Make Hummus Not Walls

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Freitag, 30. Mai 2014

Der Arabische Winter oder: Ein letztes Seminar in Nachsholim

Die ehemalige Kolonie deutscher Templer in Tel Aviv


Die israelische Sicht auf bestimmt Dinge weicht ganz gerne von den Ansichten der restlichen Welt ab. So ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass viele Israelis vom Arabischen Winter sprechen, wenn andere den Arabischen Frühling meinen.
Die Revolutionen und Veränderungen in der arabischen Welt – ob man sie nun als Winter oder als Frühling bezeichnen mag – waren Thema des dritten und letzten Volontärs-Seminars in Nachsholim. Neben dem für uns Volontäre extrem luxuriösem Essen (Kaviar zum Frühstück!) und einer tollen Unterkunft mit Privatstrand, war das Seminar auch wegen seiner Informativität wieder eine Teilnahme wert.
Es ging los mit den üblichen Kennenlerngesprächen und der Programmvorstellung und der Abend endete mit Kurzvorträgen (wie in der Schule mussten wir Texte durchlesen und markieren, um danach ein kurzes Referat zu halten) über die Entwicklung der israelischen Nachbarstaaten im 20. Jhd., also dem Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten.
Am nächsten Tag hatten wir ein Gespräch mit einem Vertreter der israelischen Verteidigungsarmee, der den Begriff Arabischer Winter einführte. Seine Begründung: „Wenn das, was momentan in den arabischen Staaten passiert, Frühling sein soll, dann will ich nicht wissen, wie der Winter dort aussieht!“. Der Westen verliere an Glaubwürdigkeit, wenn er immer wieder den Umgang der Israelis mit Palästinenser verurteile, aber beim Massensterben in Syrien nur zuschaue. Auch gegen andere Staaten, die den Frieden bedrohten, solle man vorgehen, um endlich wieder ernst genommen werden zu können.

Mit einer etwas diplomatischeren und ausgewogeneren Sicht auf die Dinge sprach ein bekannter israelischer Nachrichtensprecher, der uns erklärte, wie sich der Umbruch in den arabischen Staaten auf die Sicherheitslage Israels auswirkt und warum Israel den revolutionären Bemühungen der nordafrikanischen Staaten von Anfang an skeptisch und nicht hoffnungsvoll gegenüber stand.

Vor den Gesprächen hatten wir eine Führung durch die deutsche Templerkolonie in Tel Aviv, die große Ähnlichkeiten zu der in Haifa aufweist, die wir beim ersten Seminar besucht hatten. Heute befinden sich in den ehemaligen Häusern der Templer teure Boutiquen, Restaurants und Cafés.


Templerkolonie in Tel Aviv

Am nächsten Morgen ließ sich Dina Lutati, die Koordinatorin für Volontäre aus dem Ausland, noch einmal blicken. Nachdem wir alle ein paar Sätze über unsere bisherige Zeit in Israel, die sich ja schon dem Ende zuneigt, gesagt hatten, begann sie plötzlich zu weinen. Aus Rührung – und dass, obwohl sie kaum ein Wort Englisch versteht. Sie selber geht nächsten Juni in Ruhestand, möchte dann aber selber Volontärin werden – in Deutschland!

Aviva, Milena und ich sind nach dem Seminar am Strand von Nachsholim ausgeritten, am Wasser entlang und zurück durch die Dünen. Ein paar wirklich luxuriöse Tage!

Unser etwas misslungenes Feuerchen
Übrigens war zwei Tage zuvor mal wieder ein israelischer Feiertag: Lag B’Omer, das an den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer erinnert. Lag B’Omer liegt zwischen Pessach und Shavuot, einem anderen wichtigen Feiertag, der bald begangen wird. Die 49 Tage zwischen diesen beiden Festtagen sind eine Zeit des Trauerns und daher mit vielen Verboten verbunden: man darf sich zum Beispiel nicht die Haare schneiden, rasieren oder heiraten – Lag B’Omer bildet die einzige Ausnahme, sodass an diesem Tag sehr viele Hochzeiten stattfinden (ans Rasier-Verbot hält sich sowieso fast niemand).

In Israel ist es Tradition, an diesem Tag Lagerfeuer zu entzünden. Auf dem Feld hinter Beit Perry versuchten wir es auch mit einem Feuerchen, das des Nachbarhauses (auch ein Heim für Menschen mit Behinderung) war allerdings deutlich besser gelungen. Nebenan trat auch ein Sänger auf, es wurden Marshmallows gegrillt (was bei uns wegen des schlechten Feuers nicht funktioniert hatte) und Eis verteilt. Irgendwann gaben wir den eifersüchtigen Blicken einiger Friends nach und ließen sie auf das Areal des anderen Heims laufen. Dort klauten sie sich Cola und versuchten so viele Eise wie möglich abzuluchsen. Ab dem nächsten Tag wurde aber wieder „getauert“…

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