Make Hummus Not Walls

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Samstag, 21. Juni 2014

Buntes Tel Aviv oder: Auf der Gay Pride Parade und im Blinden-Theater

Der Aufkleber zur Gay Pride

Shalom chaverim,

In Jafo war ich vor zwei Wochen mit Judith im Nalaga‘at Theater, einem Theater, in dem taub-stumme und blinde Menschen spielen. Viele sind nur taub-stumm, manche nur blind, manche beides. Auf der Bühne waren deshalb ab und zu in schwarz gekleidete Helfer zu sehen, die die Blinden an Ort und Stelle rückten und zu Beginn und Ende jeder Szene wurde auf eine Trommel geklopft – taube und blinde Schauspieler konnten durch die Vibration spüren, dass es weiterging. 
Das Bühnenblind stellte eine Bäckerei dar, in der die Schauspieler tatsächlich Brot buken, das zwischendurch in den Ofen geschoben wurde. Das Stück hieß „Not by bread alone“: es ging um die Träume der Blinden und Taub-Stummen, die in ihrem Tun stets eingeschränkt sind, aber eben nicht nur von Brot leben. Auch sie wollen soziale Kontakte knüpfen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Am Ende des Stück war das Brot fertig gebacken, man konnte auf die Bühne kommen, etwas essen und mit den Schauspielern ins Gespräch kommen – auf vielfältige Weise. Einer der Schauspieler war zum Beispiel taub und blind, konnte aber reden und fühlen. Als eine Frau aus dem Publikum zu ihm kam, begann er direkt, ihr Fragen zu stellen und sie antwortete, indem sie seinen Finger nahm und ihn von Buchstabe zu Buchstabe auf einem Brett führte, auf dem das gesamte Aleph-Beth in Buchstaben und in Brailleschrift geschrieben stand.

Judith und ich mussten an unsere Autisten aus Beit Perry denken, die teilweise auch nicht reden können, dafür aber mit Karten voll von kleinen Bildern und Symbolen kommunizieren, mit denen sie beispielsweise anzeigen können, dass sie mehr Kaffee wollen oder fragen, wann wir einen Ausflug machen.


Am Freitag vor unserem Wüstentrip fand in Tel Aviv die alljährliche Tel Aviv Gay Pride Parade statt, Abschluss und Höhepunkt der einwöchigen Feierlichkeiten. Insgesamt gab es über 50 Veranstaltungen wie Modeschauen, Pool Parties und Festivals. Die Stadt war schon Wochen vorher mit den bunt gestreiften Peace-Flaggen geschmückt und am Tag der Parade war die Strandpromenade nicht wiederzuerkennen, so voll war es dort. Vom nördlichen Ende am Hafen bis runter nach Yafo feierten und tanzten junge Israelis und Besucher aus der ganzen Welt. Man sah viele schwule und lesbische Pärchen, aber trotzdem war die Mehrheit sicherlich heterosexuell. Viele nahmen einfach teil, um ein Statement für mehr Toleranz zu setzen und die Strand-Party nach der Parade wollte sich natürlich auch keiner entgehen lassen…
Da ich am Morgen noch arbeitete, verpassten wir leider die Parade, aber auch so bekam man noch einen guten Eindruck von diesem Karneval-ähnlichen Event. Viele waren verkleidet, überall wurden Flyer für Partys durch die Luft geschmissen, leere Flaschen bedeckten die Straßen und Leute tanzten zur Musik aus Lautsprechern und vorbeifahrenden Autos.




Teilnehmer der Gay Pride Parade

An der Strandpromenade von Tel Aviv
Auf einer Wiese am Strand traten bis sieben Uhr abends Bands auf, danach konnte wer wollte noch in den Clubs und Bars der Stadt weiterfeiern. Es war also eigentlich wie so oft in Tel Aviv; die Leute: leicht bekleidet, die Stimmung: ausgelassen und die durch die Entführung in der West-Bank ausgelöste Krise: ganz weit weg!

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