| Blick auf Haifa bei Nacht |
Shalom chaverim,
nach Wochen aus dem Off melde ich mich zurück und weiß gar
nicht, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll. Zuallererst war da natürlich das
Seminar, dieses Mal nicht in dem Luxus-Kibbuz Nachsholim, sondern im Beit
Rutenberg in Haifa.
Am Tag vor Seminar-Beginn kamen Thomas von der EKIR (für
alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: das ist meine deutsche
Entsendeorganisation) sowie Johanna und Kirsten, die beiden ehemaligen Beit
Perry-Volontärinnen, zum Projektbesuch. Am Abend gab es für alle
EKIR-Freiwilligen ein Abendessen in Tel Aviv. Mit Johanna und Kirsten haben wir
festgestellt, dass sich in dem halben Jahr seit ihrer Abreise und unserer
Ankunft in Beit Perry einiges geändert hat, gerade was das Personal betrifft.
Vieles ist allerdings auch unverändert; die Friends haben überwiegend immer
noch die selben Ticks und nervig-liebenswürdigen Eigenschaften.
| Wir EKIR-Freiwilligen und -Ehemaligen, natürlich mit Maskottchen |
Das Beit Rutenberg liegt auf dem Mount HaCarmel in Haifa und
von seiner Dachterrasse aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt, das Meer
und die umliegenden Berge. Wann immer wir zwischen zwei Programm-Punkten frei
hatten, legten wir uns oben hin und genossen die Sonne. Zu den Programmpunkten
gehörte viel Reflektion mit Fragen, die wir an uns selber stellen sollten. Was
stört uns? Was möchte ich verändern? Was hat uns an uns selber überrascht im
vergangenen halben Jahr?
Am länderspezifischen Tag war die Aufgabe, in kleinen
Gruppen Szenen nachzuspielen, die wir als für Israel typisch erachten. Die am
häufigsten gespielte Szene war folgende: Während der Arbeit rastet einer der
Behinderten völlig aus oder wird sehr nervös. Der Volontär bittet den Guide,
der Schicht hat, um Hilfe, aber der muss noch schnell seine SMS zu Ende
schreiben. Typisch israelisch ist nämlich eine extreme Handysucht. Dass fast
alle eine in diese Richtung gehende Szene gespielt haben, spricht denke ich für
sich.
Die Synagoge gehört zu einem Schulkomplex, der direkt am
Meer gelegen ist. Die meisten Gäste waren Schüler, die allerdings freiwillige
hier waren, schließlich hatte die Schule schon vor Stunden geendet. Ihre
Outfits waren meiner Meinung nach zwar für die Synagoge ungeeignet, aber sie
sangen begeistert mit. Ansonsten wäre es auch etwas still geworden in der
Synagoge: wir Deutschen waren schließlich alles andere als textsicher….
| Dieser Baum in Kfar Tivka wurde von den Behinderten mit Keramik-Blumen verziert |
Für den nächsten Tag war ein Besuch in Kfar Tikva angesetzt.
Im Kfar arbeiten zwei der EKIR-Freiwilligen, aber auch Volontäre der
Westphälischen Landeskirche, mit der wir das Seminar zusammen hatten. Kfar
Tikva, übersetzt Dorf der Hoffnung, ist ein Behindertenheim, in dem die
Behinderten leben und tagsüber in Workshops arbeiten, also z. B. filzen oder
Keramiken bemalen.
Das Kfar liegt auf einem Berg und ist von anderen Bergen
umgeben, sodass es sich sehr gut zum wandern eignet. Auch wir sind nach einem
kurzen Aufenthalt im Kfar losgewandert, runter in ein Tal und einen Berg
hinauf. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf die Umgebung inklusive
Nazareth, das von hier wirklich nicht weit ist. Auf dem Berg waren wir
allerdings nicht alleine, sondern trafen auf lauter Familien mit kleinen
Kindern, die hierhin ihren Shabbat-Ausflug unternahmen. Denn auch das ist
typisch israelisch!
| Sie trafen wir auf unserer Wanderung |
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