Make Hummus Not Walls

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Samstag, 19. Juli 2014

Zwischen Angst und Gleichgültigkeit oder: Leben unter Raketenbeschuss

Shalom chaverim,

die Lage hier spitzt sich immer weiter zu und gleichzeitig wird die Gefahr immer alltäglicher und – so merkwürdig das in diesem Kontext klingen mag – man härtet ab. Bei den ersten Alarmen sind wir noch aufgeregt in den Bunker gelaufen, wo wir zehn Minuten verunsicherten Wartens verbracht haben. Mittlerweile laufen wir natürlich immer noch in den Bunker, aber mehr als verunsichert ist man genervt, dass man bei was auch immer unterbrochen wurde und sich jetzt schon wieder hier einfinden muss.

Die Tel Aviknis hingegen haben eine Art Gleichgültigkeit entwickelt, verlassen sich auf den Iron Dome und verweisen darauf, dass die Wahrscheinlichkeit, von Raketenteilen getroffen zu werden, doch sehr sehr gering ist. Vorgestern Abend waren wir in einem Restaurant in Tel Aviv, als der für mich an diesem Tag zweite Alarm losging. Da laute Musik lief, hörten wir ihn zuerst gar nicht und wurden erst darauf aufmerksam, als einer der Kellner in einem sehr ruhigen Tonfall, der schon ins Spöttische überging, verkündete, wir seien herzlichen eingeladen, in den Bunker zu gehen. Fast keiner erhob sich und als wir nach zehn Minuten aus dem staubigen Bunker zurückkamen, redeten, aßen und tranken alle anderen Gäste weiterhin völlig ungerührt. In den Bunkern kommt man mit Leuten leicht ins Gespräch, tauscht sich darüber aus, wo man bei welchem Alarm war und was man generell von allem hält. Meistens zählt man gemeinsam die Explosionen (Od Bummim, noch mehr Bumms, ist einer der am häufigsten gehörten Sätze zur Zeit.) Auf Facebook werden dann im Bunker aufgenommene Fotos veröffentlicht oder per Whatsapp an Freunde weitergeleitet. Erschreckte und verängstigte Gesichter? Fehlanzeige!


Trotzdem laufen den ganzen Tag über im Fernsehen Nachrichten und Talkshows, in denen irgendwelche Ex-Generäle und andere ranghohe Militärs ihre Prognosen und Einschätzungen austauschen. Wie lange die Bodenoffensive im Gaza-Streifen andauern wird und wie es in der Region danach weitergehen soll, weiß keiner so wirklich. Einige der zukünftigen Volontäre, die in unsere Fußstapfen treten und uns ab August in unseren Projekten beerben sollten, sind auf Grund der Entwicklungen abgesprungen oder sind zumindest stark verunsichert. Das ist sehr gut nachvollziehbar in dieser unübersichtlichen Zeit. Es ist furchtbar, wie die Situation dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist und wie viele Zivilisten jeden Tag ums Leben kommen. Und manchmal beim Nachrichtenschauen muss ich mir klarmachen, dass das alles gar nicht weit von uns entfernt stattfindet. In diesem trügerisch normalen Alltag und der Stille zwischen zwei Alarmen vergisst man das leicht.

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