Make Hummus Not Walls

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Dienstag, 21. Januar 2014

Champagner und Jeans oder: Eine moderne Synagoge in Tel Aviv

Shalom chaverim,

dieses Wochenende war ich zum ersten Mal in einer Tel Aviver Synagoge. Die Dichte an Synagogen ist im seeehr sekulaeren Tel Aviv ziemlich niedrig und nicht mit Jerusalem und so ziemlich jedem anderen Ort zu vergleichen.
Rebekka und ich hatten uns fuer die International Synagoge of Tel Aviv entschieden. Dafuer, dass sie sich als "vibrant, full service Modern Orthodox synagogue in the heart of Tel Aviv" bezeichnet, war sie dann doch recht konservativ: Maennern und Frauen sassen nicht zusammen und wurden durch einen Sichtschutz voneinander getretnnt. Theoretisch zumindest. Rebekka und ich, beide reltaiv gross, konnten naemlich locker ueber die Trennung hinueberschauen und haben uns passtn wohl auch ansonsten nicht wirklich ins Bild: wir waren auf der Frauen-Seite tatsaechlich die einzigen, die keinen langen Rock trugen.

Die International Synagoge of Tel Aviv
Zu Beginn des Gottesdienstes am Vorabend des Shabbats werden (gegen 17.00 Uhr) zuerst die Kerzen entzuendet, was als Kabbalat Shabbat bezeichnet wird. In Beit Perry singen wir mit den Friends zu diesem Anlass hauefig religioese Lieder. Den Gottesdienst feiern wir mit den Autisten aus guten Gruenden allerdings nicht...

Der juedische Gottesdienst unterscheidet sich vom christlichen vor allem durch ein Merkmal: es gibt keinen Pfarrer, Priester etc., der den Gottesdienst feiert, sondern ein Mitglied der Gemeinde fungiert als Abgesandter der Gemeinde. Im Prinzip kann jedes Mitglied diese Aufgabe uebernehmen, solange er volljaehrig ist, d.h. das 13. Lebensjahr vollendet hat. Seine Aufgabe ist es allerdings nicht, fuer die Gemeinde zu beten, sondern mit ihr. Die Predigt ist nicht fester Bestandteil eines Gottesdienstes, jedoch ist es mittlerweile ueblich, dass ein Rabbi predigt.

Der Hoehepunkt des Shabbat-Gottesdiensts ist die Vorlesung aus der Thora (die fuenf Buecher Mose fuer alle, die es nicht wissen). Jede Woche wird einer der 54 Abschnitte gelesen, sodass der gesamte Zyklus im Laufe des Jahres gelesen wird.

Die Synagoge war insofern sehr modern, als dass sowohl auf Hebraeisch, als auch auf Englisch gebetet wurde. Der Vorbeter hatte allerdings einen so starken amerikanischen Akzent, dass man teilweise nur schwer sagen konnte, ob er gerade auf Englisch oder auf Hebraeisch sprach. :)
Er trug selbstverstaendlich den dafuer gedachten Tallit, einen Gebetmantel aus Wolle und Seide und - wie jeder andere Mann in der Synagoge - auch eine Kippa.

Er stand die gesamte Zeit vor dem Schrank mit den Thora-Rollen, der sich auf der Seite der Maenner befindet. Die Frauen und Maedchen (es waren sehr viele junge Leute in der Synagoge, die meisten Amerikaner) nutzten diese Abgeschiedenheit fuer ein Plaeuschchen. Viele waren sowieso viel zu spaet gekommen und wollten nun in aller Ruhe erstmal ihre Freundinnen begruessen...

Die Dynamik in der Synagoge (vor allem auf der Seite der Maenner) glich ansonsten aber der von suedamerikanischen Gemeinden beim christlichen Gottesdienst: es wurde laut gesungen und der Vorbeter tanzte wie wild.

Nach dem Gottesdienst wird der Shabbat durch einen Segensspruch, dem Kiddusch, bei einem Glas Wein eingeleitet. In dieser Gemeinde - anscheinend wohl doch eine sehr moderne - gab es stattdessen Champagner und Gebaeck. Rebekka und ich zogen uns allerdings zurueck - mit unseren Jeans kamen wir uns doch etwas fehl am Platz vor...

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