Make Hummus Not Walls

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Mittwoch, 12. März 2014

Singen, Sonnen, Synagoge oder: Unser EKIR-Seminar

Blick auf Haifa bei Nacht

Shalom chaverim,

nach Wochen aus dem Off melde ich mich zurück und weiß gar nicht, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll. Zuallererst war da natürlich das Seminar, dieses Mal nicht in dem Luxus-Kibbuz Nachsholim, sondern im Beit Rutenberg in Haifa.

Am Tag vor Seminar-Beginn kamen Thomas von der EKIR (für alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: das ist meine deutsche Entsendeorganisation) sowie Johanna und Kirsten, die beiden ehemaligen Beit Perry-Volontärinnen, zum Projektbesuch. Am Abend gab es für alle EKIR-Freiwilligen ein Abendessen in Tel Aviv. Mit Johanna und Kirsten haben wir festgestellt, dass sich in dem halben Jahr seit ihrer Abreise und unserer Ankunft in Beit Perry einiges geändert hat, gerade was das Personal betrifft. Vieles ist allerdings auch unverändert; die Friends haben überwiegend immer noch die selben Ticks und nervig-liebenswürdigen Eigenschaften.

Wir EKIR-Freiwilligen und -Ehemaligen, natürlich mit Maskottchen
Das Beit Rutenberg liegt auf dem Mount HaCarmel in Haifa und von seiner Dachterrasse aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Wann immer wir zwischen zwei Programm-Punkten frei hatten, legten wir uns oben hin und genossen die Sonne. Zu den Programmpunkten gehörte viel Reflektion mit Fragen, die wir an uns selber stellen sollten. Was stört uns? Was möchte ich verändern? Was hat uns an uns selber überrascht im vergangenen halben Jahr?

Am länderspezifischen Tag war die Aufgabe, in kleinen Gruppen Szenen nachzuspielen, die wir als für Israel typisch erachten. Die am häufigsten gespielte Szene war folgende: Während der Arbeit rastet einer der Behinderten völlig aus oder wird sehr nervös. Der Volontär bittet den Guide, der Schicht hat, um Hilfe, aber der muss noch schnell seine SMS zu Ende schreiben. Typisch israelisch ist nämlich eine extreme Handysucht. Dass fast alle eine in diese Richtung gehende Szene gespielt haben, spricht denke ich für sich.

Am zweiten Seminartag, einem Freitag, haben wir einen Shabbat-Gottesdienst besucht. Im Gegensatz zu der in Tel Aviv, war dies hier eine Gemeinde, die sich nicht nur liberal nannte, sondern auch liberal war. Man saß nicht nach Geschlechtern getrennt, fast die gesamte Zeit wurde gesungen und vor allem war es eine Rabbinerin und kein Rabbi, die den Gottesdienst feierte.
Die Synagoge gehört zu einem Schulkomplex, der direkt am Meer gelegen ist. Die meisten Gäste waren Schüler, die allerdings freiwillige hier waren, schließlich hatte die Schule schon vor Stunden geendet. Ihre Outfits waren meiner Meinung nach zwar für die Synagoge ungeeignet, aber sie sangen begeistert mit. Ansonsten wäre es auch etwas still geworden in der Synagoge: wir Deutschen waren schließlich alles andere als textsicher….

Dieser Baum in Kfar Tivka
wurde von den Behinderten mit
Keramik-Blumen verziert
 Unsere Gruppe wurde auch zum Kiddusch eingeladen. Kiddusch bedeutet übersetzt Heiligung und bezeichnet die Einleitung des Shabbats. Man stößt hierzu mit Wein an und isst Chalah, das weiße süßliche Shabbat-Brot.

Für den nächsten Tag war ein Besuch in Kfar Tikva angesetzt. Im Kfar arbeiten zwei der EKIR-Freiwilligen, aber auch Volontäre der Westphälischen Landeskirche, mit der wir das Seminar zusammen hatten. Kfar Tikva, übersetzt Dorf der Hoffnung, ist ein Behindertenheim, in dem die Behinderten leben und tagsüber in Workshops arbeiten, also z. B. filzen oder Keramiken bemalen.


Das Kfar liegt auf einem Berg und ist von anderen Bergen umgeben, sodass es sich sehr gut zum wandern eignet. Auch wir sind nach einem kurzen Aufenthalt im Kfar losgewandert, runter in ein Tal und einen Berg hinauf. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf die Umgebung inklusive Nazareth, das von hier wirklich nicht weit ist. Auf dem Berg waren wir allerdings nicht alleine, sondern trafen auf lauter Familien mit kleinen Kindern, die hierhin ihren Shabbat-Ausflug unternahmen. Denn auch das ist typisch israelisch! 


Sie trafen wir auf unserer Wanderung 

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