Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 1. Juni 2014

Diesmal aber richtig! oder: Hebron aus nächsten Nähe

Auf dem Souq in Hebron

Shalom chaverim,

wie schon angekündigt, möchte ich heute von Hebron berichtet. Vor einigen Wochen habe ich einen Post mit dem Titel „ Die Stadt der Patriarchen oder: Warum ich in Hebron keine Bilder machen konnte“ veröffentlicht. Dieser kurze Eindruck, nur aus dem Auto heraus, wird der Stadt nicht gerecht und so stimmte ich sofort zu, als Milena, eine Freundin von mir, vorschlug, von Bethlehem aus mit einem Service einen Tagesausflug nach Hebron zu machen. (Service sind das palästinensische Pendant zu den israelischen Sheruts, also auch große Sammeltaxis, die wenig kosten und erst losfahren, sobald sie voll besetzt sind.)

Ein israelischer Wachturm
Die Eindrücke von diesem einzigen Tag und das beklemmende Gefühl, das sie hinterlassen, sind schwer in Worte zu fassen. Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich in dem Konflikt weder für Israelis noch für Palästinenser Partei ergreifen will, da es schwer ist, die unfassbar komplexe Situation zu verstehen und richtig zu bewerten. Deshalb versuche ich einfach kurz und knapp zu schildern, was wir aus nächster Nähe gesehen haben: In Hebron leben 160 000 Palästinenser und 600 Siedler, außerdem sind hier 2000 Soldaten stationiert, die die Aufgabe haben, die Siedler zu bewachen. Auf die Stadt verteilt gibt es verschiedene israelische Siedlungen, eine von ihnen, die mitten in der Altstadt liegt, ist besonders heftig umstritten. Milena und ich liefen durch den wuseligen Souq, der so voller Farben und Gerüche war, wie man es von anderen arabischen Märkten her kennt. Auf einem der Häuser der Altstadt sah man allerdings etwas, das so gar nicht ins Bild zu passen schien: ein gelber Wachturm mit einer großen israelischen Flagge. Ein Händler erklärte uns, dass dieser Wachturm am Rande besagter Siedlung liege. Wartete man ein bisschen, sah man auf dem Dach Soldaten umherlaufen, die auf den Markt herunterschauten. Von der Dachterrasse des Hauses des Händlers konnte man in die Siedlung hineinschauen: auf der einen Seite eine Synagoge, davor eine Art Spielplatz, auf dem ultraorthodoxe Frauen (erkennbar an ihren Perücken und der konservativen Kleidung) mit kleinen Kindern saßen, auf der anderen Seite ein Basketballplatz, auf dem kleinen Kinder mit Kippa und Schläfenlöckchen spielten. Dahinter, ungefähr auf gleicher Höhe wie die Dachterrasse des Haus des Händlers, war eine Art Plattform, auf der die Soldaten umherliefen. Hinter der Dachterrasse, auf der wir standen, befand sich ein hohes Haus, das ebenfalls zur Siedlung gehört, aber unmittelbar an das Haus des Palästinensers angrenzt. Eine ziemlich unwirkliche Situation: unten die Araber, die auf dem trubeligen Markt Obst und Gemüse kaufen, hier oben die Siedler, die von Soldaten bewacht ebenfalls ihren Alltag leben.
Dass dieses Zusammenleben auf engstem Raum keineswegs reibungslos verläuft, brauche ich denke ich nicht zu erwähnen. Immer wieder wurden uns – ob wir danach fragten oder nicht – Geschichten von Übergriffen erzählt, von willkürlichen Verhaftungen, fliegenden Steinen und Flaschen.

Läuft man entlang der breiten Straße um die zentrale Siedlung herum, hat man das Gefühl, sich in einer Geisterstadt zu befinden: die Läden, ursprünglich auch Teil des arabischen Marktes, wurden vor Jahren geschlossen und man darf sie nur noch nach Passkontrollen durch das Militär betreten.

Die die Siedlung von der Altstadt trennende "Geisterstraße"


Rechts das Grab Isaaks, links das seiner Frau Rebekka
Auch der Platz um die große Moschee mit den Gräbern der Patriarchen ist unter militärischer Kontrolle. Anders würde es wohlmöglich auch nicht gehen: Sowohl Juden als auch Muslime verehren den Ort und so werden zwei Säle der Moschee als Synagoge genutzt. Die Gräber von Isaak, Rebekka und Sarah befinden sich in der Moschee, die Gräber von Jakob und Lea in der Synagoge und das Grab Abrahams in einem Raum, in den man sowohl von der Moschee also auch von der Synagoge aus reinschauen kann. In der Moschee, die man nur mit speziellen, alles bedeckenden Gewändern betreten darf, sieht man wunderschöne Imitarsenarbeiten. Hier und überall in der Altstadt laufen selbsternannte Tourguides herum, die hartnäckig versuchen, einem eine Führung anzudrehen – man merkt, dass die Wirtschaft am Boden ist. Da Samstag war, durfte man die Synagoge nicht betreten.

Von Synagoge und Moschee aus sichtbar:
das Grab Abrahams

 Zurück auf dem Souq (auf Arabisch spricht man ihn übrigens Schouq aus Hebräisch Souq aus) kauften wir Unmengen an Gewürzen, Nüssen und anderem Zeugs, das wir nicht wirklich brauchten, da alles – gerade im Vergleich zu Tel Aviv – extrem günstig ist. Man muss allerdings aufpassen, dass einem nicht ausversehen ein „Toda“ (Danke) oder ein anderes Wort auf Hebräisch herausrutscht. Damit würde man sich hier sicher nicht beliebt machen…

Auf dem Souq




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