| Auf der Dizengoff Street in Tel Aviv |
Shalom chaverim,
den folgenden Artikel habe ich - wie Ihr schnell merken werdet - zu einem ganz anderen Zeitpunkt verfasst, möchte ihn aber einfach so übernehmen:
In den bisherigen vier Monaten in Israel habe ich schon Momente gehabt, die ich einfach einfangen und niemals vergessen möchte. Und gerade ist wieder so einer: Rebekka und ich sitzen auf den Treppen zum Strand von Tel Aviv; sie hat ihr Notizbuch gezückt und ich versuche jetzt, den Moment mit Euch zu teilen: die Sonne steht schon tief und wirft ein schönes Licht auf die Hotels hinterm Strand. Links von uns sieht man die Altstadt von Yaffa, da die Sonne blendet, erkennt man nur die Silhouette der Stadt: unzählige Kreuze, Halbmonde und Sterne ragen aus dem Häusergewirr hervor, als ob jede Religion versuchen würde, die meiste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wegen des Shabbats haben alle Läden geschlossen und die Menschen sitzen in Cafés oder auf Bänken in einem der unzähligen kleinen Parks der Stadt. Tel Aviv, zum Leben eigentlich unbezahlbar, hat einen Ort, der jedem offen steht und den auch jeder unabhängig von seiner Religion zu nutzen scheint: der Strand. Familien, die gerade aus der Synagoge kommen, flanieren an der Promenade, Jugendliche spielen Volleyball im Sand und ein Päarchen lehnt an einem der hölzernen Sonnenschirme. Man hört eine französische Reisegruppe und britische Geschäftsleute, die den freien Tag und das schöne Wetter nutzen, vor allem aber hört man das Rauschen des Meeres. Vor uns fährt ein Paraglider durchs Wasser und wirbelt die an sich ruhige Wasseroberfläche auf. Obwohl es schon Januar ist, wärmt die Sonne und gibt einem das Gefühl, sich in einer anderen Jahreszeit zu befinden. Ueberall in der Stadt, vor allem an der Promenade, sieht man die grünen Fahrräder, die man sich für drei Euro am Tag ausleihen kann, um Tel Aviv zu durchstreifen. Ein tieffliegendes Militärflugzeug zerstört die nachmittäglicht Idylle und holt einen zurück in die Realität: das hier ist nicht irgendeine Mittelmeer-Metropole, sondern der Nahe Osten. Wie in einer Blase fühlt sich das Leben in Tel Aviv aber dennoch an.
| Samstagnachmittag in Tel Aviv |
Auch Rebekka und ich haben uns gestern die grünen Fahrräder ausgeliehen und sind von der Wohnung eines Bekannten von Rebekka - mit Blicks aufs Meer (!) - an der Promenade entlang bis ans andere Ende der nicht wirklich großen Stadt gefahren. In Yafo haben wir uns mit Freunden getroffen und waren zuerst dort und später in Tel Aviv feiern. Zurück ging es durch die scheinbare Sommernacht mit unseren grünen Rädern - das Urlaubsfeeling war mal wieder perfekt. Den gesamten Vormittag haben wir lesend in Cafés verbracht, haben Leute aus alles Welt beim Joggen, Streiten und Essen beobachtet und auf der Dizengoff einen Schaufensterbummel gemacht.
Langsam geht die Sonne unter und es wird wieder kalt. Wahrscheinlich werden wir uns gleich wieder in ein Café setzen, lesen, Leute beobachten. Und das Leben in der Blase geniessen....
| Sonnenuntergang am Frishman Beach |
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