Make Hummus Not Walls

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Freitag, 2. Mai 2014

Ein Land hält inne: Holocaust-Gedenktag und zweimal Jerusalem

Wiedersehen in Jerusalem

Shalom chaverim,

sogar das deutsche Fernsehen hat davon berichtet: vor wenigen Tagen war Holocaust-Gedenktag in Israel, an dem den Opfern und Widerstandskämpfern des Holocausts gedacht wurde. Um zehn Uhr morgens gab es eine laute zwei-minütige Sirene. Im ganzen Land hielten die Menschen inne, selbst Autos und Busse stoppten.

Denkmal zum dauernden Gedenken 
Der Staatszeremonie findet jedes Jahr auf dem Warschauer Ghetto Platz in Yad Vashem, der größten und bekanntesten Holocaust-Gedenkstätte, statt. Es wurde gebetet, Zeitzeugen berichteten und Politiker hielten Rede. Die israelische Fahne stand auf Halbmast.

Anderthalb Wochen zuvor war ich selber mit meiner Familie dort gewesen. Für mich war es der zweite Besuch, sodass ich das Museum ausließ und mir die sehr unterschiedlichen Gedenkstätten auf dem Gelände anschaute. In Yad Vashem gibt es wenige Hinweis-Schilder, wenn man in der Anlage umherläuft, kommt man am Denkmal zum dauernden Gedenken  (einer Säule mit den Nummern von Ausschwitz-Insassen), dem Tal der im Holocaust ausgelöschten Gemeinden, einem Kunstmuseum mit Zeichnungen von KZ-Insassen und allerlei anderen Denkmalen und Gedenkorten vorbei. Es ist sicherlich beabsichtigt, dass es keine vorgegebene Route gibt, durch die man zwar alles sehen, dafür aber wenig innehalten würde. Auf dem Gelände verläuft man sich durchaus mal und landet plötzlich an einer Stelle, die einen nicht mehr loslässt, zum Nachdenken veranlasst und so einen sehr individuellen Zugang zum Thema ermöglicht.

Gedenktafeln in Vad Vashem

Modell Jerusalems zur Zeit
des Zweiten Tempels
 Vor Vad Vashmen haben wir ein anderes, sehr anderes Museum besichtigt: das Israel Museum, Louvre des
Nahen Ostens genannt. Die Anlage befindet sich in einem Skulpturenpark mit Werken von zum Beispiel Rodin und Picasso. Von den Glas- und Steinpavillons, die die Ausstellungen des Museums beherbergen, sollte man sich einige raussuchen. Alles zu sehen ist an einem Tag nämlich kaum möglich! Highlights des Museums sind einerseits die Qumran-Rollen, 1947 in Höhlen am Toten Meer gefundene Pergament-Rollen, die fast alle Bücher des Alten Testaments enthalten, und andrerseits das Modell Jerusalems zur Zeit des Zweiten Tempels im Jahr 66. Die Altstadt war damals deutlich größter als heute und in der gesamten Stadt lebten doppelt so viele Menschen.

In der Ausstellung über Israels Moderne wurde das Video „Chic Point – Fashion for Israel Checkpoints“ des Künstlers Sharif Waked gezeigt, in dem männliche Modells merkwürdig zerschnittene Kleidung tragen, häufig bauch- oder rückenfrei. Eine klare Anspielung auf die Schikanen, denen Palästinenser häufig an Checkpoints ausgesetzt sind, wenn sie sich beispielsweise ausziehen müssen.
Kritik übt auch die Fotografie Adi Nes‘, auf der an einem Tisch sitzende Soldaten an da Vincis Letztes Abendmahl erinnern. In der dazugehörigen Erklärung werden sie als Jünger einer Ideologie und Opfer der geopolitischen Lage Israels bezeichnet. Durch die Gefahr, der sie als Soldaten ausgesetzt sind, könnte es auch für sie das letzte Mahl sein….
 
Inszenierte Fotografie von Adi Nes

Die temporäre Ausstellung „Dress Codes“ zeigt jüdische Trachten im Laufe der letzten Jahrhunderte in der weltweiten Diaspora. Einige der Kleider sahen sehr arabisch aus, andere hätten auch aus europäischen Königshäusern stammen können:



Zwei Tage später, meine große Schwester war mittlerweile zu uns dazu gestoßen, waren wir wieder in Jerusalem. Es war allerdings das Osterwochenende und in der Stadt herrschte ein Ausnahmezustand. Als wir uns am Ostersamstag der Altstadt näherten, fielen uns direkt die Menschenmassen vor dem Jaffa Gate auf: indische Reisegruppen mit gelben Halstüchern zur Wiedererkennung, russische Priester, die aufgeregt hin-und herliefen und entnervte Touristen, die im Gras ein Schläfchen hielten, um die Wartezeit zu überbrücken. Denn ja, um die Altstadt zu betreten, musste man tatsächlich warten.
Zum ersten Mal habe ich miterlebt, wie der Zugang zur Altstadt reguliert wurde: an einigen Toren und an wichtigen Stellen innerhalb der Stadtmauer hatten Soldaten Gitter aufgestellt und ließen niemanden durch. Am Neuen Tor sah die Situation nicht anders aus und wir wurden auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Für das nächste Tor, durch das wir versuchen wollten, die Altstadt zu betreten, hatten wir uns etwas Besonderes überlegt: vielleicht würden die Soldaten Sympathien zeigen, wenn man sich nicht als Durchschnittstourist ausgab, sondern es auf Hebräisch versuchte. Tatsächlich: alle Schranken vor und in der Altstadt passierten wir problemlos mit einem kurzen „Kann ich durch?“ auf Hebräisch; alle anderen Touristen wurden abgewiesen…




Menschenmengen vor und in der Altstadt; Teilchen mit
Ostereiern, zu kaufen im christlichen Viertel

In der Altstadt, erfuhren wir später, hatte eine Lichter-Prozession stattgefunden. Die Zugangsregulierung war für uns letztlich nur von Vorteil. Auf der Via Dolorosa, dem Weg, den Jesus der Überlieferung nach vor seiner Kreuzigung zurückgelegt hat und in der Grabeskirche waren wir trotzdem keineswegs alleine. Menschen küssten den Salbungsstein und liefen andächtig die Via Dolorosa entlang. Einen Tag und gut 2000 Jahre zuvor ist wohl auch Jesus dort entlang gelaufen…

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