| Blick auf den Herkules-Tempel und die Altstadt von Amman |
Shalom chaverim,
Amman, die Hauptstadt Jordaniens und mit 2 Millionen
Einwohnern auch die größte, war die erste Station auf unserer Reise. Es ist
übrigens auch eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Auch
wenn es in Amman unzählige Souqs, Kaffeeläden und Moscheen gibt und es laut und
trubelig zugeht, ist die Stadt doch ganz anders als andere Städte in der
West-Bank. Irgendwie orientalischer; sie
hat mich an meinen Tunesien-Urlaub vor ein paar Jahren erinnert.
Von der Zitadelle aus hat man einen tollen Blick auf die
Stadt, erkennt ihre Viertel und die gleichfarbigen Häusergruppen: mal weißlich,
mal braun, dann wieder beige oder grau. Der Zitadellenhügel mit dem
Herkules-Tempel ist die Hauptsehenswürdigkeit Ammans, an der man auf die wenigen
Touristen trifft, die in der Stadt unterwegs sind. Theoretisch gibt es einen
Eingangsbereich, an dem man sein Ticket kauft, was allerdings nur Touristen
tun. Die Einheimischen klettern einfach den Hügel, auf dem die Zitadelle liegt,
an der Seite hoch und picknicken oben.
| Blick auf die Altstadt; Mitte links erkennt man das römische Theater |
| Eine große Halle, die zur Zitadelle gehört |
| Ausstellungsstücke im Archäologischen Museum: Tränen- fläschchen aus Amman und Jerash |
Zu dem Komplex auf dem Hügel gehört ein ziemlich
unprofessionell geführtes und dadurch charmantes archäologisches Museum. Hier
werden Objekte aus prähistorischen Zeiten bis zum 15. Jhd. ausgestellt, die bei
Ausgrabungen im ganzen Land gefunden wurden. Nördlich der Zitadelle sieht man
die Fundamente eines Omaijaden-Palast, von dem allerdings nicht mehr viel zu
erkennen ist.
Der Verkehr in Amman ist ziemlich chaotisch; es gibt wenige
Zebrastreifen und wenn, dann sind sie kaum mehr erkennbar und werden überfahren.
In gefühlt jedem zweiten Laden in der Stadt kann man frisch aufgebrühten Kaffee
kaufen, dessen Duft die Straßen erfüllt. Eine andere Attraktion, die man schon
von der Zitadelle aus überblicken kann, ist ein gut erhaltenes römisches
Theater, eines der größten im Nahen Osten.
Ist man die Tribüne einmal hochgeklettert, kann man sich
oben hinlegen und Leute beobachten: vor dem Theater befindet sich ein riesiger
modernen Platz, auf dem die Einwohner Ammans Abends sitzen, Kaffee trinken,
rauchen und schwadronieren (im Prinzip sieht man sie den ganzen Tag irgendwo
sitzen, Kaffee trinken, rauchen und schwadronieren…).
Auf diesem Platz gibt es einen riesigen Bildschirm, auf dem
die Stadt zusammen Nachrichten schaut und sich mit Musik berieseln lässt. Kinder
spielen Fußball, Autos hupen wie bescheuert und von irgendwoher – meistens
gleich aus mehreren Richtungen – ruft der Muezzin.
| Das römische Theater |
Es fällt direkt auf, dass Amman zwar eine sehr volle Stadt
ist, man auf der Straße aber kaum Frauen sieht, und wenn, dann sind sie
komplett verhüllt. Judith und ich waren definitiv angemessen gekleidet, aber
trotzdem haben wir uns häufig unwohl gefühlt und fanden es ziemlich
anstrengend. Ständig musste man sich blöde Sprüche anhören, (die wir –
wahrscheinlich besser so – nicht verstehen konnten, weil sie auf Arabisch
waren,) aber manchmal wollten Leute auch einfach Fotos mit uns machen. In
Jordanien waren deutlich weniger Touristen, als wir erwartet hatten und dass,
obwohl momentan eigentlich der beste Zeitpunkt zum Reise ist – in ein paar
Wochen wird es hier unerträglich heiß sein.
Zum römischen Theater gehört ein Folklore-Museum, in dem in
dem Beduinenschmuck und typische jordanische Trachten ausgestellt werden:
Für den Abend hatten wir uns die sogenannte Rainbow-Street vorgenommen,
die Hauptstraße des neuen Stadtzentrums mit modernen Restaurants und Cafés,
sogar Subway gibt es hier. Es war aber allerdings alles andere als leicht,
diese zu finden: wenn wir Einwohner nach dem Namen fragten (in der Regel
sprachen sie kein Englisch, aber um in die Richtung zu zeigen, in der eine
Straße liegt, braucht man ja auch nur den Straßennamen zu verstehen,) hatten
sie alle keine Ahnung. In unserem Reiseführer war sie als Rainbow-Street
bezeichnet, allerdings benutzten wir den richtigen Namen, da es sonst etwas
albern geklungen hätte.
Mit Hilfe unseres Reiseführers, der übrigens von 2006 ist
und nur wenige Seiten über Jordanien, dafür aber umso mehr über Israel hat –
schließlich war die Reise äußerste spontan organisiert - fanden wir nach langem
Suchen die Straße. Und auf dem Straßenschild stand tatsächlich Rainbow-Street
und nicht der arabische Name…
| Abends auf dem Souq: Sogar in Amman scheint es Dortmund-Fans zu geben.... |
Am nächsten Morgen besichtigten wir die größte Moschee
Jordaniens, die etwas außerhalb vom Stadtzentrum gelegene King Abdullah-Moschee.
Städte in Jordanien sind teilweise noch aufgebaut wie europäische Städte im
Mittelalter, also sortiert nach Läden. Am Abend zuvor war uns zum Beispiel eine
Straße aufgefallen, auf der es mindestens zwanzig Kleintier-Läden gab: draußen
hingen Käfige mit singenden Kanarienvögeln, im Schaufenster waren Welpen in
viel zu kleine Käfige eingepfercht.
Unser Weg zur Moschee führt über eine endlos lange Straße
mit anscheinend auf medizinische und naturwissenschaftliche Geräte
spezialisierten Läden: vom Reagenzglas bis zum Erste-Hilfe-Kasten oder
Krankenhausbett gab es hier alles.
Um die Moschee betreten zu dürfen bekamen Touristen schwarze
Umhänge mit Kapuzen, die etwas an Kutten erinnern. Zu dem Komplex gehören
Konferenzräume, ein Islamisches Museum, eine Bibliothek und ein Bazar. Die
Moschee selbst ist riesig groß, mit einer 37 m hohen Kuppel, auf der mit goldenen
Schriftzeichen 99-mal der Name Allahs geschrieben steht.
Am Nachmittag schauten wir uns die Jordan National Gallery
of Fine Arts an, die zeitgenössische Kunst aus Jordanien, den arabischen
Ländern und der Dritten Welt zeigt. Zu dem Museum gehört ein kleiner
Kunst-Park, der wie eine Oase in der sonst so trubeligen Stadt ist.
| Blick auf den Park und die modernen Gebäude der Stadt |
| Eines der ausgehangenen Gemälde |
Zum Abendessen hatten uns Einheimische das Restaurant
Al-Quds (das ist übrigens das arabische Wort für Jerusalem) empfohlen, in dem
es typisch jordanisches Essen gibt. Wir teilten uns – die Portionen sind hier
nämlich riesig – das jordanische Nationalgericht, Mansaf. Es besteht aus sehr weich
gekochtem Lammfleisch, Reis und gekochtem Joghurt, der in Jordanien zu fast
allem gegessen wird. Er schmeckt sehr nach Ziegenkäse, passt aber irgendwie gut
dazu. Zum Essen bekam man jede Menge Pitta serviert, die es übrigens schon
morgens zusammen mit Käse und Eiern als Frühstück im Hostel gab. Das Pitta hat
hier die Funktion von Besteck: man bricht sich ein Stück ab, schaufelt sich
Essen drauf und isst es dann zusammen. Apropos Besteck: in Jordanien ist es
üblich, dass man lediglich einen Löffel bekommt. Zuerst waren wir verwundert,
wie das klappen soll, aber es ging erstaunlich gut. Im Nachhinein habe ich
gehört, dass es als unrein gilt, mit der linken Hand zu essen – gut, dass
Judith und ich sowieso Rechtshänderinnen sind!
Mit einem Spaziergang über den Souq, vorbei am römischen
Nymphäum, früher der Hauptbrunnen der Stadt, endete auch schon unser Aufenthalt
in Amman!
| Briefkasten in Amman |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen