Make Hummus Not Walls

Make Hummus Not Walls

Montag, 7. April 2014

Salatköpfe und Clownfische oder: Tauchen in Aqaba am Toten Meer

Einheimische am Strand von Aqaba, im Hintergrund die Berge Israels (rechts) und Ägyptens (links)
Shalom chaverim,

die ganze Jordanien-Reise war in vielerlei Hinsicht anders als gedacht, meistens wurden wir zum Positiven hin überrascht. Auch Aqaba war ganz anders als erwartet, zuerst waren wir ziemlich enttäuscht, aber vom Tauchen durchs Korallenriff dafür umso mehr begeistert.
Folgendes war passiert: als wir in Aqaba ankamen, bezogen wir unser Zimmer, das sich zwar Hotel-Zimmer nannte, aber schäbiger als alle bisherigen Unterkünfte war. Der Rezeptionist machte uns Kaffee, da wir sehr früh dran waren und unser Zimmer noch nicht fertig war. An sich konnte er aber überhaupt kein Englisch und auf die Frage, wo denn die Touristen-Info sei, zuckte er nur ratlos mit den Schultern.

Diese Moschee ist nach dem Ur-Ur-Großvater des
jetzigen jordanischen Königs benannt, der auf
den kurzen Namen Sharif Hussein Bin Ali Bin
Mohammed Bin Abd Al Mouin Al Aoun hörte 
In unserem – wie gesagten alten und undetaillierten Reiseführer – war kein Plan der Stadt eingezeichnet und so liefen wir auf eigene Faust Richtung Meer. Schon nach ein paar Metern viel uns auf, dass wir wirklich die einzigen Touristen weit und breit waren – zumindest die einzigen nicht arabischen. Wir wurden angegafft wie Tiere, ein paar Mal liefen uns Jugendliche hinterher und selbst an der Promenade, an der wir Touristen zu Hauf erwartet hatten, fühlten wir uns trotz langer Kleidung unwohl und liefen schnell weiter. Die Frauen in der Stadt waren allesamt verschleiert und unser Verdacht, absolute Exoten zu sein, bestätigte sich, je länger wir unterwegs waren. An Aqaba waren wir ziemlich unvorbereitet herangegangen, nur mit dem Plan, tauchen zu gehen. Aber auch eine Tauchschule zu finden, war alles andere als einfach…

Aqaba ist eine Stadt ohne irgendwelche Sehenswürdigkeiten, dafür mit einer spannenden Lage: es liegt zwischen der zu Ägypten gehörenden Sinai-Halbinsel und der Arabischen Halbinsel, gegenüber liegt Eilat, das schon wieder zu Israel gehört. Zwischen den beiden Städten befindet sich das Rote Meer, in dem Jetskies und Glasbodenboote ihre Runden ziehen. Die Küstenzone befindet sich an einem wichtigen Punkt zwischen drei Kontinenten (Afrika, Asien und Europa) und verbindet vier Länder (Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Israel) miteinander.

Eine Künstlergruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht,
Aqaba bunter zu machen

Da es extrem warm war und wir keine Lust mehr hatten, uns anstarren zu lassen, setzten wir uns in eine Café, tranken den süßen Salbeitee und schauten selber Leute an. Die einzigen Touristen, die wir den Tag über sahen, waren deutsche Rentner, deren riesiges Kreuzfahrtschiff hier Halt machte. Von dem Schiff ging Musik aus, die den ganzen Strand erfüllte und zu dieser etwas komischen Atmosphäre beitrug. Kinder spielten am Strand und im Wasser – nur ihre Mütter und große Schwestern saßen stumm und verhüllt unter einem Sonnenschirm und schauten zu.

Am Strand im Stadtzentrum von Aqaba
Aqaba an sich ist eine ruhige Stadt mit vielen Marktstraßen, auf denen Obst, Gemüse und allerlei Krimskrams verkauft wird. Mittendrin im Gassengewirr gibt es einige Parks, in denen Familien ihren freien Tag, den Freitag, verbrachten.

Am Abend trafen wir noch auf Malin, eine andere EKIR-Volontärin, und Max, ihren Freund, die sich uns spontan zum Tauchen am nächsten Morgen anschlossen.

Das Tauchen durchs Korallenriff hat die anfängliche Enttäuschung über Aqaba direkt wieder wett gemacht: zwei Südafrikaner, die den Introductory Dive anboten, holten uns am Morgen im Hotel ab und fuhren mit uns zum South Beach, wo wir Malin und Max trafen. Der South Beach ist 12 km vom Stadtzentrum entfernt – also deutlich näher am nur 3 km entfernten Grenzübergang nach Saudi-Arabien. Hier übernachten die meisten Touristen, es gibt einen Seepark und ein paar Cafés.

Unsere Sauerstoff-Flaschen
Zuerst erhielten wir eine Einführung über das Atmen mit der Sauerstoffflasche und das Hoch- und Runterkommen im Wasser mit der Weste. Alles gar nicht so einfach, schließlich war es für Judith, Max und mich eine ganz neue Erfahrungen. Zusätzlich zu der eh schon schweren Sauerstoffflasche, die auf unseren Rücken geschnallt wurde, bekamen wir um die Hüfte ein Band mit Gewichten, um schneller untergehen zu können. Die Flasche und die Gewichte waren dermaßen schwer, dass wir wie Krüppel über den Strand liefen und froh waren, endlich im Wasser zu sein. Das Atmen durch den Schlauch war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der ein Tauchlehrer empfahl uns, uns auf einen Fisch zu konzentrieren, falls wir Panik bekämen. Das Wichtigste: immer weiter atmen!

Das Korallenriff war sehr vielseitig und vor allem vielfarbig: manche Korallen sahen aus wie riesige grüne Salatköpfe, andere wie Gehirne oder stachelige Pflanzen. Es war unwirklich schön und ein tolles Gefühl, durch das Riff zu schwimmen und sogar alles anfassen zu können. Objekte, die man für Pflanzen gehalten hatte, entpuppten sich als Fische, die umher schwammen. Clownfische und allerlei andere Lebewesen (deren Namen ich nicht kenne) schwammen an uns vorbei, Malin entdeckte sogar einen Oktopus, der aus einer Höhle hervorkam. Sie hatte eine Unterwasserkamera dabei und sobald ich von ihr die Fotos bekomme, werde ich sie veröffentlichen!

Nach dem Tauchgang lagen wir den gesamten Tag faul am Strand. Auch wenn der außerhalb der Stadt gelegene South Beach der Teil der Stadt ist, in dem die meisten Touristen übernachten und an den Strand gehen, haben wir uns auch hier nicht getraut, schwimmen zu gehen, geschweige denn, uns in Badesachen in die Sonne zu legen.

Am South Beach von Aqaba

Am Nachmittag fuhren wir mit einem Taxi zum Checkpoint, hinter dem es mit einem anderen Taxi nach Eilat ging. Auch wenn Eilat und Aqaba letztlich nur zwei am Badeorte am Roten Meer sind, die nicht einmal weit voneinander entfernt liegen, ist es ein Unterschied zwischen Tag und Nacht: Eilat ist aufgestylt, modern, eine Las-Vegas-Miniatur, an deren Promenade die Leute rumlaufen wie auf Mallorca oder Miami Beach. Während man sich in Aqaba verschleiert, versucht man in Eilat, so viel Haut wie möglich zu zeigen. Überall glitzert es, aus den Pubs entlang der Promenade dröhnt Charts-Musik und von überall her hört man russische, englische und französische Touristen.
Auch wenn Eilat schon alleine für das Korallenriff einen Besuch wert ist, fanden wir die Stadt eher unattraktiv: zu viel Bling-Bling und alles auf Kommerz aufgerichtet. Sowohl Aqaba als Amman eignen sich also wohl kaum für einen mehrwöchigen Strandurlaub, aber einen kurzen Aufenthalt sind beide – am besten direkt hintereinander im vollen Kontrast – durchaus wert.

Unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von Aqaba: Eilat

In Eilat waren wir bis ein Uhr morgens – und fuhren dann mit dem letzten Nachtbus zurück über Tel Aviv nach Ra’anana. Als wir um acht Uhr morgens ankamen, legten wir uns für ein paar Stunden schlafen, arbeiteten aber schon wieder am Nachmittag. Denn ja, ab und zu arbeiten wir auch noch! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen