Shalom chaverim
Nächsten Dienstag wird Johanna, unsere Mitfreiwillige in
Beit Perry, Judith und mich leider schon verlassen und zurück nach Deutschland
gehen. Seit fast einem halben Jahr ist sie hier uns so wird der Abschied
ziemlich traurig werden…
Wann immer jemand Beit Perry verlässt, ob Volontär oder
Guide, gibt es eine Abschiedsparty mit den Friends: es werden Geschenke
überreicht und die Friends lesen ihre selbst geschriebenen Briefe vor.
Unser Haus-Manager und ich haben uns überlegt, dass jeder
unserer sechs Friends einen Brief schreibt und ein Bild malt, wir alles
einlaminieren und Johanna dann überreichen werden. Typisch für Autisten ist,
dass sie zwar Emotionen empfinden (manchmal sogar sehr heftige), aber ihnen oft
die Empathie fehlt und in Situationen, in denen für uns „Normale“ eine gewisses
Reaktion selbstverständlich wäre, sie sich ganz anders verhalten.
Durch die bisherigen zehn Monaten mit den Friends kann ich
auch folgende Auffassung nur bestätigen: Je intelligenter ein Autist ist, desto
schwerer hat er es. Diejenigen, die verstehen, dass sie nicht „normal“ sind,
dass es komisch ist, nicht mit Anfang 30 alleine oder in einer Beziehung zu leben
und einer Arbeit nachgehen, sondern dass sie in einem Heim, in dem sie 24 h am
Tag bewacht und bespaßt werden, für die ist es wohl am härtesten: sie
hinterfragen Dinge, werden schnell eifersüchtig und auch ungeduldig.
Mein Lieblingsfriend, Ilan, gehört – um es nett auszudrücken
– zu denjenigen, die immer glücklich sind: Kommt er aus seiner Arbeitsstelle nach
Hause, quietscht er vergnügt, schmeißt die Arme in die Luft, hüpft umher und
will allen in die Hand klatschen. Danach kippt er sich im Sturztrunk seinen
Kaffee runter und fängt an über Traktoren, Pfannkuchen oder ausgeleerte
Mülleimer zu reden.
Gestern also habe ich versucht, mit Ilan einen
Abschiedsbrief zu verfassen, was doppelt schwierig war: einerseits ist mein
Hebräisch immer noch verbesserungsfähig und andrerseits antwortet Ilan auf
Fragen meistens mit irgendwas, was in diesem Zusammenhang keinen Sinn ergibt.
Ich habe ihm also erklärt, dass Johanna jetzt zurück nach Hause fliegt. Als ich
ihn fragte, wo sie denn wohnt, meinte er nur Rechov Rambam, auf der
Rambam Straße, wo seine Mutter lebt.
Irgendwann fiel ihm dann doch Germania ein und ich
erklärte ihm, dass wir ihr jetzt zusammen einen Abschiedsbrief schreiben
würden:
„Ilan, was schreibt man in einem Brief?“
„Herzlichen Glückwunsch!“
„Ilan, es ist ein Abschiedsbrief…“
„Alles Gute zum Geburtstag!“
„Du musst Johanna doch tschüss sagen…“
„Hallo Johanna,“
„Gut, was noch?“
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“
„Nee, was sagt man denn zum Abschied zu jemandem?“
„Auf Wiedersehen.“ (Ilan fing an Für Johanna, auf
Wiedersehen zu schreiben, allerdings schreibt er alle Konsonanten immer
doppelt, sodass er FFürr Jjohhanna, auff Wwiedderssehhenn schrieb.
„Was kann man denn noch zum Abschied sagen?“
„Viel Glück!“ (Er schrieb Vviell Ggllücckk.)
„Was noch?“
„Vielen Dank.“ (Er schrieb Vviellenn Ddannkk.)
„Willst du ihr noch schreiben, wie du die Arbeit mit ihr
fandest?“
„Es war schön.“ (Er schrieb Ess wwarr sscchhönn.)
„Sehr gut. Jetzt musst du nur noch deinen Namen drunter
schreiben.“
Ilan schrieb: Icchh hheißße Illann.
Letztendlich steht - auf Hebräisch natürlich – Folgendes im
Brief: FFürr Jjohhanna, auff Wwiedderssehhenn. Vviell Ggllücckk. Vviellenn
Ddannkk. Ess wwarr sscchhönn. Icchh hheißße Illann.
Johanna wird sich trotzdem freuen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen