Make Hummus Not Walls

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Samstag, 2. November 2013

Die Frau mit den Krallen oder: Seminartag Nummer 1

Der Kibbuz Nachsholim

Unser Seminar also begann am nächsten Morgen am Treffpunkt Chof HaCarmel, der Zentralen Busstation Haifas, die im Übrigen direkt am Meer gelegen ist. Nachdem alle eingetrudelt waren (einige hatten schließlich eine weite Anreise hinter sich), fuhren wir mit einem Kleinbus in den Kibbuz Nachsholim, in dem wir die nächsten drei Tage verbringen würden. Dieser Kibbuz ist – ähnlich wie der Kibbuz Shaar HaGolan, in dem wir ganz am Anfang waren – kein Kibbuz im ursprünglichen Sinne mehr: auch dieser wurde kommerziell als Gästehaus genutzt. Der Begriff Gästehaus wird dem, was wir geboten bekamen, allerdings nicht gerecht: ein 4-Sterne-Hotel, direkt am Meer mit vorzüglichem Essen. Geschlafen wurde in 4er-Zimmern in kleinen Bungalows auf dem Gelände des Kibbuz. Wir haben das tolle Essen und die gemütlichen Betten natürlich genossen, allerdings verstehe ich nicht so ganz, warum es eine derart pompöse Unterkunft sein musste: das Seminar wurde schließlich vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert - also von deutschen Steuergeldern bezahlt. 

Nach Programmvorstellung, Kennenlerngesprächen etc. lernten wir Dina Lutati kennen, die – wie uns gesagt wurde – die höchste Instanz für Volontärsarbeit ist. Sie arbeitet im Wohlfahrtsministerium und kümmert sich seit 26 Jahren um nichts anderes als Volontäre – dementsprechend groß ihr Ehrfahrungsschatz. Der Vortrag von Frau Lutati hieß „Rechte und Pflichten als Volontär“ – es ging allerdings überwiegend um unsere Rechte, für die Frau Lutati mit Händen und Füßen eintreten möchte („Manche denken, ich sei eine alte Frau, aber ich kann sein wie eine Katze, denn ich habe Krallen und keine Angst, diese auszufahren.“) Falls es also mal Probleme in unserem Projekt geben sollte, wissen wir, an wen wir uns wenden können. J

Erst einmal wurde uns eine Zahl genannt, mit der wohl keiner gerechnet hätte: aber es sind in ganz Israel doch tatsächlich 800 deutsche Volontäre unterwegs, die in Kibbuzim arbeitenden nicht mitgezählt! Natürlich hatte ich durch die Organisation und auch beim Reisen schon einige kennengelernt, aber das es so viele sind, hätte keiner von uns gedacht. (Nur um ein Gefühl für die Dimension zu bekommen: insgesamt gibt es 1700 Volontäre aus dem Ausland – als knapp die Hälfte ist deutsch.)

Nach einem wirklich leckerem Abendessen hatten wir einen Einführungsworkshop zum Thema Zionismus, Nationalismus und israelisches Selbstverständnis. Hierzu haben wir  Texte von beispielsweise der Holocaustüberlebenden Gretel Marom-Baum und dem palästinensischen Philosophen Sari Nusseibeh besprochen. Den ersten Abend verbrachten wir am Strand, der – im wahrsten Sinne des Wortes – direkt vor unserer Tür lag.

Am Strand des Kibbuz






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