Make Hummus Not Walls

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Montag, 23. Juni 2014

Von Linien und Geraden und Altem und Neuen oder: Mal wieder Jerusalem

Blick vom Obersten Gerichtshof auf die Altstadt Jerusalems


Der Rockefeller-Museum
Shalom chaverim,

endlich komme ich dazu, Euch von meinem letzten Besuch in Jerusalem zu berichten. Ja, es war locker das achte Mahl, das ich da war, aber ich könnte auch noch achtmal hinfahren und hätte immer noch nicht alles gesehen.
Zuerst ging es ins Rockefeller-Museum, das gegenüber der Nordostecke der Altstadt liegt und das architektonisch insofern interessant ist, als dass es Neues mit Altem verbindet – den für Jerusalem typischen Sandstein mit Stahlbeton. Es zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen im Nahen Osten mit Funden ausschließlich aus Palästina. Viele der Fundorte kannte ich bereits (über alle habe ich selbstverständlich berichtet): Steinwerkzeuge aus Megiddo, Stuckarbeiten aus dem Hisham-Palast in Jericho, die Friese der Grabeskirche, Schnitzereien aus der nicht weit entfernten Al-Aqsa-Moschee…



Innenhof des Rockefeller-Museums; Wasserbecken
aus dem Hisham-Palast in Jericho

Der vom Ophel-Park zugängliche Teil der Klagemauer mit
 Rudimenten des Robinson-Bogens, durch den zur Zeit
des Zweiten Tempels alle Pilger den Tempelberg betraten
Als nächstes habe ich mir die Ausgrabungen neben der Klagemauer angeschaut, auf die ich schon so oft geblickt, sie aber nie aus der Nähe gesehen hatte. Im Ophel-Park, dem Bereich unterhalb der südlichen Mauer des Tempelbergs, wurden 25 Siedlungsschichten zutage gefördert. Unter anderem sieht man dort Aufgegrabenes aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Tempels, aber auch die Überreste eines Umayyaden-Palastes. Der Tempelberg – heute wie damals ein Ort, auf den viele Anspruch erheben.

Nicht weit vom Ophel Park entfernt, allerdings außerhalb der Mauern der Altstadt, liegt die Davidsstadt, der älteste Teil Jerusalems mit Ruinen der kanaanitischen Zitadelle sowie Überresten des Davidspalasts – von hier aus gründete König David vor 3000 Jahren Jerusalem. 

Am Abend traf ich auf Judith im Hostel, wo prompt ein Live-Konzert stattfand, für das wir aber etwas zu müde waren – am nächsten Tag hatten wir auch noch einiges vor: Zuerst fuhr ich nach Ein Kerem, eigentlich ein Stadtteil von Jerusalem, das allerdings eher an ein kleines Bergdorf erinnert, da es auf einem Berg mitten im Wald liegt. Eine Straße führt in Serpentinen vom Berg Herzl aus dorthin.
Bis 1948 war Ein Kerem ein arabisches Dorf, heute dominieren hier Galerien, Ateliers und vor allem Kirchen und Klöster, die auf dem Hang verstreut liegen. In Ein Kerem sollen die Eltern Johannes des Täufers gelebt haben und er geboren und in einer Höhle versteckt worden sein, um den Kindermord durch Herodes zu umgehen. In einer der Kirchen – die meisten heißen Kirchen Ein Kerems heißen übrigens Johannes-Kirche – sieht man die Höhle. 



Blick auf Ein Kerem; die Kirche der Heimsuchung (in der
Johannes der Täufer vor Herodes versteckt wurde)
und eine der vielen Galerien


Einer der fünf Gerichtssäle des
Obersten Gerichtshofs
Am Mittag nahm ich an einer Führung durch den erst 1992 fertig gestellten Supreme Court, den Obersten Gerichtshof, teil. Eine Führung ist auch notwendig, um die Symbolik des Gebäudes zu verstehen: überall lassen sich die Grundprinzipien des Hauses, Recht, Wahrheit, Gerechtigkeit finden, sie werden jeweils durch geometrische Formen und Licht dargestellt: Linien stehen für Gesetz und Wahrheit, Kreise stehen für Gerechtigkeit. Diese Verbindung von geometrischen Formen mit Prinzipien gehen auf folgende zwei Psalem zurück: „Herr, du bist gerecht, und deine Urteile sind gerade,“ (Ps. 119, 137) und „Er führet mich auf Kreisen der Gerechtigkeit um seines Namens willen,“ (Ps. 24, 3).
Hat man die Sicherheitskontrollen passiert, stiegt man eine Treppe hoch, die sich nach oben verengt und an eine typische Jerusalemer Gasse erinnern soll. Oben angekommen steht man vor einem gewölbten Panoramafenster, und blickt auf viele Stadtteile der Neustadt.
Es gibt insgesamt fünf Gerichtssäle, dich sich von ihrer architektonischen Struktur her sehr ähneln (alle sind rechteckig geformt, mit Holz verkleidet und sehr hell), aber sich dennoch unterscheiden. Die Verhandlungen stehen in der Regel jedem offen, solange man sich an gewisse Regeln hält und sich hat ausgiebig kontrollieren lassen. Nach der Führung setzte ich mich auch zu einer Verhandlung dazu, verstand zwar nicht mal, worum es in dem Prozess wirklich ging, aber es war interessant, die Menschen zu beobachten und sich eine Geschichte dazu auszudenken: in der Regel sind bei den Verhandlungen immer drei der neun Richter des Obersten Gerichtshof anwesend, so auch dieses Mal. Es waren drei alte Männer, die vorne saßen uns sich von nichts aus der Ruhe bringen ließen: Anwälte, Angeklagter und Kläger regten sich nämlich tierisch übereinander auf und irgendwann schaltete sich sogar eine Frau aus dem Publikum, anscheinend die Mutter des Klägers, ein.
Immer mehr Leute kamen dazu, um sich den Prozess anzuschauen, sodass es relativ unruhig wurde – ein Ergebnis wurde an dem Tag auch nicht mehr verkündet und alle verließen den Gerichtssaal entnervt, nur die drei alten Richter blieben ganz ruhig.

Ganz in der Nähe des Obersten Gerichtshofs befindet sich das Israel-Museum, in dem ich vor ein paar Wochen schon einmal mit meiner Familie war, aber noch längst nicht alles gesehen habe: die Abteilung der Judaika, islamische Kunst, rekonstruierte Synagogen, eine Pop-Art Ausstellung…

Mein letzter Besuch in Jerusalem war es aber trotzdem noch lange nicht!




Ausstellungsstücke des Israel-Museums: Ein Mihrab
(die Gebetsnische einer Moschee); eine Hagaddah
(das Buch, aus dem Juden am Abend vor Pessache vorlesen)
und griechische und semitische Büsten, die Verstotbene
auf ihren Gräbern stehen hatten

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