Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 6. April 2014

Auf Sand fährt es sich anders als auf Schnee oder: Mit dem Jeep durchs Wadi Rum

Auf einem Kamel ging es durchs Wadi Rum

Shalom chaverim,

Um die größte und schönste Wüste Jordaniens zu erkunden, gibt es viele Möglichkeiten: man kann sie mit dem Jeep durchfahren, auf einem Kamel durchreiten oder zu Fuß durchwandern – oder alles auf einmal. Vor unvorstellbaren 30 Millionen Jahren entstand die Landschaft, als geologische Hebungen die Gesteinsmasse aufbrachen und Erdbeben, Regenwasser und Sandstürme Erosionsprozesse in Gang setzten.

Für mich und Judith ging es von Petra in einem überfüllten Kleinbus für Touristen ins Wadi Rum. In dem Dorf Rum leben fast nur Beduinen in einfachen Hütten, die von dort aus Touren durchs Wadi anbieten. Vor der Tour wurden wir – wir waren schließlich unter Beduinen – mit reichlich süßen Tee versorgt und besprachen den Tag.

Blick auf die Wüste von der Laurence Quelle aus
Die erste Etappe der fast 9-stündigen Route legten wir auf Kamelen zurück, ab dann waren wir allerdings mit einem Jeep unterwegs. Theoretisch hatten Judith und ich einen Tourguide für den Tag, der Guide erwieß sich allerdings als Driver, da er kaum Englisch beherrschte und uns eigentlich nichts erklären konnte. Der Beduine war dafür sehr nett und hatte anscheinend auch Vertrauen in uns, da er uns vorschlug, doch selber einmal mit dem Jeep zu fahren. Zuerst dachten wir, er mache Witze, aber es war sein voller Ernst: Nach 7-monatiger Fahrpause plötzlich wieder zu fahren, ist das eine. Mit diesem Jeep, der ziemlich zusammen gebastelt wirkte und sicherlich nicht TÜV-geprüft war (falls es überhaupt sowas wie TÜV in Jordanien gibt), ist das andere. Und dann durch den Wüstensand zu fahren ist nochmal etwas ganz anderes….
Aber wir hatten Spaß! Der Beduine versicherte uns, durch den Sand zu fahren sei eigentlich genauso, wie im Schnee zu fahren. (Ich erinnere daran, dass er Beduine ist, in seinem Leben also sicherlich noch nie Schnee gesehen hat.) Es war auch - wie zu erwarten – ganz anders als im Schnee zu fahren: es ist extrem wichtig, den Spuren der anderen Jeeps im Sand zu folgen, weil es sonst sehr hubbelig wird und man – bzw. ich – den Wagen sonst schnell gegen einen Sandhügel setzt.
Judith und ich fuhren an sich eher langsam, was nach einer so langen Fahrpause und bei einem solchen Untergrund wohl auch vernünftig ist. Der nette Beduine hatte allerdings Vertrauen in uns und forderte uns häufig auf, doch hochzuschalten: „Number 3, number 3,“ rief er zum Beispiel, wenn er wollte, dass wir in den dritten Gang gingen. Wenn ich in Deutschland wieder Auto fahre, werde ich daran sicherlich denken müssen….



Hinter diesen Felsen liegt Saudi-Arabien; die Pflanze
haben wir spontan Spaghetti-Pflanze genannt;
unser Mittagessen


Im Khazali Canyon
Während der Tour hielten wir an vielen verschiedenen Orten an, kletterten zur Laurence Quelle hoch, liefen durch den Khazali Canyon, bestaunten nabatäische Inschriften, kochten Gemüse auf einer Feuerstelle, hüpften eine Sanddüne hinunter, machten Unmengen an Fotos und warfen sogar einen Blick auf Saudi-Arabien, wo die Beduinen gerne zum Tanken hinfahren.

Es gibt neben den oben genannten noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, aber das eigentlich Sehenswerte ist die Landschaft um einen herum: die Steinwüste, deren orange-rote Klippen vor allem beim Sonnenuntergang wunderschön leuchten. Ab und zu sieht man Schafsherden, die das wenige Gras abfressen und den Schatten der Klippen suchen. An sich ist es sehr still, nur manchmal hört man das Geräusch von anderen Jeeps, die eine ähnliche Tour machen – oder eben das Blöken der Schafe.

In dem Beduinencamp, in dem wir übernachtet haben, waren wir zufälliger Weise die einzigen Touristen, da es an diesem Tag nur eine Tour gegeben hatte. Aber auch so hatte man schon das Gefühl, mitten im Nirgendwo zu sein: um uns herum nichts als die Weiße Wüste, wie dieser Teil des Wadis genannt wurde. 




Der sogenannte Mushroom-Rock; ich im Jeep;
nabatäische Inschriften

Das Camp bestand aus einem großen Zelt, in dem gegessen wurde und mehreren kleinen, spärlich beleuchteten, in denen man übernachtete. In den Duschen gab es nur eiskaltes Wasser, dafür aber gab es Western-Style-Toilets, auf die der Betreiber sehr stolz war: nicht nur in der Wüste, sondern sowieso in ganz Jordanien gibt es nämlich ansonsten fast nur Hock-Klos.

Eine von vielen Sanddünen

Die Beduinen in dem Camp waren sehr gesprächig und erzählten uns, wie schön es sei, unter freiem Sternenhimmel zu schlafen. Wir waren natürlich begeistert von der Idee und wurden mit einem Jeep vom Camp weggefahren, um an einem durch Felsen windgeschützten Ort zu schlafen. In dem Jeep hatten wir einen Teppich mitgenommen, auf den wir viel zu kurze Matratzen und Unmengen an Decken legten. Glücklicherweise hatten wir eine Taschenlampe mitgenommen, denn ansonsten wäre es sehr dunkel geworden. Woher sollte auch Licht kommen, das nächste Dorf war kilometerweit entfernt, die anderen Beduinencamps waren nicht gerade in der Nähe und selber unser Camp war ein ganzes Stück entfernt.
Der Sternenhimmel war – wie schon in Petra – wunderschön: es gab keinen Mond, sodass die Sterne viel heller leuchteten und man Sternschnuppen und Satelliten sah.


Der Beduine hatte uns erklärt, den Jeep-Spuren im Sand zu folgen, um zurück zum Camp zu finden. Meiner Meinung nach klang das sehr abenteuerlich, es klappte allerdings gut. Nach einem leckeren Frühstück in Camp und einer spektakulären Fahrt mit dem Jeep zurück zum Dorf Rum fuhren wir mit dem Taxi weiter zur letzten Station unserer Reise: Aqaba.

Muss man einmal gesehen haben: Sonnenuntergang im Wadi Rum

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