Die Revolutionen und Veränderungen in der arabischen Welt –
ob man sie nun als Winter oder als Frühling bezeichnen mag – waren Thema des
dritten und letzten Volontärs-Seminars in Nachsholim. Neben dem für uns
Volontäre extrem luxuriösem Essen (Kaviar zum Frühstück!) und einer tollen
Unterkunft mit Privatstrand, war das Seminar auch wegen seiner Informativität
wieder eine Teilnahme wert.
Es ging los mit den üblichen Kennenlerngesprächen und der
Programmvorstellung und der Abend endete mit Kurzvorträgen (wie in der Schule
mussten wir Texte durchlesen und markieren, um danach ein kurzes Referat zu
halten) über die Entwicklung der israelischen Nachbarstaaten im 20. Jhd., also
dem Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten.
Am nächsten Tag hatten wir ein
Gespräch mit einem Vertreter der israelischen Verteidigungsarmee, der den
Begriff Arabischer Winter einführte.
Seine Begründung: „Wenn das, was momentan in den arabischen Staaten passiert,
Frühling sein soll, dann will ich nicht wissen, wie der Winter dort aussieht!“.
Der Westen verliere an Glaubwürdigkeit, wenn er immer wieder den Umgang der
Israelis mit Palästinenser verurteile, aber beim Massensterben in Syrien nur
zuschaue. Auch gegen andere Staaten, die den Frieden bedrohten, solle man
vorgehen, um endlich wieder ernst genommen werden zu können.
Mit einer etwas diplomatischeren und ausgewogeneren Sicht
auf die Dinge sprach ein bekannter israelischer Nachrichtensprecher, der uns
erklärte, wie sich der Umbruch in den arabischen Staaten auf die
Sicherheitslage Israels auswirkt und warum Israel den revolutionären Bemühungen
der nordafrikanischen Staaten von Anfang an skeptisch und nicht hoffnungsvoll
gegenüber stand.
Vor den Gesprächen hatten wir eine Führung durch die
deutsche Templerkolonie in Tel Aviv, die große Ähnlichkeiten zu der in Haifa
aufweist, die wir beim ersten Seminar besucht hatten. Heute befinden sich in
den ehemaligen Häusern der Templer teure Boutiquen, Restaurants und Cafés.
| Templerkolonie in Tel Aviv |
Am nächsten Morgen ließ sich Dina Lutati, die Koordinatorin
für Volontäre aus dem Ausland, noch einmal blicken. Nachdem wir alle ein paar
Sätze über unsere bisherige Zeit in Israel, die sich ja schon dem Ende zuneigt,
gesagt hatten, begann sie plötzlich zu weinen. Aus Rührung – und dass, obwohl
sie kaum ein Wort Englisch versteht. Sie selber geht nächsten Juni in
Ruhestand, möchte dann aber selber Volontärin werden – in Deutschland!
Aviva, Milena und ich sind nach dem Seminar am Strand von
Nachsholim ausgeritten, am Wasser entlang und zurück durch die Dünen. Ein paar
wirklich luxuriöse Tage!
| Unser etwas misslungenes Feuerchen |
Übrigens war zwei Tage zuvor mal wieder ein israelischer
Feiertag: Lag B’Omer, das an den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer erinnert. Lag
B’Omer liegt zwischen Pessach und Shavuot, einem anderen wichtigen Feiertag,
der bald begangen wird. Die 49 Tage zwischen diesen beiden Festtagen sind eine
Zeit des Trauerns und daher mit vielen Verboten verbunden: man darf sich zum
Beispiel nicht die Haare schneiden, rasieren oder heiraten – Lag B’Omer bildet
die einzige Ausnahme, sodass an diesem Tag sehr viele Hochzeiten stattfinden
(ans Rasier-Verbot hält sich sowieso fast niemand).
In Israel ist es Tradition, an diesem Tag Lagerfeuer zu
entzünden. Auf dem Feld hinter Beit Perry versuchten wir es auch mit einem
Feuerchen, das des Nachbarhauses (auch ein Heim für Menschen mit Behinderung) war
allerdings deutlich besser gelungen. Nebenan trat auch ein Sänger auf, es
wurden Marshmallows gegrillt (was bei uns wegen des schlechten Feuers nicht
funktioniert hatte) und Eis verteilt. Irgendwann gaben wir den eifersüchtigen
Blicken einiger Friends nach und ließen sie auf das Areal des anderen Heims
laufen. Dort klauten sie sich Cola und versuchten so viele Eise wie möglich
abzuluchsen. Ab dem nächsten Tag wurde aber wieder „getauert“…
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