Make Hummus Not Walls

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Dienstag, 1. April 2014

Auf dem Weg nach Jordanien oder: Verwirrung am Checkpoint

Dieses Bild hat Judith während der Fahrt aufgenommen - irgendwo zwischen Nazareth und Amman

Shalom chaverim,

vorletzte Woche Donnerstag haben wir erfahren, dass wir für die darauf folgende Woche frei bekommen würden, um nach Jordanien zu fahren. Es war eine sehr spannende und abwechslungsreiche Reise, die definitiv zu den bisherigen Highlights gehört.
Judith und ich mussten alles sehr kurzfristig planen, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, besser vorbereitet zu sein als so mancher Backpacker, den wir unterwegs getroffen haben und der sicherlich mehr Zeit zur Planung hatte.
Die Möglichkeiten, von Israel nach Jordanien zu kommen sind äußerst überschaubar: es gibt zwei Checkpoints, einen im Norden zwischen Nazareth und Amman und einen im Süden zwischen Aqaba und Eilat.
Da wir unsere Reise von Norden nach Süden aufziehen und in Amman beginnen wollten, nahmen wir am Sonntagmorgen den Nazarene Express von Nazareth nach Amman. Dieser Bus ist – solange man kein eigenes Auto hat – die einzige Möglichkeit, den Checkpoint zu passieren. Er fährt allerdings nur viermal in der Woche und auch noch sehr früh, sodass wir die Nacht davor bei Freunden in Tivon verbrachten.

Problematisch war schon die Beschaffung von Reise-Proviant: als wir am Vorabend in Tivon ankamen, waren fast alle Läden geschlossen, schließlich war Shabbat. Wir gingen also davon aus, am nächsten Morgen in Nazareth noch etwas kaufen zu können, schließlich leben in Nazareth sehr viele Muslime, sodass Läden nur Freitags geschlossen haben. Aber Pustekuchen: der Bus fuhr prompt in einem christlichen Viertel der Stadt ab, sodass hier am Sonntagmorgen fast alles dicht hatte…

Judith und ich hatten erwartet, dass der Bus voller Touristen sein würde, die ihren Israel-Aufenthalt mit einem kurzen Jordanien-Besuch verbinden würden. Aber auch hier hatten wir uns getäuscht: außer uns waren noch genau zwei andere Touristen im Bus, die viel älter und anscheinend auch Jordanien-erprobter waren.
Am Checkpoint wurden etliche Male unsere Pässe kontrolliert und abgestempelt. Wir wurden ein bisschen ausgefragt und dachten schon, damit sei es getan.
Nach ein paar Minuten hielt der Bus allerdings wieder an und alle Gäste – außer uns – liefen wie selbstverständlich auf das Office zu. Wir dackelten also hinterher und ließen uns erklären, dass man zusätzlich zur Ausreisegebühr von immerhin 107 NIS auch noch ein Visum kaufen musste. Allerdings in jordanischer Währung, die wir noch nicht hatten.
Die zwei anderen Touristen waren leider unauffindbar, aber dafür entdeckten wir einen Schalter, an dem man Schekel zu Dinar wechseln konnte. Judith allerdings hatte nicht mehr genug Bargeld, um das Visum bezahlten zu können und machte sich auf die Suche nach einem Bankautomaten.

Da von unseren Mitreisenden fast niemand mehr zu sehen war, begann ich, mir etwas Sorgen zu machen, dass der Bus ohne uns abfahren würde. Der Bus war noch da – allerdings ohne Fahrgäste und ohne Gepäck; ausgenommen Judiths und mein Wanderrucksack. Glücklicherweise war der Fahrer nicht weit, der mir allerdings auch nicht wirklich helfen konnte, da er außer dem Wort „Stamp,“ Stempel, kein Wort Englisch sprach. Er warf einen Blick in meinen Pass, zeigte dann auf das Office und rief immer wieder „Stamp! Yalla! Yalla! Stamp! Yalla!“ (Zur Erklärung: Yalla ist Arabisch und bedeutet so viel wie „Auf geht’s!,“ „ Los, los!“)

Ich schnappte mir also unsere beiden echt schweren Wanderrucksäcke, lief an Judith vorbei, die mir verzweifelt mitteilte, dass sie keinen Geldautomaten fand, sie somit das Visum nicht bezahlen und nicht nach Jordanien einreisen konnte und betrat das Checkpoint-Häuschen, an dem ein fettes Schild „Do not enter with luggage!“ hing.
Judith suchte, wenn auch ohne Hoffnung, weiter und ich stellte mich in die Schlange, in der ich noch nicht war, in der Hoffnung, dort den besagten Stempel zu bekommen. Unser Gepäck hatte ich leider irgendwo unbewacht abstellen müssen. Als ich gerade drankam um den Stempel zu bekommen, kam Judith zu mir gelaufen und meinte, sie habe nachgefragt und es gäbe tatsächlich keinen Geldautomaten. Wir beide standen also vorne in der Schlange, völlig durchgeschwitzt und fertig mit den Nerven, als der Stempel-Mann mich fragte, wie ich denn hieße, um meine Identität zu überprüfen. Aufgeregt wie wir waren, muss er mich als sehr verdächtig wahrgenommen haben…

Glücklicherweise fanden wir eine der beiden Touristinnen, die Judith das Geld fürs Visum netterweise schenkte. Judith stellte sich also in die Visum-Schlange und schickte mich schon mal raus, um den Bus irgendwie aufzuhalten. Ich nahm also meinen Rucksack, ging raus – aber der Bus war weg.
Judith und ich, alleine irgendwo zwischen Israel und Jordanien – immerhin mit Visum für beide Länder – um uns herum nur Araber und über uns die brennende Wüstensonne.
Ich lief also in irgendeine Richtung los, was Besseres, als den Bus zu suchen, konnte ich schließlich nicht machen. Irgendwann wurde ich auf Arabisch von der Seite angeschrien, ein Mann deutete mir, in einen Raum zu gehen, in dem mein Gepäck und ich durchleuchtet wurden. Hinter der Kontrolle war ein großer Parkplatz – auf dem unser Bus stand!
Und dann machte plötzlich alles Sinn: man sollte sich im Checkpoint Stempel und Visum holen, dann sein Gepäck nehmen, den Checkpoint zu Fuß passieren und hinterher wieder in seinen Bus steigen, dessen israelisches Kennzeichen gerade übrigens durch ein jordanisches ausgetauscht wurde.

Hätte uns das mal jemand gesagt!

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