| Blick auf Bat Galim |
Shalom chaverim,
letzte Woche hatten wir von Dienstag bis Donnerstag unser
zweites Seminar, wieder in Nachsholim und wieder sehr sehr cool. Den Tag davor
hatte nur ich frei, sodass ich schon am Montag nach Haifa fuhr und bei anderen
Freiwilligen übernachtete. Den Tag nutzte ich für eine kleine Stadtbesichtigung
und kletterte den Carmel hoch (für Faule gibt es auch eine überteuerte Seilbahn).
Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht: man überblickt die gesamte
Stadt, die sie umgebenden Strände, die Bahai-Gärten und den Schrein mit der im
Sonnenlicht glitzernden Kugel. Weiter entlang an der Küste, die hier einen
Knick macht, erkennt man Akko und Naharija; bei gutem Wetter – wie ich es hatte
– sieht man auch Rosha Niqra, das direkt an der libanesischen Grenze liegt.
Der Aufstieg geht durch ein kleines Wäldchen, das Schatten
spendet. Unterwegs kommt man an der Höhe des Elija vorbei, in der der Prophet
seinen Jüngern gepredigt haben soll. Es ist für Juden, Christen, Muslime und
Drusen ein Heiliger Ort, was ich immer als etwas Schönes empfinden: keiner
drängelt, erhebt Anspruch auf den Ort oder versucht, irgendjemanden zu
vertreiben. Es könnte so einfach sein…
| Kuppel des Stella Maris Kloster |
Oben auf dem Berg liegt das Kloster Stella Maris, das 1836
eingeweiht wurde und zum Karmeliterorden gehört. In der Kloster-Kirche gibt es
eine sehr sehenswerte Kuppel, die Darstellungen aus dem Leben des Elija zeigt.
Am Fuß des Berges lief ich durch das Viertel Bat Galim und weiter am Strand
entlang, picknickte… und bekam Folgendes mit:
Auf Höhe der medizinischen Fakultät, die in einem eingezäunten
Bereich direkt am Meer liegt, der gleichzeitig Militärstützpunkt zu sein
scheint, fand gerade eine Übung für Soldaten - anscheinend in der
Grundausbildung – statt. Zuerst liefen die circa zwanzig Soldaten an den
Strand, rannten aber plötzlich wieder zurück, weil sie anscheinend
zurückgerufen worden waren. Nach und nach kamen sie wieder und begannen, Gymnastik-Übungen
in ihren Uniformen zu machen: Minutenlang standen sie auf allen Vieren und
hoben nacheinander die Beine. Es sah ein bisschen aus wie beim Yoga, manche
schummelten auch.
Plötzlich rannten sie wieder weg, kamen zurück gerannt und
liefen gleich weiter ins Wasser, wo sie einmal untertauchten, zurück an den Strand
liefen und sich dort aufstellten. Neben ihnen standen andere Soldaten, über die
ich mich am Anfang wunderte, weil sie nicht mitmachten. Nach einiger Zeit
stellte ich fest, dass sie Gewehre trugen und wahrscheinlich die
Verantwortlichen waren.
Ordentlich in einer Reihe aufgestellt hakten sich die
Soldaten gegenseitig unter und führten nun in ihrer Reihe gemeinsam Anweisungen
aus: ein Schritt nach links, zwei nach hinten, es sah tatsächlich noch nach
Grundausbildung aus…
Die mittelgrünen Uniformen waren durch das Wasser sehr
dunkel geworden und meinem Empfinden nach war es sowieso schon relativ kalt, da
die Sonne gerade untergegangen war. Aber nein, die Soldaten mussten jetzt,
sobald sie von einem der Vorgesetzten auf den Rücken gehauen wurden, aus ihrer
Reihe raus, wieder ins Meer laufen, dort einmal untertauchen und dann zurück in
die Reihe, diesmal schrien sie dabei irgendwas. Ich allerdings zog mich
zurück, nachher wurde hier noch irgendein Verdacht geschöpft….
| Typisch Haifa: Segler und Surfer, im Hintergrund sieht man Akko und Naharija |
Am nächsten Morgen um zehn Uhr trafen sich alle
Seminar-Teilnehmer (es war mehr oder weniger die gleiche Gruppe wie beim
letzten Mal) am Hauptbahnhof in Haifa. Durch den wunderschönen Kibbuz
Nachsholim, in dem wir wieder untergebracht waren, hatten wir als ersten
Programmpunkt eine Führung von einem Kibbuznik. Er erzählte von der Entwicklung
des Kibbuz: aus der sozialistischen Wohngemeinschaft, in der die Kinder in
einem Kinderhaus lebten und in der man sich von Dusche bis Geld alles teilte,
ist heute ein privatisierter Kibbuz geworden, in dem es Privateigentum gibt und
man oft unabhängig voneinander lebt.
Am Abend gab es ein Gespräch mit einem Schuldirektor, der
sich über das israelische Schulsystem ausließ und vor allem beklagte, dass es
nur einen Schulabschluss nach der 12. Klasse gibt, vergleichbar mit dem
deutschen Abitur. Das Problem ist allerdings, dass nicht einmal die Hälfte der
Schüler die Fähigkeiten hat, diesen Abschluss zu erlangen – trotzdem besteht
für allen Anwesenheitspflicht bis Schulende. Die Hälfte der Schüler sitzt die
letzten Jahre ihrer Schulzeit also nur ab: sie haben schlechte Noten und
langweilen sich, denn sie kommen sowieso nicht mit. Der Direktor fordert daher,
dass es in Israel auch so ein gutes Ausbildungssystem geben soll wie in
Deutschland, da so alle individuell gefördert werden und einen vielleicht nicht
hoch bezahlten, aber angesehenen Beruf erlangen.
Auch in der Schule spielt die Armee schon eine Rolle: die
Schüler werden vorbereitet und über die verschiedenen Bereiche aufgeklärt,
unter denen sie in der Armee einen auswählen können. Uns wurde erzählt, dass
viele 18-jährige, die kurz vor Armee-Eintritt stehen, sonst oftmals überfordert
sind. Dabei begleitet die Entscheidung, die sie mit 18 treffen, sie bis zu
ihrem 40 Lebensjahr. Bis dann dient jeder Israeli nämlich noch in der Reserve,
wird also jährlich für mehrere Wochen eingezogen.
Da unser Seminarleiter krank war und zwei Vorträge
ausfielen, verbrachten wir viel Zeit am Strand. Im Moment ist keine
Touristen-Saison und so hatten wir auch den Strand quasi für uns. Hier sind
Bilder von einem der wunderschönen Sonnenuntergängen, von den anderen
Seminartagen berichte ich ein andermal!
| Am Strand von Nachsholim |
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