Make Hummus Not Walls

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Samstag, 16. November 2013

Israelische Bürokratie oder: Jeder Tel Avikni ist anders

Am Strand von Hadera

Kleines Update aus Israel – ereignisreiche Tage liegen hinter mir: am Dienstag nach der Arbeit ging es für mich nach Hadera, wo ich eine andere deutsche Volontärin besucht habe. Hauptsächlich bin ich dorthin gefahren, um die Freundin zu besuchen und Hadera anzuschauen, aber es ist auch immer interessant zu sehen, wie und wo andere Volontäre wohnen und arbeiten. (Und ehrlich gesagt stelle ich immer fest, wie froh ich doch bin, in Beit Perry zu sein!)

Schild auf dem Parkplatz
des Strandes
Hadera ist 1891 von einer Gruppe russischer Zionisten gegründet worden, die sich am Ort ihrer Träume glaubten, als sie den schönen Flecken Land am Meer entdeckten. Was sie nicht wussten: der Ort war eine Malaria-Hochburg – innerhalb der ersten Jahre starb die Hälfte der Einwanderer an Malaria. Heutzutage wird Hadera leider stark von dem Kohlekraftwerk geprägt, das zwar einige Kilometer vom Meer entfernt liegt, dessen Kühlungssysteme allerdings bis ins Meer hineinreichen.

Rebekka und ich sind am Mittwoch Morgen an den Strand gefahren,  der sehr weitläufig und von mehr oder weniger steilen Felsen umgeben ist. Danach habe ich sie in ihr Projekt begleitet, einem Heim für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung. Dieses liegt mitten in der Stadt und von einer Dachterrasse aus hat man einen guten Blick – und einen tollen Ort, um die Novembersonne zu genießen.




Der Strand von Hadera

Am nächsten Morgen – wieder in Ra’anana - musste ich um 6 Uhr für die Wake-Up-Shift aus dem Bett, in das ich – was ich dort allerdings noch nicht wusste – erst nach 22 Stunden wieder gehen würde: Israelische Bürokratie ist nämlich eine sehr langwierige Angelegenheit. Nach der Wake-Up also fuhren Judith und ich mit dem Taxi nach Herzliya, wo wir uns mit unserer Social Workerin trafen, um unsere Visa von Touristen-Visa auf Ein-Jahres-Visa auszuweiten. Da der nächste verfügbare Termin im Februar (!) gewesen wäre, hatten wir beschlossen, zur allgemeinen Sprechstunde zu gehen. Dass wir lange warten würden, hatten wir schon erwarten – allerdings hatten keiner von uns mit 4,5 Stunden gerechnet! In den völlig unterkühlten Warteräumen tummelten sich afrikanische Immigranten und entnervte Israelis. Wir zogen daher eine Nummer und verbrachen die nächsten Stunden in Parks und in der Innenstadt von Herzliya. Übrigens dauerte der Termin an sich kaum 10 Minuten, ich war sogar etwas enttäuscht, dass nur ein kurzer Blick auf mein Polizeiliches Führungszeugnis geworfen wurde, die tausend beglaubigten und übersetzten Dokumente aber kaum Beachtung fanden!

Im Stadtzentrum von Herzliya

Nach dem Amtsbesuch hatten wir in Beit Perry unsere – natürlich um Stunden nach hinten verlegte – Hebräisch-Stunde. Der Unterricht ist an sich eine gute Ergänzung zur Arbeit: bei der Arbeit über wir logischerweise Konversation, während der Schwerpunkt des Unterrichts auf Lesen und Schreiben liegt. Das Blaue Haus ist – im Gegensatz zum Grünen, in dem nur eine der Friends spricht – der perfekte Ort zum Learning by Doing: die Friends reden im Prinzip den ganzen Tag und so muss ich – auch wenn wahrscheinlich die Hälfte von dem, was ich sage, ziemlicher Mist ist und häufig gar nicht die Antwort auf die Frage bietet – den ganzen Tag Hebräisch reden. Dementsprechend bin ich schon Experte für Obst- und Gemüsesorten, Spiele, Klamotten und ein paar Lieder, könnte aber kaum jemanden fragen, wo der nächste Supermarkt ist.

:
Rund, dreieckig, quadratisch: das Arizieli Center besteht
aus drei Wolkenkratzern. In den unteren Etagen
befindet sich eine riesigen Mall, oben Büros 
Nach der Hebräisch-Stunde fuhren wir nach Tel Aviv, wo wir uns mit einer Freundin getroffen haben. Sarah wandert in wenigen Wochen nach Deutschland aus, und auch wenn wir Englisch miteinander reden, haben wir schon viel Deutsch bzw. Hebräisch voneinander gelernt. Theoretisch hatten wir vorgehabt, in die Fotografie-Ausstellung „Schaustelle Berlin-Tel Aviv“ in der Cinematheque zu gehen (Sarah wird nämlich nach Berlin ziehen), doch es kam mal wieder alles anders: Judith und ich blieben zuerst länger als gedacht im riesigen Arizieli Shopping Center hängen und als wir Sarah endlich trafen, war es fürs die Ausstellung schon zu spät...






 Zunächst ging es nach Yaffo auf die Einweihungsparty von einem Motorrad-Store, mit dessen Besitze sie befreundet war. Spontan (und spontan ist alles in Tel Aviv) sind wir dann weiter in den Club Comfort 13, einen der wohl besten Clubs Tel Avivs, dessen Besitzer sie auch kennt. Dadurch kamen wir dort kostenlos und trotz Altersbeschränkung rein. Tel Aviv – hat letztens ein anderer Volontär festgestellt – ist an sich eine einzige Freakshow. Das Politische und Andächtige, das man aus Jerusalem kennt, sucht man hier vergebens. Tagsüber trifft man hier auf Studenten, Kulturliebhaber und Strandgäste, aber nachts zeigt sich das andere Tel Aviv, in dem wirklich eine Vielzahl verrückter Leute wohnt, deren Verrücktsein sich in ihrer Art zu kleiden und zu reden zeigt: gestern auf dem Weg zum Nachtbus ist beispielsweise ein Mann an uns vorbeigelaufen, der nichts trug außer einer Badehose – nicht einmal Schuhe. Dazu fällt mir eine Redewendung aus dem Rheinland ein: Jeder Jeck ist anders! Nebenbei wurde Tel Aviv auch schon mehrfach zu einer der Schwulen-freundlichsten Städte weltweit gewählt. Nicht umsonst findet man auf der Internetseite des Fremdenverkehrsbüros die Rubrik Gays in TLV und sieht überall in der Stadt auch Werbung für entsprechende Partys.




Im Comfort 13


Kulturliebhaber und Strandgäste, aber nachts zeigt sich das andere Tel Aviv, in dem wirklich eine Vielzahl verrückter Leute wohnt, deren Verrücktsein sich in ihrer Art zu kleiden und zu reden zeigt: gestern auf dem Weg zum Nachtbus ist beispielsweise ein Mann an uns vorbeigelaufen, der nichts trug außer einer Badehose – nicht einmal Schuhe. Dazu fällt mir eine Redewendung aus dem Rheinland ein: Jeder Jeck ist anders! Nebenbei wurde Tel Aviv auch schon mehrfach zu einer der Schwulen-freundlichsten Städte weltweit gewählt. Nicht umsonst findet man auf der Internetseite des Fremdenverkehrsbüros die Rubrik Gays in TLV und sieht überall in der Stadt auch Werbung für entsprechende Partys.


Eine Top Ten-Liste für Tel Aviv zu erstellen und dass Nachtleben hier außen vor zu lassen, wäre also irgendwie nicht richtig: es gibt eine sehr hohe Dichte an Clubs, die DJs, die hier auflegen, sind wirklich international bekannt und die Partys starten selten vor 2 Uhr und sind nicht selten ziemlich exzessiv. Zudem gibt es eine Vielzahl an gemütlichen Bars, insbesondere im Viertel Florentine. Dadurch, dass es noch so warm ist, sitzen die Leute immer noch draußen, und zieht man nachts durch die Straßen, hat man ständig Lust, sich irgendwo entspannt hinzusetzen – wäre nicht alles so teuer!


Mit dem Bus sind Judith und ich später zurück gefahren und um 4 Uhr morgens – nach 22 Stunden auf den Beinen – im wahrsten Sinne des Wortes ins Bett gefallen.

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