Make Hummus Not Walls

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Montag, 4. November 2013

Akko von oben und unten oder: Auf der Suche nach Chagall

Die kunstvolle Kuppel der El-Jazzar-Moschee

Auch am letzten Seminartag hatten wir ein Gespräch, dass uns viele neue Erkenntnisse gebracht hat: Zu Gast war ein ranghoher früherer Berater von Yitzhak Rabin, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Israels. Da er durch seinen Beruf so gut über die israelische Außerpolitik Bescheid wusste, war er ausgewählt worden, mit uns über Israels Sicherheit und die israelisch-palästinensischen Beziehungen zu reden. Reden ist allerdinge der falsche Ausdruck, da sich ein wahres Streitgespräch zwischen ihm und uns entwickelte. Er vertrat sehr radikale Positionen und war beispielsweise für ein militärisches Einschreiten der Westlichen Nationen in Syrien, aber auch Nordkorea. Dieses Mal also lernten wir einiges über den Israelisch-Palästinensischen Konflikt aus der Sicht eines ‚Insiders‘ der israelischen Politik. Nach Ende des Seminars wurden alle Volontäre in Haifa rausgelassen, für uns ging es direkt weiter zur Volontärs-WG.

Am Nachmittag fuhren wir mit in das Projekt von zwei Mitvolontären in Kiryat Tivon, das ganz anders als Beit Perry, aber auf seine Art auch sehr schön und friedlich ist.

Da unsere Freunde am nächsten Tag arbeiten mussten, sind Judith und ich von Kiryat Tivon alleine mit dem Sherut nach Akko, eine wunderschöne Hafenstadt nördlich von Haifa, gefahren. Die ehemalige Kreuzfahrerstadt, die 1291 von muslimischen Heeren erobert wurde und sich von 1918-1948 unter britischer Herrschaft befand, zählt – sicherlich auch wegen ihrer bewegten Geschichte – zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Läuft man durch die Altstadt, so fühlt man sich etwas an Jerusalem erinnert: neben einem türkischen Basar, und dem Souk el Abyad, dem Weißen Markt, gibt es mehrere Karawansereien, die meist aus dem 16. Jahrhundert stammen und als Rasthäuser für Reisende und Umschlagplätze für Waren dienten. Wie in Jerusalem findet man auch hier Kirchen, Moscheen und Synagogen dicht aneinander gedrängt: besonders sehenswert ist die El-Jazzar-Moschee, die von einem begrünten Innenhof umgeben wird. Man merkt übrigens, dass in Deutschland momentan Herbstferien sind: in der Moschee waren außer uns nur deutsche Familien.


Die Karawanserei Khan el Umdan
Die El-Jazzar-Moschee
Auf dem Souk el Abyad

Der Hafen ist ziemlich touristisch, allerdings kann man von hier einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen. Am Mittag haben wir – was auch sonst – Falafel gegessen. Am Preis der Falafel kann man sehr gut das allgemeine Preisniveau einer Stadt ausmachen: während sie in Tel Aviv 15 NIS, in Netanya (Touristenpreis) 25 NIS kostet, sind es in Bethlehem gerade mal 5 NIS (was umgerechnet einem Euro entspricht!) Dass sie in der Touristen-Stadt Akko nur 10 NIX gekostet hat, hat uns ziemlich gewundert – dafür waren die Falafelbällchen auch kalt. L


Immer wieder lecker: Falafel

Das eigentliche Highlight Akkos ist – ganz anders als in Haifa – alles andere als gut sichtbar. Es befindet sich nämlich unterirdisch: die unterirdische Kreuzfahrerstadt, die den Rittern des Hospitaliterordens ab dem 12. Jhd. als Hauptquartier diente, befindet sich 8m unter dem heutigen Straßenniveau. Die einst darüber liegenden Gebäude wurden alle zerstört, die unterirdische Stadt mit Schutt aufgefüllt und darüber neue Gebäude errichtet. Die Eintrittskarte berechtigt auch zum Besuch des Templar’s Tunnel, einem unterirdischen Gang, der sich für Klaustrophobiker allerdings nicht empfiehlt…

Judith und ich stellten in Akko fest, schon zahlreiche Moscheen und Kirchen, allerdings noch keine Synagoge besichtigt zu haben. Dementsprechend folgten wir einem Hinweisschild und landeten in einer winzigen Synagoge. Die Juden, die dort beteten, hielten uns wahrscheinlich für amerikanische Jüdinnen und haben uns auf einen Kaffee eingeladen – allgemein überrascht uns die Gastfreundschaft und Offenheit Israelis immer wieder!
 


Traumhaft: der Sonnenuntergang in Akko
Nachdem wir noch etwas auf der Stadtmauer herumgelaufen sind, ging es zurück mit dem Sherut nach Kiryat Tivon. Von dort aus sind wir wieder in das Projekt unserer Mitvolontäre gefahren, dort haben die deutschen und die israelischen Volontäre zusammen Volleyball gespielt und anschließend wurde gegrillt.

An dem letzten Morgen unseres Urlaubs haben Judith und ich einen kleinen Zwischenstopp in Haifa eingelegt. Da das Wetter schlecht und die Rücksäcke schwer waren, haben wir uns für das Haifa Museum of Art entschieden, in dem es, so stand es im Reiseführer „über 7500 Werke internationaler Künstler wie Max Liebermann, Marc Chagall, Salvador Dalí…“ gibt. Liebermann? Chagall? Dalí? Fehlanzeige! In dem Museum gab es lediglich Ausstellung moderner Kunst, aber auch die haben sich gelohnt. Dem Verlag des Reiseführers haben wir übrigens eine Mail geschrieben…


Keine Klassiker, dafür sehr modern:
Das Haifa Museum of Art




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