| Auf einem Kamel ging es durchs Wadi Rum |
Shalom
chaverim,
Um die größte und schönste Wüste Jordaniens zu erkunden,
gibt es viele Möglichkeiten: man kann sie mit dem Jeep durchfahren, auf einem
Kamel durchreiten oder zu Fuß durchwandern – oder alles auf einmal. Vor
unvorstellbaren 30 Millionen Jahren entstand die Landschaft, als geologische
Hebungen die Gesteinsmasse aufbrachen und Erdbeben, Regenwasser und Sandstürme
Erosionsprozesse in Gang setzten.
Für mich und Judith ging es von Petra in einem überfüllten
Kleinbus für Touristen ins Wadi Rum. In dem Dorf Rum leben fast nur Beduinen in
einfachen Hütten, die von dort aus Touren durchs Wadi anbieten. Vor der Tour
wurden wir – wir waren schließlich unter Beduinen – mit reichlich süßen Tee versorgt
und besprachen den Tag.
| Blick auf die Wüste von der Laurence Quelle aus |
Die erste Etappe der fast 9-stündigen Route legten wir auf
Kamelen zurück, ab dann waren wir allerdings mit einem Jeep unterwegs.
Theoretisch hatten Judith und ich einen Tourguide für den Tag, der Guide
erwieß sich allerdings als Driver, da er kaum Englisch beherrschte und
uns eigentlich nichts erklären konnte. Der Beduine war dafür sehr nett und
hatte anscheinend auch Vertrauen in uns, da er uns vorschlug, doch selber
einmal mit dem Jeep zu fahren. Zuerst dachten wir, er mache Witze, aber es war
sein voller Ernst: Nach 7-monatiger Fahrpause plötzlich wieder zu fahren, ist
das eine. Mit diesem Jeep, der ziemlich zusammen gebastelt wirkte und
sicherlich nicht TÜV-geprüft war (falls es überhaupt sowas wie TÜV in Jordanien
gibt), ist das andere. Und dann durch den Wüstensand zu fahren ist nochmal etwas
ganz anderes….
Aber wir hatten Spaß! Der Beduine versicherte uns, durch den
Sand zu fahren sei eigentlich genauso, wie im Schnee zu fahren. (Ich erinnere
daran, dass er Beduine ist, in seinem Leben also sicherlich noch nie Schnee
gesehen hat.) Es war auch - wie zu erwarten – ganz anders als im Schnee zu
fahren: es ist extrem wichtig, den Spuren der anderen Jeeps im Sand zu folgen,
weil es sonst sehr hubbelig wird und man – bzw. ich – den Wagen sonst schnell
gegen einen Sandhügel setzt.
Judith und ich fuhren an sich eher langsam, was nach einer
so langen Fahrpause und bei einem solchen Untergrund wohl auch vernünftig ist.
Der nette Beduine hatte allerdings Vertrauen in uns und forderte uns häufig
auf, doch hochzuschalten: „Number 3, number 3,“ rief er zum Beispiel, wenn er
wollte, dass wir in den dritten Gang gingen. Wenn ich in Deutschland wieder
Auto fahre, werde ich daran sicherlich denken müssen….
| Hinter diesen Felsen liegt Saudi-Arabien; die Pflanze haben wir spontan Spaghetti-Pflanze genannt; unser Mittagessen |
| Im Khazali Canyon |
Während der Tour hielten wir an vielen verschiedenen Orten
an, kletterten zur Laurence Quelle hoch, liefen durch den Khazali Canyon,
bestaunten nabatäische Inschriften, kochten Gemüse auf einer Feuerstelle,
hüpften eine Sanddüne hinunter, machten Unmengen an Fotos und warfen sogar
einen Blick auf Saudi-Arabien, wo die Beduinen gerne zum Tanken hinfahren.
Es gibt neben den oben genannten noch viele weitere
Sehenswürdigkeiten, aber das eigentlich Sehenswerte ist die Landschaft um einen
herum: die Steinwüste, deren orange-rote Klippen vor allem beim Sonnenuntergang
wunderschön leuchten. Ab und zu sieht man Schafsherden, die das wenige Gras
abfressen und den Schatten der Klippen suchen. An sich ist es sehr still, nur manchmal
hört man das Geräusch von anderen Jeeps, die eine ähnliche Tour machen – oder
eben das Blöken der Schafe.
In dem Beduinencamp, in dem wir übernachtet haben, waren wir
zufälliger Weise die einzigen Touristen, da es an diesem Tag nur eine Tour
gegeben hatte. Aber auch so hatte man schon das Gefühl, mitten im Nirgendwo zu
sein: um uns herum nichts als die Weiße Wüste, wie dieser Teil des Wadis genannt wurde.
| Der sogenannte Mushroom-Rock; ich im Jeep; nabatäische Inschriften |
Das Camp bestand aus einem großen Zelt, in dem gegessen
wurde und mehreren kleinen, spärlich beleuchteten, in denen man übernachtete.
In den Duschen gab es nur eiskaltes Wasser, dafür aber gab es
Western-Style-Toilets, auf die der Betreiber sehr stolz war: nicht nur in der
Wüste, sondern sowieso in ganz Jordanien gibt es nämlich ansonsten fast nur
Hock-Klos.
| Eine von vielen Sanddünen |
Die Beduinen in dem Camp waren sehr gesprächig und erzählten
uns, wie schön es sei, unter freiem Sternenhimmel zu schlafen. Wir waren
natürlich begeistert von der Idee und wurden mit einem Jeep vom Camp
weggefahren, um an einem durch Felsen windgeschützten Ort zu schlafen. In dem
Jeep hatten wir einen Teppich mitgenommen, auf den wir viel zu kurze Matratzen
und Unmengen an Decken legten. Glücklicherweise hatten wir eine Taschenlampe
mitgenommen, denn ansonsten wäre es sehr dunkel geworden. Woher sollte auch
Licht kommen, das nächste Dorf war kilometerweit entfernt, die anderen
Beduinencamps waren nicht gerade in der Nähe und selber unser Camp war ein
ganzes Stück entfernt.
Der Sternenhimmel war – wie schon in Petra – wunderschön: es
gab keinen Mond, sodass die Sterne viel heller leuchteten und man Sternschnuppen
und Satelliten sah.
Der Beduine hatte uns erklärt, den Jeep-Spuren im Sand zu
folgen, um zurück zum Camp zu finden. Meiner Meinung nach klang das sehr
abenteuerlich, es klappte allerdings gut. Nach einem leckeren Frühstück in Camp
und einer spektakulären Fahrt mit dem Jeep zurück zum Dorf Rum fuhren wir mit
dem Taxi weiter zur letzten Station unserer Reise: Aqaba.
| Muss man einmal gesehen haben: Sonnenuntergang im Wadi Rum |
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