Shalom chaverim,
die ganze Jordanien-Reise war in vielerlei Hinsicht anders
als gedacht, meistens wurden wir zum Positiven hin überrascht. Auch Aqaba war
ganz anders als erwartet, zuerst waren wir ziemlich enttäuscht, aber vom
Tauchen durchs Korallenriff dafür umso mehr begeistert.
Folgendes war passiert: als wir in Aqaba ankamen, bezogen
wir unser Zimmer, das sich zwar Hotel-Zimmer nannte, aber schäbiger als alle
bisherigen Unterkünfte war. Der Rezeptionist machte uns Kaffee, da wir sehr
früh dran waren und unser Zimmer noch nicht fertig war. An sich konnte er aber
überhaupt kein Englisch und auf die Frage, wo denn die Touristen-Info sei,
zuckte er nur ratlos mit den Schultern.
| Diese Moschee ist nach dem Ur-Ur-Großvater des jetzigen jordanischen Königs benannt, der auf den kurzen Namen Sharif Hussein Bin Ali Bin Mohammed Bin Abd Al Mouin Al Aoun hörte |
Aqaba ist eine Stadt ohne irgendwelche Sehenswürdigkeiten,
dafür mit einer spannenden Lage: es liegt zwischen der zu Ägypten gehörenden
Sinai-Halbinsel und der Arabischen Halbinsel, gegenüber liegt Eilat, das schon
wieder zu Israel gehört. Zwischen den beiden Städten befindet sich das Rote
Meer, in dem Jetskies und Glasbodenboote ihre Runden ziehen. Die Küstenzone
befindet sich an einem wichtigen Punkt zwischen drei Kontinenten (Afrika, Asien
und Europa) und verbindet vier Länder (Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Israel)
miteinander.
Da es extrem warm war und wir keine Lust mehr hatten, uns
anstarren zu lassen, setzten wir uns in eine Café, tranken den süßen Salbeitee
und schauten selber Leute an. Die einzigen Touristen, die wir den Tag über
sahen, waren deutsche Rentner, deren riesiges Kreuzfahrtschiff hier Halt
machte. Von dem Schiff ging Musik aus, die den ganzen Strand erfüllte und zu
dieser etwas komischen Atmosphäre beitrug. Kinder spielten am Strand und im
Wasser – nur ihre Mütter und große Schwestern saßen stumm und verhüllt unter
einem Sonnenschirm und schauten zu.
| Am Strand im Stadtzentrum von Aqaba |
Am Abend trafen wir noch auf Malin, eine andere EKIR-Volontärin,
und Max, ihren Freund, die sich uns spontan zum Tauchen am nächsten Morgen
anschlossen.
Das Tauchen durchs Korallenriff hat die anfängliche
Enttäuschung über Aqaba direkt wieder wett gemacht: zwei Südafrikaner, die den Introductory
Dive anboten, holten uns am Morgen im Hotel ab und fuhren mit uns zum South
Beach, wo wir Malin und Max trafen. Der South Beach ist 12 km vom Stadtzentrum
entfernt – also deutlich näher am nur 3 km entfernten Grenzübergang nach
Saudi-Arabien. Hier übernachten die meisten Touristen, es gibt einen Seepark
und ein paar Cafés.
| Unsere Sauerstoff-Flaschen |
Das Korallenriff war sehr vielseitig und vor allem
vielfarbig: manche Korallen sahen aus wie riesige grüne Salatköpfe, andere wie
Gehirne oder stachelige Pflanzen. Es war unwirklich schön und ein tolles Gefühl,
durch das Riff zu schwimmen und sogar alles anfassen zu können. Objekte, die
man für Pflanzen gehalten hatte, entpuppten sich als Fische, die umher
schwammen. Clownfische und allerlei andere Lebewesen (deren Namen ich nicht
kenne) schwammen an uns vorbei, Malin entdeckte sogar einen Oktopus, der aus
einer Höhle hervorkam. Sie hatte eine Unterwasserkamera dabei und sobald ich
von ihr die Fotos bekomme, werde ich sie veröffentlichen!
Nach dem Tauchgang lagen wir den gesamten Tag faul am
Strand. Auch wenn der außerhalb der Stadt gelegene South Beach der Teil der
Stadt ist, in dem die meisten Touristen übernachten und an den Strand gehen,
haben wir uns auch hier nicht getraut, schwimmen zu gehen, geschweige denn, uns
in Badesachen in die Sonne zu legen.
Am Nachmittag fuhren wir mit einem Taxi zum Checkpoint,
hinter dem es mit einem anderen Taxi nach Eilat ging. Auch wenn Eilat und Aqaba
letztlich nur zwei am Badeorte am Roten Meer sind, die nicht einmal weit
voneinander entfernt liegen, ist es ein Unterschied zwischen Tag und Nacht:
Eilat ist aufgestylt, modern, eine Las-Vegas-Miniatur, an deren Promenade die
Leute rumlaufen wie auf Mallorca oder Miami Beach. Während man sich in Aqaba
verschleiert, versucht man in Eilat, so viel Haut wie möglich zu zeigen.
Überall glitzert es, aus den Pubs entlang der Promenade dröhnt Charts-Musik und
von überall her hört man russische, englische und französische Touristen.
Auch wenn Eilat schon alleine für das Korallenriff einen
Besuch wert ist, fanden wir die Stadt eher unattraktiv: zu viel Bling-Bling und
alles auf Kommerz aufgerichtet. Sowohl Aqaba als Amman eignen sich also wohl
kaum für einen mehrwöchigen Strandurlaub, aber einen kurzen Aufenthalt sind
beide – am besten direkt hintereinander im vollen Kontrast – durchaus wert.
| Unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von Aqaba: Eilat |
In Eilat waren wir bis ein Uhr morgens – und fuhren dann mit
dem letzten Nachtbus zurück über Tel Aviv nach Ra’anana. Als wir um acht Uhr
morgens ankamen, legten wir uns für ein paar Stunden schlafen, arbeiteten aber
schon wieder am Nachmittag. Denn ja, ab und zu arbeiten wir auch noch!
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