Shalom chaverim,
fast genauso wichtig wie ein Besuch in Tel Aviv ist natürlich
auch ein Stopp in Bethlehem, dem Geburtsort Jesu und einer heute trubeligen
arabischen Stadt, auf die die Separation Wall einen dunklen Schatten wirft. Von
Sehenswürdigkeiten wie der Geburtskirche und der Milchgrotte habe ich schon
ausführlich berichtet. Die für meine Familie typische Kaffee-Pause legten wir
bei einem sogenannten Starbucks ein, der von sich behauptete, Teil der
amerikanischen Kette zu sein, allerdings etwas unprofessionell bedruckte Tassen
anbot und auch das Angebot von dem abwich, was man aus deutschen Filialen
kennt… Der Besitzer erzählte uns im Vertrauen, dass das hier wohl doch
kein ganz echter Starbucks sei – der Kaffee sei aber mindestens genauso gut!
Und da wir Deutsche waren, legte er extra eine deutsche Playlist auf. Eine
etwas komische Situation: Nena, Tim Bendzko und Fettes Brot bei voller
Lautstärke - in Bethlehem!
| Café in Behtlehem |
Die Nacht hatten meine große Schwester und ich eigentlich in
Hebron verbringen wollen, um uns die Stadt am nächsten Morgen anzuschauen und
uns am Nachmittag am Toten Meer mit unserer Familie zu treffen. Da wir in den
beiden Hostels der Stadt niemanden erreichten, wurden wir schon etwas skeptisch
und unser Vater schlug vor, gemeinsam dort hinzufahren und nur dort zu
übernachten, wenn wir tatsächlich noch jemandem im Hostel erreichen würden.
Taten wir aber nicht. Da es zu wenige und nur arabische Schilder gab, die die
Stadt ausschilderten, hatten wir erst einmal Probleme, sie zu finden und irrten
so eine ganze Weile auf den unbeleuchteten Landstraßen umher. Und auch ansonsten
war der Eindruck, den wir von der Stadt bekamen, eher merkwürdig: beim
Einfahren wurde man darauf hingewiesen, dass Hebron in der Zone A lag, also
unter palästinensischer Autonomie, und der Eintritt für Israelis strengsten
untersagt war.
Die Innenstadt wirkte sehr lebendig, ein bisschen wie
Ramallah, allerdings wurden wir hier schon ständig angehupt – wir fuhren
schließlich ein Auto mit israelischem Kennzeichen…
In Hebron leben 160000 Palästinenser und 600 jüdische
Siedler, deren moderne Häuser in durch Stacheldrahtzäune gesicherten und vom
Militär bewachten Siedlungen liegen. Heute ist die Stadt in das von Israel
kontrollierte Gebiet H2 und das von Palästina kontrollierte H1 unterteilt – was
alles andere als reibungslos verläuft. Die gesamte Stadt ist von Mauern und
Checkpoints durchsetzt und so wird der israelisch-palästinensische Konflikt an
kaum einem anderen Ort so gut sichtbar wie hier.
Gleichzeitig ist Hebron aber auch die Stadt der Propheten:
hier wurde David zum König gekrönt und Abraham erwarb die Höhlen von Machpela,
die von Muslimen, Juden und Christen gleichermaßen verehrt werden. Über den –
leeren – Gräbern Abrahams, seines Sohns Isaak, seines Enkels Jakob und ihrer
Frauen Sara, Rebekka und Lea befindet sich seit dem 13. Jhd. eine Moschee. Zwei
Säle der Moschee – streng von Soldaten und Rabbinern bewacht – dienen als
Synagoge. Das alles haben wir allerdings nicht gesehen: unser Auto wurde immer
wieder von Palästinensern umstellt, die uns den Weg versperrten und gegen
unsere Fenster und Türen schlugen.
Wir beschlossen also, uns lieber schnell wieder
zurückzuziehen und die Hostel-Suche aufzugeben, was in der Altstadt allerdings
alles andere als einfach war: in den engen Gassen musste man ständig wenden,
und immer wieder kamen Leute und stellten sich vor unser Auto. Manche wollten
einfach nur helfen (sie hatten wohl verstanden, dass nur ahnungslose Touristen
den Kapitalfehler begingen, mit einem israelischen Auto nach Hebron zu fahren),
manche hielten uns anscheinend wirklich für Israelis und fühlten sich
provoziert.
Unter den hilfsbereiten Palästinensern fand sich leider auch
kaum einer, der Englisch sprach, und so war es alles andere als einfach aus der
wuseligen und schlecht beschilderten Stadt herauszufinden. An einer Tankstelle
bot sich jemand an, mit seinem Auto vorzufahren und uns so rauszuführen. An
einer großen Straße hielt er an, hier durfte er nicht weiter fahren. Es war
nämlich nicht nur der Weg, der uns zurück nach Israel bringen sollte, sondern
auch die Verbindungsstraße zwischen den Siedlungen: hell beleuchtet, von
israelischen Flaggen gesäumt – und für Palästinenser nicht zugänglich.
Von Hebron habe ich aus gutem Grund also auch keine Bilder…
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