Make Hummus Not Walls

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Montag, 1. September 2014

Planschen im Kibbuz oder: Erste Abschiede

So grün! Im Kibbuz Capri, ganz hinten sieht man das Meer

Shalom chaverim,

es ist ein ganz komische Gefühl, in Bonn zu sitzen und über die Erlebnisse in Israel zu berichten, als seien sie gestern erst passiert. Genauso merkwürdig ist es aber auch, die Nachrichten im Internet zu verfolgen und – als die Raketen noch flogen – nachzulesen, wo gerade Alarm ist und wo die Menschen in den Bunker laufen müssen. Während unseres Rückkehrseminars vibrierten noch ständig unsere Handys, auf denen die App „Zewa Adom“ (Alarmstufe rot) den in Israel lebenden Menschen anzeigt, wo gerade die Sirenen ertönen. Bei jeder Handy-Vibration zuckten wir zusammen und waren beruhigt, wenn wir lasen, dass Tel Aviv, Ra’anana, Ramat HaSharon, Rishon LeZion und all die anderen Städte, in denen wir ein Jahr lang verbrachten haben und in denen sich unsere Freunde immer noch befinden, nicht betroffen waren.

Seit ich zurück bin, zucke ich – obwohl ich schon fast zwei Wochen wieder hier bin und in Israel Waffenstillstand herrscht  - noch regelmäßig zusammen, wenn ich mal wieder für den Bruchteil einer Sekunde denke, dass gerade ein Alarm losgeht: ein Autohupen, ein Geräusch im Radio, ein tief fliegendes Flugzeug: ziemlich vieles gleicht einer Sirene und versetzt mich für einen kurzen Moment in Schrecken. Trotzdem bin ich erstaunt, wie spurlos die Krisensituation doch an mir vorbei gegangen ist, gerade, wenn ich mich mit anderen Volontären vergleiche, die immer noch Schlafprobleme haben und sich allgemein noch unwohl fühlen. Erst in Deutschland habe ich aber auch gemerkt, wie schwierig die Situation für meine Familie und meine Freunde war,  die mich einerseits darin unterstützen wollten, mein Jahr auf geplante Weise zu beenden, sich andrerseits – und das nicht ohne Grund – auch starke Sorgen gemacht haben. Ihr Vertrauen war sehr hilfreich und hat mich in meiner – letztendlich wohl richtigen – Entscheidung zu bleiben, bestärkt.

Wenn mich hingegen Leute, mit denen ich das Jahr über keinen Kontakt hatte und die mich kaum kennen, fragen, was ich das letzte Jahr denn so gemacht habe und ich antworte, dass ich in Israel war, so geht das Gespräch mit ziemlicher Sicherheit in die eine Richtung: die Leute fragen, wie es denn war, einen Krieg mitzuerleben, wie oft ich im Bunker war, ob ich Angst hatte, was meine Prognose für den aktuellen Waffenstillstand ist… Ich mache niemandem einen Vorwurf, denn hat man keinen Bezug zu Israel und entnimmt sein Wissen über das Land den Nachrichten der letzten Wochen, so hat man eben auch das Gefühl, dass in Israel der Krieg das dominierende Element ist. Aber mein Jahr definiert sich ganz und gar nicht über den Krieg, die Sirenen und das Warten auf Waffenstillstand. Die Autisten, das Leben in Beit Perry, meine Freunde vor Ort, das viele Reisen, all die außergewöhnlichen Orte, die ich gesehen und ins Herz geschlossen habe, werden letztendlich wohl das sein, was von diesem Jahr bleibt.

So chaverim, dieser Blog-Eintrag läuft in eine ganz andere Richtung, als ich das eigentlich geplant hatte, und bevor ich mich jetzt völlig in Nostalgie verliere, komme ich zu dem, über das ich eigentlich schreiben wollte: die letzten 1,5 Wochen.

Bedürftige bei der Essens-Ausgabe;
eines der Vorrats-Regale
Die letzten 1,5 Wochen in Israel waren natürlich geprägt von Verabschiedungen: ständig sagte man Leuten tschüss, um sich zumindest schon verabschiedet zu haben, und dann sah man sie doch noch wieder.  Meine letzte Schicht hatte ich am Montag, neun Tage vor Abflug. Von den Friends musste ich mich an dieser Stelle allerdings noch nicht verabschieden, da die Abschiedsfeier mit ihnen noch ausstand und ich ja sowieso noch bis zum Ende in Beit Perry lebte.

Den darauf folgenden Tag verbrachte ich noch einmal in Netanya, wo diesmal auch Judith bei der Essensausgabe für Holocaust-Überlebende und andere Bedürftige mithalf. Es machte, wie auch schon das Mal zuvor, großen Spaß, aber es war auch deutlich anstrengender, da wir weniger Freiwillige waren. Ich hoffe sehr, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten immer genug Helfer finden werden, damit dieses tolle Projekt auch weiterhin noch reibungslos ablaufen kann.


Theoretisch hatte ich schon am Mittwoch – also genau eine Woche vor Abflug – packen wollen, da die letzten Tage dermaßen zugeplant und voll waren. Spontan ließ ich mich aber überreden, doch noch mit auf den Geburtstag einer Volontärin zu kommen. Ich traf Aviva, Nadja (das Geburtstagskind), eine Freundin von ihr aus Deutschland und Fiona im Kibbuz Shefayim, der etwas nördlich von Herzliya gelegen ist. Dort gibt es einen riesigen Wasserpark, in dem sich hauptsächlich kleine Kinder und Schüler in ihren Schulferien vergnügen, aber auch wir haben von unserem Ausländer-Vorteil profitiert (fast keiner kennt einen und eigentlich niemand versteht, was man sagt) und hatten unseren Spaß. Am Abend haben wir in Tel Aviv Sushi gegessen und Nadja noch etwas gefeiert – sie verlängert und wird noch ein paar weitere Monate in Israel bleiben.

Der Wasserpark des Kibbuz Shefayim
Und noch ein Schwimmbad: der Gordon Pool

Auch den Donnerstag und Freitag habe ich in Tel Aviv verbracht, unter anderem wieder einmal in dem schicken und direkt am Meer gelegenen Gordon Pool, der auch über einen sehr schönen Wellness-Bereich verfügt – an sich würde ich mir als sog. „Arme Volontärin“ so einen Luxus niemals gönnen, da Michael aber Mitglied in dem angeschlossenen Fitness-Club ist, kamen wir immer kostenlos rein.

Am nächsten Tag fuhren Michael und ich wieder in den Norden, genauer gesagt in den Kibbuz Capri zu einer Ausstellungseröffnung, bei der auch Michaels Eltern – beides Künstler – Werke ausstellten:






Den gesamten Nachmittag verbrachten wir an einem Strand in der Nähe von Haifa. Südlich der Stadt gibt es endlose Sandstrände, die allerdings kein Geheimtipp sind. Familien und Ausflügler wissen um die Schönheit der Strände und kommen aus der ganzen Region hierher. Je weiter südlich man sich befindet, desto leerer wird es. Es ist ein wirklich tolles Erlebnis, im Wasser zu schwimmen, zuzusehen, wie die rosane Sonne im Meer versinkt und gleichzeitig das Karmel-Gebirge hinter einem zum Leuchten bringt. Und wenn man aus dem Wasser kommt, ist es nicht einmal kalt!

Am Abend waren wir bei einem Event in Haifa, das Konzert und Ausstellung in einem war. Designer aus Israel stellten ihre Kreationen aus, die man kaufen konnte. Außerdem wurde ein Film gezeigt und man konnte sich hinsetzen und essen. Außer uns waren noch ein paar Freunde von Michael aus Tel Aviv dabei, die alle etwas überrascht waren, dass es auch in Haifa solche Veranstaltungen gibt („Haifa kann ja auch cool sein“) – Leute aus Tel Aviv behaupten nämlich immer, nur in ihrer Stadt gäbe es ein attraktives Nachtleben….

An dieser Stelle mache ich einen Schnitt, da der Eintrag sonst zu lang wird. Von den restlichen vier Tagen in Israel werde ich ein andermal berichten!

Am Strand südlich von Haifa - einige Stunden vor Sonnenuntergang

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