Unterkunft berichten: wir haben die drei Nächte im Citadel Youth Hostel mitten
in der Altstadt verbracht. Die Betten (oder besser gesagt Matratzen) sind nicht
nur die günstigste, sondern vom Blick her auch die beste
Übernachtungsmöglichkeit. Man sieht von dort aus so ziemlich alles Sehenswerte
in Jerusalem: den Felsendom, die Geburtskirche, zahlreiche Moscheen und Synagogen.
Morgens wird man vom Ruf des Muezzin geweckt – oder von Kirchenglocken. So toll
die Sicht gewesen sein mag – schlafen unter freiem Himmel hat definitiv auch
seine Nachteile: in der zweiten Nacht fing es plötzlich an zu regnen. Wir waren
an die 30 Jugendliche auf dem Dach und hätten niemals alle samt Matratzen in
den winzigen Empfangsraum gepasst. Judith und ich wachen also mitten in der
Nacht durch den Regen auf, schauen uns fragend an, nur um festzustellen, dass
uns eh nichts übrig bleibt, als zu versuchen, trotz Nässe zu schlafen. (Unsere
Rucksäcke, in denen sich immerhin Handys und eine Kamera verbargen, hatten wir
durch eine weitere Matte geschützt). Wir schliefen also wieder ein und wachten
gegen neun Uhr auf – hätten wir eine Stunde länger geschlafen, hätten wir auf
unserer eh schon geröteten Haut sicherlich Sonnenbrand gehabt. Der Regen kam in
der Nacht übrigens nochmal wieder – dauerte aber auch dieses Mal kaum eine
Minute. Definitiv eine Erfahrung – allerdings nicht zu jeder Jahreszeit
empfehlenswert.

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| Blick von unserem Hosteldach |
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