| Museum of the Jewish Diaspora |
Gestern habe ich den freien Tag genutzt und bin (zum ersten
Mal ohne Judith!) nach Tel Aviv gefahren und habe direkt zwei neue Punkte für
meine Top Ten-Liste für Tel Aviv entdeckt.
Da mir das ach so schlaue Internet die falsche Haltestelle
genannt hatte, bin ich zu weit gefahren. Ich war allerdings zu geizig, ein
neues Busticket zu kaufen, um ein paar Stationen zurück zu fahren und habe
deshalb den Busfahrer (der erkennbar kein Englisch konnte) auf Englisch
gefragt, ob ich mit meinem Ticket auch wieder zurückfahren könne. Mir war
natürlich bewusst, dass es nicht gehen würde, aber der arme Kerl hatte nicht
die sprachlichen Fähigkeiten, mir das auf Englisch zu sagen. Weil er Mitleid
hatte (oder genervt war) meinte er irgendwann einfach „Setz dich hin!“ und ich fuhr kostenlos mit – in Israel hilft
es öfters, sich einfach ein bisschen doof zu stellen. J
5) Die Stadt Tel Aviv bietet jede Woche vier Stadtführungen
zu den Themen Bauhaus in TLV, Jaffa, TLV by Night und eine über den Campus an.
Gestern habe ich letztere mitgemacht: eine Architektin aus Tel Aviv hat mich
und ein Schweizer Ehepaar (das allerdings früher gehen musste, sodass es
eigentlich eine Privatführung war) über den Campus der Uni geführt und uns die
Architektur der verschiedenen Gebäude näher gebracht. Die Uni an sich ist - wie
eigentlich alles in Tel Aviv – nicht alt, sondern stammt aus den 60er Jahren. Sie
liegt in Ramat Aviv, einem Stadtteil nördlich von Tel Aviv. Von manchen Teilen
des Campus kann man bis zum Meer schauen. Der Campus besteht an sich aus einer
riesigen Rasenfläche mit Palmen, auf der sich die Gebäude der einzelnen
Fakultäten, die große Bibliothek, das Museum of the Jewish Diaspora sowie eine
Synagoge befinden. Die einzelnen Gebäude sind nie höher als drei Stockwerke,
wodurch das Gelände gemütlich wirkt.
| Die Juristische Fakultät - ältester Teil der Uni |
| Cafeteria im Arts Department |
| Es gibt schlimmere Orte, die Zeit zwischen zwei Vorlesungen totzuschlagen: auf dem Campus der Universität von Tel Aviv |
| Ganze Regale mit deutschen Büchern: in der Main Library |
Natürlich wird man auch vor Betreten des Campus
durchleuchtet und die Taschen durchsucht, ist man einmal drinnen, kann man problemlos
in alle Gebäude gehen und sogar in die Vorlesungssäle schauen. In der Main
Library gab es übrigens überwiegend englische, einige deutsche und französische,
aber kaum hebräische Bücher!
Während der Tour sind wir auch in die noble Cymbalista
Synagoge gegangen, deren Materialien das Feinste vom Feinsten sind: Onyx-Steine
aus Pakistan, Marmor aus der Toskana, Granit aus Simbabwe, roter Stein aus den
Dolomiten und Holz aus der Schweiz. Auch bei der Wahl des Architekten hat man
keine Mühen und vor allem Kosten gescheut und den berühmten Schweizer
Architekten Mario Botta engagiert. Norbert Cymbalista, der Sponsor der
Synagoge, ist Unternehmer in der Schweiz und hatte wohl reichlich Geld locker.
Der eine Teil dient als klassische (aber natürlich sehr
prächtige!) Synagoge, in dem anderen finden regelmäßig Vorlesungen zu
judaistischen Themen statt, die für die Öffentlichkeit zugänglich und wohl sehr
empfehlenswert sind.
| Die Cymbalista Synagoge |
6) Nach der Führung bin ich noch in das Beit Hatfutsot (Haus
der Diaspora), einem großen Museum auf dem Campus gegangen, das sich mit dem
Leben von Juden in der Diaspora, also dem – freiwilligen oder erzwungenen –
Leben von Juden außerhalb Israels, befasst.
| Die Memorial Column im Gedenkraum |
Das Museum deckt dementsprechend mehrere tausend Jahre
Geschichte ab. Man kann dort locker mehrere Stunden verbringen, da es
unglaublich viel Ausstellungs-, Bild- und auch Videomaterial gibt. Auch wenn
das Museum ausdrücklich betont, kein Holocaust-Museum zu sein, gibt es einen
Raum der Erinnerung, der an alle Juden, die wegen ihres Glaubens sterben
mussten, erinnert. Eine Lichtsäule scheint durch mehrere Gitterkäfige hindurch
und steht für den jüdischen Glauben, der trotz Vertreibungen und Verfolgungen fortbesteht.
Besonders interessant ist die Abteilung, in der (überwiegend
zerstörte) Synagogen aus der ganzen Welt im Kleinformat nachgebaut sind: jede
der Synagogen ist ein Meisterwerk für sich und man merkt jeder den Einfluss des
jeweiligen Standorts an. Dementsprechend hat beispielsweise die chinesische
Synagoge die für China typischen grünen geschwungenen Dachsparren.
Am Abend ging es dann zu meiner ersten Zumba-Stunde in
Ra’anana. Nur um nochmal ein Beispiel für die Sprachenvielfalt in Israel zu
geben: Judith und ich hatten angefragt, ob man beim Zumba auch mitmachen kann,
wenn man kein Hebräisch spricht. „No problem, darling,“ erhielten wir prompt
als Antwort, „I’m an American myself!“
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