| Hier ist Jesus wohl zur Schule gegangen: Die weiße Synagoge in Kfar Kapernaum |
Shalom chaverim,
der Eindruck, dass ich eigentlich kaum noch arbeite, dafür
aber umso mehr zu reise, trifft auf die letzten Wochen ehrlich gesagt ganz gut
zu: die letzten Tage war ich wieder am See Genezareth unterwegs.
Grund war der Geburtstag am Mittwoch von Aviva, einer guten
Freundin. Am Vorabend sind wir mit einigen Volontären in ein bekanntes Tel
Aviver Theater, das Cameri Theater gegangen und haben das Stück „Warm family“
über eine – wenn auch etwas überzeichnet dargestellte – typische jüdische
Familie gesehen. Die Großmutter versucht verzweifelt, ihre Familie
zusammenzuhalten und schreckt auch nicht davor zurück, der Polizei eine
auffällige Person mit einem Rucksack, aus dem lange Drähte herausschauen, –
also einen potentiellen Terroristen – zu melden. Und das alles nur, damit die
Familie auf engstem Raum mehrere Stunden in dem engen Bunker verbringt und am
Ende jeder nachgibt und sich die Familienmitglieder einander wieder glücklich
in den Armen liegen.
| Sieht aus wie ein normales Schwimmbecken, das Wasser stammt aber aus sagenumwobenen, heißen Quellen |
Am nächsten Morgen fuhren Aviva und ich nach Tiberias am See
Genezareth, wo wir den gesamten Tag in den Tiberias Hot Springs verbrachten,
einem direkt am See gelegenen Spa mit bis zu 39° heißem Wasser, das aus 2000 m
Tiefe kommt.
Das Wasser ist einer Legende nach so heiß, weil König Salomo
Dämonen befohlen hatte, Wasser aus einer Quelle des Kinneret (so heißt der See
Genezareth auf Hebräisch) zu erhitzen, um alte kranke Männer von ihren
Gebrechen zu heilen. Salomo befürchtete, die Dämonen würden aufhören, das
Wasser zu erhitzen, sobald er tot sei und ihnen keine weiteren Anweisungen mehr
geben könnte. Aus diesem Grund machte er sie taub – und die Dämonen erhitzen
bis heute das Wasser für die einheimischen und ausländischen Badegäste.
| Blick vom Spa aus auf den See Genezareth und Tiberias |
| Überreste eines Badehauses und Becken mit heißem Wasser im Hamat Tverya National Park |
Ebenfalls im Park befinden sich
die Überreste einer Synagogen – oder besser gesagt: dreier Synagogen: die erste
wurde im 3. Jhd. gebaut, zerstört und später durch eine zweite ersetzt, die
ebenfalls zerstört und später durch eine dritte ersetzt wurde. Von der zweiten
Synagoge gibt es sehr gut erhaltene Mosaike zu sehen. Ein Großteil des Gebiets
um die Quellen muss noch ausgegraben werden – wer weiß, was man noch so finden
wird…
| Aviva und ich am See Genezareth |
| Mosaik in der Brotvermehrungskirche; eine christliche Reisegruppe feiert auf einer Wiese vor der Kirche eine Messe; die Kirche von außen; Touristen füllen sich Wasser aus dem See Genezareth ab |
Wenige Kilometer weiter befindet
sich Kfar Kapernaum mit der Weißen Synagoge, wo Jesus zur Schule gegangen sein
soll und das Haus des Petrus, das im 5. Jhd. allerdings verschüttet wurde.
Obendrauf setzte man eine achteckige Kirche,
deren Ruinen man heute sehen kann. 1990 wurde darüber eine von acht
Pfeilern getragene moderne Kirche errichtet, die einem galiläischen Fischerboot
ähneln soll, aber eher an ein Ufo erinnert:
Am Nachmittag wollten Aviva und
ich im See Genezareth schwimmen gehen. Die Strände in Tiberias muss man alle
teuer bezahlen – außer man macht‘s wie wir uns landet durch einen Hintereingang
auf einem luxuriösen Hotelstrand mit einem kleinen Zoo und einer Wiese voller
Liegen, denen Palmen Schatten spenden. Übers Wasser zu laufen, wie es einst
wohl Jesus tat, funktioniert übrigens nicht, vielleicht klappt es noch eher am Toten Meer.
Ach übrigens: Heute Morgen habe
ich gearbeitet!
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