| Wiedersehen in Jerusalem |
Shalom chaverim,
sogar das deutsche Fernsehen hat davon berichtet: vor
wenigen Tagen war Holocaust-Gedenktag in Israel, an dem den Opfern und Widerstandskämpfern
des Holocausts gedacht wurde. Um zehn Uhr morgens gab es eine laute
zwei-minütige Sirene. Im ganzen Land hielten die Menschen inne, selbst Autos und
Busse stoppten.
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| Denkmal zum dauernden Gedenken |
Der Staatszeremonie findet jedes Jahr auf dem Warschauer
Ghetto Platz in Yad Vashem, der größten und bekanntesten
Holocaust-Gedenkstätte, statt. Es wurde gebetet, Zeitzeugen berichteten und Politiker
hielten Rede. Die israelische Fahne stand auf Halbmast.
Anderthalb Wochen zuvor war ich selber mit meiner Familie
dort gewesen. Für mich war es der zweite Besuch, sodass ich das Museum ausließ
und mir die sehr unterschiedlichen Gedenkstätten auf dem Gelände anschaute. In
Yad Vashem gibt es wenige Hinweis-Schilder, wenn man in der Anlage umherläuft,
kommt man am Denkmal zum dauernden Gedenken
(einer Säule mit den Nummern von Ausschwitz-Insassen), dem Tal der im
Holocaust ausgelöschten Gemeinden, einem Kunstmuseum mit Zeichnungen von
KZ-Insassen und allerlei anderen Denkmalen und Gedenkorten vorbei. Es ist
sicherlich beabsichtigt, dass es keine vorgegebene Route gibt, durch die man
zwar alles sehen, dafür aber wenig innehalten würde. Auf dem Gelände verläuft
man sich durchaus mal und landet plötzlich an einer Stelle, die einen nicht
mehr loslässt, zum Nachdenken veranlasst und so einen sehr individuellen Zugang
zum Thema ermöglicht.
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| Gedenktafeln in Vad Vashem |
| Modell Jerusalems zur Zeit des Zweiten Tempels |
In der Ausstellung über Israels Moderne wurde das Video
„Chic Point – Fashion for Israel Checkpoints“ des Künstlers Sharif Waked
gezeigt, in dem männliche Modells merkwürdig zerschnittene Kleidung tragen,
häufig bauch- oder rückenfrei. Eine klare Anspielung auf die Schikanen, denen
Palästinenser häufig an Checkpoints ausgesetzt sind, wenn sie sich
beispielsweise ausziehen müssen.
Kritik übt auch die Fotografie Adi Nes‘, auf der an einem
Tisch sitzende Soldaten an da Vincis Letztes Abendmahl erinnern. In der
dazugehörigen Erklärung werden sie als Jünger einer Ideologie und Opfer der
geopolitischen Lage Israels bezeichnet. Durch die Gefahr, der sie als Soldaten
ausgesetzt sind, könnte es auch für sie das letzte Mahl sein….
Die temporäre Ausstellung „Dress Codes“ zeigt jüdische
Trachten im Laufe der letzten Jahrhunderte in der weltweiten Diaspora. Einige
der Kleider sahen sehr arabisch aus, andere hätten auch aus europäischen
Königshäusern stammen können:
Zwei Tage später, meine große Schwester war mittlerweile zu
uns dazu gestoßen, waren wir wieder in Jerusalem. Es war allerdings das
Osterwochenende und in der Stadt herrschte ein Ausnahmezustand. Als wir uns am
Ostersamstag der Altstadt näherten, fielen uns direkt die Menschenmassen vor
dem Jaffa Gate auf: indische Reisegruppen mit gelben Halstüchern zur
Wiedererkennung, russische Priester, die aufgeregt hin-und herliefen und
entnervte Touristen, die im Gras ein Schläfchen hielten, um die Wartezeit zu
überbrücken. Denn ja, um die Altstadt zu betreten, musste man tatsächlich
warten.
Zum ersten Mal habe ich miterlebt, wie der Zugang zur
Altstadt reguliert wurde: an einigen Toren und an wichtigen Stellen innerhalb
der Stadtmauer hatten Soldaten Gitter aufgestellt und ließen niemanden durch.
Am Neuen Tor sah die Situation nicht anders aus und wir wurden auf einen
späteren Zeitpunkt vertröstet. Für das nächste Tor, durch das wir versuchen
wollten, die Altstadt zu betreten, hatten wir uns etwas Besonderes überlegt:
vielleicht würden die Soldaten Sympathien zeigen, wenn man sich nicht als
Durchschnittstourist ausgab, sondern es auf Hebräisch versuchte. Tatsächlich:
alle Schranken vor und in der Altstadt passierten wir problemlos mit einem
kurzen „Kann ich durch?“ auf Hebräisch; alle anderen Touristen wurden
abgewiesen…
| Menschenmengen vor und in der Altstadt; Teilchen mit Ostereiern, zu kaufen im christlichen Viertel |
In der Altstadt, erfuhren wir später, hatte eine Lichter-Prozession
stattgefunden. Die Zugangsregulierung war für uns letztlich nur von Vorteil. Auf
der Via Dolorosa, dem Weg, den Jesus der Überlieferung nach vor seiner
Kreuzigung zurückgelegt hat und in der Grabeskirche waren wir trotzdem
keineswegs alleine. Menschen küssten den Salbungsstein und liefen andächtig die
Via Dolorosa entlang. Einen Tag und gut 2000 Jahre zuvor ist wohl auch Jesus
dort entlang gelaufen…


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