Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 11. Mai 2014

Die Stadt der Patriarchen oder: Warum ich in Hebron keine Bilder machen konnte

Shalom chaverim,

fast genauso wichtig wie ein Besuch in Tel Aviv ist natürlich auch ein Stopp in Bethlehem, dem Geburtsort Jesu und einer heute trubeligen arabischen Stadt, auf die die Separation Wall einen dunklen Schatten wirft. Von Sehenswürdigkeiten wie der Geburtskirche und der Milchgrotte habe ich schon ausführlich berichtet. Die für meine Familie typische Kaffee-Pause legten wir bei einem sogenannten Starbucks ein, der von sich behauptete, Teil der amerikanischen Kette zu sein, allerdings etwas unprofessionell bedruckte Tassen anbot und auch das Angebot von dem abwich, was man aus deutschen Filialen kennt… Der Besitzer erzählte uns im Vertrauen, dass das hier wohl doch kein ganz echter Starbucks sei – der Kaffee sei aber mindestens genauso gut! Und da wir Deutsche waren, legte er extra eine deutsche Playlist auf. Eine etwas komische Situation: Nena, Tim Bendzko und Fettes Brot bei voller Lautstärke - in Bethlehem!

Café in Behtlehem

Die Nacht hatten meine große Schwester und ich eigentlich in Hebron verbringen wollen, um uns die Stadt am nächsten Morgen anzuschauen und uns am Nachmittag am Toten Meer mit unserer Familie zu treffen. Da wir in den beiden Hostels der Stadt niemanden erreichten, wurden wir schon etwas skeptisch und unser Vater schlug vor, gemeinsam dort hinzufahren und nur dort zu übernachten, wenn wir tatsächlich noch jemandem im Hostel erreichen würden. Taten wir aber nicht. Da es zu wenige und nur arabische Schilder gab, die die Stadt ausschilderten, hatten wir erst einmal Probleme, sie zu finden und irrten so eine ganze Weile auf den unbeleuchteten Landstraßen umher. Und auch ansonsten war der Eindruck, den wir von der Stadt bekamen, eher merkwürdig: beim Einfahren wurde man darauf hingewiesen, dass Hebron in der Zone A lag, also unter palästinensischer Autonomie, und der Eintritt für Israelis strengsten untersagt war.
Die Innenstadt wirkte sehr lebendig, ein bisschen wie Ramallah, allerdings wurden wir hier schon ständig angehupt – wir fuhren schließlich ein Auto mit israelischem Kennzeichen…
In Hebron leben 160000 Palästinenser und 600 jüdische Siedler, deren moderne Häuser in durch Stacheldrahtzäune gesicherten und vom Militär bewachten Siedlungen liegen. Heute ist die Stadt in das von Israel kontrollierte Gebiet H2 und das von Palästina kontrollierte H1 unterteilt – was alles andere als reibungslos verläuft. Die gesamte Stadt ist von Mauern und Checkpoints durchsetzt und so wird der israelisch-palästinensische Konflikt an kaum einem anderen Ort so gut sichtbar wie hier.
Gleichzeitig ist Hebron aber auch die Stadt der Propheten: hier wurde David zum König gekrönt und Abraham erwarb die Höhlen von Machpela, die von Muslimen, Juden und Christen gleichermaßen verehrt werden. Über den – leeren – Gräbern Abrahams, seines Sohns Isaak, seines Enkels Jakob und ihrer Frauen Sara, Rebekka und Lea befindet sich seit dem 13. Jhd. eine Moschee. Zwei Säle der Moschee – streng von Soldaten und Rabbinern bewacht – dienen als Synagoge. Das alles haben wir allerdings nicht gesehen: unser Auto wurde immer wieder von Palästinensern umstellt, die uns den Weg versperrten und gegen unsere Fenster und Türen schlugen.

Wir beschlossen also, uns lieber schnell wieder zurückzuziehen und die Hostel-Suche aufzugeben, was in der Altstadt allerdings alles andere als einfach war: in den engen Gassen musste man ständig wenden, und immer wieder kamen Leute und stellten sich vor unser Auto. Manche wollten einfach nur helfen (sie hatten wohl verstanden, dass nur ahnungslose Touristen den Kapitalfehler begingen, mit einem israelischen Auto nach Hebron zu fahren), manche hielten uns anscheinend wirklich für Israelis und fühlten sich provoziert.
Unter den hilfsbereiten Palästinensern fand sich leider auch kaum einer, der Englisch sprach, und so war es alles andere als einfach aus der wuseligen und schlecht beschilderten Stadt herauszufinden. An einer Tankstelle bot sich jemand an, mit seinem Auto vorzufahren und uns so rauszuführen. An einer großen Straße hielt er an, hier durfte er nicht weiter fahren. Es war nämlich nicht nur der Weg, der uns zurück nach Israel bringen sollte, sondern auch die Verbindungsstraße zwischen den Siedlungen: hell beleuchtet, von israelischen Flaggen gesäumt – und für Palästinenser nicht zugänglich.

Von Hebron habe ich aus gutem Grund also auch keine Bilder…

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