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| Das Bild sagt, denke ich, alles: das Leben in der Tel Aviver "Blase" geht ganz normal weiter... |
Shalom chaverim,
ja, ich weiß: es ist lang her! Die lange Unterbrechung liegt
nicht daran, dass nichts Neues passiert wäre (wer die Nachrichten im Fernsehen
verfolgt, weiß, dass in kaum einer Region der Welt gerade so ich viel passiert
wie hier), sondern daran, dass ich in weniger als zwei Wochen ausreisen werde.
In dieser kurzen Zeit will man natürlich noch so allerhand sehen, jede Menge
Leute ein letztes Mal treffen und sich von lieb gewonnenen Dingen und Orten
verabschieden. Der Countdown bis zu meiner Rückreise läuft…
| Ob das nur für ultra-orthodoxe Familien gilt? Eltern-sollen- ihre-Kinder-an-die-Hand-nehmen-Hinweis in Tel Aviv |
Wie Ihr sicherlich festgestellt habt, bin ich in den letzten
Wochen kaum verreist, was a) daran liegt, dass ich auf meiner Liste der Dinge,
die ich hier unbedingt sehen wollte, eigentlich alles abgehakt habe, b)
momentan äußerst unruhige Zeiten sind und die Region, in der ich lebe, wohl
noch eine der sichersten ist und c) es unglaublich heiß ist und man sich jeden
Schritt doppelt überlegt.
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| Blick von der Promenade Richtung Yafo |
Eine der Sachen, die ich allerdings noch unbedingt machen
wollte, habe ich mir trotzdem nicht nehmen lassen: einmal die wunderschöne
Strandpromenade von Tel Aviv entlang joggen. Gestern Abend war ich bei meinem
israelischen Freund (der praktischerweise fünf Minuten vom Meer entfernt wohnt)
und da es den ganzen Tag über zu heiß war, sind wir eben um zwei Uhr nachts
losgelaufen. Warm war es immer noch, aber vom Meer her kam ein angenehmer Wind
und man musste nicht ständig den grünen Miet-Fahrrädern oder rücksichtslosen
Touristen ausweichen.
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| Auf einem Konzert in Tel Aviv |
Apropos Ra‘anana: in den letzten Wochen habe ich jeweils nur noch drei Schichten gearbeitet, um die letzte Zeit hier optimal nutzen zu können und mich langsam von den Friends zu verabschieden. Die sechs sind mir in dem Jahr unglaublich ans Herz gewachsen und auch wenn wir sie als Friends bezeichnen, habe ich eher mütterliche als freundschaftliche Gefühle für sie. Ich helfe ihnen beim Nägelschneiden, ermahne sie, wenn sie sich bekleckern oder ihre Suppe schlürfen und mache mir Sorgen, wenn Hagai schon wieder so nervös ist, dass er nicht mehr einschlafen kann…
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Mit
einer Freundin - die übrigens auch Charlotte heißt -
am Strand. Israelische Freunde haben uns erklärt, dass das Buch "Das doppelte Lottchen" im Hebräischen allerdings "Die doppelte Ora" heißt. |
Jetzt aber noch ein paar Worte zur momentanen Lage: es sieht
tatsächlich so aus, als würde die vereinbarte 3-tägige Waffenruhe anhalten.
Würde einer Verlängerung zugestimmt, gäbe es auch mehr Zeit, sich zumindest
vorerst zu einigen. Die Reservisten kehren erschöpft zurück und ganz Israel
merkt man die Erleichterung an.
Trotzdem: selbst wenn die Waffenruhe verlängert
wird, Soldaten nicht mehr kämpfen und man zu einer Einigung kommt: Frieden
herrscht hier noch lange nicht. Es gibt – und das habe ich in dem Jahr hier
immer wieder festgestellt – sehr viele Hindernisse für einen dauerhaften
Frieden: wie kann man es hinbekommen, dass die Menschen im Gaza-Streifen freier
und selbstbestimmter leben können, ohne dass dadurch Israels Sicherheit
gefährdet wird? Und wie sieht es im Westjordanland aus? Kann die Besatzung
einfach so aufgeben werden ohne Israel angreifbarer zu machen? Und was ist mit
Jerusalem? Wem gehört die Stadt, wessen Hauptstadt soll sie sein und wie kann
man garantieren, dass Anhänger aller Religionen Zugang zu ihr haben ohne dass
Gewalt ausbricht? Was soll mit den Siedlungen passieren? Wie sollen die Grenzen
verlaufen? Was passiert mit den palästinensischen Flüchtlingen, die in Camps im
Gaza-Streifen, im Westjordanland, aber auch zum Beispiel in Jordanien leben?
Inwieweit können sie nach Israel zurückkehren?
Eine Lösung für all diese Fragen wäre überfällig und ich
selber kann keine einzige beantworten. Da das hier kein politischer Blog ist,
möchte ich dazu auch nicht Stellung beziehen. Klar ist aber, dass es auf beiden
Seiten engagierte, kompromissbereite und mutige Politiker geben müsste, die
sich auf Rückhalt in ihrer Bevölkerung verlassen können und die bereit sind,
einen Schritt auf die anderen zuzugehen.
Denn auch, wenn die nächsten Monate erst einmal keine
Raketen mehr fliegen werden: der Status-Quo ist für alle unhaltbar.




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