Make Hummus Not Walls

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Samstag, 25. Januar 2014

Chaos in der Cinematheque oder: Das scheinbar gestohlene Portemonnaie

Shalom chaverim,

seit ueber einer Woche schon wohnt eine weitere Volontaerin, Aviva, bei uns. Sie wird in Kfar Ofarhim in Ramat HaSharon arbeiten, da allerdings ihr Mitvolontaer noch nicht in Israel ist, lebt sie so lange bei uns.

Letzten Samstag ist sie voellig uebermuedet in Beit Perry angekommen, doch Judith hat sie direkt mit sich nach Tel Aviv genommen, wo sie, Rebekka, Hanna und ich uns im Kino getroffen haben.
Und Aviva hat direkt mitbekommen, was fuer eine Chaos-Truppe wir eigentlich sind, bzw. warum der Begriff Balagan hier so oft - und immer zu Recht - gebraucht wird.

Folgendes passierte naemlich: Theoretisch hatten wir uns alle um 19.15 in der Cinematheque treffen wollen, da der Film um 19.30 begann. Sowohl Judiths und Avivas Bus aus Ra'anana, als auch Hannas aus Kannot hatte Verspaetung und auch Rebekka schafften es, obwohl wir eh schon in Tel Aviv waren, nicht rechtzeitig dorthin. Kurz nach Filmbeginn kauften wir also schnell die Karten und stellten uns nur fluechtig bei Aviva vor. Im Kinosaal dann die Ernuechterung: der Film war auf arabisch und - anders als im Internet angegeben - mit hebraeischen und nicht englischen Untertiteln. Mein Hebraeisch macht zwar weiter Fortschritte, um die Schrift zu lesen brauche ich allerdings immer noch dreimal so lang wie der Durchschnitts-Israeli, vom Verstehen mal ganz abgesehen.

Wir liefen also wieder zur Kasse und wollten die Tickets zurueckgeben, was wohl ziemlich umstaendlich war, da einige von uns mit Kreditkarte, andere in bar gezahlt hatten. Die Frau an der Kasse hasste uns dafuer wahrscheinlich eh schon, noch mehr aber dafuer, dass Rebekka ihr Ticket verloren hatte. In einer grossen Aktion suchten wir fuenf Maedels also in allen vorhandenen Taschen, wovon es viele gab, schliesslich hatten Rebekka und ich die grossen Trekking-Rucksaecke von unserem Wochenende in Tel Aviv dabei.
Die Such-Aktion verlief ohne Erfolg und waehrend Rebekka die eine Haelfte des Personals der Cinematheque beschaeftigte, um das Geld trotz Verlust des Tickets zurueckzubekommen, beschaeftigten Hanna und ich die andere Haelfte, um uns ueber andere Filme zu informieren und uns bestaetigen zu lassen, dass sie auch wirklich mit englischen Untertiteln liefen.

Als Rebekka nach ewigem hin und her ihr Geld zurueckbekommen und der Kassiererin wohl auch den letzten Nerv geraubt hatte, dann das naechste Problem: ihr Portemonnaie, samt Kreditkarte, war verschwunden! Wieder wurden alle Taschen durchsucht, diesmal gefuehlt 20-fach.

In der Zwischenzeit lief ich zu dem Security-Menschen, der an der Tuer stand und eigentlich die Taschen der Leute durchsuchte, die das Kino betraten. Schnell stellte sich heraus, dass sein Englisch aehnlich gut wie mein Hebraeisch war und mit Haenden, Fuessen und einer interessanten Englisch-Hebraeisch-Kombi versuchte ich ihm zu erklaeren, dass das Portemonnaie meiner Freundin weg sei.

Er hatte leider nichts gesehen, war aber scheinbar erfreut ueber die Unterbrechung seines monotonen Arbeits-Alltags und fuehrte mich und Hanna zu dem Menschen, der anscheinend die Ueberwachungs-Kameras koordiniert. Dieser sprach noch weniger - um nicht zu sagen gar kein - Englisch, war aber sehr hilftsbereit. Als Dolmetscher wurde noch ein Typ herrangekarrt, der erfolglos versuchte, im Kino Flyer zu verteilen.
Immer wieder schauten wir uns die Ueberwachunsausfnahmen an, was - waere der Verlust von Rebekkas Portemonnaie nicht so ernst gewesen - ziemlich witzig war: man sah uns fuenf nacheinander in die Cinematheque kommen, schnell die Tickets kaufen, ins Kino gehen, zwei Minuten spaeter wieder rauskommen, mit der Kassiererin streiten, alle Taschen durchwuehlen, wieder mit der Kassierin streiten, die Kassiererin ihre Nerven verlieren, uns andere Kassierer dazuholen, das Geld zurueckbekommen und wieder alle Taschen durchwuehlen.

Immer mehr Menschen kamen dazu, die sich fuer den scheinbaren Diebstahl interessierten und mehr oder minder plausible Thesen aufstellten. Rebekka versuchte in der Zwischenzeit verzweifelt ihre Mutter und die Bank anzurufen, um die Kreditkarte sperren zu lassen, allerdings ohne Erfolg. Die arme Aviva - erst seit Stunden in Israel - stand hilflos zwischen unseren Taschen mitten in der Cinematheque und wird sich ihren Teil gedacht haben... :)

Die Kameraaufnahmen - wir hatten sie uns wiederholt und mit verschiedenen Geschwindigkeiten angeschaut - hatten nichts ergeben und Rebekka war aus gutem Grund ziemlich aufgeloest.
An dieser Stelle kam allerdings wieder eine Charaktereigenschaft der Israelis zum Vorschein, die ich an ihnen sehr zu schaetzen weiss: Hilfsbereitschaft und Groesszuegigkeit. Der nette Mensch von den Ueberwachungskameras, der sicherlich selber kein bombiges Gehalt kassiert, bot Rebekka naemlich mehrfach - und es war auch sicherlich ernst gemeint - in sehr gebrochenem Englisch an, ihr 100 NIS zu schenken, damit sie zumindest nach Hause kommen wuerde und etwas fuer den naechsten Tag haette. Rebekka lehnte natuerlich ab, schliesslich waren wir noch da. Der Kameramensch bestand darauf, noch einmal im Kino nach dem Portemonnaie zu schauen, obwohl es doch dort gaaaanz sicher nicht war!

War es dann aber doch und wir waren erleichtert bis stark amuesiert. In dem Portemonnaie fand sich dann auch das vermisste Ticket, das wir der Kassiererin allerdings nicht mehr unter die Nase rieben. Da keiner mehr wirklich Lust auf Kino hatte (wir haetten schliesslich bei der entnervten Kassiererin ein neues Ticket kaufen muessen), gingen wir in ein Restaurant auf der Ibn Gabirol und es wurde noch ein definitiv schoener Abend, fand auch Aviva.

Die Einleitung in das chaotische Volontaers-Sein war also perfekt. In Israel, erklaerten wir ihr, laeuft es fast immer anders, als man denkt. Aber meistens laeuft es gut...


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