| Blick vom Obersten Gerichtshof auf die Altstadt Jerusalems |
| Der Rockefeller-Museum |
Shalom chaverim,
endlich komme ich dazu, Euch von meinem letzten Besuch in
Jerusalem zu berichten. Ja, es war locker das achte Mahl, das ich da war, aber
ich könnte auch noch achtmal hinfahren und hätte immer noch nicht alles
gesehen.
Zuerst ging es ins Rockefeller-Museum, das gegenüber der
Nordostecke der Altstadt liegt und das architektonisch insofern interessant
ist, als dass es Neues mit Altem verbindet – den für Jerusalem typischen
Sandstein mit Stahlbeton. Es zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen
im Nahen Osten mit Funden ausschließlich aus Palästina. Viele der Fundorte
kannte ich bereits (über alle habe ich selbstverständlich berichtet):
Steinwerkzeuge aus Megiddo, Stuckarbeiten aus dem Hisham-Palast in Jericho, die
Friese der Grabeskirche, Schnitzereien aus der nicht weit entfernten
Al-Aqsa-Moschee…
| Innenhof des Rockefeller-Museums; Wasserbecken aus dem Hisham-Palast in Jericho |
| Der vom Ophel-Park zugängliche Teil der Klagemauer mit Rudimenten des Robinson-Bogens, durch den zur Zeit des Zweiten Tempels alle Pilger den Tempelberg betraten |
Als nächstes habe ich mir die Ausgrabungen neben der
Klagemauer angeschaut, auf die ich schon so oft geblickt, sie aber nie aus der
Nähe gesehen hatte. Im Ophel-Park, dem Bereich unterhalb der südlichen Mauer
des Tempelbergs, wurden 25 Siedlungsschichten zutage gefördert. Unter anderem
sieht man dort Aufgegrabenes aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Tempels,
aber auch die Überreste eines Umayyaden-Palastes. Der Tempelberg – heute wie
damals ein Ort, auf den viele Anspruch erheben.
Nicht weit vom Ophel Park entfernt, allerdings außerhalb der
Mauern der Altstadt, liegt die Davidsstadt, der älteste Teil Jerusalems mit
Ruinen der kanaanitischen Zitadelle sowie Überresten des Davidspalasts – von
hier aus gründete König David vor 3000 Jahren Jerusalem.
Am Abend traf ich auf
Judith im Hostel, wo prompt ein Live-Konzert stattfand, für das wir aber etwas
zu müde waren – am nächsten Tag hatten wir auch noch einiges vor: Zuerst fuhr
ich nach Ein Kerem, eigentlich ein Stadtteil von Jerusalem, das allerdings eher
an ein kleines Bergdorf erinnert, da es auf einem Berg mitten im Wald liegt.
Eine Straße führt in Serpentinen vom Berg Herzl aus dorthin.
Bis 1948 war Ein Kerem ein arabisches Dorf, heute dominieren
hier Galerien, Ateliers und vor allem Kirchen und Klöster, die auf dem Hang
verstreut liegen. In Ein Kerem sollen die Eltern Johannes des Täufers gelebt
haben und er geboren und in einer Höhle versteckt worden sein, um den
Kindermord durch Herodes zu umgehen. In einer der Kirchen – die meisten heißen
Kirchen Ein Kerems heißen übrigens Johannes-Kirche – sieht man die Höhle.
| Blick auf Ein Kerem; die Kirche der Heimsuchung (in der Johannes der Täufer vor Herodes versteckt wurde) und eine der vielen Galerien |
| Einer der fünf Gerichtssäle des Obersten Gerichtshofs |
Am Mittag nahm ich an einer Führung durch den erst 1992
fertig gestellten Supreme Court, den Obersten Gerichtshof, teil. Eine Führung
ist auch notwendig, um die Symbolik des Gebäudes zu verstehen: überall lassen
sich die Grundprinzipien des Hauses, Recht, Wahrheit, Gerechtigkeit finden, sie
werden jeweils durch geometrische Formen und Licht dargestellt: Linien stehen
für Gesetz und Wahrheit, Kreise stehen für Gerechtigkeit. Diese Verbindung von
geometrischen Formen mit Prinzipien gehen auf folgende zwei Psalem zurück:
„Herr, du bist gerecht, und deine Urteile sind gerade,“ (Ps. 119, 137) und „Er
führet mich auf Kreisen der Gerechtigkeit um seines Namens willen,“ (Ps. 24,
3).
Hat man die Sicherheitskontrollen passiert, stiegt man eine
Treppe hoch, die sich nach oben verengt und an eine typische Jerusalemer Gasse
erinnern soll. Oben angekommen steht man vor einem gewölbten Panoramafenster,
und blickt auf viele Stadtteile der Neustadt.
Es gibt insgesamt fünf Gerichtssäle, dich sich von ihrer
architektonischen Struktur her sehr ähneln (alle sind rechteckig geformt, mit
Holz verkleidet und sehr hell), aber sich dennoch unterscheiden. Die
Verhandlungen stehen in der Regel jedem offen, solange man sich an gewisse
Regeln hält und sich hat ausgiebig kontrollieren lassen. Nach der Führung
setzte ich mich auch zu einer Verhandlung dazu, verstand zwar nicht mal, worum
es in dem Prozess wirklich ging, aber es war interessant, die Menschen zu
beobachten und sich eine Geschichte dazu auszudenken: in der Regel sind bei den
Verhandlungen immer drei der neun Richter des Obersten Gerichtshof anwesend, so
auch dieses Mal. Es waren drei alte Männer, die vorne saßen uns sich von nichts
aus der Ruhe bringen ließen: Anwälte, Angeklagter und Kläger regten sich
nämlich tierisch übereinander auf und irgendwann schaltete sich sogar eine Frau
aus dem Publikum, anscheinend die Mutter des Klägers, ein.
Immer mehr Leute kamen dazu, um sich den Prozess
anzuschauen, sodass es relativ unruhig wurde – ein Ergebnis wurde an dem Tag
auch nicht mehr verkündet und alle verließen den Gerichtssaal entnervt, nur die
drei alten Richter blieben ganz ruhig.
Ganz in der Nähe des Obersten Gerichtshofs befindet sich das
Israel-Museum, in dem ich vor ein paar Wochen schon einmal mit meiner Familie
war, aber noch längst nicht alles gesehen habe: die Abteilung der Judaika,
islamische Kunst, rekonstruierte Synagogen, eine Pop-Art Ausstellung…
Mein letzter Besuch in Jerusalem war es aber trotzdem noch
lange nicht!
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