Make Hummus Not Walls

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Dienstag, 5. November 2013

Beit Hatfutsot und die Universität oder: Zwei weiter Highlights in Tel Aviv

Museum of the Jewish Diaspora

Gestern habe ich den freien Tag genutzt und bin (zum ersten Mal ohne Judith!) nach Tel Aviv gefahren und habe direkt zwei neue Punkte für meine Top Ten-Liste für Tel Aviv entdeckt.
Da mir das ach so schlaue Internet die falsche Haltestelle genannt hatte, bin ich zu weit gefahren. Ich war allerdings zu geizig, ein neues Busticket zu kaufen, um ein paar Stationen zurück zu fahren und habe deshalb den Busfahrer (der erkennbar kein Englisch konnte) auf Englisch gefragt, ob ich mit meinem Ticket auch wieder zurückfahren könne. Mir war natürlich bewusst, dass es nicht gehen würde, aber der arme Kerl hatte nicht die sprachlichen Fähigkeiten, mir das auf Englisch zu sagen. Weil er Mitleid hatte (oder genervt war) meinte er irgendwann einfach „Setz dich hin!“  und ich fuhr kostenlos mit – in Israel hilft es öfters, sich einfach ein bisschen doof zu stellen. J

5) Die Stadt Tel Aviv bietet jede Woche vier Stadtführungen zu den Themen Bauhaus in TLV, Jaffa, TLV by Night und eine über den Campus an. Gestern habe ich letztere mitgemacht: eine Architektin aus Tel Aviv hat mich und ein Schweizer Ehepaar (das allerdings früher gehen musste, sodass es eigentlich eine Privatführung war) über den Campus der Uni geführt und uns die Architektur der verschiedenen Gebäude näher gebracht. Die Uni an sich ist - wie eigentlich alles in Tel Aviv – nicht alt, sondern stammt aus den 60er Jahren. Sie liegt in Ramat Aviv, einem Stadtteil nördlich von Tel Aviv. Von manchen Teilen des Campus kann man bis zum Meer schauen. Der Campus besteht an sich aus einer riesigen Rasenfläche mit Palmen, auf der sich die Gebäude der einzelnen Fakultäten, die große Bibliothek, das Museum of the Jewish Diaspora sowie eine Synagoge befinden. Die einzelnen Gebäude sind nie höher als drei Stockwerke, wodurch das Gelände gemütlich wirkt. 

Die Juristische Fakultät - ältester Teil der Uni
Cafeteria im Arts Department
Es gibt schlimmere Orte, die Zeit zwischen zwei
Vorlesungen totzuschlagen: auf dem Campus
der Universität von Tel Aviv

Ganze Regale mit deutschen Büchern:
in der Main Library
Natürlich wird man auch vor Betreten des Campus durchleuchtet und die Taschen durchsucht, ist man einmal drinnen, kann man problemlos in alle Gebäude gehen und sogar in die Vorlesungssäle schauen. In der Main Library gab es übrigens überwiegend englische, einige deutsche und französische, aber kaum hebräische Bücher!

Während der Tour sind wir auch in die noble Cymbalista Synagoge gegangen, deren Materialien das Feinste vom Feinsten sind: Onyx-Steine aus Pakistan, Marmor aus der Toskana, Granit aus Simbabwe, roter Stein aus den Dolomiten und Holz aus der Schweiz. Auch bei der Wahl des Architekten hat man keine Mühen und vor allem Kosten gescheut und den berühmten Schweizer Architekten Mario Botta engagiert. Norbert Cymbalista, der Sponsor der Synagoge, ist Unternehmer in der Schweiz und hatte wohl reichlich Geld locker.

Der eine Teil dient als klassische (aber natürlich sehr prächtige!) Synagoge, in dem anderen finden regelmäßig Vorlesungen zu judaistischen Themen statt, die für die Öffentlichkeit zugänglich und wohl sehr empfehlenswert sind.

Die Cymbalista Synagoge

6) Nach der Führung bin ich noch in das Beit Hatfutsot (Haus der Diaspora), einem großen Museum auf dem Campus gegangen, das sich mit dem Leben von Juden in der Diaspora, also dem – freiwilligen oder erzwungenen – Leben von Juden außerhalb Israels, befasst.

Die Memorial Column im Gedenkraum
Das Museum deckt dementsprechend mehrere tausend Jahre Geschichte ab. Man kann dort locker mehrere Stunden verbringen, da es unglaublich viel Ausstellungs-, Bild- und auch Videomaterial gibt. Auch wenn das Museum ausdrücklich betont, kein Holocaust-Museum zu sein, gibt es einen Raum der Erinnerung, der an alle Juden, die wegen ihres Glaubens sterben mussten, erinnert. Eine Lichtsäule scheint durch mehrere Gitterkäfige hindurch und steht für den jüdischen Glauben, der trotz Vertreibungen und Verfolgungen fortbesteht.

Besonders interessant ist die Abteilung, in der (überwiegend zerstörte) Synagogen aus der ganzen Welt im Kleinformat nachgebaut sind: jede der Synagogen ist ein Meisterwerk für sich und man merkt jeder den Einfluss des jeweiligen Standorts an. Dementsprechend hat beispielsweise die chinesische Synagoge die für China typischen grünen geschwungenen Dachsparren.


Am Abend ging es dann zu meiner ersten Zumba-Stunde in Ra’anana. Nur um nochmal ein Beispiel für die Sprachenvielfalt in Israel zu geben: Judith und ich hatten angefragt, ob man beim Zumba auch mitmachen kann, wenn man kein Hebräisch spricht. „No problem, darling,“ erhielten wir prompt als Antwort, „I’m an American myself!“

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