Um nicht den Eindruck zu erwecken, wir würden hier nur
reisen und uns die Gegend anschauen, nun zurück zum Alltag in Beit Perry. Dabei
ist ‚Alltag‘ eigentlich irreführend ist, denn heute gab es wieder ein
besonderes Ereignis außerhalb der Reihe: Jom Huledet, der Geburtstag von
einem der Friends. Auch wenn er immer ähnlich gefeiert wird, ist er für die
Friends von unterschiedlicher Bedeutung: die einen reden Wochen im Voraus von
nichts anderem mehr, während andere selbst am eigentlichen Tag nicht wirklich
verstehen, warum denn alle wie bescheuert singen und Mohrenköpfe essen.
Anlässlich eines Geburtstags wird der Innenhof (oder eben
ein Wohnzimmer, je nachdem, ob das Wetter mitmacht – was meistens der Fall ist)
liebevoll mit Luftballons, Luftschlagen und Bildern dekoriert. Am Abend
versammeln sich alle Friends und die Familie des Geburtstagskindes in einem
Stuhlkreis und es werden erst einmal einige Geburtstagslieder gesungen. Der
Klassiker „Hajom Jom Huledet“ (heute ist der Geburtstag von XY) gehört
neben dem Aleph-Beth-Song und dem Lied zu Rosh Hashana zu den nervigsten
und hartnäckigsten hebräischen Ohrwürmern. Nach dem Gesang laufen die Friends
einzeln zum Geburtstagskind, schütteln ihm die Hand und wünschen ihm Mazal
Tov, Alles Gute. Das tuen sie allerdings auf sehr unterschiedlich liebevoll
Art: Während die einen geradezu aufspringen oder sogar ein selbstgemaltes Bild
überreichen, haben wir Probleme, die anderen dazu zu motivieren, aufzustehen
und dem Friend ordentlich zu gratulieren. Der Hauptgrund für die Friends sich
auf den Tag zu freuen, ist wohl das Essen: meistens bringen die Eltern des
Geburtstagskindes Pizza, Kuchen und Mohrenköpfe mit – für die Friends eine
willkommene Abwechslung. Nach dem Essen wird getanzt: einige der Friends
ergreifen frühzeitig die Flucht, manche schauen mehr oder weniger begeistert
zu, andere tanzen wirklich schön und auch im Rhythmus der Musik und wieder andere
tanzen auf eine sehr spezielle Art – die darin besteht, dass sie ihre Hände
ineinanderlegen, den Kopf schief halten und sich dann wirklich wie bescheuert
für mehrere Minuten im Kreis zu drehen. Wir Guides fragen uns dann immer, wie
sie es schaffen, den Kuchen im Magen zu behalten – Übung macht den Meister.
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