Make Hummus Not Walls

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Sonntag, 6. Juli 2014

Letztes Seminar oder: Fußball, Kunst und ein Waldbrand

Kunstmarkt in Haifa

Shalom chaverim,

in den letzten Wochen haben sich nach und nach Volontäre verabschiedet: für viele endet jetzt schon das halbe bzw. ganze Jahr und mit jeder Verabschiedung rückt auch das eigene Ende des Jahres näher. Vorher allerding will ich noch einiges erleben – es sind immerhin noch fast sieben Wochen!

Wasserski-Fahrer in Tel Aviv
Für Johanna, unsere Mitfreiwillige, ging es allerdings schon am Dienstag zurück nach Deutschland. In Beit Perry gab es eine kleine Abschiedsparty und die Friends lasen ihre selbstgeschriebenen Briefe vor, wenn man sie denn als solche bezeichnen kann J. Am Tag vor Johannas Abreise fuhren wir zusammen mit ihr und einer anderen Freundin nach Tel Aviv in den Menachem Begin Park zum Wasserskifahren, was Judith und ich vor über einem halben Jahr schon einmal gemacht haben. In Anbetracht des Tatsache, dass wir das letzte Mal fünf Tage unter wirklich schmerzhaften Muskelkater gelitten hatten, fuhren wir dieses Mal nur eine statt zwei Stunden – meine Arme habe ich trotzdem noch tagelang gespürt…

Am Morgen nach Johannas Abreise fuhren Judith, Aviva und ich mit 15 anderen Volontären auf unser wahrscheinlich letztes Seminar in Haifa mit dem Thema „Kunst und Kultur.“ Der israelischen Kultur – und zwar sowohl der jüdischen als auch der arabischen – in nur drei Tagen gerecht zu werden, ist eigentlich nicht machbar, aber wir erhielten zumindest ein paar interessante Einblicke: in dem ersten Vortrag ging es beispielsweise um die fünf großen Einwanderungswellen nach Israel. Jede der eintreffenden Gruppen – ob aus Osteuropa, Nordafrika oder Zentraleuropa, stellte eine Bereicherung für die Entwicklung der israelischen Gesellschaft und ihrer Kultur dar – trotzdem wurde jede eintreffende Welle von der zuvor eingetroffenen kritisch beäugt und die Juden verhielten sich alles andere als einladend und solidarisch.

In einem zweiten Vortrag ging es um die arabischen Kultur, bei der wiederum zwischen der arabisch-christlichen und der arabisch-muslimischen differenziert werden muss. Einen wichtigen Teil der arabischen Kultur bildet der Tanz, und so hatten wir am Abend zuerst einen Vortrag und dann einen Workshop zum Thema arabischer Bauchtanz. Wahrscheinlich haben wir Deutschen das ein oder andere Cliché bedient, als wir ziemlich versteift und ungelenk versuchten, die Bewegungen nachzumachen….





Die von Erik Brauer gestaltete Kastra-Mall in Haifa; hier also
wohnt der Weihnachtsmann: Haus im Wadi Nisnas; das
Atelier der Künsterlin Aviva Shemer

Der zweiten Tag war Ausflugtag: zuerst besuchten wir das arabisch-jüdische Kulturzentrum in Haifa und hatten dann eine Führung durch das Wadi Nisnas, einem etwas heruntergekommenen Teil der Stadt, in dem jüdische und arabische Künstler ihre Werke verstreut ausstellen.  
Später ging es in ein Einkaufszentrum, das von dem jüdischen Künstler Erik Brauer gestaltet wurde. Erik Brauer ist einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus und hat in diesem Stil die Fassade und die Kuppel der Kastra Mall gestaltet.

Blick auf Haifa
Am Nachmittag fuhren wir in das Künsterldorf Ein Hod, in dem ich schon einmal bei einem anderen Seminar war und über das ich damals auch ausführlich berichtet habe.
Am Abend wurde wieder getanzt, diesmal stellten wir uns aber etwas besser an, da israelische Volkstänze doch etwas einfacher sind als israelischer Bauchtanz…
Nach einem Besuch des Ateliers der Künstlerin Aviva Shemer, deren Kunst von der Kabbalah, der jüdischen Mystik, beeinflusst wird, und einer Auswertungsrunde endete das Seminar in Haifa.

Von Haifa aus hatten Aviva und ich direkt nach Tel Aviv fahren wollen, wo eine öffentliche Wasserschlacht auf dem Habima Square stattfand, doch aus Haifa kamen wir so schnell nicht weg: die Züge fuhren nicht mehr, da es einen Brand gegeben hatten und Busse und Sheruts waren entsprechend überfüllt. Als wir dann doch einen Bus bekamen und südlich von Haifa am Meer entlang fuhren, konnten wir es selber aus nächster Nähe sehen: schlimme Waldbrände, wie man sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Helikopter kamen mit Planen voller Wasser an, die sie über dem Wald öffneten. Vor vier Jahren gab es in der Region die schlimmsten Waldbrände, die Israel je erlebt hat und die immer noch stark sichtbare Spuren hinterlassen haben. Kann man nur hoffen, dass es nicht noch heißer wird und es zu einem ähnlichen Desaster kommt…


Als wir endlich in Tel Aviv ankamen war es auch schon Zeit für das Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich, das natürlich auch in Israel verfolgt wurde. Das Goethe-Institut mietet jedes Mal eine Bar an, die mit Deutschland-Fahnen geschmückt wird und auch das Publikum ist fast ausschließlich deutsch. Der ein oder andere Volontär ist auch immer dabei…


Public Viewing am Frishman Beach in Tel Aviv

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