Make Hummus Not Walls

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Samstag, 2. November 2013

Deutsche in Haifa - damals wie heute oder: Seminartag Nummer 2

Hauseingang in der Deutschen Kolonie

Am zweiten Seminartag hatten wir zuerst einen Vortrag zu den Themen Gesellschaftsentwicklung, gesellschaftliche Gruppen und Wirtschaft in Israel, wo wir sowohl Neues gelernt, als auch schon Bekanntes aufgefrischt haben.

Der Talmud
Etwas für uns alle Neues war der Besuch in der Gymnasialyeshiva von Zichron Yaacov. Eine Yeshiva ist eine jüdische Schule, deren Schwerpunkt auf Talmud- und Thorastudium liegt. Die Schüler befassen sich von 8-12 Uhr morgens mit religiösen Texten und haben von 13-17 Uhr ‚normalen‘ Unterricht – Politik ist hier allerdings kein Schulfach!

Ein Lehrer und Rabbi der Schule erklärte uns zuerst das System der Schule und hielt einen kleinen Vortrag zum Thema „Judentum heute“. Das Gespräch nahm allerdings eine interessante Wendung, als er plötzlich wissen wollte, was uns Deutsche denn nach Israel verschlagen habe. Seine Eltern stammten aus Polen, waren zur Zeit des Dritten Reichs in die USA geflohen und später nach Israel emigriert. Er selber, so sagte er uns, habe nichts persönlich gegen Deutsch – für ihn wäre es allerdings undenkbar, jemals nach Deutschland zu reisen.

Für mich war dies die erste Situation, in der man auf sein Deutschsein und die Verantwortung für den
Holocaust angesprochen wurde. Andere Volontäre hatten schon ganz andere Erfahrungen gemacht: eine wurde beispielsweise beim Trampen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Auto geworfen, in dem sie mitfuhr, als der Fahrer erfuhr, dass sie Deutsche und nicht Amerikanerin war, wie er geglaubt hatte.


Das National Museum of
Science, Planning and Technology


Nach einer leckeren Falafel in Haifa bekamen wir von unserem Seminarleiter spontan eine kurze Führung zu einigen Bauhäusern Haifas sowie dem National Museum of Science, Planning and Technology, das sowohl Bauhaus- als auch orientalische Elemente enthält – eine interessante Mischung!


Als nächstes ging es in die deutsche Kolonie, den Ursprung der Stadt Haifa. Die Kolonie wurde 1869 als eine von sieben Kolonien im Heiligen Land von Templern aus Süddeutschland gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Templer vertrieben, Bibelsprüche über Hauseingängen in deutscher Sprache erinnern an sie. Das Viertel gehört zu den teuersten Haifas; es ist dementsprechend touristisch. Die Cafés und Restaurants, die die Straße säumen, schaffen eine schöne Atmosphäre. Während der Führung erfuhren wir einige interessante, teils verblüffende Dinge; ich will nur mal ein Beispiel geben:  Im Zuge des 1952 zwischen Deutschland und Israel geschlossenen Wiedergutmachunsabkommens erhielt Israel Geld und Waren als Entschädigung für den Holocaust. Von israelischer Seite entschädigt wurden allerdings die während des Zweiten Weltkriegs nach Australien vertriebenen Templer. Diese wechselseitige Entschädigung ist insofern paradox, als dass die Templergemeinschaft in Haifa die deutsche Auslandsgemeinde mit den meisten NSDAP-Mitgliedern war. Dementsprechend wurden durch das Wiedergutmachungsabkommen tatsächlich Nazis entschädigt!


Einladend: die Deutsche Kolonie

Mit dem Bus ging es weiter zu einer Kirche in Bat Galim, einem am Fuße des Karmel gelegenen Stadtteil Haifas. Die Kirche liegt in Top-Lage direkt am Strand. Anstatt in die Kirche zu gehen, in der unserer nächster Programmpunkt stattfinden sollte, zog es uns Volontäre erst einmal ans Meer, in dem einige Kite-Surfer unterwegs waren. In der Kirche haben wir mit einer arabischen Christin über Diskriminierungen und Anfeindungen im Alltag gesprochen. Auch wenn Haifa an sich ein Beispiel für (verhältnismäßig) friedliches Zusammenleben von christlichen Arabern, muslimischen Arabern und Juden ist, bleiben die Gruppen am liebsten unter sich und zeigen wenig Verständnis für die jeweils anderen Gruppen.




Keine schlechte Lage: die Kirche von Bat Galim 

Ziemlich geplättet vom Herumlaufen und all den Informationen, die uns Haifa aus verschiedensten Perspektiven gezeigt haben, sind wir zurück in den Kibbuz gefahren, wo uns – ich muss es nochmal sagen – ein wirklich gigantisches Abendessen erwartet hat. Den Abend haben wir ganz gemütlich in den Hängematten, die sich auf dem Gelände befinden, verbracht. 

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