Make Hummus Not Walls

Make Hummus Not Walls

Samstag, 1. Februar 2014

Eins, zwei, drei Knesset oder: Ein Besuch im israelischen Parlament

Wir vier vor der Knesset


Shalom chaverim,

Die drusische...
...und die koreanische Tanzgruppe
Gestern haben Judith, Aviva, Johanna und ich für den Volontärstag frei bekommen und sind dafür nach Jerusalem gefahren. Beim Volontärstag gab es zuerst ein kleines Bufett und später wurden Tänze aufgeführt und Reden gehalten. Neben gefühlt 2000 Volontären (wahrscheinlich waren es eher 200, die meisten allerdings deutsch), waren Vertreter aus dem Wohlfahrtsministerium da, die für unsere Vermittlung verantwortlich sind, sowie Vertreter von fast allen Botschaften, aus deren Ländern Volontäre in Israel arbeiten. Da 70% der Volontäre aus Deutschland kommen, war auch der deutsche Botschafter da, der auf Englisch eine Rede hielt und uns erklärte, dass auch er bei seiner Ankunft in Israel vor einigen Jahren zuallererst volontieren sollte: der damalige Botschafter hatte allen Angestellten verordnet, als Volontäre in israelische Schulen zu gehen und sich mit den Schülern dort über ihr Bild von Deutschland zu unterhalten – und das war damals noch längst nicht so positiv wie heute…

Eine koreanische Volontärs-Gruppe führte asiatische Tänze auf und auch drusische Kinder traten auf. Die Message der Veranstaltung war nämlich: Israel ist an sich schon ein Land, in dem die verschiedensten Kulturen aufeinandertreffen, durch uns Volontäre kommen noch einmal neue Einflüsse dazu. Es war vor allem schön, alle wiederzusehen, denn mittlerweile kennt man doch schon den ein oder anderen Volontär, einige werden wir auch in ein paar Tagen auf dem Seminar in Nachsholim wiedersehen.


Da die Veranstaltung erst am Nachmittag stattfand, nutzten wir den Vormittag dazu, an einer Führung durch die Knesset, das israelische Parlament, teilzunehmen. Nachdem man die Flughafen-ähnlichen Kontrollen passiert hatte, gelangte man auf den Vorplatz des Parlaments. Hier und auch in der Knesset waren überwiegend Schulklassen, die individuelle Führungen auf Hebräisch bekamen, vorher allerdings Gruppenbilder schossen. „Achat, Steim, Schalosch, Knesset,“ „Eins, zwei, drei, Knesset,“ hörte man daher aus allen Ecken.

Viele Besucher - so wurde uns im Laufe der Führung erklärt - kommen nur in die Knesset, um die wirklich schönen Wandteppiche anzuschauen, die ein Geschenk Marc Chagalls sind. Diese zeigen – wenn auch nicht chronologisch angeordnet – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des jüdischen Volkes.
Noch interessanter allerdings sind die Dinge, die man über das politische System in Israel erfährt: Das Parlament wird in Israel alle vier Jahre gewählt – theoretisch. Seit den ersten Wahlen 1949 im neu gegründeten Israel  gab es nämlich schon 18 Knessets. Ohne groß nachzurechnen lässt sich
erkennen, dass nur die wenigsten Regierungen vier Jahre durchgehalten haben – tatsächlich hat es nur eine geschafft, vier Jahre zu regieren, ohne vorher das Parlament aufzulösen!

Die Wandteppiche Marc Chagalls


Interessant (und ein bisschen amüsant) ist auch, dass jeden Montag (die Knesset tagt Montags, Dienstags und Mittwoch) zuallererst ein  Misstrauensvotum gestellt wird – bis auf einmal ist es allerdings nie angenommen worden. Für Außenstehende klingt das witzig, allerdings entwertet es das Votum und kostet vor allem viel Zeit. In Zukunft soll es daher schwerer werden, ein solchen Votum zu stellen. Was auch erschwert werden soll – und für jede Menge Diskussion in Israel sorgt – ist die Hürde für Parteien, im Parlament vertreten zu sein. Im Moment liegt sie bei 2%, sodass auch kleine Parteien eine Chance haben, die Randgruppen repräsentieren und oft ein sehr einseitiges Programm haben (sich zum Beispiel nur mit Umweltschutz beschäftigen). Vor allem davon betroffen wären die arabischen Parteien, die zwar eine Minderheit, dafür aber eine recht große, repräsentieren. Von den drei arabischen Parteien, die momentan in der Knesset vertreten sind, würde keine die 4%-Hürde schaffen, die im Moment im Gespräch ist. Bleibt es allerdings bei den 2%, so wird die Arbeit des Parlament weiterhin verlangsamt und Gesetze bräuchten nach wie vor eine Ewigkeit, bis sie in Kraft treten. In Israel ist eben alles nicht so einfach…

Die Knesset kann man nicht nur besichtigen, sondern auch jederzeit an Sitzungen teilnehmen. Wer nicht nach Jerusalem fahren möchte, kann auf dem Knesset-Channel jede Sitzung live miterleben – ziemlich transparent!

Nach der Führung haben wir uns in den Wohl Rose Park gesetzt, in dem es unter anderem einen Garten der Nationen gibt: hier haben verschiedenen Nationen Rosenbeete gesponsert, die in irgendeiner Weise etwas mit ihrem Land zu tun haben. Die Rosen waren allerdings fast alle vertrocknet und auch der Wasserfall war eher beschaulich. Die Israelis benutzen den Park trotzdem regelmäßig: nicht zum Rosenzüchten, sondern zum Demonstrieren…



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen