| Hauseingang in der Deutschen Kolonie |
Am zweiten Seminartag hatten wir zuerst einen Vortrag zu den
Themen Gesellschaftsentwicklung, gesellschaftliche Gruppen und Wirtschaft in
Israel, wo wir sowohl Neues gelernt, als auch schon Bekanntes aufgefrischt
haben.
| Der Talmud |
Etwas für uns alle Neues war der Besuch in der
Gymnasialyeshiva von Zichron Yaacov. Eine Yeshiva ist eine jüdische Schule,
deren Schwerpunkt auf Talmud- und Thorastudium liegt. Die Schüler befassen sich
von 8-12 Uhr morgens mit religiösen Texten und haben von 13-17 Uhr ‚normalen‘
Unterricht – Politik ist hier allerdings kein Schulfach!
Ein Lehrer und Rabbi der Schule erklärte uns zuerst das
System der Schule und hielt einen kleinen Vortrag zum Thema „Judentum heute“.
Das Gespräch nahm allerdings eine interessante Wendung, als er plötzlich wissen
wollte, was uns Deutsche denn nach Israel verschlagen habe. Seine Eltern
stammten aus Polen, waren zur Zeit des Dritten Reichs in die USA geflohen und
später nach Israel emigriert. Er selber, so sagte er uns, habe nichts
persönlich gegen Deutsch – für ihn wäre es allerdings undenkbar, jemals nach
Deutschland zu reisen.
Für mich war dies die erste Situation, in der man auf sein
Deutschsein und die Verantwortung für den
Holocaust angesprochen wurde. Andere
Volontäre hatten schon ganz andere Erfahrungen gemacht: eine wurde
beispielsweise beim Trampen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Auto geworfen,
in dem sie mitfuhr, als der Fahrer erfuhr, dass sie Deutsche und nicht
Amerikanerin war, wie er geglaubt hatte.| Das National Museum of Science, Planning and Technology |
Nach einer leckeren Falafel in Haifa bekamen wir von unserem Seminarleiter spontan eine kurze Führung zu einigen Bauhäusern Haifas sowie dem National Museum of Science, Planning and Technology, das sowohl Bauhaus- als auch orientalische Elemente enthält – eine interessante Mischung!
| Einladend: die Deutsche Kolonie |
Mit dem Bus ging es weiter zu einer Kirche in Bat Galim, einem am Fuße des Karmel gelegenen Stadtteil Haifas. Die Kirche liegt in Top-Lage direkt am Strand. Anstatt in die Kirche zu gehen, in der unserer nächster Programmpunkt stattfinden sollte, zog es uns Volontäre erst einmal ans Meer, in dem einige Kite-Surfer unterwegs waren. In der Kirche haben wir mit einer arabischen Christin über Diskriminierungen und Anfeindungen im Alltag gesprochen. Auch wenn Haifa an sich ein Beispiel für (verhältnismäßig) friedliches Zusammenleben von christlichen Arabern, muslimischen Arabern und Juden ist, bleiben die Gruppen am liebsten unter sich und zeigen wenig Verständnis für die jeweils anderen Gruppen.
| Keine schlechte Lage: die Kirche von Bat Galim |
Ziemlich geplättet vom Herumlaufen und all den Informationen,
die uns Haifa aus verschiedensten Perspektiven gezeigt haben, sind wir zurück
in den Kibbuz gefahren, wo uns – ich muss es nochmal sagen – ein wirklich
gigantisches Abendessen erwartet hat. Den Abend haben wir ganz gemütlich in den
Hängematten, die sich auf dem Gelände befinden, verbracht.
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