Make Hummus Not Walls

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Montag, 17. Februar 2014

Das israelische Schulsystem oder: Zurück in Nachsholim


Blick auf Bat Galim

Shalom chaverim,

letzte Woche hatten wir von Dienstag bis Donnerstag unser zweites Seminar, wieder in Nachsholim und wieder sehr sehr cool. Den Tag davor hatte nur ich frei, sodass ich schon am Montag nach Haifa fuhr und bei anderen Freiwilligen übernachtete. Den Tag nutzte ich für eine kleine Stadtbesichtigung und kletterte den Carmel hoch (für Faule gibt es auch eine überteuerte Seilbahn). Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht: man überblickt die gesamte Stadt, die sie umgebenden Strände, die Bahai-Gärten und den Schrein mit der im Sonnenlicht glitzernden Kugel. Weiter entlang an der Küste, die hier einen Knick macht, erkennt man Akko und Naharija; bei gutem Wetter – wie ich es hatte – sieht man auch Rosha Niqra, das direkt an der libanesischen Grenze liegt.

Der Aufstieg geht durch ein kleines Wäldchen, das Schatten spendet. Unterwegs kommt man an der Höhe des Elija vorbei, in der der Prophet seinen Jüngern gepredigt haben soll. Es ist für Juden, Christen, Muslime und Drusen ein Heiliger Ort, was ich immer als etwas Schönes empfinden: keiner drängelt, erhebt Anspruch auf den Ort oder versucht, irgendjemanden zu vertreiben. Es könnte so einfach sein…

Kuppel des Stella Maris Kloster

Oben auf dem Berg liegt das Kloster Stella Maris, das 1836 eingeweiht wurde und zum Karmeliterorden gehört. In der Kloster-Kirche gibt es eine sehr sehenswerte Kuppel, die Darstellungen aus dem Leben des Elija zeigt. Am Fuß des Berges lief ich durch das Viertel Bat Galim und weiter am Strand entlang, picknickte… und bekam Folgendes mit:
Auf Höhe der medizinischen Fakultät, die in einem eingezäunten Bereich direkt am Meer liegt, der gleichzeitig Militärstützpunkt zu sein scheint, fand gerade eine Übung für Soldaten - anscheinend in der Grundausbildung – statt. Zuerst liefen die circa zwanzig Soldaten an den Strand, rannten aber plötzlich wieder zurück, weil sie anscheinend zurückgerufen worden waren. Nach und nach kamen sie wieder und begannen, Gymnastik-Übungen in ihren Uniformen zu machen: Minutenlang standen sie auf allen Vieren und hoben nacheinander die Beine. Es sah ein bisschen aus wie beim Yoga, manche schummelten auch.


Plötzlich rannten sie wieder weg, kamen zurück gerannt und liefen gleich weiter ins Wasser, wo sie einmal untertauchten, zurück an den Strand liefen und sich dort aufstellten. Neben ihnen standen andere Soldaten, über die ich mich am Anfang wunderte, weil sie nicht mitmachten. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass sie Gewehre trugen und wahrscheinlich die Verantwortlichen waren.
Ordentlich in einer Reihe aufgestellt hakten sich die Soldaten gegenseitig unter und führten nun in ihrer Reihe gemeinsam Anweisungen aus: ein Schritt nach links, zwei nach hinten, es sah tatsächlich noch nach Grundausbildung aus…
Die mittelgrünen Uniformen waren durch das Wasser sehr dunkel geworden und meinem Empfinden nach war es sowieso schon relativ kalt, da die Sonne gerade untergegangen war. Aber nein, die Soldaten mussten jetzt, sobald sie von einem der Vorgesetzten auf den Rücken gehauen wurden, aus ihrer Reihe raus, wieder ins Meer laufen, dort einmal untertauchen und dann zurück in die Reihe, diesmal schrien sie dabei irgendwas. Ich allerdings zog mich zurück, nachher wurde hier noch irgendein Verdacht geschöpft….


Typisch Haifa: Segler und Surfer, im Hintergrund sieht man Akko und Naharija

Am nächsten Morgen um zehn Uhr trafen sich alle Seminar-Teilnehmer (es war mehr oder weniger die gleiche Gruppe wie beim letzten Mal) am Hauptbahnhof in Haifa. Durch den wunderschönen Kibbuz Nachsholim, in dem wir wieder untergebracht waren, hatten wir als ersten Programmpunkt eine Führung von einem Kibbuznik. Er erzählte von der Entwicklung des Kibbuz: aus der sozialistischen Wohngemeinschaft, in der die Kinder in einem Kinderhaus lebten und in der man sich von Dusche bis Geld alles teilte, ist heute ein privatisierter Kibbuz geworden, in dem es Privateigentum gibt und man oft unabhängig voneinander lebt.

Am Abend gab es ein Gespräch mit einem Schuldirektor, der sich über das israelische Schulsystem ausließ und vor allem beklagte, dass es nur einen Schulabschluss nach der 12. Klasse gibt, vergleichbar mit dem deutschen Abitur. Das Problem ist allerdings, dass nicht einmal die Hälfte der Schüler die Fähigkeiten hat, diesen Abschluss zu erlangen – trotzdem besteht für allen Anwesenheitspflicht bis Schulende. Die Hälfte der Schüler sitzt die letzten Jahre ihrer Schulzeit also nur ab: sie haben schlechte Noten und langweilen sich, denn sie kommen sowieso nicht mit. Der Direktor fordert daher, dass es in Israel auch so ein gutes Ausbildungssystem geben soll wie in Deutschland, da so alle individuell gefördert werden und einen vielleicht nicht hoch bezahlten, aber angesehenen Beruf erlangen.


Auch in der Schule spielt die Armee schon eine Rolle: die Schüler werden vorbereitet und über die verschiedenen Bereiche aufgeklärt, unter denen sie in der Armee einen auswählen können. Uns wurde erzählt, dass viele 18-jährige, die kurz vor Armee-Eintritt stehen, sonst oftmals überfordert sind. Dabei begleitet die Entscheidung, die sie mit 18 treffen, sie bis zu ihrem 40 Lebensjahr. Bis dann dient jeder Israeli nämlich noch in der Reserve, wird also jährlich für mehrere Wochen eingezogen.


Da unser Seminarleiter krank war und zwei Vorträge ausfielen, verbrachten wir viel Zeit am Strand. Im Moment ist keine Touristen-Saison und so hatten wir auch den Strand quasi für uns. Hier sind Bilder von einem der wunderschönen Sonnenuntergängen, von den anderen Seminartagen berichte ich ein andermal!


Am Strand von Nachsholim



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