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| So grün! Im Kibbuz Capri, ganz hinten sieht man das Meer |
Shalom
chaverim,
es
ist ein ganz komische Gefühl, in Bonn zu sitzen und über die Erlebnisse in
Israel zu berichten, als seien sie gestern erst passiert. Genauso merkwürdig
ist es aber auch, die Nachrichten im Internet zu verfolgen und – als die
Raketen noch flogen – nachzulesen, wo gerade Alarm ist und wo die Menschen in
den Bunker laufen müssen. Während unseres Rückkehrseminars vibrierten noch
ständig unsere Handys, auf denen die App „Zewa Adom“ (Alarmstufe rot) den in
Israel lebenden Menschen anzeigt, wo gerade die Sirenen ertönen. Bei jeder
Handy-Vibration zuckten wir zusammen und waren beruhigt, wenn wir lasen, dass
Tel Aviv, Ra’anana, Ramat HaSharon, Rishon LeZion und all die anderen Städte,
in denen wir ein Jahr lang verbrachten haben und in denen sich unsere Freunde immer
noch befinden, nicht betroffen waren.
Seit
ich zurück bin, zucke ich – obwohl ich schon fast zwei Wochen wieder hier bin
und in Israel Waffenstillstand herrscht -
noch regelmäßig zusammen, wenn ich mal wieder für den Bruchteil einer Sekunde denke,
dass gerade ein Alarm losgeht: ein Autohupen, ein Geräusch im Radio, ein tief
fliegendes Flugzeug: ziemlich vieles gleicht einer Sirene und versetzt mich für
einen kurzen Moment in Schrecken. Trotzdem bin ich erstaunt, wie spurlos die
Krisensituation doch an mir vorbei gegangen ist, gerade, wenn ich mich mit
anderen Volontären vergleiche, die immer noch Schlafprobleme haben und sich
allgemein noch unwohl fühlen. Erst in Deutschland habe ich aber auch gemerkt,
wie schwierig die Situation für meine Familie und meine Freunde war, die mich einerseits darin unterstützen wollten,
mein Jahr auf geplante Weise zu beenden, sich andrerseits – und das nicht ohne
Grund – auch starke Sorgen gemacht haben. Ihr Vertrauen war sehr hilfreich und
hat mich in meiner – letztendlich wohl richtigen – Entscheidung zu bleiben,
bestärkt.
Wenn
mich hingegen Leute, mit denen ich das Jahr über keinen Kontakt hatte und die
mich kaum kennen, fragen, was ich das letzte Jahr denn so gemacht habe und ich
antworte, dass ich in Israel war, so geht das Gespräch mit ziemlicher
Sicherheit in die eine Richtung: die Leute fragen, wie es denn war, einen Krieg
mitzuerleben, wie oft ich im Bunker war, ob ich Angst hatte, was meine Prognose
für den aktuellen Waffenstillstand ist… Ich mache niemandem einen Vorwurf, denn
hat man keinen Bezug zu Israel und entnimmt sein Wissen über das Land den
Nachrichten der letzten Wochen, so hat man eben auch das Gefühl, dass in Israel
der Krieg das dominierende Element ist. Aber mein Jahr definiert sich ganz und
gar nicht über den Krieg, die Sirenen und das Warten auf Waffenstillstand. Die
Autisten, das Leben in Beit Perry, meine Freunde vor Ort, das viele Reisen, all
die außergewöhnlichen Orte, die ich gesehen und ins Herz geschlossen habe,
werden letztendlich wohl das sein, was von diesem Jahr bleibt.
| Bedürftige bei der Essens-Ausgabe; eines der Vorrats-Regale |
Die
letzten 1,5 Wochen in Israel waren natürlich geprägt von Verabschiedungen:
ständig sagte man Leuten tschüss, um sich zumindest schon verabschiedet zu
haben, und dann sah man sie doch noch wieder.
Meine letzte Schicht hatte ich am Montag, neun Tage vor Abflug. Von den
Friends musste ich mich an dieser Stelle allerdings noch nicht verabschieden,
da die Abschiedsfeier mit ihnen noch ausstand und ich ja sowieso noch bis zum
Ende in Beit Perry lebte.
Den
darauf folgenden Tag verbrachte ich noch einmal in Netanya, wo diesmal auch
Judith bei der Essensausgabe für Holocaust-Überlebende und andere Bedürftige mithalf.
Es machte, wie auch schon das Mal zuvor, großen Spaß, aber es war auch deutlich
anstrengender, da wir weniger Freiwillige waren. Ich hoffe sehr, dass sich in
den kommenden Wochen und Monaten immer genug Helfer finden werden, damit dieses
tolle Projekt auch weiterhin noch reibungslos ablaufen kann.
Theoretisch
hatte ich schon am Mittwoch – also genau eine Woche vor Abflug – packen wollen,
da die letzten Tage dermaßen zugeplant und voll waren. Spontan ließ ich mich
aber überreden, doch noch mit auf den Geburtstag einer Volontärin zu kommen.
Ich traf Aviva, Nadja (das Geburtstagskind), eine Freundin von ihr aus
Deutschland und Fiona im Kibbuz Shefayim, der etwas nördlich von Herzliya
gelegen ist. Dort gibt es einen riesigen Wasserpark, in dem sich hauptsächlich kleine
Kinder und Schüler in ihren Schulferien vergnügen, aber auch wir haben von
unserem Ausländer-Vorteil profitiert (fast keiner kennt einen und eigentlich
niemand versteht, was man sagt) und hatten unseren Spaß. Am Abend haben wir in
Tel Aviv Sushi gegessen und Nadja noch etwas gefeiert – sie verlängert und wird
noch ein paar weitere Monate in Israel bleiben.
| Der Wasserpark des Kibbuz Shefayim |
Auch
den Donnerstag und Freitag habe ich in Tel Aviv verbracht, unter anderem wieder
einmal in dem schicken und direkt am Meer gelegenen Gordon Pool, der auch über
einen sehr schönen Wellness-Bereich verfügt – an sich würde ich mir als sog.
„Arme Volontärin“ so einen Luxus niemals gönnen, da Michael aber Mitglied in
dem angeschlossenen Fitness-Club ist, kamen wir immer kostenlos rein.
Am
nächsten Tag fuhren Michael und ich wieder in den Norden, genauer gesagt in den
Kibbuz Capri zu einer Ausstellungseröffnung, bei der auch Michaels Eltern –
beides Künstler – Werke ausstellten:
Den
gesamten Nachmittag verbrachten wir an einem Strand in der Nähe von Haifa.
Südlich der Stadt gibt es endlose Sandstrände, die allerdings kein Geheimtipp
sind. Familien und Ausflügler wissen um die Schönheit der Strände und kommen
aus der ganzen Region hierher. Je weiter südlich man sich befindet, desto
leerer wird es. Es ist ein wirklich tolles Erlebnis, im Wasser zu schwimmen,
zuzusehen, wie die rosane Sonne im Meer versinkt und gleichzeitig das
Karmel-Gebirge hinter einem zum Leuchten bringt. Und wenn man aus dem Wasser
kommt, ist es nicht einmal kalt!
Am
Abend waren wir bei einem Event in Haifa, das Konzert und Ausstellung in einem
war. Designer aus Israel stellten ihre Kreationen aus, die man kaufen konnte.
Außerdem wurde ein Film gezeigt und man konnte sich hinsetzen und essen. Außer
uns waren noch ein paar Freunde von Michael aus Tel Aviv dabei, die alle etwas
überrascht waren, dass es auch in Haifa solche Veranstaltungen gibt („Haifa kann
ja auch cool sein“) – Leute aus Tel Aviv behaupten nämlich immer, nur in ihrer
Stadt gäbe es ein attraktives Nachtleben….
An
dieser Stelle mache ich einen Schnitt, da der Eintrag sonst zu lang wird. Von
den restlichen vier Tagen in Israel werde ich ein andermal berichten!
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| Am Strand südlich von Haifa - einige Stunden vor Sonnenuntergang |






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