Make Hummus Not Walls

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Donnerstag, 28. November 2013

Die Brücke nach Nirgendwo oder: Ein Besuch in Yad Vashem

Shalom Chaverim,

dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, liegt nicht etwa daran, dass nichts passiert wäre – im Gegenteil, ich war einfach kaum zu Hause. Und die wenigen Stunden, die wir tatsächlich in Beit Perry verbracht haben, haben wir dazu genutzt zu arbeiten und unser zweites Zimmer zu putzen und einzurichten. Unsere israelische Volontärin hat letzten Sonntag nämlich ihren Dienst hier nach einem Jahr beendet und ist ausgezogen. Ziemlich spontan – genauer gesagt am Tag ihrer Verabschiedungsfeier; der Kuchen war gebacken und die Friends informiert – hat sie allerdings beschlossen, hier doch noch weiter als Guide zu arbeiten. Ihr ehemaliges Zimmer haben wir auf jeden Fall bezogen und eingerichtet, sodass wir jetzt das ganze Apartment für uns haben- Bilder kommen noch!

Im Holocaust-Museum
Jetzt aber von Anfang an...
Letzten Donnerstag haben Judith und ich an einer Führung durch Yad Vashem für deutsche Volontäre teilgenommen. Yad Vashem ist vielen bekannt durch Bildern aus Nachrichtensendungen, schließlich ist es Pflichttermin für jeden Staatsgast, hierher zu kommen und eine Kranz niederzulegen – wenige Tage vor uns war zum Beispiel Frankreichs Premier Hollande dort.

Die größte und bekannteste Holocaust-Gedenkstätte ist an sich ein ziemlich großes Gelände auf dem Herzl-Berg. Neben mehreren Museen und Monumenten, die an die 6 Mio. Opfer der Judenvernichtung erinnern sollen, ist vor allem das Archiv von Bedeutung. Wir bekamen von der Frau, die als erste Deutsche in Yad Vashem angestellt wurde (was viele Holocaust-Überlebende kritisiert haben) eine Führung. Sie arbeitet hauptsächlich im Archiv und konnte uns von vielen Erfolgen berichten: so haben Familienangehörige, die sich gegenseitig für im KZ umgekommen hielten, nach Jahren in Israel wiedergefunden.



Die Halle der Namen
In dem Museum wird ausführlich der Aufstieg des Nationalsozialismus, das Leben in jüdischen Ghettos und die Deportation in KZs dokumentiert. Viele der Bilder und Objekte sind auf Deutsch, wie beispielsweise Bekanntmachungen, die davor warnen „beim Juden“ zu kaufen – vieles kennt man aus Geschichtsbüchern. Am Ende des Museums befindet sich die Halle der Namen, ein Raum voller Porträts, der symbolisch als Friedhof zu verstehen ist.

In der Allee der Gerechten unter den Völkern wird an die Nicht-Juden, die ihr Leben riskierten um Juden zu helfen und zu verstecken, mit jeweils einem Baum gedacht. Ein Gerechter unter den Völkern zu sein ist die höchste Auszeichnung, die ein Nicht-Jude vom Staat Israel bekommen kann.

Besonders eindrucksvoll und bewegend fand ich die Kindergedenkstätte: in einem dunklen Raum leuchten die überlebensgroßen Gesichter ermordeter Kinder auf. Direkt daran schließt sich eine Halle an, in deren Mitte nur eine Kerze – das ewige Licht – leuchtet. Durch ein komplexes Spiegelsystem wird das Licht 1,5 Mio. Mal reflektiert: für jedes getötete Kind ein Licht. In dem Raum herrscht an sich Stille, nur eine Stimme liest in verschiedenen Sprachen den Namen, Geburtsort – und datum der Kinder vor.

Verlässt man den dunklen Raum und steht wieder auf dem Bergplateau mit Sicht auf Jerusalem und die umliegenden Berge, hat man ein sehr merkwürdiges Gefühl…Vor einem befindet sich die Brücke nach Nirgendwo, eine unvollendete Brücke, deren Gleise abgeschnitten sind und die ins Tal ragt…

Die Brücke nach Nirgendwo

Das meiner Meinung nach Spannende und Faszinierende an Yad Vashem ist, dass es eine Gedenkstätte ist, die kein abgeschlossenes und unveränderbares Museum darstellt: auch wenn die Zahl der Child Survivor, also derer, die den Holocaust als Kinder miterlebt und überlebt haben, immer weiter zurückgeht, gibt es noch unendlich viele Augenzeugen, die jeden Tag dorthin kommen, vom Erlebten berichten, das Archiv um Informationen ergänzen und Menschen auf Fotos benennen können.

Ziemlich schweigsam und irgendwie in gedrückten Stimmung sind wir Volontäre zurück nach Jerusalem gefahren und haben dort Falafel gegessen – wir hätten uns allerdings nicht so viel Zeit lassen sollen: theoretisch war der Plan gewesen, dass Judith, Rebekka und ich mit dem Bus nach Haifa und von dort aus nach Kiryat Tivon fahren, um das Wochenende mit anderen Freiwilligen zu verbringen. Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass um halb neun abends keine Busse mehr von Jerusalem nach Haifa fuhren – einer der Hauptverbindungsachsen. Insofern auch überraschend, wenn man bedenkt, dass am Wochenende selbst im halbe-Stunde-Takt Nachtbusse ins kleine Ra’anana fahren…

Zu dritt sind wir also nach Ra’anana gefahren und haben Beit Perry deutlich früher wiedergesehen als gedacht – wenn auch nicht für lange Zeit, denn am nächsten Morgen ging es endlich los nach Kiryat Tivon. Dort haben wir den Geburtstag von Malin gefeiert – am Mittag in einem Café in Tivon und am Abend in einem Club in Haifa.

In Haifa


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