Make Hummus Not Walls

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Montag, 7. Oktober 2013

Kirchen ohne Ende oder: Planlos in Jerusalem

Shalom, chaverim!

Am Mittwoch ging es nach der Wake-Up-Shift für mich und Judith los nach Jerusalem, das wir bequem in weniger als zwei Stunden per Bus erreichen können. Da wir beide nicht gerade Genies sind, was die Orientierung betrifft, hatten wir erstmal keine Ahnung, wo wir denn gelandet waren. Aber selbst nach zwei Tagen in der Altstadt hatten wir noch keine wirkliche Orientierung – und das, obwohl die Altstadt gerade einmal einen Quadratkilometer groß ist.

An der Klagemauer

Sehr praktisch war es daher für uns, dass wir erst einmal eine Stadtführung hatten. Der Veranstalter bietet in vielen Städten Israels sogenannte FREE TOURS an – bei denen man allerdings mehr als einmal gebeten wird, doch bitte zu spenden und wenn möglich doch auch bitte mehr als 50 NIS (ca. 10€). Wie schon erwähnt ist die Altstadt an sich nicht groß, trotzdem kann man ohne Probleme mehrere Tage in ihr verbringen, ohne alles gesehen und verstanden zu haben. Das liegt nicht nur an der gigantischen Anzahl an Kirchen, Moscheen, Synagogen und anderen Sehenswürdigkeiten, sondern auch daran, dass man im Gespräch mit den Einheimischen (und die Israelis sind sehr offen) viel über das Leben in Jerusalem und den israelisch-palästinensischen Konflikt erfahren kann.

Planlos in Jerusalem
Blick auf Felsendom und Klagemauer

Nachdem wir einen Großteil der üblichen Sehenswürdigkeiten abgehakt hatten, haben wir uns abends immer etwas planlos durch die Stadt treiben lassen – was meistens damit endete, dass wir am Damaskus Gate landeten und Kuchen bei den Straßenhändlern kauften. Leider kann man weder die Al-Aqsa-Moschee noch den Felsendom besichtigen – es sei denn, man ist Muslim. Auch wenn der Syrien-Konflikt eine voraussichtlich gute Wende genommen hat und Irans Ministerpräsident Rohani den Juden zum Neujahrsfest gratulierte, bekommt man einiges von den israelisch-arabischen Feindseligkeiten im Alltag mit. So wies mich beispielsweise ein Verkäufer freundlich aber bestimmt darauf hin, ich solle mich nicht mit „toda“, sondern mit dem arabischen „shuqran“ oder einfach auf Englisch bedanken - alles, bloß nicht auf Hebräisch! An anderer Stelle unterhielten wir uns mit einem Mann, der aus Haifa stammt und dort ausgewachsen ist, sich allerdings selber als Palästinenser bezeichnet – wie wohl viele Araber hier.

Zurück zu Jerusalem: die Stadt ist – wie auch zu erwarten war- das völlige Gegenteil von Tel Aviv: architektonisch (Kirchen statt Skyscraper), historisch (4000 Jahre Geschichte statt schlappe 100) und vor allem von der Mentalität: während man in Tel Aviv feiert oder in modernen Bürogebäuden arbeitet, gibt man sich in Jerusalem politisch. Judith und mir hat insbesondere eine Führung in den Tunneln unterhalb der Klagemauer sehr gut gefallen – und natürlich die Sicht vom Ölberg aus: von hier aus hat man einerseits einen tollen Blick auf Jerusalem, auf der anderen Seite sieht man Bethlehem, das Tote Meer und die Berge Jordaniens. Hoch kommt man entweder zu Fuß, oder – für Faule wie uns – mit dem Sherut. Es lohnt sich allerdings, eine Strecke zu Fuß zurückzulegen, denn man passiert viele Kirchen (u.a. das Mariengrab und die Himmelfahrtskapelle). Empfehlenswert ist ein Besuch der Pater-Noster-Kirche (alle Kirchen zu besichtigen ist unserer Ansicht nach eh wenig nachhaltig). An dieser Stelle hat Jesus seine Jünger das Vaterunser gelehrt. Dementsprechend steht es auf Kacheln in über 40 Sprachen in der Kirche und dem kleinen Park drum herum.

Das Vaterunser in den verschiedensten Sprachen...
...auch auf Plattdeutsch!
















An dieser Stelle möchte ich unbedingt noch von unserer Unterkunft berichten: wir haben die drei Nächte im Citadel Youth Hostel mitten in der Altstadt verbracht. Die Betten (oder besser gesagt Matratzen) sind nicht nur die günstigste, sondern vom Blick her auch die beste Übernachtungsmöglichkeit. Man sieht von dort aus so ziemlich alles Sehenswerte in Jerusalem: den Felsendom, die Geburtskirche, zahlreiche Moscheen und Synagogen. Morgens wird man vom Ruf des Muezzin geweckt – oder von Kirchenglocken. So toll die Sicht gewesen sein mag – schlafen unter freiem Himmel hat definitiv auch seine Nachteile: in der zweiten Nacht fing es plötzlich an zu regnen. Wir waren an die 30 Jugendliche auf dem Dach und hätten niemals alle samt Matratzen in den winzigen Empfangsraum gepasst. Judith und ich wachen also mitten in der Nacht durch den Regen auf, schauen uns fragend an, nur um festzustellen, dass uns eh nichts übrig bleibt, als zu versuchen, trotz Nässe zu schlafen. (Unsere Rucksäcke, in denen sich immerhin Handys und eine Kamera verbargen, hatten wir durch eine weitere Matte geschützt). Wir schliefen also wieder ein und wachten gegen neun Uhr auf – hätten wir eine Stunde länger geschlafen, hätten wir auf unserer eh schon geröteten Haut sicherlich Sonnenbrand gehabt. Der Regen kam in der Nacht übrigens nochmal wieder – dauerte aber auch dieses Mal kaum eine Minute. Definitiv eine Erfahrung – allerdings nicht zu jeder Jahreszeit empfehlenswert.


Blick von unserem Hosteldach

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