| Kunstmarkt in Haifa |
Shalom chaverim,
in den letzten Wochen haben sich nach und nach Volontäre
verabschiedet: für viele endet jetzt schon das halbe bzw. ganze Jahr und mit
jeder Verabschiedung rückt auch das eigene Ende des Jahres näher. Vorher
allerding will ich noch einiges erleben – es sind immerhin noch fast sieben
Wochen!
| Wasserski-Fahrer in Tel Aviv |
Für Johanna, unsere Mitfreiwillige, ging es allerdings schon
am Dienstag zurück nach Deutschland. In Beit Perry gab es eine kleine
Abschiedsparty und die Friends lasen ihre selbstgeschriebenen Briefe vor, wenn
man sie denn als solche bezeichnen kann J.
Am Tag vor Johannas Abreise fuhren wir zusammen mit ihr und einer anderen
Freundin nach Tel Aviv in den Menachem Begin Park zum Wasserskifahren, was
Judith und ich vor über einem halben Jahr schon einmal gemacht haben. In
Anbetracht des Tatsache, dass wir das letzte Mal fünf Tage unter wirklich
schmerzhaften Muskelkater gelitten hatten, fuhren wir dieses Mal nur eine statt
zwei Stunden – meine Arme habe ich trotzdem noch tagelang gespürt…
Am Morgen nach Johannas Abreise fuhren Judith, Aviva und ich
mit 15 anderen Volontären auf unser wahrscheinlich letztes Seminar in Haifa mit
dem Thema „Kunst und Kultur.“ Der israelischen Kultur – und zwar sowohl der
jüdischen als auch der arabischen – in nur drei Tagen gerecht zu werden, ist
eigentlich nicht machbar, aber wir erhielten zumindest ein paar interessante
Einblicke: in dem ersten Vortrag ging es beispielsweise um die fünf großen
Einwanderungswellen nach Israel. Jede der eintreffenden Gruppen – ob aus
Osteuropa, Nordafrika oder Zentraleuropa, stellte eine Bereicherung für die
Entwicklung der israelischen Gesellschaft und ihrer Kultur dar – trotzdem wurde
jede eintreffende Welle von der zuvor eingetroffenen kritisch beäugt und die
Juden verhielten sich alles andere als einladend und solidarisch.
In einem zweiten Vortrag ging es um die arabischen Kultur,
bei der wiederum zwischen der arabisch-christlichen und der arabisch-muslimischen
differenziert werden muss. Einen wichtigen Teil der arabischen Kultur bildet
der Tanz, und so hatten wir am Abend zuerst einen Vortrag und dann einen
Workshop zum Thema arabischer Bauchtanz. Wahrscheinlich haben wir Deutschen das
ein oder andere Cliché bedient, als wir ziemlich versteift und ungelenk
versuchten, die Bewegungen nachzumachen….
| Die von Erik Brauer gestaltete Kastra-Mall in Haifa; hier also wohnt der Weihnachtsmann: Haus im Wadi Nisnas; das Atelier der Künsterlin Aviva Shemer |
Der zweiten Tag war Ausflugtag: zuerst besuchten wir das
arabisch-jüdische Kulturzentrum in Haifa und hatten dann eine Führung durch das
Wadi Nisnas, einem etwas heruntergekommenen Teil der Stadt, in dem jüdische und
arabische Künstler ihre Werke verstreut ausstellen.
Später ging es in ein Einkaufszentrum, das von dem jüdischen
Künstler Erik Brauer gestaltet wurde. Erik Brauer ist einer der Hauptvertreter
der Wiener Schule des Phantastischen Realismus und hat in diesem Stil die
Fassade und die Kuppel der Kastra Mall gestaltet.
| Blick auf Haifa |
Am Nachmittag fuhren wir in das Künsterldorf Ein Hod, in dem
ich schon einmal bei einem anderen Seminar war und über das ich damals auch
ausführlich berichtet habe.
Am Abend wurde wieder getanzt, diesmal stellten wir uns aber
etwas besser an, da israelische Volkstänze doch etwas einfacher sind als
israelischer Bauchtanz…
Nach einem Besuch des Ateliers der Künstlerin Aviva Shemer,
deren Kunst von der Kabbalah, der jüdischen Mystik, beeinflusst wird, und einer
Auswertungsrunde endete das Seminar in Haifa.
Von Haifa aus hatten Aviva und ich direkt nach Tel Aviv
fahren wollen, wo eine öffentliche Wasserschlacht auf dem Habima Square
stattfand, doch aus Haifa kamen wir so schnell nicht weg: die Züge fuhren nicht
mehr, da es einen Brand gegeben hatten und Busse und Sheruts waren entsprechend
überfüllt. Als wir dann doch einen Bus bekamen und südlich von Haifa am Meer
entlang fuhren, konnten wir es selber aus nächster Nähe sehen: schlimme
Waldbrände, wie man sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Helikopter kamen mit
Planen voller Wasser an, die sie über dem Wald öffneten. Vor vier Jahren gab es
in der Region die schlimmsten Waldbrände, die Israel je erlebt hat und die
immer noch stark sichtbare Spuren hinterlassen haben. Kann man nur hoffen, dass
es nicht noch heißer wird und es zu einem ähnlichen Desaster kommt…
Als wir endlich in Tel Aviv ankamen war es auch schon Zeit
für das Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich, das natürlich auch in Israel
verfolgt wurde. Das Goethe-Institut mietet jedes Mal eine Bar an, die mit
Deutschland-Fahnen geschmückt wird und auch das Publikum ist fast
ausschließlich deutsch. Der ein oder andere Volontär ist auch immer dabei…
| Public Viewing am Frishman Beach in Tel Aviv |


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