| Am Strand von Hadera |
Kleines Update aus Israel – ereignisreiche Tage liegen
hinter mir: am Dienstag nach der Arbeit ging es für mich nach Hadera, wo ich
eine andere deutsche Volontärin besucht habe. Hauptsächlich bin ich dorthin
gefahren, um die Freundin zu besuchen und Hadera anzuschauen, aber es ist auch
immer interessant zu sehen, wie und wo andere Volontäre wohnen und arbeiten.
(Und ehrlich gesagt stelle ich immer fest, wie froh ich doch bin, in Beit Perry
zu sein!)
| Schild auf dem Parkplatz des Strandes |
Rebekka und ich sind am Mittwoch Morgen an den Strand
gefahren, der sehr weitläufig und von mehr
oder weniger steilen Felsen umgeben ist. Danach habe ich sie in ihr Projekt
begleitet, einem Heim für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung.
Dieses liegt mitten in der Stadt und von einer Dachterrasse aus hat man einen
guten Blick – und einen tollen Ort, um die Novembersonne zu genießen.
| Der Strand von Hadera |
Am nächsten Morgen – wieder in Ra’anana - musste ich um 6
Uhr für die Wake-Up-Shift aus dem Bett, in das ich – was ich dort allerdings
noch nicht wusste – erst nach 22 Stunden wieder gehen würde: Israelische
Bürokratie ist nämlich eine sehr langwierige Angelegenheit. Nach der Wake-Up also
fuhren Judith und ich mit dem Taxi nach Herzliya, wo wir uns mit unserer Social
Workerin trafen, um unsere Visa von Touristen-Visa auf Ein-Jahres-Visa
auszuweiten. Da der nächste verfügbare Termin im Februar (!) gewesen wäre,
hatten wir beschlossen, zur allgemeinen Sprechstunde zu gehen. Dass wir lange
warten würden, hatten wir schon erwarten – allerdings hatten keiner von uns mit
4,5 Stunden gerechnet! In den völlig unterkühlten Warteräumen tummelten sich
afrikanische Immigranten und entnervte Israelis. Wir zogen daher eine Nummer
und verbrachen die nächsten Stunden in Parks und in der Innenstadt von Herzliya.
Übrigens dauerte der Termin an sich kaum 10 Minuten, ich war sogar etwas
enttäuscht, dass nur ein kurzer Blick auf mein Polizeiliches Führungszeugnis
geworfen wurde, die tausend beglaubigten und übersetzten Dokumente aber kaum
Beachtung fanden!
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| Im Stadtzentrum von Herzliya |
Nach dem Amtsbesuch hatten wir in Beit Perry unsere –
natürlich um Stunden nach hinten verlegte – Hebräisch-Stunde. Der Unterricht
ist an sich eine gute Ergänzung zur Arbeit: bei der Arbeit über wir
logischerweise Konversation, während der Schwerpunkt des Unterrichts auf Lesen
und Schreiben liegt. Das Blaue Haus ist – im Gegensatz zum Grünen, in dem nur
eine der Friends spricht – der perfekte Ort zum Learning by Doing: die
Friends reden im Prinzip den ganzen Tag und so muss ich – auch wenn
wahrscheinlich die Hälfte von dem, was ich sage, ziemlicher Mist ist und häufig
gar nicht die Antwort auf die Frage bietet – den ganzen Tag Hebräisch reden.
Dementsprechend bin ich schon Experte für Obst- und Gemüsesorten, Spiele,
Klamotten und ein paar Lieder, könnte aber kaum jemanden fragen, wo der nächste
Supermarkt ist.
| Rund, dreieckig, quadratisch: das Arizieli Center besteht aus drei Wolkenkratzern. In den unteren Etagen befindet sich eine riesigen Mall, oben Büros |
Zunächst ging es nach Yaffo auf die
Einweihungsparty von einem Motorrad-Store, mit dessen Besitze sie befreundet
war. Spontan (und spontan ist alles in Tel Aviv) sind wir dann weiter in den
Club Comfort 13, einen der wohl besten Clubs Tel Avivs, dessen Besitzer sie
auch kennt. Dadurch kamen wir dort kostenlos und trotz Altersbeschränkung rein.
Tel Aviv – hat letztens ein anderer Volontär festgestellt – ist an sich eine
einzige Freakshow. Das Politische und Andächtige, das man aus Jerusalem kennt,
sucht man hier vergebens. Tagsüber trifft man hier auf Studenten,
Kulturliebhaber und Strandgäste, aber nachts zeigt sich das andere Tel Aviv, in
dem wirklich eine Vielzahl verrückter Leute wohnt, deren Verrücktsein sich in
ihrer Art zu kleiden und zu reden zeigt: gestern auf dem Weg zum Nachtbus ist
beispielsweise ein Mann an uns vorbeigelaufen, der nichts trug außer einer
Badehose – nicht einmal Schuhe. Dazu fällt mir eine Redewendung aus dem
Rheinland ein: Jeder Jeck ist anders! Nebenbei wurde Tel Aviv auch schon
mehrfach zu einer der Schwulen-freundlichsten Städte weltweit gewählt. Nicht
umsonst findet man auf der Internetseite des Fremdenverkehrsbüros die Rubrik Gays
in TLV und sieht überall in der Stadt auch Werbung für entsprechende
Partys.
Kulturliebhaber und Strandgäste, aber nachts zeigt sich das andere Tel Aviv, in
dem wirklich eine Vielzahl verrückter Leute wohnt, deren Verrücktsein sich in
ihrer Art zu kleiden und zu reden zeigt: gestern auf dem Weg zum Nachtbus ist
beispielsweise ein Mann an uns vorbeigelaufen, der nichts trug außer einer
Badehose – nicht einmal Schuhe. Dazu fällt mir eine Redewendung aus dem
Rheinland ein: Jeder Jeck ist anders! Nebenbei wurde Tel Aviv auch schon
mehrfach zu einer der Schwulen-freundlichsten Städte weltweit gewählt. Nicht
umsonst findet man auf der Internetseite des Fremdenverkehrsbüros die Rubrik Gays in TLV und sieht überall in der Stadt auch
Werbung für entsprechende Partys.
| Im Comfort 13 |
Eine Top Ten-Liste für Tel Aviv zu erstellen und dass
Nachtleben hier außen vor zu lassen, wäre also irgendwie nicht richtig: es gibt
eine sehr hohe Dichte an Clubs, die DJs, die hier auflegen, sind wirklich
international bekannt und die Partys starten selten vor 2 Uhr und sind nicht
selten ziemlich exzessiv. Zudem gibt es eine Vielzahl an gemütlichen Bars,
insbesondere im Viertel Florentine. Dadurch, dass es noch so warm ist, sitzen
die Leute immer noch draußen, und zieht man nachts durch die Straßen, hat man
ständig Lust, sich irgendwo entspannt hinzusetzen – wäre nicht alles so teuer!
Mit dem Bus sind Judith und ich später zurück gefahren und
um 4 Uhr morgens – nach 22 Stunden auf den Beinen – im wahrsten Sinne des
Wortes ins Bett gefallen.

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