| Die drusische... |
| ...und die koreanische Tanzgruppe |
Eine koreanische Volontärs-Gruppe führte asiatische Tänze
auf und auch drusische Kinder traten auf. Die Message der Veranstaltung war
nämlich: Israel ist an sich schon ein Land, in dem die verschiedensten Kulturen
aufeinandertreffen, durch uns Volontäre kommen noch einmal neue Einflüsse dazu.
Es war vor allem schön, alle wiederzusehen, denn mittlerweile kennt man doch
schon den ein oder anderen Volontär, einige werden wir auch in ein paar Tagen
auf dem Seminar in Nachsholim wiedersehen.
Da die Veranstaltung erst am Nachmittag stattfand, nutzten
wir den Vormittag dazu, an einer Führung durch die Knesset, das israelische
Parlament, teilzunehmen. Nachdem man die Flughafen-ähnlichen Kontrollen
passiert hatte, gelangte man auf den Vorplatz des Parlaments. Hier und auch in
der Knesset waren überwiegend Schulklassen, die individuelle Führungen auf
Hebräisch bekamen, vorher allerdings Gruppenbilder schossen. „Achat, Steim,
Schalosch, Knesset,“ „Eins, zwei, drei, Knesset,“ hörte man daher aus allen
Ecken.
Viele Besucher - so wurde uns im Laufe der Führung erklärt - kommen nur in die Knesset, um die wirklich schönen Wandteppiche anzuschauen, die ein Geschenk Marc Chagalls sind. Diese zeigen – wenn auch nicht chronologisch angeordnet – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des jüdischen Volkes.
Noch interessanter allerdings sind die Dinge, die man über
das politische System in Israel erfährt: Das Parlament wird in Israel alle vier
Jahre gewählt – theoretisch. Seit den ersten Wahlen 1949 im neu gegründeten
Israel gab es nämlich schon 18 Knessets.
Ohne groß nachzurechnen lässt sich
erkennen, dass nur die wenigsten Regierungen
vier Jahre durchgehalten haben – tatsächlich hat es nur eine geschafft, vier
Jahre zu regieren, ohne vorher das Parlament aufzulösen!
Interessant (und ein bisschen amüsant) ist auch, dass jeden
Montag (die Knesset tagt Montags, Dienstags und Mittwoch) zuallererst ein Misstrauensvotum gestellt wird – bis auf
einmal ist es allerdings nie angenommen worden. Für Außenstehende klingt das
witzig, allerdings entwertet es das Votum und kostet vor allem viel Zeit. In
Zukunft soll es daher schwerer werden, ein solchen Votum zu stellen. Was auch
erschwert werden soll – und für jede Menge Diskussion in Israel sorgt – ist die
Hürde für Parteien, im Parlament vertreten zu sein. Im Moment liegt sie bei 2%,
sodass auch kleine Parteien eine Chance haben, die Randgruppen repräsentieren
und oft ein sehr einseitiges Programm haben (sich zum Beispiel nur mit
Umweltschutz beschäftigen). Vor allem davon betroffen wären die arabischen
Parteien, die zwar eine Minderheit, dafür aber eine recht große, repräsentieren.
Von den drei arabischen Parteien, die momentan in der Knesset vertreten sind,
würde keine die 4%-Hürde schaffen, die im Moment im Gespräch ist. Bleibt es
allerdings bei den 2%, so wird die Arbeit des Parlament weiterhin verlangsamt
und Gesetze bräuchten nach wie vor eine Ewigkeit, bis sie in Kraft treten. In
Israel ist eben alles nicht so einfach…
Die Knesset kann man nicht nur besichtigen, sondern auch
jederzeit an Sitzungen teilnehmen. Wer nicht nach Jerusalem fahren möchte, kann
auf dem Knesset-Channel jede Sitzung live miterleben – ziemlich transparent!
Nach der Führung haben wir uns in den Wohl Rose Park
gesetzt, in dem es unter anderem einen Garten der Nationen gibt: hier haben
verschiedenen Nationen Rosenbeete gesponsert, die in irgendeiner Weise etwas
mit ihrem Land zu tun haben. Die Rosen waren allerdings fast alle vertrocknet
und auch der Wasserfall war eher beschaulich. Die Israelis benutzen den Park
trotzdem regelmäßig: nicht zum Rosenzüchten, sondern zum Demonstrieren…

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