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| Der Aufkleber zur Gay Pride |
Shalom chaverim,
In Jafo war
ich vor zwei Wochen mit Judith im Nalaga‘at Theater, einem Theater, in dem
taub-stumme und blinde Menschen spielen. Viele sind nur taub-stumm, manche nur blind,
manche beides. Auf der Bühne waren deshalb ab und zu in schwarz gekleidete
Helfer zu sehen, die die Blinden an Ort und Stelle rückten und zu Beginn und
Ende jeder Szene wurde auf eine Trommel geklopft – taube und blinde
Schauspieler konnten durch die Vibration spüren, dass es weiterging.
Das
Bühnenblind stellte eine Bäckerei dar, in der die Schauspieler tatsächlich Brot
buken, das zwischendurch in den Ofen geschoben wurde. Das Stück hieß „Not by
bread alone“: es ging um die Träume der Blinden und Taub-Stummen, die in ihrem
Tun stets eingeschränkt sind, aber eben nicht nur von Brot leben. Auch sie
wollen soziale Kontakte knüpfen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Am
Ende des Stück war das Brot fertig gebacken, man konnte auf die Bühne kommen, etwas
essen und mit den Schauspielern ins Gespräch kommen – auf vielfältige Weise.
Einer der Schauspieler war zum Beispiel taub und blind, konnte aber reden und
fühlen. Als eine Frau aus dem Publikum zu ihm kam, begann er direkt, ihr Fragen
zu stellen und sie antwortete, indem sie seinen Finger nahm und ihn von
Buchstabe zu Buchstabe auf einem Brett führte, auf dem das gesamte Aleph-Beth
in Buchstaben und in Brailleschrift geschrieben stand.
Judith und
ich mussten an unsere Autisten aus Beit Perry denken, die teilweise auch nicht
reden können, dafür aber mit Karten voll von kleinen Bildern und Symbolen
kommunizieren, mit denen sie beispielsweise anzeigen können, dass sie mehr
Kaffee wollen oder fragen, wann wir einen Ausflug machen.
Am Freitag
vor unserem Wüstentrip fand in Tel Aviv die alljährliche Tel Aviv Gay Pride
Parade statt, Abschluss und Höhepunkt der einwöchigen Feierlichkeiten.
Insgesamt gab es über 50 Veranstaltungen wie Modeschauen, Pool Parties und
Festivals. Die Stadt war schon Wochen vorher mit den bunt gestreiften
Peace-Flaggen geschmückt und am Tag der Parade war die Strandpromenade nicht
wiederzuerkennen, so voll war es dort. Vom nördlichen Ende am Hafen bis runter
nach Yafo feierten und tanzten junge Israelis und Besucher aus der ganzen Welt.
Man sah viele schwule und lesbische Pärchen, aber trotzdem war die Mehrheit
sicherlich heterosexuell. Viele nahmen einfach teil, um ein Statement für mehr
Toleranz zu setzen und die Strand-Party nach der Parade wollte sich natürlich
auch keiner entgehen lassen…
Da ich am
Morgen noch arbeitete, verpassten wir leider die Parade, aber auch so bekam man
noch einen guten Eindruck von diesem Karneval-ähnlichen Event. Viele waren
verkleidet, überall wurden Flyer für Partys durch die Luft geschmissen, leere
Flaschen bedeckten die Straßen und Leute tanzten zur Musik aus Lautsprechern
und vorbeifahrenden Autos.
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| Teilnehmer der Gay Pride Parade |
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| An der Strandpromenade von Tel Aviv |
Auf einer
Wiese am Strand traten bis sieben Uhr abends Bands auf, danach konnte wer
wollte noch in den Clubs und Bars der Stadt weiterfeiern. Es war also
eigentlich wie so oft in Tel Aviv; die Leute: leicht bekleidet, die Stimmung:
ausgelassen und die durch die Entführung in der West-Bank ausgelöste Krise:
ganz weit weg!







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