| Der Kibbuz Nachsholim |
Unser Seminar also begann am nächsten Morgen am Treffpunkt
Chof HaCarmel, der Zentralen Busstation Haifas, die im Übrigen direkt am Meer
gelegen ist. Nachdem alle eingetrudelt waren (einige hatten schließlich eine
weite Anreise hinter sich), fuhren wir mit einem Kleinbus in den Kibbuz
Nachsholim, in dem wir die nächsten drei Tage verbringen würden. Dieser Kibbuz
ist – ähnlich wie der Kibbuz Shaar HaGolan, in dem wir ganz am Anfang waren –
kein Kibbuz im ursprünglichen Sinne mehr: auch dieser wurde kommerziell als
Gästehaus genutzt. Der Begriff Gästehaus wird dem, was wir geboten bekamen,
allerdings nicht gerecht: ein 4-Sterne-Hotel, direkt am Meer mit vorzüglichem
Essen. Geschlafen wurde in 4er-Zimmern in kleinen Bungalows auf dem Gelände des
Kibbuz. Wir haben das tolle Essen und die gemütlichen Betten natürlich genossen, allerdings verstehe ich nicht so ganz, warum es eine derart pompöse Unterkunft sein musste: das Seminar wurde schließlich vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert - also von deutschen Steuergeldern bezahlt.
Erst einmal wurde uns eine Zahl genannt, mit der wohl keiner
gerechnet hätte: aber es sind in ganz Israel doch tatsächlich 800 deutsche
Volontäre unterwegs, die in Kibbuzim arbeitenden nicht mitgezählt! Natürlich
hatte ich durch die Organisation und auch beim Reisen schon einige
kennengelernt, aber das es so viele sind, hätte keiner von uns gedacht. (Nur um
ein Gefühl für die Dimension zu bekommen: insgesamt gibt es 1700 Volontäre aus
dem Ausland – als knapp die Hälfte ist deutsch.)
Nach einem wirklich leckerem Abendessen hatten wir einen
Einführungsworkshop zum Thema Zionismus, Nationalismus und israelisches Selbstverständnis.
Hierzu haben wir Texte von beispielsweise
der Holocaustüberlebenden Gretel Marom-Baum und dem palästinensischen
Philosophen Sari Nusseibeh besprochen. Den ersten Abend verbrachten wir am
Strand, der – im wahrsten Sinne des Wortes – direkt vor unserer Tür lag.


| Am Strand des Kibbuz |
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