Make Hummus Not Walls

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Freitag, 30. Mai 2014

Flaschenweiße heiliges Wasser oder: Zwei Tage am See Genezareth

Hier ist Jesus wohl zur Schule gegangen: Die weiße Synagoge in Kfar Kapernaum

Shalom chaverim,

der Eindruck, dass ich eigentlich kaum noch arbeite, dafür aber umso mehr zu reise, trifft auf die letzten Wochen ehrlich gesagt ganz gut zu: die letzten Tage war ich wieder am See Genezareth unterwegs.
Grund war der Geburtstag am Mittwoch von Aviva, einer guten Freundin. Am Vorabend sind wir mit einigen Volontären in ein bekanntes Tel Aviver Theater, das Cameri Theater gegangen und haben das Stück „Warm family“ über eine – wenn auch etwas überzeichnet dargestellte – typische jüdische Familie gesehen. Die Großmutter versucht verzweifelt, ihre Familie zusammenzuhalten und schreckt auch nicht davor zurück, der Polizei eine auffällige Person mit einem Rucksack, aus dem lange Drähte herausschauen, – also einen potentiellen Terroristen – zu melden. Und das alles nur, damit die Familie auf engstem Raum mehrere Stunden in dem engen Bunker verbringt und am Ende jeder nachgibt und sich die Familienmitglieder einander wieder glücklich in den Armen liegen.

Sieht aus wie ein normales Schwimmbecken, das Wasser
stammt aber aus sagenumwobenen, heißen Quellen
Am nächsten Morgen fuhren Aviva und ich nach Tiberias am See Genezareth, wo wir den gesamten Tag in den Tiberias Hot Springs verbrachten, einem direkt am See gelegenen Spa mit bis zu 39° heißem Wasser, das aus 2000 m Tiefe kommt. 
Das Wasser ist einer Legende nach so heiß, weil König Salomo Dämonen befohlen hatte, Wasser aus einer Quelle des Kinneret (so heißt der See Genezareth auf Hebräisch) zu erhitzen, um alte kranke Männer von ihren Gebrechen zu heilen. Salomo befürchtete, die Dämonen würden aufhören, das Wasser zu erhitzen, sobald er tot sei und ihnen keine weiteren Anweisungen mehr geben könnte. Aus diesem Grund machte er sie taub – und die Dämonen erhitzen bis heute das Wasser für die einheimischen und ausländischen Badegäste.


Blick vom Spa aus auf den See Genezareth und Tiberias

Überreste eines Badehauses und Becken mit heißem Wasser
im Hamat Tverya National Park
Direkt gegenüber des Spas befindet sich der Hamat Tverya National Park, in dem sich alte jüdische Bäder aus römischer Zeit und ein arabisches Bad aus dem 18. Jhd. befinden, das noch sehr gut erhalten ist. Neben den Quellen gibt es ein Becken mit dem dort entspringenden 60° heißen Wasser, in dem man seine Füße baumeln lassen kann – bei 30° braucht man diese Aufwärmung nicht unbedingt, das heiße Wasser ist aber sehr angenehm für die vom Laufen müden Füße.
Ebenfalls im Park befinden sich die Überreste einer Synagogen – oder besser gesagt: dreier Synagogen: die erste wurde im 3. Jhd. gebaut, zerstört und später durch eine zweite ersetzt, die ebenfalls zerstört und später durch eine dritte ersetzt wurde. Von der zweiten Synagoge gibt es sehr gut erhaltene Mosaike zu sehen. Ein Großteil des Gebiets um die Quellen muss noch ausgegraben werden – wer weiß, was man noch so finden wird…


Aviva und ich am See Genezareth
Vor dem Nationalpark fuhren Aviva und ich nach Tabgha, dessen arabischer Name sich vom griechischem Heptagon ableitet, der für die sieben hier entspringenden Quellen steht. Hier soll Jesus eines seiner Wunder gewirkt haben, indem er fünf Gerstenbrote und zwei Fische vermehrte und somit 5000 Menschen satt bekam. In der Kirche der Brotvermehrung befinden sich wunderschöne Mosaike, eines mit zwei Fischen und dem Korb mit Gerstenbroten – ein beliebtes Postkarten- und Taschen-Motiv in Israels Touristenshops. Ebenfalls sehr beliebt bei Touristen sind übrigens kleine Fläschchen mit „Heiligem Wasser“, also Wasser aus dem See Genezareth, das man sich um den Hals hängen kann. Einige asiatische Touristen hatten ein eigenes Konzept entwickelt: Sie füllten sich das Wasser einfach selbst literweise in kleine Plastik-Fläschchen. Ob sie damit über die Grenze kommen…. 




Mosaik in der Brotvermehrungskirche; eine christliche
Reisegruppe feiert auf einer Wiese vor der Kirche eine
Messe; die Kirche von außen; Touristen füllen sich
Wasser aus dem See Genezareth ab


Wenige Kilometer weiter befindet sich Kfar Kapernaum mit der Weißen Synagoge, wo Jesus zur Schule gegangen sein soll und das Haus des Petrus, das im 5. Jhd. allerdings verschüttet wurde. Obendrauf setzte man eine achteckige Kirche,  deren Ruinen man heute sehen kann. 1990 wurde darüber eine von acht Pfeilern getragene moderne Kirche errichtet, die einem galiläischen Fischerboot ähneln soll, aber eher an ein Ufo erinnert:



Am Nachmittag wollten Aviva und ich im See Genezareth schwimmen gehen. Die Strände in Tiberias muss man alle teuer bezahlen – außer man macht‘s wie wir uns landet durch einen Hintereingang auf einem luxuriösen Hotelstrand mit einem kleinen Zoo und einer Wiese voller Liegen, denen Palmen Schatten spenden. Übers Wasser zu laufen, wie es einst wohl Jesus tat, funktioniert übrigens nicht, vielleicht klappt es noch eher am Toten Meer.

Ach übrigens: Heute Morgen habe ich gearbeitet! 

Archäologischer Fund aus Kfar Kapernaum


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