Make Hummus Not Walls

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Donnerstag, 3. April 2014

Warum man in Jordanien nur mit der rechten Hand isst oder: Zwei Tage in Amman

Blick auf den Herkules-Tempel und die Altstadt von Amman

Shalom chaverim,

Amman, die Hauptstadt Jordaniens und mit 2 Millionen Einwohnern auch die größte, war die erste Station auf unserer Reise. Es ist übrigens auch eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Auch wenn es in Amman unzählige Souqs, Kaffeeläden und Moscheen gibt und es laut und trubelig zugeht, ist die Stadt doch ganz anders als andere Städte in der West-Bank. Irgendwie orientalischer;  sie hat mich an meinen Tunesien-Urlaub vor ein paar Jahren erinnert.
Von der Zitadelle aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt, erkennt ihre Viertel und die gleichfarbigen Häusergruppen: mal weißlich, mal braun, dann wieder beige oder grau. Der Zitadellenhügel mit dem Herkules-Tempel ist die Hauptsehenswürdigkeit Ammans, an der man auf die wenigen Touristen trifft, die in der Stadt unterwegs sind. Theoretisch gibt es einen Eingangsbereich, an dem man sein Ticket kauft, was allerdings nur Touristen tun. Die Einheimischen klettern einfach den Hügel, auf dem die Zitadelle liegt, an der Seite hoch und picknicken oben.


Blick auf die Altstadt; Mitte links erkennt man das römische Theater
Eine große Halle, die zur Zitadelle gehört

Ausstellungsstücke im Archäologischen Museum: Tränen-
fläschchen aus Amman und Jerash

Zu dem Komplex auf dem Hügel gehört ein ziemlich unprofessionell geführtes und dadurch charmantes archäologisches Museum. Hier werden Objekte aus prähistorischen Zeiten bis zum 15. Jhd. ausgestellt, die bei Ausgrabungen im ganzen Land gefunden wurden. Nördlich der Zitadelle sieht man die Fundamente eines Omaijaden-Palast, von dem allerdings nicht mehr viel zu erkennen ist.

Der Verkehr in Amman ist ziemlich chaotisch; es gibt wenige Zebrastreifen und wenn, dann sind sie kaum mehr erkennbar und werden überfahren. In gefühlt jedem zweiten Laden in der Stadt kann man frisch aufgebrühten Kaffee kaufen, dessen Duft die Straßen erfüllt. Eine andere Attraktion, die man schon von der Zitadelle aus überblicken kann, ist ein gut erhaltenes römisches Theater, eines der größten im Nahen Osten.
Ist man die Tribüne einmal hochgeklettert, kann man sich oben hinlegen und Leute beobachten: vor dem Theater befindet sich ein riesiger modernen Platz, auf dem die Einwohner Ammans Abends sitzen, Kaffee trinken, rauchen und schwadronieren (im Prinzip sieht man sie den ganzen Tag irgendwo sitzen, Kaffee trinken, rauchen und schwadronieren…).
Auf diesem Platz gibt es einen riesigen Bildschirm, auf dem die Stadt zusammen Nachrichten schaut und sich mit Musik berieseln lässt. Kinder spielen Fußball, Autos hupen wie bescheuert und von irgendwoher – meistens gleich aus mehreren Richtungen – ruft der Muezzin.

Das römische Theater
Es fällt direkt auf, dass Amman zwar eine sehr volle Stadt ist, man auf der Straße aber kaum Frauen sieht, und wenn, dann sind sie komplett verhüllt. Judith und ich waren definitiv angemessen gekleidet, aber trotzdem haben wir uns häufig unwohl gefühlt und fanden es ziemlich anstrengend. Ständig musste man sich blöde Sprüche anhören, (die wir – wahrscheinlich besser so – nicht verstehen konnten, weil sie auf Arabisch waren,) aber manchmal wollten Leute auch einfach Fotos mit uns machen. In Jordanien waren deutlich weniger Touristen, als wir erwartet hatten und dass, obwohl momentan eigentlich der beste Zeitpunkt zum Reise ist – in ein paar Wochen wird es hier unerträglich heiß sein.
Zum römischen Theater gehört ein Folklore-Museum, in dem in dem Beduinenschmuck und typische jordanische Trachten ausgestellt werden:



Für den Abend hatten wir uns die sogenannte Rainbow-Street vorgenommen, die Hauptstraße des neuen Stadtzentrums mit modernen Restaurants und Cafés, sogar Subway gibt es hier. Es war aber allerdings alles andere als leicht, diese zu finden: wenn wir Einwohner nach dem Namen fragten (in der Regel sprachen sie kein Englisch, aber um in die Richtung zu zeigen, in der eine Straße liegt, braucht man ja auch nur den Straßennamen zu verstehen,) hatten sie alle keine Ahnung. In unserem Reiseführer war sie als Rainbow-Street bezeichnet, allerdings benutzten wir den richtigen Namen, da es sonst etwas albern geklungen hätte.
Mit Hilfe unseres Reiseführers, der übrigens von 2006 ist und nur wenige Seiten über Jordanien, dafür aber umso mehr über Israel hat – schließlich war die Reise äußerste spontan organisiert - fanden wir nach langem Suchen die Straße. Und auf dem Straßenschild stand tatsächlich Rainbow-Street und nicht der arabische Name…



Abends auf dem Souq: Sogar in Amman scheint es
Dortmund-Fans zu geben....

Am nächsten Morgen besichtigten wir die größte Moschee Jordaniens, die etwas außerhalb vom Stadtzentrum gelegene King Abdullah-Moschee. Städte in Jordanien sind teilweise noch aufgebaut wie europäische Städte im Mittelalter, also sortiert nach Läden. Am Abend zuvor war uns zum Beispiel eine Straße aufgefallen, auf der es mindestens zwanzig Kleintier-Läden gab: draußen hingen Käfige mit singenden Kanarienvögeln, im Schaufenster waren Welpen in viel zu kleine Käfige eingepfercht.
Unser Weg zur Moschee führt über eine endlos lange Straße mit anscheinend auf medizinische und naturwissenschaftliche Geräte spezialisierten Läden: vom Reagenzglas bis zum Erste-Hilfe-Kasten oder Krankenhausbett gab es hier alles.
Um die Moschee betreten zu dürfen bekamen Touristen schwarze Umhänge mit Kapuzen, die etwas an Kutten erinnern. Zu dem Komplex gehören Konferenzräume, ein Islamisches Museum, eine Bibliothek und ein Bazar. Die Moschee selbst ist riesig groß, mit einer  37 m hohen Kuppel, auf der mit goldenen Schriftzeichen 99-mal der Name Allahs geschrieben steht.

Am Nachmittag schauten wir uns die Jordan National Gallery of Fine Arts an, die zeitgenössische Kunst aus Jordanien, den arabischen Ländern und der Dritten Welt zeigt. Zu dem Museum gehört ein kleiner Kunst-Park, der wie eine Oase in der sonst so trubeligen Stadt ist.

Blick auf den Park und die modernen Gebäude der Stadt 
Eines der ausgehangenen Gemälde

Zum Abendessen hatten uns Einheimische das Restaurant Al-Quds (das ist übrigens das arabische Wort für Jerusalem) empfohlen, in dem es typisch jordanisches Essen gibt. Wir teilten uns – die Portionen sind hier nämlich riesig – das jordanische Nationalgericht, Mansaf. Es besteht aus sehr weich gekochtem Lammfleisch, Reis und gekochtem Joghurt, der in Jordanien zu fast allem gegessen wird. Er schmeckt sehr nach Ziegenkäse, passt aber irgendwie gut dazu. Zum Essen bekam man jede Menge Pitta serviert, die es übrigens schon morgens zusammen mit Käse und Eiern als Frühstück im Hostel gab. Das Pitta hat hier die Funktion von Besteck: man bricht sich ein Stück ab, schaufelt sich Essen drauf und isst es dann zusammen. Apropos Besteck: in Jordanien ist es üblich, dass man lediglich einen Löffel bekommt. Zuerst waren wir verwundert, wie das klappen soll, aber es ging erstaunlich gut. Im Nachhinein habe ich gehört, dass es als unrein gilt, mit der linken Hand zu essen – gut, dass Judith und ich sowieso Rechtshänderinnen sind!

Mit einem Spaziergang über den Souq, vorbei am römischen Nymphäum, früher der Hauptbrunnen der Stadt, endete auch schon unser Aufenthalt in Amman!


Briefkasten in Amman






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