An besonders kalten Tagen stürzen die Temperaturen mittlerweile
manchmal auf 23° ab – Mitleid erwünscht! Judith und ich hatten daher am Montag
mit 26° nochmal wirklich Glück gehabt… Okay, Spaß beiseite, aber ich kann
wirklich nicht glauben, dass wir November haben. Während anderswo die
Weihnachtsvorbereitungen beginnen, Schals ausgepackt und Plätzchen gebacken
werden, habe ich das Gefühl, mich im Sommerurlaub zu befinden. Das liegt
allerdings nicht nur daran, dass es so warm ist, sondern auch einfach daran,
dass die Arbeit zwar anstrengend ist, aber Spaß macht und wir in der Freizeit
so viel unternehmen.
So ging es am Montag für uns also in den Apollonia
Nationalpark, der geradezu vor unserer Haustür – sprich Herzliya – liegt. Die
Phönizier gründeten die Siedlung „Arsuf“ (benannt nach der Gottheit Reshef) im
6. Jhd. v. Chr. Reshef, der Gott des Krieges und des Sturms, wurde von den Bewohnern
Arsufs mit der Gottheit Apollo identifiziert und daher in Apollonia umbenannt.
Unter den Römern kam die Stadt zu voller Blüte, der Hafen wurde zum größten in
der gesamten südlichen Sharon Ebene. Auf die Römer folgten die Byzantiner und
später die Muslime, die eine Schutzmauer aus Angst vor den Byzantinern bauten.
Nichtsdestotrotz eroberten die Kreuzfahrer im 13. Jhd. die Stadt und nannten
sie um in Arsour. Kaum vier Jahre hatten wieder die Muslime das Sagen, dann
ganze 100 Jahre die Kreuzfahrer und ab 1265 – trotz der mittlerweile
verstärkten Mauer – die Mameluken.
Dementsprechend kann man in dem Park - unter anderem - sowohl die von den
Kreuzfahrern konstruierte Festung und die von den Muslimen errichtete Mauer,
als auch eine römische Villa und ein byzantinisches Wasserreservoir bestaunen.
| Im Nationalpark Apollonia: vielleicht kann man sich jetzt besser vorstellen, warum sich alles wie ein sehr langer Sommerurlaub anfühlt! |
Besonders toll ist am Park allerdings die Lage: vom höchsten
noch erhaltenen Punkt der Festung aus hat man einen tollen Blick: rechts sieht
man bis Caesarea und links den Hafen von Herzliya und dahinter wieder den von
Yaffo – wie klein die Welt (und insbesondere Israel) doch ist!
| Vom selben Standpunkt aus: Blick auf Caesarea.... |
| ...Herzliya und Yaffo |
Nach dem Park (der flächenmäßig wirklich klein ist) sind
Judith und ich noch etwas an den Strand gegangen. Ziemlich bald mussten wir
allerdings wieder los – sie zur Arbeit und ich ins Krankenhaus nach Kfar Saba.
Nein, ich bin nicht krank, musste allerdings bei einem der Friends bleiben, der
dort liegt. Er ist nämlich Epileptiker und darf nie alleine gelassen werden –
und wird momentan rund um die Uhr von Guides bewacht. Es war interessant, ein
israelisches Krankenhaus von innen zu sehen: betritt man das Gebäude, hat man
das Gefühl, in einer Mall zu sein: es gibt Läden, Coffee-Shops und auch
Fast-Food-Stores. In den oberen Stockwerken befinden sich die verschiedenen
Abteilungen. Die Krankenhäuser – habe ich mir von einer deutschen
Medizin-Studentin, die in Israel ein Praktikum gemacht hat, bestätigen lassen –
sind technisch absolut auf europäischem Standard. Die Mentalität – das merkt
man direkt – ist hier allerdings eine andere und mit Problemen wird, um es
vorsichtig auszudrücken, entspannter umgegangen…
| Nein, das hier ist keine Mall: Krankenhaus in Kfar Saba |
Vom Krankenhaus aus bin ich nach Herzliya gefahren, um mich
mit Judith und einer Freundin zu treffen. Abends etwas trinken zu gehen, sollte
man allerdings nicht zu oft: ein Bier kostet umgerechnet mindestens 6€!
Trotzdem: die wunderbaren Sommertemperaturen – auch bei Nacht und im November –
entschädigen einen!
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